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Messerundgang des Regierenden Bürgermeisters im Vorjahr: Antonio und Mataina begrüßen Klaus Wowereit im schwul-lesbischen Messe-Eck (Bild: ITB Berlin)

Das Segment "Gay & Lesbian Travel" auf der Internationalen Tourismus-Börse vom 7. bis 11. März 2012 wächst aus seiner Nische heraus.

Von Carsten Weidemann

Der Countdown zur 46. Internationalen Tourismus-Börse (ITB) Berlin vom 7. bis 11. März 2012 läuft. Viele Hallen der weltweit größten Reisemesse sind bereits ausgebucht. Insgesamt erwartet die Messeleitung rund 11.000 ausstellende Unternehmen und Organisationen aus über 180 Ländern in den 26 Hallen unter dem Berliner Funkturm.

Auffallend dabei: Das Segment "Gay & Lesbian Travel" wächst aus seiner Nische heraus - eine Entwicklung, die sich am vergrößerten Angebot in Halle 2.1 niederschlägt. Erstmals ist etwa Brasilien mit einem individuellen Stand vertreten, Aussteller aus Griechenland, Mexiko und Portugal feiern dieses Jahr Premiere. Wien lädt im Fachbesucherbereich des Pink Pavilion in ein echtes Wiener Café ein.

Auf diesen Wachstumsmarkt setzt auch Dertour und präsentiert seinen frisch aufgelegten Katalog "Gay Travel". Dieser stellt auf 92 Seiten rund 140 Hotels und Resorts sowie "Erlebnisbausteine" in insgesamt 30 Ländern vor. "Wir sind stolz, dass wir als erster großer deutscher Reiseveranstalter einen kompakten Gay-Katalog produziert haben. Die Idee stand schon lange im Raum", erklärte der selbst schwule Initiator Dietmar Malcherek. Es habe "einige Anstrengung" gekostet, die Entscheidungsträger im Konzern davon zu überzeugen, räumte der Dertour-Produktleiter Mittelmeer ein. Malcherek war jedoch immer fest davon überzeugt, dass das schwul-lesbische Programm das Dertour-Portfolio "perfekt ergänzt". Die Reisearrangements aus "Gay Travel" gelten für das Jahr 2012 und können mit allen anderen Angeboten aus sämtlichen Dertour-Programmen kombiniert werden.

Außerdem wird es im Rahmen des ITB Kongresses am Freitag, den 9. März wieder ein Workshop zum Thema "Gay & Lesbian Tourism" stattfinden. Im Anschluss ist ein Gay & Lesbian Travel Networking Event geplant. Von Mittwoch, 7. März bis Freitag, 9. März ist die Messe ausschließlich für Fachbesucher geöffnet.

Auf Augenhöhe mit Cruises und Kulturtourismus

Das feste Segment "Gay & Lesbian Travel", das auf derselben Augenhöhe wie "Kulturtourismus", "Cruises" oder "Youth Travel" steht, wurde 2009 zum ersten Mal eingeführt. Zuvor hatte es auf der ITB nur schwul-lesbische Gemeinschaftsstände auf Initiative von Ausstellern gegeben.

"Wir stellen fest, dass sich immer mehr Destinationen im Bereich LGBT Travel engagieren möchten und diesem Segment eigene Produkte und Angebote widmen. In Nordamerika, Europa oder Australien sind Reiseangebote für homosexuelle Reisende nicht mehr wegzudenken. Südamerika holt in dieser Hinsicht gerade auf und auch Länder wie Indien erkennen das große Potential dieser Zielgruppe für die Touristikindustrie", erklärte Dr. Martin Buck, TB-Direktor Kompetenz Center Travel & Logistics.

Im vergangenen Jahr veranstaltete die ITB sogar zwei Workshops zu "Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender Tourism" in Indien. "Mit unserer Präsenz in Indien bekräftigen wir die Bedeutung dieses wachsenden Nischenmarktes in Indien", erklärte Buck. "Wir sind überzeugt, dass der Workshop wertvolle Erkenntnisse zur dynamischen Entwicklung dieses Segments zu Tage fördern wird." Beim letzten Workshop in Goa scheiterten die Bemühungen, die Region als gayfriendly zu vermarkten, allerdings am Widerstand von katholischer Kirche und Hindu-Gruppen.

Als erste Reisemesse der Welt hat die ITB Berlin seit 2011 einen Sitz im Aufsichtsrat der International Gay & Lesbian Travel Association (IGLTA). Die IGLTA setzt sich für die engere Verzahnung von touristischen Unternehmen im Bereich Gay & Lesbian Travel ein.

Südostasien und Wellness im Trend


Die Stadt Wien präsentiert sich seit vielen Jahren als LGBT-freundliche Metropole (Bild: ITB Berlin)

Weitere Trends auf der ITB: Fernost und Südostasien sind so präsent wie nie zuvor. Als boomende Region auf der touristischen Landkarte drängt Indonesien verstärkt in den Markt, auch Vietnam ist sehr gut vertreten. China und die Mongolei verzeichnen mit fast zwei Dutzend neuen Ausstellern ein sehr kräftiges Wachstum.

Auch die USA zeigt in diesem Jahr mehr Präsenz und hat in Halle 2.1 die Fläche vergrößert. Ebenso wie die mittelamerikanischen Ziele Panama, Nicaragua und Honduras (Halle 3.1). Für die touristische Entwicklung der Nahziele setzen die Zuwächse in den Europa-Hallen deutliche Signale.

Neue Aussteller sind darüber hinaus aus Portugal, Griechenland, Italien, Spanien und der türkischen Riviera zu verzeichnen.

Der Wellness-Boom hält an

Der Wellness-Boom hält an, das zeigt die vollständig ausgebuchte Halle 16. Am Publikums-Wochenende findet hier ein großes Bühnenprogramm von Beauty 24 statt. Als neue Aussteller in Halle 18 zeigen der Reiseveranstalter More Travel aus Lettland und Chic Outlet Shopping ihre Angebote. Und unter der Marke Holland Classics präsentieren Keukenhof, Floriade World Expo Holland 2012 und zahlreiche weitere Partner typisch holländische Besonderheiten auf einem Stand.

Eine ganze Reihe neuer Aussteller sind in der Halle 25 zu finden. Die Deutsche Lufthansa zeigt nach mehrjähriger Abwesenheit wieder Flagge. Erstmals dabei sind Kreuzfahrtanbieter wie Passat Kreuzfahrten, TUI-Flussgenuss, Hapag-Loyd und Plantours.

Ein weiteres Wachstumssegment auf der weltgrößten Reisemesse ist Adventure Travel und sozial verantwortlicher Tourismus. Neben vielen neuen Ausstellern aus Lateinamerika sowie Geoparcs und Organisationen wie Rainforest Alliance, Atmosfair, Myclimate, Ecpat, Tourism Watch, TourCert und The International Eco Tourism Society zieht Grönland als neue Destination in die Halle 4.1 ein

ITB-Partnerland ist in diesem Jahr Ägypten


Ob Ägypten-Broschüren wohl auch in die rosa-lila Taschen kommen? (Bild: ITB Berlin)

Nicht zu den klassischen LGBT-Destinationen gehört das diesjährige Partnerland der ITB: In Ägypten werden homosexuelle Handlungen nach einem Unsittlichkeits-Paragrafen mit bis Gefängnis bestraft, Verhaftungen und Folter von (einheimischen) Schwulen stehen auf der Tagesordnung. Es wurden Fälle bekannt, in denen die Polizei sogar Gay-Chaträume überwachte und Männer gezielt in die Falle lockte.

Im Jahr 2010 bemängelte selbst der Menschenrechtsausschuss des Bundestages nach einer viertägigen Delegationsreise nach Ägypten schweren Menschenrechtsverletzungen auch gegen Homosexuelle. Verantwortlich für die schlechte Lage seien die ägyptische Regierung und ihrer Sicherheitskräfte. Die Abgeordneten betonten, dass insbesondere Homosexualität stark tabuisiert werden. Am schlimmsten sei die Situation von ärmeren Homosexuelle, die von der Polizei in Fallen gelockt und zu Haftstrafen von drei bis sechs Monaten verurteilt werden würden. Überfällen und Erpressungen seien sie zudem hilflos ausgesetzt.

Die Touristen bekommen von der Verfolgung nichts mit

In den Fünf-Sterne-Resorts am Roten Meer wie etwa dem Grand Resort Hurghada / Ägypten bekommt man von der staatlichen Homoverfolgung freilich nichts mit. Im vergangenen Jahr erhielten queere Medien aus Deutschland sogar erstmals offizielle Einladungen zu Pressereisen in das Land der Pyramiden.

Vor einigen Jahren noch zitierte das mittlerweile eingestellte Berliner Magazins "gay-press" einen Mitarbeiter am ITB-Stand von Egyptair mit den Worten "Wir wollen keine homosexuellen Touristen, und wir freuen uns, wenn keine kommen."

Ägypten wird die offizielle Eröffnungsfeier am Vorabend der ITB Berlin gestalten wird. Während der Messe präsentieren alle Regionen Ägyptens in der Halle 23a den Fachbesuchern und dem privaten Publikum ihre vielfältigen Angebote.