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Peter und Hazelmary Bull: Christlicher Glaube ist keine Entschuldigung für Diskriminierung

Ein Berufungsgericht in London hat entschieden, dass christliche Hotelbesitzer aus Cornwall schwule Paare nicht als Gäste abweisen dürfen, wenn sie Heteropaare in ihrem Haus dulden.

Die drei Richter haben damit einstimmig das Urteil eines Amtsgerichts in Bristol aus dem Januar 2011 bestätigt. Es hatte den in einer eingetragenen Partnerschaft lebenden Klägern Martyn Hall und Steven Preddy je 1.800 Pfund Schadensersatz zugestanden, weil die Hotelbetreiber Peter und Hazelmary Bull ihnen das bereits online bestellte Doppelzimmer aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verweigert hatten (queer.de berichtete). Das Ehepaar erklärte, dass es wegen ihres christlichen Glaubens nur verheiratete heterosexuelle Paare in ihren Doppelzimmern akzeptieren könnte. Schwule und Lesben lehnten die Besitzer - ebenso wie unverheiratete heterosexuelle Paare - für ihre Doppelzimmer ab. Dabei nützte es Hall und Preddy nichts, auf ihre eingetragene Lebenspartnerschaft hinzuweisen.

Die Kläger beriefen sich auf das 2007 beschlossene Antidiskriminierungsgesetz, das die Ungleichbehandlung von Schwulen und Lesben beim Zugang zu Dienstleistungen verbietet. Hall und Preddy argumentierten, das Zimmer sei ihnen nur wegen ihrer sexuellen Orientierung verweigert worden.

Argument der Hotelbesitzer: Homo-Sex ist "Sünde"

Dagegen argumentierten die Hotelbesitzer, dass sie in ihrem eigenen Hotel nicht gezwungen werden sollten, gegen ihre christlichen Überzeugungen zu handeln. Homosexuelle Handlungen seien laut ihres Glaubens eine "Sünde", erklärte ein Anwalt der Beklagten. Das evangelikale "Christian Insitute", das den Prozess der Bulls finanziert hatte, beklagte sich während des Verfahrens, dass Homo-Aktivisten eine regelrechte Kampagne gegen Christen gestartet hätten.

Ben Summerskill von der schwul-lesbischen Gruppe "Stonewall" zeigte sich dagegen nach der Urteilsverkündung zufrieden - und empfahl dem christlichen Paar, ihren Kampf gegen Schwule und Lesben endlich aufzugeben: "Ich hoffe, dass Herr und Frau Bull nun nach Hause gehen und sich auf das Osterfest vorbereiten, anstatt unbarmherzig ein glückliches Paar durch die Gerichtssäle zu jagen." (dk)



#1 AndiAnonym
  • 10.02.2012, 14:54h
  • Die verdrehte Sichtweise des Instituts ist dabei doch sehr interessant: Homosexuelle würden Kampagnen gegen Christen starten.

    Offensichtlich führt christlicher Glaube zu äußerst merkwürdigen Wahrnehmungsstörungen:
    Wer hat denn die beiden nicht im Hotel übernachten lassen? Waren das Schwule oder Christen?! Von wem ging denn die Ablehnung aus? Offensichtlich von christlicher Seite! Nicht die beiden Männer haben das christliche Ehepaar abgelehnt, sondern umgekehrt. Nicht die beiden Schwulen haben mit einer Kampagne angefangen, sondern das Ehepaar hat die beiden einfach rausgeworfen und erst danach wurde geklagt (zurecht!!).

    Und darin sehe ich bis heute die Problematik in der Religionsdebatte und Homosexualität. Es wird ein Freiheitsbegriff verwandt (Religionsfreiheit), der aber eigentlich seine Grenzen sofort erreicht hat, sobald die Freiheit eines anderen beeinträchtigt wird. Gleichzeitig wird aber mit der Religionsfreiheit massiv die Freiheit von anders denkenden Menschen eingeschränkt, hier: Verbot der Übernachtung.
    Das hat mit Religionsfreiheit nichts zu tun! Und zwar überhaupt nichts!

    Ich wiederhole diese These stets ggü. (fundamentalen) Christen regelmäßig. Und hier sieht man den entscheidenden Unterschied zwischen dem Kampf um Gleichberechtigung der Homosexuellen und der Kampf der Christen. Wir Homosexuelle wollen nicht die Freiheit anderer einschränken, umgekehrt wird aber von christlicher Seite stets versucht, unsere Freiheit weiter einzuschränken.

    Beispiel: Ehe - Wenn Homosexuelle heiraten, sei das ein Angriff auf die Ehe. Was für ein Schwachsinn. Auch hier ist die Realität wieder verdreht. Heterosexuelle dürfen doch weiterhin heiraten, wo ist da bitte schön ein Angriff?!
    Ein Angriff auf die Ehe wäre es, wenn wir fordern würden, die Ehe gibt es nur noch für Homosexuelle. Dann könnte ich die Empörung auf christlicher Seite verstehen.

    Aber man sieht es auch hier wieder, die christliche Wahrnehmung ist in Teilen sehr verdreht: Es werden Freiheitsbegriffe missbraucht, Freiheiten völlig zweckentfremdet und Argumente der Liebe tatsächlich angeführt, um Hass damit zu legitimieren.

    Vielleicht klärt mich mal einer auf, wie manche Menschen es schaffen, ihr Gehirn derart zu verdrehen, um das logisch, ja sogar noch gottgewollt zu finden.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 10.02.2012, 20:04h
  • Und wieder hat das homophobe Hoteliersehepaar vor Gericht verloren: ein guter Tag!
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#3 SebiAnonym
  • 10.02.2012, 20:29h
  • "Argument der Hotelbesitzer: Homo-Sex ist "Sünde" "

    Was für ein "Argument". Man erfindet sich einfach eine Phantasiewelt fern jeder Wissenschaft und nennt das dann "Argument".

    Es muss endlich klargemacht werden, dass Diskriminierung in einer Demokratie keinen Platz hat.

    Dass solche religiösen Fundamentalisten auch Feinde der Demokratie sind, ist nichts neues. Aber dann dürfen sie eben kein Hotel betreiben.
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#4 marekAnonym
#5 RaffaelAnonym
  • 10.02.2012, 20:55h
  • Da sieht man wieder mal, dass es sich lohnt, sich zu wehren.

    Viele hätten das wohl einfach so hingenommen, sich geärgert, aber ohne weitere Konsequenzen ein anderes Hotel gesucht.

    Solche Leute tun sowas nur, weil wir es zulassen. Je mehr wir uns der Opferrolle fügen, desto mehr erlauben die sich. Aber wenn wir uns endlich wehren - und das jedes einzelne mal - wird sich endlich was ändern.
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#6 RemyAnonym
  • 11.02.2012, 00:01h
  • "Das evangelikale "Christian Insitute", das den Prozess der Bulls finanziert hatte, beklagte sich während des Verfahrens, dass Homo-Aktivisten eine regelrechte Kampagne gegen Christen gestartet hätten."

    Schon klar, dass die die Fakten verdrehen, aber es ist natürlich genau umgekehrt:
    sie sind es, die gegen uns hetzen und wir wehren uns nur dagegen.

    Man muss immer sehen, wer der Agressor ist und wer nur darauf reagiert.

    Sobald die aufhören gegen uns zu hetzen und für unsere Diskriminierung zu kämpfen, gibt es keine Probleme mehr.
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#7 HinnerkAnonym
  • 11.02.2012, 11:00h
  • """"""""""""""""""
    "Das evangelikale "Christian Insitute", das den Prozess der Bulls finanziert hatte, beklagte sich während des Verfahrens, dass Homo-Aktivisten eine regelrechte Kampagne gegen Christen gestartet hätten."
    """""""""""""""""""""

    Nicht wir führen eine Kampagne gegen Christen, sondern die führen eine Kampagne gegen Schwule, Lesben, Bi- und Trassexuelle.

    Wir reagieren nur darauf. Bzw. werden von ihnen gezwungen, darauf zu reagieren.

    Und dann maulen die, dass wir deren Unterdrückung nicht schweigend akzeptieren, sondern uns wehren!

    Lächerlich!

    Würden diese angeblichen Christen nur ein Fünkchen Christlichkeit zeigen und Liebe nicht mit Hass bekämpfen, müsste man sich auch nicht wehren.
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#8 RobinAnonym
  • 11.02.2012, 11:26h
  • Eigentlich möchte ich ja nicht, dass solche Klerikal-Faschisten auch nur einen Cent an uns verdienen.

    Aber es wäre schon witzig, wenn jetzt massig Schwule und Lesben da vor der Tür stünden und nicht abgewiesen werden dürfen. Und dann auf den Zimmern lautstark Sex haben.

    Vielleicht würden diese bigotten Menschenhasser dann ihr Hotel ganz aufgeben.
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