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  • 28. Januar 2012, noch kein Kommentar

Kann Sex mit einer Puppe wirklich Spaß machen? Illustration aus dem Buch Toys for Boys

In schwulen Beziehungen zwischen HIV-Positiven und -Negativen werden die unterschiedlichsten "Sicherheitsabsprachen" getroffen. Wir haben ein Paar kennengelernt, das auf Sex-Dolls als "Infektions-Puffer" schwört.

Aufgezeichnet von Domina Sara, Frankfurt am Main

Wir haben uns auf einer Barebacking‐Party kennengelernt. Einer Party, wo Männer in Zeiten von Aids ganz bewusst auf Kondome verzichten. Ursprünglich gab es diese Parties nur für hiv‐positive Männer, die den Virus sowieso schon hatten. Man dachte, man könne sich nichts mehr holen, was man schon habe. Die Risiken, sich mit anderen Krankheiten oder auch anderen HIV‐Stämmen anzustecken, erscheinen bedeutungslos, wenn man vom Tode gezeichnet ist - es scheint nur noch um schneller oder langsamer zu gehen, und soll man nicht statt Verzicht noch eher Genuss suchen für diese letzte Zeit? So dachte mein Freund, so dachten viele. Mit dem Wandel des Therapieangebots, aber auch neueren Forschungs‐Erkenntnissen über die Risiken von Reinfektionen auch für den Therapieerfolg, wandeln sich die Meinungen HIV‐Positiver zum Barebacking in der ein oder anderen Weise. Nichtsdestotrotz, die meisten Infizierten treffen ihre Entscheidung für eine solche Party recht bewusst.

Dann gibt es aber noch die Bugchaser, die Nicht‐Infizierten, die ihrerseits bewusst das Risiko der Ansteckung nicht nur für den worst case eines gerissenen Kondoms in Kauf nehmen, sondern die es gezielt suchen, indem sie ungeschützt mit Positiven schlafen. So einer war ich. Ich war überzeugt, mich bewusst entschieden zu haben. Aber mein Freund hat mir gezeigt, dass mein Entschluss von einer Depression und einem Fatalismus getrieben war, und seine Liebe hat mir beides ausgetrieben.

Als ich auf die Barebacking‐Party ging, dachte ich mir: "Ich bin schwul, früher oder später bekomme ich die Krankheit sowieso, es lässt sich gar nichts daran ändern - warum also nicht jetzt? Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, braucht es das Nass‐Werden nicht mehr zu fürchten! Bringen wir's hinter uns."

Tom schlief auf der Party mit mir. Er ging davon aus, ich sei positiv wie er. Tom schlief nach der Party mit mir - er brachte mich nach Hause, und wir verlebten eine bezaubernde Nacht. Erst am Morgen danach, beim Frühstück, als er mich fragte, wie lang ich von der Infektion denn schon wisse, sagte ich ihm, dass ich noch negativ sei - und strahlte ihn an: "Es sei denn, ich habe mich heute Nacht bei dir angesteckt!" Tom wurde bleich, er fiel aus allen Wolken.

Drei lange Monate warten bis zum ersten HIV-Test


Männliche Sexpuppen gibt´s schon um die 20 Euro - wie beispielsweise "Big Roy the plumber boy"

Sein Schreck erschreckte mich. Dieser Mann kannte mich kaum, aber er kniete vor mir nieder und fing an zu weinen. Er beteuerte, wie sehr er hoffte, dass ich "heil davongekommen" sei. Er bat um Verzeihung, dass er automatisch davon ausgegangen war, ich sei wie er - nie hätte er gedacht, er könne einen Gesunden im Rahmen solch einer Party gefährden. Er schwor, mich nie wieder ohne Kondom zu vögeln. Er versprach, mich schnellstmöglich zum Arzt zu begleiten, sobald die Inkubationszeit verstrichen und ein aussagekräftiger Test möglich sei. Und immer wieder machte er sich Vorwürfe, Vorwürfe, Vorwürfe, mich nicht eher gefragt zu haben.

Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Zuerst tröstete ich ihn und meinte, ihn treffe doch keinerlei Schuld, ich habe doch gewusst, was ich da tue. Er wurde laut und sagte verärgert, nichts wisse ich, wenn ich mir freiwillig die Krankheit AIDS wünsche. Er habe sich gründlich genug damit auseinandergesetzt, was da auf ihn zukomme, und diese Krankheit wünsche er seinem schlimmsten Feind nicht.

Ich fing an, dazuzulernen. Ich fing an, mich mit seinen Augen zu sehen. Ich fing an, meine Gesundheit wert zu schätzen. Gemeinsam hofften wir drei Monate lang, dass mein Ergebnis zeigen würde, dass unsere erste sexuelle Escapade ohne Folgen geblieben war. In der Zwischenzeit wurde aus unserem One‐Night‐Stand eine enge Liebe, eine feste Verbindung. Am Tag, als wir das Testergebnis abholen gingen, waren wir sicher, dass wir zueinander stehen wollen und gemeinsam leben wollen würden, so oder so. Und ich hatte ihm fest versprochen, meine Gesundheit nicht aufs Spiel zu setzen, sollte sie mir noch erhalten sein.

Wie durch ein Wunder war sie es tatsächlich: der Test fiel negativ aus.

Unsere ganz persönlichen Überlegungen zur Safety

Und wie gestalten wir unsere Sexualität? Schon in der Zeit, wo wir nicht wussten, wie es um mich nun bestellt sei, hat Tom sich entschieden, mich nie wieder aktiv zu ficken - weder mit noch ohne Kondom. Umgekehrt hat er sich mir jedoch passiv hingegen, aus Liebe zu mir, obwohl ich ihn eigentlich in aktiver Rolle und als Master kennengelernt habe. Ich hingegen habe schon immer zwischen aktiver und passiver Rolle geswitcht und so fiel es mir leicht, bei Tom künftig rein aktiv zu sein. Mit Kondom. Unsere Überlegung der Safety basiert darauf, dass Kondome reißen können - wir also die riskantesten Praktiken auch mit Kondom vermeiden, die weniger riskanten Praktiken jedoch mit Kondom genießen. Das ist unser Kompromiss. Ob und inwieweit dieser Kompromiss auch für andere Paare gültig sein kann oder sollte, wollen wir uns nicht anmaßen. Für uns hat es in den drei Monaten der Wartezeit gut funktioniert...

Aber dann kamen doch auch wieder andere Bedürfnisse auf. Tom wollte seinen heißen Schwanz wieder in einen engen Arsch stoßen, ich wollte wieder meinen Po gestopft bekommen. Die großen Partys mit vielen anonymen Leuten vermeiden wir. Tom vögelt ab und zu noch mit Kondom mit anderen HIV‐Positiven, ich selbst frage meine Gelegenheits‐Sexpartner nach ihrem HIV-Statusund ihrem Umgang mit Safety und vögele safe mit negativ Getesteten, die ihrerseits nur safen Sex mit Dritten praktizieren. Wir wollen das Risiko gering halten.

Aber eigentlich sind wir, seit wir uns lieben, gar nicht mehr so wild auf Sex mit anderen. Und unsere neueste und beste Lösung sind tatsächlich Gummipuppen. Wir haben tollen Sex zu zweit mit unseren Gummipuppen. Entweder vögele ich den heißen Arsch einer Gummipuppe, und nachdem ich darin unsafe gekommen bin, fickt mein hiv‐positiver Partner ungeschützt ins selbe Loch. Es genügt dann, die Gummipuppe hinterher - vor dem nächsten Gummipuppenfick‐ gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Aber es ist schön für Tom, in meinem Spermabad zu kommen... Wir haben aber mehrere Gummipuppen. Insbesondere haben wir männliche und weibliche Gummipuppen. Die weiblichen Gummipuppen haben den Vorteil, dass wir sie gleichzeitig nehmen können - einer von uns fickt die Gummipuppe von vorn und der andere fickt sie von hinten, und wir schauen uns dabei gegenseitig über ihre Schulter an und gucken uns tief in die Augen, während wir uns in Fotze und Arschfotze der Gummipuppe ergießen. Das ist sehr schön, hier spielt das Geschlecht der Gummipuppe gar keine Rolle, sondern nur ihre Funktion : Körper mit Ficklöchern... und die Menschlichkeit kommt durch den Blick in Toms Augen, in die Augen des geliebten Partners, wenn wir zusammen in der Gummipuppe kommen... Es gibt aber auch die männlichen Gummipuppen. Die haben einen festen Dildo, einen harten Gummipuppen‐Schwanz. Zwar kann eine Gummipuppe von alleine nicht stoßen, aber das braucht sie auch gar nicht bei uns: eine Male Doll lässt sich gut als "Puffer" nehmen, wenn Tom aktiv in ihren Arsch reinknallt und mir ihr Dildo dann in meinem Loch steckt, dann ist es so, als würde er mich direkt vögeln. Er kann sogar weit genug um die Gummipuppe herumgreifen, um mich mit zu umarmen. Aber das Risiko für mich ist kleiner. Wir sind dankbar für diese Gummipuppe, die uns schützt.

Gummipuppen-Party für die schwulen Freunde


Freunde lachten zunächst über das schwule Paar - bis sie von ihm zu einer Gummipuppen-Gruppensex-Party eingeladen wurden... (Bild: Wiki Commons / Tyrenius / CC-BY-SA-3.0)

Wenn wir anderen Schwulen von unseren Gummipuppen erzählen, lachen die erst mal. Aber wir haben kürzlich eine Gummipuppen-Party veranstaltet und ein paar preiswerte Gummipuppen besorgt, die wir auch für einmaligen Gebrauch unseren Partygästen zur Verfügung stellen konnten. Tom und ich benutzen natürlich meist etwas hochpreisigere Gummipuppen. Auf der Party haben wir dann aber auch mit Aufblas‐Gummipuppen vorliebgenommen, um gleiche "Startbedingungen" zu haben wie die anderen Anwesenden. Es war eine sehr lustige und doch auch sehr erregende Party. Obwohl viele von unseren Freunden erst zögerten, wurden sie nämlich doch geil, wenn ihre Schwänze erst mal in den Gummipuppenlöchern drinsteckten. Wir hatten als Partyregel vereinbart, dass sich die Männer untereinander streicheln konnten, aber nur mit den Gummipuppen gefickt werden durfte. Die meisten haben sich auch dran gehalten und sind hinterher ganz begeistert zu uns gekommen, der ein oder andere Gay hat sich seine Liebespuppe sogar mit heimgenommen - ausgelacht wurden wir jedenfalls nicht mehr.

Es wäre uns auch egal, ob die Leute über uns lachen oder nicht. Wir lieben uns. Und wir lieben unseren Sex. Miteinander, mit anderen, mit Gummipuppen. Jeweils in der Safety‐Konsequenz, die für uns beide nötig ist und sinnvoll erscheint, um mich negativ zu halten und Toms Zustand nicht weiter zu verschlechtern. Natürlich wäre es total frustrierend, künftig nur im stillen Kämmerlein jeder für sich so eine Gummipuppe zu bumsen, um nichts zu riskieren - aber darum geht es nicht und ging es nie. Dann wäre Gummipuppen‐Gebrauch genauso eine falsche Entscheidung wie der Besuch von Bareback‐Partys eine war. Nein, wir integrieren die Gummipuppen in unser Leben - in unser gemeinsames Sexleben! Wenn wir uns eine neue Gummipuppe kaufen, suchen wir diese meist schon miteinander aus - es sei denn, eine Puppe soll mal ein Geschenk sein ‐ auf jeden Fall aber benutzen wir sie gemeinsam, und immer in Liebe und Nähe zum anderen Partner: seinen Geruch einatmend, seine Haut spürend, aber doch das Loch der Gummipuppe fickend bzw. vom Schwanz der männlichen Gummipuppe durchgebumst. Ohne Risiko, aber gemeinsam!

Das ist unser Weg, der Weg von Tom, dem ich für seine Fürsorge von ganzem Herzen danke, und von mir...