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Verführungs-Drama "Privatunterricht"

Nachhilfe in Algebra und Sex


Für die neue "Special Edition" wurde "Privatunterricht" erstmals auf Deutsch synchronisiert

Jetzt auch in deutscher Synchronfassung auf DVD: In Joachim Lafosses Skandalfilm "Privatunterricht" wird ein Jugendlicher von drei Erwachsenen verführt

Von Carsten Weidemann

Der Film des belgischen Regisseurs Joachim Lafosse sorgte nicht nur in seiner Heimat für Wirbel - auch der Kinostart vor genau zwei Jahren in Deutschland war von moralischer Aufregung begleitet. Denn in "Privatunterricht" geht es um nichts Geringeres als Verführung eines Minderjährigen und sexuellen Missbrauch.

In dem rabenschwarzen Drama wird der Jugendliche Jonas gleich von drei Erwachsenen in die Welt der körperlichen Liebe eingeführt. Doch was aus der Sicht des unerfahrenen Jungen großzügig und einvernehmlich anmutet, entpuppt sich allmählich als ein gezieltes Aufweichen seiner noch nicht gefestigten Grenzen.

"Wie lange brauchst du denn so bis zum Orgasmus?" Jonas nippt verlegen an seinem Glas. Langsam gewöhnt er sich an diese Art von Tischgespräch, das schonungslos offene Plaudern über sein Sexualleben. Dabei wollen Pierre, Didier und Nathalie, die allesamt jeweils gut doppelt so alt sind wie Jonas, scheinbar nur sein Bestes: Seine optimale Befriedigung. Jonas hat endlich eine feste Freundin und das "erste Mal" mit ihr gerade hinter sich. Da kommen ihm die freimütigen Tipps der Erwachsenen ganz gelegen, die auch mal in direktem Anschauungsunterricht münden.

Perfides Spiel von Macht, Abhängigkeit und Schmeichelei

Es ist eine seltsame Konstellation, die Regisseur Joachim Lafosse, der schon zweimal für den Goldenen Leoparden nominiert war, in seinem schwarzen Kammerspiel aufbaut. Jonas, der leidenschaftlich gern Tennis spielt, aber in der Schule gnadenlos versagt, will sich auf eigene Faust auf ein besonders schweres Examen vorbereiten. Bei dieser nahezu unmöglichen Aufgabe helfen ihm die drei Freunde seiner Mutter (die in einer anderen Stadt lebt) und pauken mit ihm Tag für Tag Algebra, Camus, Stickstoffverbindungen - und eben Sex.

"Auf unsere Grenzen" lautet das Motto, das der Regisseur seinem Film vorangestellt hat. Joachim Lafosse entlarvt ein perfides Spiel von Macht, Abhängigkeit und Schmeichelei, selten war Verführung so böse. Moral ist kein Schimpfwort für den Regisseur. Er beharrt darauf, dass Sex mehr ist als eine raffinierte Mechanik des Genusses, sondern vielmehr ein schönes Rätsel bleibt - provozierend und beunruhigend.

Privatunterricht (Originaltitel: "Élève Libre"), Drama, Frankreich/Belgien 2008, Regie: Joachim Lafosse, Darsteller: Jonas Bloquet, Jonathan Zaccaï, Yannick Renier, Claire Bodson, Anne Coesens, Johan Leysen, Laufzeit: ca. 104 Min, Sprachen: französische Originalfassung, deutsche Synchronfassung, Untertitel: Deutsch (optional), FSK 16, Pro-Fun Media



#1 simmiAnonym
  • 28.01.2012, 13:53h
  • "Doch was aus der Sicht des unerfahrenen Jungen großzügig und einvernehmlich anmutet, entpuppt sich allmählich als ein gezieltes Aufweichen seiner noch nicht gefestigten Grenzen."

    darüber sollten einige mal nachdenken.
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