Mehr transsexuelle Männer werden Mütter
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| Dieses Bild des schwangeren Thomas Beatie ging 2008 um die Welt |
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In den letzten Monaten gab es Berichte aus Amerika, Israel und England über transsexuelle Männer, die ein Kind zur Welt gebracht haben - auch wenn die Boulevardpresse gerne von einer neuen Entwicklung spricht, die Mutterschaft der Männer ist kein neues Phänomen.
Von Dennis Klein
Als 2008 erstmals die Nachricht die Runde machte, dass ein transsexueller Mann aus den USA schwanger ist, war die Aufregung groß. Thomas Beatie trat damit 2008 in praktisch jeder Nachmittags-Talkshow in Amerika auf. Das Bild des bärtigen Mannes mit dem dicken Schwangerschaftsbauch ging um die Welt: "Der einzige Unterschied ist, dass ich mein Baby nicht stillen kann. Aber das tun ja viele Mütter ohnehin nicht", erklärte Beatie damals fröhlich Reportern des Fernsehsenders ABC.
Inzwischen gibt es mehrere neue Fälle: Erst Anfang der Woche gab es Meldungen aus England, wonach ein Mann Ende 30 im letzten Jahr einen Sohn durch Kaiserschnitt zur Welt gebracht haben soll. Und im Dezember 2011 hat der 24-jährige Yuval Topper in Tel Aviv ein Kind entbunden. Beide Männer mieden jedoch das Scheinwerferlicht und schützen ihr Leben vor den Augen der Weltöffentlichkeit.
Furcht vor den Blicken der Öffentlichkeit
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| Thomas Beatie in der Nachmittagstalkshow von Oprah Winfrey |
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Die Geheimhaltung ist verständlich: Viele Menschen verstehen noch heute das Thema Transsexualität nicht, weil diese Menschen nicht in das gewohnte Mann-Frau-Schema passen - noch weit weniger als Homosexuelle. Wenn Frau-zu-Mann-Transsexuelle auch noch schwanger werden, ist das für Otto Normalbürger nur noch eine "Freak-Show". Dabei passiert biologisch nicht einmal etwas so Außergewöhnliches: Zur Geburt braucht man Eierstöcke und Gebärmutter - und die sind in einem präoperativen Transsexuellen vorhanden. Zwar hat er Anreize, diese entfernen zu lassen - nicht zuletzt erhöht die Hormonbehandlung das Risiko für Eierstockkrebs und Gebärmutterhalskrebs - aber wenn er das nicht tut, funktionieren die Organe so, wie sie angelegt sind. Es gibt daher Berichte, dass Transsexuelle ihre Eierstöcke einfrieren lassen, um später noch ein leibliches Kind zu erhalten. Dieses muss dann von einer Leihmutter ausgetragen werden.
Es ist übrigens ein Gerücht, dass die Kindsgeburt durch Männer ein brandneues Thema ist. So gibt es Berichte, dass der italienische Soldat Daniel Burghammer im Jahr 1601 - zum Entsetzen seiner Vorgesetzten und seiner Ehefrau - ein Kind zur Welt gebracht hatte. Burghammer gab daraufhin zu, dass er sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale habe - ein Phänomen, das heute Intersexualität genannt wird. Burghammer konnte seine Tochter, deren biologischer Vater ein spanischer Soldat war, sogar stillen. Das Kind erhielt außerdem den Segen der Kirche, die die Geburt als "Wunder" deklarierte.
Es wird heute oft in Frage gestellt, inwieweit es sinnvoll ist, als Trans*Person ein Kind zu kriegen. Psychologen machen sich Sorgen um die Entwicklung des Kindes, während sich religiöse Menschen in eine einfachere Welt zurücksehnen, in der der Unterschied zwischen Frauen und Männern noch deutlich ist. In der echten Welt ist die Lage aber komplizierter: Thomas Beatie etwa, der inzwischen drei Kinder zur Welt gebracht hat, wurde zur "Mutter", weil seine Ehefrau keine Kinder bekommen konnte. "Ich bin ein Mensch und habe das Recht auf ein biologisches Kind", warf er deshalb in einer Talkshow Kritikern entgegen. Hier müsse man eben das mitnehmen, was einem die Natur mitgegeben hat.