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Pekka Haavisto könnte der erste offen schwule Präsident Finnlands werden (Bild: Wiki Commons / Soppakanuuna / CC-BY-SA-3.0)

Bei den finnischen Präsidentschaftswahlen hat der offen schwule Kandidat der Grünen, Pekka Haavisto, als Zweitplatzierter die Stichwahl erreicht.

Der 53-jährige erreichte am Sonntag 19 Prozent der Stimmen. Damit hat er sich neben dem liberalkonservativen Kandidaten Sauli Niinistö, der 37 Prozent der Stimmen erhielt, für die Stichwahl in zwei Wochen qualifiziert. Haavisto setzte sich damit gegen andere Kandidaten wie den europa- und schwulenfeindlichen Rechtspopulisten Timo Soini durch. Niiniströ gilt bei der Wahl am 5. Februar weiterhin als Favorit, allerdings wird ein spannender Endspurt erwartet.

Haavisto zog 1987 erstmals ins Parlament ein und wurde 1995 erster grüner Minister in einer europäischen Regierung. Unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Paavo Lipponen war er bis 1999 für Umweltfragen zuständig. Später übernahm er diverse Aufgaben bei den Vereinten Nationen. 2005 wurde er zum Sonderbevollmächtigten der Europäischen Union im Sudan ernannt. Privat ist er seit der Einführung von eingetragenen Partnerschaften im Jahr 2002 mit seinem Mann Antonio Flores verpartnert.

Amt hat wenig politische Macht

In Finnland ist das Präsidentenamt wie in Deutschland kaum mit politischer Macht verbunden, sondern repräsentativer Natur. Das Staatsoberhaupt wird auf sechs Jahre direkt vom Volk gewählt. Amtierende Präsidentin ist die Sozialdemokratin Tarja Halonen, die nach zwei Amtszeiten nicht wiedergewählt werden darf. Sie ist unter Schwulen und Lesben in Finnland sehr beliebt, weil sie sich stets für die Gleichbehandlung von sexuellen Minderheiten eingesetzt hat. So war sie in den 1980er Jahren sogar Vorstizende der Homo-Gruppe Seksuaalinen tasavertaisuus (Sexuelle Gleichberechtigung, SETA).

In Finnland können sich gleichgeschlechtliche Paare seit inzwischen zehn Jahren verpartnern. In den letzten Jahren debattierte die Öffentlichkeit über die Öffnung der Ehe und die Gleichstellung im Adoptionsrecht. Diese wird aber von den mitregierenden Christdemokraten abgelehnt, ebenso wie von den rechtspopulistischen "Wahren Finnen". (dk)



#1 finkAnonym
  • 23.01.2012, 17:32h
  • haavisto ist der einzige kandidat, dem in der stichwahl gegen niinistö chancen eingeräumt wurden.

    das privatleben von haavisto ist bei den meisten finnen interessanterweise kein thema, das als grossartige besonderheit gehandelt wird. gestern nach der wahl präsentierte er sich selbstverständlich neben seinem partner vor den parteifreunden. und die medien interviewten seinen freund ebenso wie die partnerinnen anderer kandidaten.

    es gibt parallelen zwischen haavisto und westerwelle: wie dieser hat haavisto lange zeit nicht über sein privatleben gesprochen und sich am politischen kampf um gleichberechtigung in keiner weise beteiligt.

    aber die früchte dieses kampfes, nämlich die möglichkeit, heute offen zu leben und seine partnerschaft staatlich fördern zu lassen, die nimmt er jetzt, wie westerwelle, gerne an.

    bei aller signalwirkung für die gesellschaft: mir sind heterosexuelle politiker, die aktiv etwas für uns bewegen, immer noch lieber als schwule politiker, die nichts beitragen als schwul zu sein.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.01.2012, 20:02h
  • Daumen drücken, daß er gewinnt! Am besten ist aber, daß der Kandidat der "Wahren Finnen" mit Pauken und Trompeten eine Schlappe hinnehmen mußte!
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#3 alexander
#4 finkAnonym
  • 23.01.2012, 20:39h
  • Antwort auf #2 von FoXXXyness
  • der kandidat der perussuomalaiset ("wahre finnen" ist eine schlechte übersetzung) hat mit 9,4% immerhin noch mehr stimmen bekommen als der der sozialdemokraten (6,7%). immerhin waren 8 kandidatInnen im rennen. als eine schlappe würde ich das nicht bezeichnen.

    übrigens haben heute zwei hohe funktionäre der perussuomalaiset, darunter der parteivorsitzende, angekündigt, bei der stichwahl für haavisto zu stimmen. dieser hatte im vorfeld durchaus umgekehrt auch den kontakt zu vertretern dieser partei gesucht. ganz so schwarzweiss ist das mit dieser angeblichen "nazipartei" nicht.
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#5 RaffaelAnonym
  • 23.01.2012, 20:54h
  • Auch wenn das Amt keinerlei Macht hat, so hoffe ich dennoch auf seinen Sieg. Das wäre wenigstens ein kleiner Silberstreif nach dem Rechtsruck Finnlands.
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#6 Timm JohannesAnonym
  • 23.01.2012, 21:05h
  • Ein sehr schöner Erfolg für die grüne, ökologische Bewegung in Europa und ein homopolitischer Erfolg.

    Ich sage es ja immer: Grüne und Liberale sind die einzigen Wahlanternativen, die ernsthaft in Erwägung kommen.
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#7 finkAnonym
  • 23.01.2012, 23:17h
  • Antwort auf #6 von Timm Johannes
  • apropos homopolitik. lieber timm:

    die evangelisch-lutherische kirche finnlands hat vor kurzem noch einmal bekräftigt, dass sie die eheöffnung für schwule und lesben ausdrücklich ABLEHNT, ebenso homo-segnungen in einem gottesdienstlichen rahmen. diese haltung ist bei den finnischen bürgern umstritten, dürfte aber den politischen fortschritt nicht unentscheidend hemmen.

    vielleicht fügst du dieses detail bei der gelegenheit auch einmal in eine deiner berühmten ranking-listen ein...
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#8 finkAnonym
  • 23.01.2012, 23:37h
  • Antwort auf #6 von Timm Johannes
  • was die "liberale" homopolitik in finnland angeht:

    niinistös liberalkonservative partei steht traditionell für das, was man in amerika so beschönigend "family values" nennt. kandidat niinistö hat vor der wahl die eheöffnung für schwule und lesben klar ABGELEHNT.

    die partei versucht heute den anschein homofreundlicher politik zu erlangen, um jüngere wählergruppen zu erschliessen, es gibt aber keine eindeutige parteilinie zu diesen themen. ihre abgeordneten stimmen bei entsprechenden abstimmungen ungefähr zur hälfte GEGEN rechte für schwule und lesben.

    unangenem in erinnerung ist der finnischen homoszene vor allem ein liberalkonservativer ehemaliger bürgermeister helsinkis, der es in seiner amtszeit vehement ablehnte, irgendwelche gelder für hiv-positive zur verfügung zu stellen. wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte man die leute einfach verrecken lassen können.

    DAS ist liberale homopolitik. leider auch in finnland, lieber timm.
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