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Francisco von Mendelssohn

Im Seidenschlafrock über den Ku'damm

  • 28. Januar 2012, noch kein Kommentar

Das glamouröseste Geschwisterpaar im Berlin der Goldenen Zwanziger: Francesco und Eleonora von Mendelssohn

Die Biografie "Gibt es etwas Schöneres als Sehnsucht?" beschreibt das schrille Leben des schwulen Francisco von Mendelssohn und seiner Schwester Eleonora.

Von Carsten Weidemann

"Das glamouröseste Geschwisterpaar der Weimarer Republik", als solches sind Eleonora und Francesco von Mendelssohn in die Geschichte eingegangen. 

Geboren 1900 und 1901 als direkte Nachfahren des Philosophen Moses Mendelssohn, waren sie in Berlin stadtbekannt wegen ihres extravaganten Äußeren, ihres ausschweifenden Lebenswandels und ihrer Freundschaften und Affären mit den Großen jener Zeit wie Max Reinhardt, Arturo Toscanini, Vladimir Horowitz oder Gustaf Gründgens.

Die beiden Geschwister wussten auch sich selbst in Kunst und Kultur hervorzutun: er als Musiker und mittelmäßiger Theaterregisseur, sie als gefeierte Bühnendarstellerin. 

Der schwule "glamorous boy" der Zwanziger Jahre

Doch vor allem ist Francesco als der berühmteste schwule "glamorous boy" der Zwanziger Jahre in Erinnerung: Er raste im Cabriolet mit hermelinbezogenen Sitzen durch Berlin oder spazierte im gelben Seidenschlafrock über den Kurfürstendamm. Seine Schwester Eleonora war zwar hetero, wurde aber auch von Frauen umschwärmt - wie etwa der legendären Mercedes de Acosta, der Geliebten von Greta Garbo und Marlene Dietrich.

Die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten bedeutete für das Geschwisterpaar das Ende eines sorgenfreien Lebens: Sowohl beruflich als auch privat erwies sich die Emigration in die USA als Sackgasse. Ein Leben und ein Text, die sich lesen wie ein Roman.

Thomas Blubacher: Gibt es etwas Schöneres als Sehnsucht? Die Geschwister Eleonora und Francisco von Mendelssohn, Insel Taschenbuch, 446 Seiten, Frankfurt 2011, 12,99 €, ISBN 978-3458358138