Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?1604

Buju Bantons nächstes Konzert soll in Wuppertal stattfinden. Der LSVD protestiert, der Veranstalter wiegelt ab.

Von Dennis Klein

Wie andere Reggae-Sänger, die in ihren Liedern zur Ermordung Homosexueller aufrufen, hat Buju Banton derzeit einen schweren Stand: Sein Konzert in Berlin wurde kurzfristig abgesagt, nachdem der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) gegen den Auftritt protestiert und mit einer Demonstration vor der Konzerthalle gedroht hatte. Stein des Anstoßes ist das Lied "Boom bye bye", in dem Banton propagiert, Schwule durch Kopfschuss, Säure- oder Brandanschläge zu töten. Das Lied ist international weiterhin erhältlich, Banton singt es jedoch nicht mehr live auf seinen Konzerten in Europa.

Der Protest verlagert sich nun in die Provinz: Der LSVD hat den Wuppertaler U-Club aufgefordert, dem Vorbild der Berliner zu folgen und Banton wieder auszuladen. Das Konzert soll jedoch wie geplant am Freitag Abend stattfinden. Die Veranstalter argumentieren, dass Banton sich in aktuellen Interviews in Europa bemüht habe, "seine extrem schwulenfeindlichen Äußerungen als Jugendsünde darzustellen."

Der U-Club fand auch eine Erklärung für die Homophobie des Sängers: "Bis heute wird Homosexualität mit Gefängnisstrafen geahndet und erst kürzlich sprachen sich 96 Prozent der Einwohner für die Beibehaltung dieses Gesetzes aus. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich im Textrepertoire zahlreicher jamaikanischer Musiker einschlägig homophobe Passagen finden lassen." Außerdem unterstützten die Veranstalter eine Homo-Organisation in Jamaika: Man gehe davon aus, dass es auch in Bantons "Sinne sein müsste, dass ein Teil der Einnahmen an J-Flag, den ersten Schwulenverband Jamaikas, geht". Im Sinne von J-Flag ist das aber nicht: In einer Pressemitteilung unter dem Titel "J-Flag will Buju Bantons Blutgeld nicht" erklärte die Organisation: "Wir wurden nicht über diese Aktion informiert und werden kein Geld aus diesem Konzert annehmen." Denn Banton habe sich nicht von seiner homophoben Vergangenheit verabschiedet sondern habe kürzlich an einem Überfall auf eine Gruppe Schwuler in Jamaika teilgenommen. Der Sänger bestreitet das jedoch.

Auch in England schwelt der Streit um Auftritte von Hass-Sängern: So wurde jetzt ein Konzert des Reggae-Stars Sizzla Kolonji in Birmingham abgesagt. Die britische Polizei ermittelt derzeit gegen den Sänger wegen seiner homophoben Texte. So gibt es in seinem Song "Pump Up" die Zeile: "Erschieße Schwuchteln, meine große Kanone macht Krach". Ein Konzert im Victoria Park in London hatten die Veranstalter erst letzte Woche abgesagt, nachdem die Homo-Organisation Outrage lautstark dagegen protestiert hatte. "Ich glaube nicht, dass irgend jemand in England einer Gruppe eine Plattform geben würde, die Leute auffordert, Juden oder Schwarze zu töten", so Brett Lock von Outrage. "Das selbe sollte auch für den Mordaufruf an Schwulen und Lesben gelten."

3. September 2004, 14:20 Uhr



23 Kommentare

#1 DavidAnonym
#2 MetroidAnonym
  • 04.09.2004, 22:59h
  • Echt total super , daß sich mal ein weiterer Veranstalter , auch nicht von den Hetzern von " LSVD " klein kriegen läßt !!

    Wann geht jetzt endlich mal jemand gegen die Verleumder vom "LSVD " gerichtlich vor ?????????????????????????????
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Reggae LoverAnonym
  • 05.09.2004, 11:22h
  • So langsam langweilen mich diese Diskusionen über Reggae-Artists... Es ist eigentlich alles gesagt, was es zu diesem Thema zu sagen gibt.
    An Buju Banton wurde ein Exempel statuiert.
    Bin mal gespannt, was nächstes Jahr passiert, wenn im Sommer wieder Reggae-Festivals und Konzerte anstehen.

    Die Meinung der Artists kann man mit solchen Aktionen eh nicht ändern. Zum Beispiel hat Beenie Man ganz aktuell den Song "Two Party" rausgebracht, in welchem er u.a. auf die AKtionen von den Verbänden anspielt. Soweit ich das verstehen konnte, singt er:

    "...dem a take it from rear.
    And everybody knows that we born a JA [Jamaica, Anmerkung von mir :-)]
    And we bun certain things whe other place sayin okay
    For example we a bun the wrong way
    ...but me haffi clean up the pace whe me stay..."

    Man beachte, daß er "wrong way" anstatt "gay" benutzt, aber jeder weiß,
    was damit gemeint ist ;-) Geschickt gemacht!

    Und jeder, der sich etwas mit dem Charakter Sizzla beschäftigt, wird herausfinden, daß dieser ein sehr radikaler Bobo-Dread ist, der kein Blatt vor dem Mund nimmt und sich niemals der internationalen Musikindustrie anpassen wird. Seine Botschaft geht an die gettho youth. Und um zu schließen, zitiere ich mal Sizzla:
    "chi chi man could never sit pon rastaman throne".

    Member that!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LarsAnonym
  • 05.09.2004, 12:27h
  • ...pon Rastamans throne hocken offensichtlich schlimme Quatschköpfe.

    Sizzla says: "Ein typischer Tag entspricht der Priesterlichen Ordnung," erklärt er. ,Priesterlich' ist ein Ital Konzept, inspiriert von göttlicher Ordnung, der Idealzustand in den Augen Jahs – ein reines, ehrliches und gläubiges Leben. "Meine Zukunft ist die Repatriierung. Ich habe keine andere Zukunft als die Repatriierung. Selbst wenn ich heutzutage nach Afrika fliege, ist das nur eine Vorahnung der Dinge, die kommen werden. Meine Zukunft ist das Volk. Meine Zukunft sind die Nachkommen Davids. Ich kann nicht über die Zukunft nachdenken und mir sagen, meine Zukunft ist ein Eigenheim, oder meine Zukunft ist ein Auto, oder meine Zukunft ist es, hier zu leben. Das ist nicht meine Zukunft. Meine Zukunft ist die Erlösung der Völker der Erde, denn ich und ich sind eine königliche Autorität für die Menschen, jeden Tag muss ich für das Heil der Menschen sorgen. Jeden Tag muss ich sicherstellen, dass sie... sie... "

    (
    www.rastafari.de/teachings/int_05.php)

    Was für ein infantiler Scheiß. Passt aber bestens zur Homophobie.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 DavidAnonym
  • 05.09.2004, 13:13h
  • Das Heil der Menschen liegt offenbar darin, andere für ihren Weg glücklich zu sein, zu verurteilen.
    Wie wäre es denn mal selber so zu leben, wie man es für richtig hält, OHNE andere für ihren Weg zu verurteilen?
    Aber irgendwelche Feindbilder oder Sündenböcke muss man ja haben.
    Der weisse Mensch kann es ja nicht mehr sein, die Sklaverei ist ja abgeschafft.
    Aber nein, es sind ja Homosexuelle an dem Leid anderer Schuld, an den vielen Kriegen, an Sklaverei, an dem Wirbelsturm der jetzt über Florida jagt...
    Es ist ja auch sooowas von christlich, andere Minderheiten auszugrenzen und zu verfolgen. Ich dachte man soll das was man nicht selber erleben will, auch nicht anderen zufügen. Nun, dann muss derjenige auch mit heftigem Gegenwind rechnen...

    An die Fans: Ich kann euch aber trotzdem verstehen, das euch das ganze ärgert.
    Mir geht es als Metal-Fan, auf denen auch rumgehackt wird, auch nicht anders.

    PS: nein, der erste Kommentar stammt NICHT von mir. Ist wohl ein anderer David, aber ich bin derjenige, der die Kommentare auch zu den anderen News abgibt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Reggae LoverAnonym
  • 05.09.2004, 21:42h
  • @ David [der zweite :-)]
    Du bist ganz in Ordnung, im Ernst.

    Wegen der Sache von wegen "andere verurteilen": Ich kann euch gut verstehen, aber im Rastaglauben (und eigentlich auch im Christentum, wobei ich nicht von einer speziellen Kirche spreche) wird ganz Babylon verurteilt, und zu Babylon gehören laut Bibel nun auch die Homosexuellen, genauso wie korrupte Politiker, Diebe, Lügner, der Papst und andere "falsche Kirchen" etc. Das steckt einfach in der Religion drin. Die Homosexuellen sind nicht DER Sündenbock schlechthin, sondern Teil eines "teuflischen Systems", welches es zu vernichten gilt. In einem Artikel der Zeitung Riddim, wird ein Nyahbinghi-Treffen beschrieben, und am Eingang des Geländes, auf welchem das Treffen stattfindet, steht z.B. auch "Kill the pope!"

    Aber um mal wieder auf Reggae zurückzukommen:
    Ein bekannter Reggae-Deejay sagte einmal "music is a mission"; in diesem Sinne verstehen sich viele Roots-Reggae-Musiker als "Missionare", die der Jugend den rechten Weg lehren wollen. Dazu gehört u.a. das Verurteilen der "Schlechten" in der Musik. Nebenbei bemerkt: Obwohl die Artists oft große Reden schwingen in bezug auf Rechtschaffenheit usw., ich glaube auch nicht, daß die Artists immer selbst so leben,wie sie es in ihren Liedern zum Ausdruck bringen.
    Aber Reggae-Musik war schon immer keine leichte Musik (ich weiß eigentlich gar nicht, warum soviele hier in Deutschland Reggae immer mit Friede-Freude-Eierkuchen-Sunshine-Feeling in Verbindung bringen?)

    Naja, auf jeden Fall darf man das ganze auch nicht überbewerten :-)
  • Antworten » | Direktlink »
#7 David (2)Anonym
  • 05.09.2004, 22:47h
  • Ich denke mal das es auch da noch Vorurteile gibt.
    Raggae = Drogen (Hasch...) = "Peace"
    Die Realität sieht wohl anders aus.
    Der Hintergrund das die Musik aus einer Gegend stammt, deren Vergangenheit mit Leid verbunden ist (Sklaverei), wird übersehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 David (2)Anonym
  • 05.09.2004, 23:23h
  • PS
    Zum Thema Rastaglauben und "Babylon"
    Auch wenn das aus biblischer Sicht Sünde ist/war: es ist eine andere Kultur, über die man urteilt. Und wenn eine Religion keinen Respekt anderen Kulturen zeigt, kann sie selber auch nicht mit Respekt rechnen.
    Auf die Gegenwart übertragen passiert nichts anderes diesem Thema. So etwas macht ein "Miteinander" kaum möglich.
    Und warum wird etwas als schlecht gewertet, was nicht böswillig ist und anderen nicht schadet?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 DavidAnonym
#10 Reggae LoverAnonym
  • 06.09.2004, 13:26h
  • "Und wenn eine Religion keinen Respekt anderen Kulturen zeigt, kann sie selber auch nicht mit Respekt rechnen.
    Auf die Gegenwart übertragen passiert nichts anderes diesem Thema. So etwas macht ein "Miteinander" kaum möglich."

    Ja, David, da hast du schon recht. Ich kann dich sehrwohl verstehen.
    Die Frage ist jedoch wie man auf diesen Nicht-Respekt reagiert. Ich möchte NICHT mehr über dieses Thema diskutieren, aber wie schon so oft gesagt, kann man das auch anders als mit Konzertabsagen. Wie wär's zum Beispiel, wenn jemand einen Song rausbringt, indem er über die Reggae-Musiker herzieht... das tut keinem weh und man vergilt Gleiches mit Gleichem.Naja, da haben viele halt eine ganz andere Meinung.

    Warum Homosexualität als schlecht gewertet wird, ist ein extrem komplexes Thema, wo jeder eine andere Meinung zu hat und welches schon vielfach in diversen Reggae-Foren diskutiert wurde. Meist kam es dabei zum Streit zwischen den verschiedenen Parteien. Deshalb macht es meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn darüber zu diskutieren, jeder sollte sich jedoch seine Meinung dazu genau überlegen.
    Ich denke mal, ein Hauptgrund ist, daß Homosexualität (obwohl es direkt keinem zu schaden scheint) als extrem unmoralisch und unnatürlich angesehen wird. Es gibt aber noch andere "Sünden", die laut Bibel zu verurteilen sind (obwohl sie auch niemanden zu schaden scheinen), z.B. Prahlen, sogar schon der Nicht-Glauben an Gott ist eine Sünde.
    Die Sache ist nun die, daß in der Reggae-Musik eine SEHR DIREKTE/AGGRESSIVE Sprache verwendet wird, und nicht nur in Bezug auf Homosexuelle. Beispielsweise singt der Deejay Capleton (auch Fireman genannt, weil er sogut wie alles und jeden 'verbrennt):

    bwoy, if you diss Marcus then you must bite the dust,
    and if you diss Selassie I, bwoy you gwaan die

    Wenn du Marcus (Garvey) disst, mußt du ins Gras beißen, wenn du Selassie I disst, wirst du sterben

    Da kann sich natürlich jeder angegriffen fühlen, der nicht den Ratsa-Glauben hat.

    Noch was: ich persönlich empfinde Homosexualität auch als Sünde und unnatürlich, aber ich hab überhaupt nichts gegen Menschen, die diesen Lebensweg für sich eingeschlagen haben. Aber die Homosexualität an sich verurteile ich schon, nicht jedoch den Menschen. Ist im Prinzip genauso wie ich gewisse Handlungen von gewissen Politikern verurteile, jedoch gegen diese Menschen als solche nichts habe.
  • Antworten » | Direktlink »