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Phillip Parker hat sich am Freitag im Elternhaus umgebracht

In Tennessee hat sich ein 14-jähriger Schüler das Leben genommen, vermutlich weil er von Gleichaltrigen wegen seiner Homosexualität gemobbt worden war. Die Eltern erheben nun
schwere Vorwürfe gegen die Schulleitung.

Der 14-jährige Phillip Parker hat am Freitag im Elternhaus in der Kleinstadt Carthage nahe Nashville Selbstmord verübt. Seine Eltern und Großeltern fanden die Leiche des Schülers am späten Nachmittag, berichtet der Lokalsender WTVF. In einem nahe gelegenen Mülleimer fanden sie später einen Zettel mit der Aufschrift: "Bitte hilf mir, Mama".

Die Familie des Jungen ist überzeugt, dass Mobbing in der Schule den 14-Jährigen so sehr zugesetzt habe, dass er keinen Ausweg mehr sah: "Weil er schwul war, wurde er körperlich und seelisch von vielen Leuten an der Schule misshandelt", erklärte sein Großvater Paul Harris am Wochenende. "Philip war ein so liebenswürdiger Mensch, dass er sich die Sache so sehr zu Herzen genommen hat. Er hat sich getötet, um dem Leid zu entfliehen."

Die Mutter des Toten sagte, erst nach dem Selbstmord hätten ihr Schüler der Gordonsville High School von systematischem Mobbing gegen ihren Sohn berichtet. "Ich hätte sehen müssen, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Aber er schien immer glücklich zu sein", sagte Gena Parker. Sie kritisierte die Schulleitung, weil kein einziger Lehrer jemals über die Übergriffe auf Phillip mit ihr gesprochen habe.

In den USA gibt es immer öfter Meldungen über Teenager, die sich wegen Mobbings aufgrund ihrer (teils vermeintlichen) sexuellen Orientierung das Leben genommen haben. So gab es im Bundesstaat Tennessee erst vor einem Monat den Bericht über den Selbstmord eines schwulen Schülers (queer.de berichtete). In diesem Jahr nahmen sich mit Eric James Borges und Jeffrey Fehr bereits zwei Teenager aus Kalifornien nach Mobbing wegen ihrer sexuellen Orientierung das Leben.

In Tennessee kommt erschwerend hinzu, dass das äußerst konservative Parlament derzeit die Rechte von Schwulen und Lesben beschneiden will. So liegt ein Gesetzentwurf im Parlament, der das Anti-Mobbing-Gesetz lockern soll. Demnach wird Mobbing gegenüber Schwulen und Lesben an Schulen erlaubt, wenn sich der Mobbende auf seinen religiösen Glauben beruft (queer.de berichtete). Zudem hat der Senat das so genannte "Don't say Gay"-Gesetz beschlossen, das die Erwähnung von Homosexualität im Unterricht praktisch verbietet (queer.de berichtete).

Für Jugendliche, die in Deutschland Probleme mit ihrem Coming-out haben, gibt es zahlreiche LGBT-Jugendgruppen und -zentren (eine nicht mehr ganz aktuelle Übersicht, ggf. mal googeln). Auch mehrere Webseiten, etwa dbna (Du bist nicht allein) oder die des bundesweiten Jugendnetzwerks Lambda, richten sich gezielt an junge Schwule und Lesben. (dk)



#1 Geert
  • 23.01.2012, 13:12h
  • Eine Gesellschaft, die einen 14-jährigen zum schwulen Coming-Out treibt, hat eine Mitschuld an einem solchen Selbstmord.
    Ein 14jähriger kann doch die Konsequenzen eines solchen Outings noch gar nicht überblicken. Wahrscheinlich wurde ihm entweder direkt oder indirekt durch die Medien eingeredet, er müsse "stolz" auf sein Schwulsein sein und nach einem Coming Out werde alles gut. Wahrscheinlich war er zutiefst geschockt, dass nach dem Outing das genaue Gegenteil eintrat.
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#2 florianAnonym
  • 23.01.2012, 13:33h
  • eine frage an lehrer:
    kriegt man das nicht mit wenn ein schüler von andern schülern gemobbt wird?
    hat man angst sich einzumischen als lehrer weil man selber nicht sein image als "cooler" lehrer verlieren will?

    wie blind kann man sein das man nicht sieht was um ein herum im unterricht und den pausen geschieht?
    warum helt "ihr"als erwachsene nicht den gemobbten schülern?
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#3 FreudAnonym
#4 EnyyoAnonym
  • 23.01.2012, 13:54h
  • Antwort auf #2 von florian
  • Manche Lehrer bekommen sicher mit, dass da ein Schüler gemobbt wird - aber entweder ist's die Geschichte mit der Coolness, die Du vermutest, oder diese Lehrer sagen zwar mal was, das verhallt aber ungehört bzw. bringt nur kurzfristig Besserung.

    Zumindest war das bei mir vor gut 35 Jahren schon so: Schwulsein war noch kein Thema, ich war trotzdem ein Außenseiter, der oft nicht gut behandelt wurde. Wäre heraus gekommen, dass ich schwul bin, hätte ich mir damals vermutlich auch was angetan.

    Im Lauf der Jahre haben ein paar wenige Pädagogen versucht, meine Situation zu bessern: kurzfristig halfen die Appelle, dann driftete es wieder in die alten Bahnen.

    Zumindest die Mädels waren freundlicher, so dass ich da ein wenig Zugang hatte. Wie gesagt, (meine) Homosexualität war bei uns überhaupt noch kein Thema.

    Erst in der Oberstufe mit neuen Leuten, in nach gemeinsamen Interessen gewählten Leistungskursen, wurde das Ganze endlich besser.

    Insofern allen heute noch drangsalierten Jugendlichen alles Gute auf dem Weg - es wird wirklich besser!

    @ Queer.de: wie bereits in einem ähnlichen Thread von einem anderen Foristen geschrieben, unterstütze ich die künftige Nicht-Meldung solcher Unglücke, da der "Werther-Effekt" m.E. zu riskant ist!
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#5 Smash HeterrorAnonym
  • 23.01.2012, 14:01h
  • Antwort auf #1 von Geert
  • Jo klar. Mit einer Gesellschaft, die ihm und seinen Altersgenossen/-innen "entweder direkt oder indirekt", auch über die Medien, rund um die Uhr die angebliche Hetero-Norm eintrichtert, die immergleichen sexistischen Rollenzuweisungen Mann/Frau und in der er sogar in ehemals schwulen Räumen, gern unter der Rubrik "queer", auf Heterosein getrimmt wird (und sei es nur "auch"!), sprich: wo er und andere Jungs nicht einfach und selbstverständlich und klischeefern SCHWUL sein können, hat das alles natürlich gar nichts zu tun.

    Die so genannte Community möge sich allerdings wirklich überlegen, welchen Anteil sie an all dem hat.

    Es drängt sich auch die Frage auf, weshalb über die Suizide junger Schwuler in Deutschland weiterhin der Mantel des Schweigens gehüllt wird.

    www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12263571/7249995/Cyb
    ermobbing-Viele-Jugendliche-fuehlen-sich-hilflos.html
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#6 NilsAnonym
  • 23.01.2012, 14:05h
  • Antwort auf #2 von florian
  • Antwort: Nein, Mobbing ist eben nicht so offensichtlich, das es problemlos erkannt werden kann. Mobbing, anders als Gewalt (da gibt es einen großen Unterschied), wird immer ganz systematisch und im Gruppenverband gegen einen einzigen Schüler (oder Gruppe) ausgeübt. Dazu gehört ein eher unterschwelliges Vorgehen. Ausgrenzen des Schülers, Gerüchte verbreiten, Sachen beschädigen, beleidigen etc.
    Da sich meißtens eine große Gruppe an diesen Sachen beteiligt, verhalten sich Außenstehende (sofern sie es überhaupt mitbekommen) eher still, da sie fürchten selbst Opfer zu werden. Und aus der Tätergruppe wird sich wohl kaum einer melden und sagen, ich mobbe jemanden.
    Die Opfer schweigen in den meisten Fällen ebenfalls. Häufig aus Scham oder Furcht, dass es noch schlimmer wird, wenn sie etwas sagen.
    Mobbing ist gerade deswegen ein so großes Problem, da es eine ganz perfide Art ist jemanden fertig zu machen. Simple Gewalt kann man einfach erkennen, bzw. bekämpfen, da Gewalt nur von einer Person ausgeht, gegen eine andere. Dort gibt es eben diesen Gruppenzwang und dynamik nicht.
    Olweus aus Norwegen hat sich intensiv mit Mobbing beschäftigt. Steht eigentlich in jeder Bibliothek.
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#7 Smash SchweigenAnonym
  • 23.01.2012, 14:09h
  • Antwort auf #5 von Smash Heterror
  • "Gesellschaftliches Tabuthema: Suizid bei Homosexuellen
    ...
    Allein fühlen sich viele Schwule. Laut einer Studie des Berliner Senats sind sie etwa vier Mal so suizidgefährdet wie ihre heterosexuellen Altersgenossen.
    ...
    Statistiken zeigen jedoch, dass etwa jeder Zehnte schonmal ernsthaft über Suizid nachgedacht hat und er bei Jugendlichen sogar die dritthäufigste Todesursache ist.
    ...
    Zudem dürfte die Dunkelziffer weit höher sein.
    ...
    Insofern dürften gleichgeschlechtlich liebende Menschen in Köln zumindest etwas bessere Karten haben. Denn eine Umfrage der Stadt ergab kürzlich, dass Schwule und Lesben weitgehend akzeptiert sind. Zumindest solange sie sich nicht allzu homosexuell verhalten."

    www.flash-cologne.de/?p=12143
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#8 Geert
  • 23.01.2012, 14:12h
  • Ein Outing setzt voraus, dass sich derjenige, der sich outet, auch gegen kommende Widerstände wehren kann. (Und solche Widerstände werden -leider- immer noch in allen Gesellschaften nach einem Outing kommen.) Eine solche Selbstsicherheit kann man aber von einem 14jährigen Kind noch nicht erwarten.
    Ein solches Kind so weit zu bringen, dass es sich als Schwuler outet, ist daher unverantwortlich!
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#9 Fakten-CheckAnonym
  • 23.01.2012, 14:21h
  • Antwort auf #6 von Nils
  • „Schwul“ und „Schwuchtel“ gehören nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu den häufigsten Schimpfwörtern in deutschen Klassenzimmern und Pausenhöfen.

    Eine Studie zur Lebenssituation schwuler Jugendlicher im Auftrag des niedersächsischen Sozialministeriums kam im Jahr 2004 zu dem Ergebnis: „Die Schule ist ein homophober Ort. In weniger als 20% der Fälle erleben Schüler, dass LehrerInnen Schwule verteidigen, wenn sie zu Zielscheiben von Witzen und Verächtlichmachung werden."
  • Antworten » | Direktlink »
#10 LorenProfil
  • 23.01.2012, 14:36hGreifswald
  • Antwort auf #2 von florian
  • “'After he did what he did, we found out a lot that we didn’t know and
    there is a lot of bullying that goes on at the school,' said Harris.

    While these parents and grandparents had no idea, the students at
    Gordonsville High school bombarded them both with information after Phillip’s
    death. More than hundred teens told them the bullying was obvious, and some
    said they went to teachers about it.

    Now the Parkers want to know why no one from Gordonsville alerted them to
    the apparent bullying happening in the hallways.

    'Whether it’s verbal or physical a counselor at the school should be on
    top of it and notify the parents. We weren’t notified, and Phillip didn’t tell
    us about it,' said Harris."

    www.miamigaynews.com/2012/01/22/parents-of-gay-teen-say-scho
    ol-bullying-caused-suicide/


    Ohne die genauen Hintergründe en detail zu kennen lässt sich doch vermuten, dass auch in diesem Fall das bullying eines nonkonformen Schülers und die Untätigkeit des Schulpersonals, zu dessen Aufgaben es gehört, jedes Mitglied der school community umfänglich zu schützen und die bullys zu sanktionieren, einen wesentlichen Beitrag zu diesem Suizid geleistet haben. Insofern läuft #1 hier völlig ins Leere, da er die Pflichten des Schulpersonals wie die Grundrechte des Opfers nicht in den Blick nimmt.

    Beim Blick auf die USA sollten m.E. die sozialen Strukturen der high schools und colleges mitbedacht werden, wenn man den Umgang mit Mobbing und Mobbingopfern in diesen Institutionen verstehen will. Ich verweise für Interessierte hier gern auf eine Arbeit des Soziologen Ralph W. Larkin, der in einer Analyse des Amoklaufes an der Columbine High School Ende der 90er Jahre die Schulstruktur und -kultur dieser Bildungseinrichtungen als Bedingungsfaktoren für Gewalt untersucht hat (Titel: "Comprehending Columbine", leider nicht in deutscher Übersetzung erhältlich, obwohl es auch für die deutsche Schullandschaft interessante Analysen und Schlussfolgerungen bereithält).

    Da ich Gelegenheit hatte, hierzulande kollegiumsinterne Beratungen über den Umgang mit sozial auffälligem Schülerverhalten u.ä. an Grund-, Haupt- und Gesamtschulen anleiten zu dürfen, kann ich aus diesen Erfahrungen nur berichten, dass viele Lehrkräfte dazu neigen, den Fokus ihrer Betrachtung wie ihres pädagogischen Intervenierens auf die Opfer von Mobbing zu richten und sowohl die i.d.Regel zahlenmäßig größere Gruppe der bullys und auch strukturelle Faktoren der Schule außen vor zu lassen, also eher das Opfer zu beraten, zu fördern oder therapieren zu lassen (bis hin zur Versetzung an andere Schulen), als den aufwendigeren Weg zu gehen und die bullys und die strukturellen und/oder kulturellen Bedingungsfaktoren der Schule in den Blick zu nehmen. Zudem neigen Lehrkräfte nicht selten dazu, sich den Forderungen von Schulaufsichtsbehörden und Schulleitungen zu unterwerfen, welche den Ruf der Schule nicht beschädigt sehen wollen, so dass selbst offensichtliche Probleme ignoriert, negiert oder unter den Teppich gekehrt werden, damit die Öffentlichkeit nicht Kenntnis nimmt und ggfs. die Anmeldezahlen der Schule zurückgehen.
    Zudem werden Studierende und Lehramtsanwärter nicht hinreichend in ihrer Ausbildung konfrontiert mit den institutionellen Zwängen und Bedingungen, unter denen Schule stattfindet und wie Lehrende zum Wohle jedes Schülers ihren pädagogischen Freiraum nutzen können. Nonkonforme Schüler, Angehörige von Minderheiten, aber auch engagierte Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter (die nicht selten selbst Opfer von Mobbing im Kollegium werden) müssen oft den Preis für diese defizitäre Situation zahlen.
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