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  • Micha Schulze, Jahrgang 1967, ist Geschäftsführer von queer.de und seit 25 Jahren in schwul-lesbischen Medien zu Hause. Normalerweise schreibt er vor allem Konzepte, Angebote, Rechnungen und Mahnungen, in dieser Kolumne aber immer wieder auch Emails an Leute und Organisationen, über die er einfach nur den Kopf schütteln kann.

    09. Februar 2012, 59 Kommentare

Sieht Schwulsein als Versäumnis: Manfred Krug (Bild: NDR, Tatort)

Lieber Manfred Krug,

zu Deinem 75. Geburtstag, den Du am Mittwoch feiern konntest, hast zu den Lübecker Nachrichten einen drögen und viel zu langen Katalog von 75 Fragen beantwortet. Auch wenn ich Dein Durchhaltevermögen bewundere, wäre das kein Thema für uns gewesen - wenn da nicht diese eine doch sehr ungewöhnliche Antwort wäre, die dpa auch prompt herumposaunte.

"Haben Sie etwas in Ihren Leben versäumt?", wollte das Lokalblatt aus der Marzipanstadt wissen. Und Du meinst ganz locker auf diese Frage Nummer acht: "Ich bin ganz sicher, ich habe viel versäumt, von dem ich damals gar nicht wusste, dass es Versäumnisse sind. Ich wäre zum Beispiel auch gerne mal schwul gewesen."

Du wärst also auch gerne mal schwul gewesen... Mein spontaner Gedanke: Warum, verdammtnochmal, rückst Du damit so spät heraus, Manne? Viele homo- und bisexuelle Männer aus Ost und West hätten Dir sicherlich gerne bei dieser schönen Erfahrung geholfen! Spätestens als schmucker Zimmermann und Brigadeleiter Hannes Balla in dem 1966 nach nur drei Tagen wegen "antisozialistischer Tendenzen" verbotenen DEFA-Film "Spur der Steine" hast Du Dich in die Herzen nicht nur der kritischen DDR-Homos gespielt. Und einige Schwuppen wären vermutlich auch gerne mal in die Kajüte des Truckers Franz Meersdonk gestiegen, den Du in der Endlos-Fernsehserie "Auf Achse" verkörpert hast. Selbst manch homophiler Telekom-Aktionär hätte sich möglicherweise auf ein kleines Abenteuer mit Dir eingelassen.

Du wärst nicht der erste, der mit 75 aus dem Schrank kommt

Doch für ein Coming-out ist es bekanntlich nie zu spät. Kennst Du den Film Beginners von Mike Mills? Der kam im vergangenen Jahr in die deutschen Kinos und erzählt die Geschichte seines eigenen Vaters, der sich nach dem Tod seiner Frau outete und prompt ins schwule Leben stürzte - inklusive Gay-Bars und Boyfriends. Mills Daddy war damals übrigens 75 - genauso alt wie Du jetzt bist!

Okay, mit Deiner Frau Ottilie bist Du glücklich verheiratet - und das bereits seit 1963. Nach fast fünfzig Jahren Ehe solltet Ihr Euch bestens kennen und verstehen und auch einander verzeihen können. 2002 kam doch beispielsweise raus, dass Du ein uneheliches Kind hast. Warum dann nicht 2012, dass Du eine schwule Affäre laufen hast, um Deine "Versäumnisse" aufzuholen?

Du brauchst noch Zeit? Auch kein Problem! Vor fünf Jahren hatten wir hier auf queer.de mal über den Oxford-Professor Mike Sope berichtet, der sein Coming-out erst im Alter von 91 Jahren wagte.

Für wahre Liebe - oder auch nur neue sexuelle Erfahrungen - ist es wirklich nie zu spät! In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Manne, und alles Schwule!

Dein Micha Schulze



#1 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 09.02.2012, 10:01h
  • ach, wie süß... Kleine Anmerkung: "Auf Achse" war leider keine Endlos-Serie, es wurden nicht einmal 50 Folgen ausgestrahlt
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  • Anm. d. Red.: Die Serie "Auf Achse" wurde von 1977 bis 1996 gedreht. Insgesamt wurden 86 Folgen produziert.
#2 maaaaartinAnonym
#3 Sven_
  • 09.02.2012, 12:12h
  • "Ich wäre zum Beispiel auch gerne mal schwul gewesen."
    Inhaltlich irgendwie süß, aber von der Formulierung her - und dass kann man ihm auf seines Alters doch schon nachsehen - eher schlecht. Impliziert es doch, dass man sich sein Schwul-sein aussuchen könnte. Ich denke, er setzt einfach Sex zwischen Männer mit Schwul gleich. Mal Sex mit einem Mann zu haben, macht noch keinen Schwulen. Wenn dem so wäre geb es wohl keine einzige Hete auf der Welt ;-)
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#4 seb1983
#5 rainbow futureAnonym
  • 09.02.2012, 12:47h
  • Heterosexualität ist nur eine Übergangsphase systemverblendeter Menschen auf dem Weg zur Homosexualität
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#6 schwulenaktivist
  • 09.02.2012, 13:50h
  • Lieber Micha!
    Du solltest vielleicht den Krug nicht gleich mit der ganzen Homosexualität ausschütten!
    Sich von "fremden" Menschen definieren zu lassen ist recht unangenehm, wie Du vielleicht von den "Pädophilen" gut weisst!
    Vielleicht geht es eben gar nicht darum, wieviele "Krug" in einem Schwulen ist - wenn Du verstehen kannst, was ich meine - , sondern ganz einfach darum, wie intensiv das Identifikationsvermögen zwischen Manfred Krug und Schwulen ist und umgekehrt. Es verlangt ja auch keineR, dass wir gleich ein Kind zeugen, um zu beweisen, dass wir Heterosexuelle auch mögen...
    Ich bin einer, der seine Homosexualität auch mental verarbeitet hat und dabei eine Identität gewonnen hat, wie zB einer, der Vater geworden ist bei den Heteros. Aber das tun längst nicht alle. Ganz zu schweigen von den Bisexuellen, die wohl vom Honig schlürfen mögen, aber bitte kein klebriges Maul bekommen wollen. Aber das hat schon Kinsey festgestellt und seit ihm sind es wohl nur noch mehr geworden...
    Ich empfehle Dir dringend, auch mal die Spezies "männliche Fag Hags" in Betracht zu ziehen. Das funktioniert so ähnlich wie Pädophile, die nicht notwendigerweise sexuelle Übergriffe praktizieren müssen...
    Die Homosexuellen jedenfalls wurden früher immer in Stricher und Freier eingeteilt, was der heterosexuellen Sichtweise von entweder "Freundin/Ehefrau" oder Nutte in etwa entspricht. Womit ich mich eindeutig als Denkschwuler entlarve und nicht dem allgemeinen Trend von "heterolike" der neuen "schwule-ist-mir-doch-wurscht" Generationen nachlaufe. Schwul bedeutet eben "Arbeit" - nicht nur Vergnügen, und das ist auch gut so!
    Hoost'mich! Peter Thommen, Basel
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#7 LarissaAnonym
  • 09.02.2012, 14:31h
  • Antwort auf #6 von schwulenaktivist
  • Schräger Comment.
    Sehr Ich-ich-ich-fokussiert, gestelzt formuliert, und zwischen den Zeilen wird nur eine 80er Jahre-Denke erkennbar.
    Deine Posts versprechen oft Anspruch, signalisieren Differenziertheit, und am Ende bleibt doch nur das Gefühl übrig: Ne, wieder daneben formuliert, “es nicht gepackt". Scharfsinn ist was anderes.

    PS: Vielleicht wollte Krug nur sagen, hätte er sich doch einmal nen Job von nem Mann verpassen lassen.Viel Lärm um nichts.
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#8 arme kinderAnonym
  • 09.02.2012, 14:37h
  • winterloch?

    > 3 mio. zuschauer ("zielgruppe" ab 14), "marktanteil" 23%

    vielleicht beschäftigen sich schwule, sorry: "queere", medien aber auch mal mit dem immer gewalttätigeren sexismus, mit dem sich medienkonzerne in deutschland zur besten sendezeit an der jungen "zielgruppe" vergehen.

    dann wundert sich hoffentlich niemand mehr darüber, dass jeder junge oder männliche jugendliche, der es wagt, auch nur minimal von der dort in die köpfe geprügelten (hetero-) sexistischen zwangsjacken abzuweichen, sofort und überall im alltag und in der öffentlichkeit als "schwuchtel" usw. niedergebrüllt wird.

    allerdings habe ich den eindruck, dass sich die "queeren", zunehmend betont "homo- UND bisexuellen" meinungs- und stimmungsmacher weiterhin darauf beschränken werden, alle paar wochen für ein paar minuten die suizide schwuler teenager in den usa alibimäßig zu bedauern, anstatt die konkrete sexistische gewalt hier und jetzt mit ganzer kraft zu bekämpfen.

    also, wer mal wieder gepflegt kotzen möchte angesichts der immer widerwärtigeren sexistischen gehirnwäsche:

    rtl-now.rtl.de/deutschland-sucht-den-superstar/der-recall-au
    f-den-malediven.php?container_id=77162&player=1&season=9


    "[Sexismus] definiert die diskriminierenden Ideologien und Praktiken
    einer Gesellschaft, die sich in dem
    Spielraum niederschlagen, der einem Individuum zur Selbstverwirklichung
    gestattet wird, wobei das
    Geschlecht die Basis für selektive Auswahl oder Zurückweisung ist."
    (Stoll 1973, zitiert in H. Schenk, 1979)
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#9 BurkhardAnonym
  • 09.02.2012, 14:45h
  • Antwort auf #7 von Larissa
  • Ich denke auch, dass der Aktivist nicht verstanden hat, dass es durch Enttabuisierung von Homosexualität automatisch zu "entschwulten" (O-Ton) Folgegenerationen kommt, da der Homosexuelle nicht mehr in die sozialen Rollen der Tunte, des Leders, des Bären etc.gedrückt wird oder wie Rauchfleisch sagt: Normale Homosexualität. Das ist nichts, auf das man sorgenvoll schauen sollte, sondern zuversichtlich.
    Emotional verarbeiten ist ja uch wichtiger als mental, auch wenns biologisch dasselbe ist, bedeutet es viel mehr.
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#10 WinterleidenAnonym
  • 09.02.2012, 15:02h
  • Antwort auf #9 von Burkhard
  • Stimmt.

    Die "Normalität" des bisherigen neuen Jahrtausends begegnet einem in der immer penetranteren Rund-um-die-Uhr-Bedienung der dümmlichsten geschlechtlichen Rollenzuweisungen.

    Leseprobe:

    "Kälte-Chaos an der Uni Stuttgart: Hunderte Studenten warteten bei minus 15 Grad auf den Beginn ihrer Prüfung - doch der Hörsaal blieb zu.

    ...

    Einige junge Frauen litten besonders unter der Kälte. "Ein Mädchen saß auf dem Boden und hat ziemlich stark gezittert. Deswegen hat auch jemand einen Krankenwagen gerufen." Sanitäter hätten mehrere Studentinnen versorgt. Eine Uni-Sprecherin bestätigte, dass zwei Studentinnen im Krankenhaus versorgt werden mussten."

    Das biologische Geschlecht bestimmt unser Schicksal!

    www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,814012,00.html
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