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Diskrimierung lesbisch-schwuler Pflegeeltern

München zieht Homo-Fragebogen zurück


Laut einer Studie des Bundesjustizministeriums aus dem Jahr 2009 erfahren Kinder in Regenbogenfamilien keinerlei Benachteiligungen (Bild: nerdcoregirl / flickr / by-sa 2.0)

Den Behörden in München ist ein intimer Fragebogen für gleichgeschlechtliche Paare, die eine Pflegefamilie bilden wollen, äußerst peinlich.

Von Dennis Klein

Vergangene Woche hatte der Münchener "Homo-Fragebogen" für Aufregung gesorgt. Darin sollten gleichgeschlechtliche Bewerber um ein Pflegekind zusätzliche Infos zu ihren Umgang mit ihrer Homosexualität eintragen - für Heterosexuelle gibt es keinen derartigen Fragebogen. Nach Protesten der Rosa Liste und der Grünen wird das Dokument ab jetzt "nicht mehr verwendet", erklärte Andreas Danassy, der Sprecher des für Pflegefamilien verantwortlichen Sozialreferats. "Es handelt sich um ein älteres Formular, das nicht dem ständigen Bemühen des Stadtjugendamts entspricht, jede Form von Diskriminierung auszuschließen", so Danassy. Die erst seit 2010 amtierende Leiterin des Amtes wusste eigenen Angaben zufolge nichts von dem Fragebogen.

Ursprung des Fragebogens unklar


Machte die diskriminierende Praxis öffentlich: Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste)

Es ist derzeit völlig unklar, wann und warum der Fragebogen eingeführt wurde. Er sei vor "einigen wenigen Jahren" als Handreichung erstellt worden, so das Sozialreferat. Die Zentrale habe am Ende nicht mehr gewusst, dass dieser Fragebogen noch existiert. Das Dokument sei nur noch in Sozialbürgerhäusern in den Stadtteilen eingesetzt worden, wo noch ausgedruckte Restbestände existiert hätten. Warum das Sozialreferat ursprünglich schwule und lesbische Paare gesondert behandeln wollte, konnte der Sprecher nicht sagen. Man werde diese Frage untersuchen, hieß es.

Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste), der letzte Woche die Proteste gegen das Formular ins Rollen gebracht hatte, begrüßte im Gespräch mit queer.de, dass die Münchener Behörden den Fragebogen schnell aus dem Verkehr gezogen hätten. Allerdings sei es "komisch, dass jetzt niemand etwas davon weiß, obwohl der Fragebogen offensichtlich lange im Gebrauch war".

Schwusos sehen politische Verschwörung von Rosa Liste und Grünen

Eine eigenartige Reaktion auf den Fragebogen zeigte die SPD: Die schwul-lesbische Vereinigung der Sozialdemokraten (Schwusos) behauptete am Wochenende in einer Pressemitteilung anders als jetzt das Sozialreferat, dass der Fragebogen "seit Jahren" nicht mehr eingesetzt worden sei. Die öffentliche Kritik von Rosa Liste und Grünen - beide sind Koalitionspartner in der SPD-geführten Stadtregierung - sei vielmehr ein "offener Vertrauensbruch", erklärte der bayerische Schwusos-Vizechef Ulf Schröde. "Anstatt die Dinge im Konsens zu klären, wird ohne Substanz ein Vorwurf gegen das Sozialreferat gemacht, obwohl die Sozialreferentin Birgit Meier und ihre Mitarbeiter positiv die Umsetzung von gleichgeschlechtlichen Angelegenheiten begleiten", so Schröder. Die "SPD als Ganzes" stehe "für ein tolerantes, weltoffenes und diskriminierungsfreies Deutschland", erklärte der Schwusos-Chef weiter - und könne daher nach Schröders Ansicht offenbar gar nicht für den Fragebogen verantwortlich sein.



#1 Tobi CologneAnonym
  • 05.03.2012, 15:06h
  • Endlich! Das hätte erst gar nicht eingeführt werden dürfen.

    Und dann diese peinlichen Erklärungsversuche, man wolle nur noch "Restbestände aufbrauchen".

    Also bitte: für wie dumm hält die SPD uns?
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#2 FlorianAnonym
  • 05.03.2012, 15:41h
  • Das man für gleiche Rechte kämpft ist klar, da bin ich vorne mit dabei.
    Aber in diesem Fall scheinen Homosexuelle, vor allem Lesben, nur an ihre eigene Selbstverwirklichung zu denken! Ich sehe als Schwuler so einen Fragebogen nicht als Diskriminierung für Homosexuelle. Es geht den vorwiegend lesbischen Pflegeeltern viel zu sehr um sich selbst, anstatt in erster Linie ums Kind.
    Es ist eine Tatsache das die Umwelt noch nicht vollkommen tolerant gegenüber Homosexuellen ist und somit eine andere Ausgangsbedingung gegeben ist als bei Heteropaaren. Einige Fragen aus dem Fragebogen kann ich gut nachvollziehen, man will eben abklären wie das Umfeld des Paares reagiert, die Einstellungen des Umfeldes sind usw.

    Wenn ich für mein (imaginäres) Kind die Wahl hätte zwischen einem Hetero- und einem Homopaar und mir das homosexuelle Paar verantwortungsbewußter erscheint, würde ich definitiv das homosexuelle Paar nehmen.

    Aber wenn mir beide Paare gleich sympathisch und verantwortungsbewußt erscheinen, würde ich mich für das Heteropaar entscheiden, einzig und alleine aus dem Grund weil es für das Kind so einfacher wäre sich in seiner Umwelt zu behaupten.
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#3 RaffaelAnonym
  • 05.03.2012, 15:44h
  • Antwort auf #1 von Tobi Cologne
  • Ja, das ist echt das dümmste, was ich seit langem gehört habe.

    Als ob man Formulare, die man eigentlich gar nicht mehr einsetzen will, nur noch deshalb weiter einsetzt, um sie noch aufzubrauchen.

    Das wird auch sonst nirgend gemacht.

    Dass das überhaupt eingeführt wurde und immer noch verwendet wurde ist schon schlimm genug. Wenn die SPD uns jetzt aber auch noch verarscht und meint, wir wären so dumm, darauf reinzufallen, dann geht das echt nicht mehr...
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#4 HinnerkAnonym
  • 05.03.2012, 16:01h
  • Statt zu versuchen, sich mit solchen absurden, dümmlichen Ausreden rauszureden (was eh nicht funktioniert) sollte die SPD wenigstens den Anstand und die Größe haben, ihren Fehler einzugestehen, sich (insbesondere bei allen Betroffenen) in aller Form entschuldigen und dafür sorgen, dass sowas nie wieder passiert.

    Wenn sie diese Diskriminierung kleinreden wollen, macht das alles nur noch schlimmer.
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#5 RobinAnonym
  • 05.03.2012, 16:11h
  • Selbst wenn es stimmen würde, dass die Verantwortlichen nichts von dieser Diskriminierung in ihrem Verantwortungsbereich wussten, macht das die Sache auch nicht besser:

    wenn jemand solche eklatanten Diskriminierungen in seinem Verantwortungsbereich nicht mitbekommt, ist diese Person offenbar für ihren Posten ungeeignet und/oder führt ihn stümperhaft aus.
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#6 Simon ACAnonym
  • 05.03.2012, 16:20h
  • Antwort auf #1 von Tobi Cologne
  • Ja, diese nachträglichen Erklärungsversuche sind es, die mich immer am meisten aufregen.

    Jeder kann ja mal Fehler machen. Wobei solch eine diskriminierende Sonderbehandlung für Schwule und Lesben schon ein ziemlich großer Fehler ist, der eigentlich nicht passieren darf bzw. nicht unentdeckt bleiben darf.

    Aber dann muss man auch zu diesen Fehlern stehen und versuchen, sie so gut wie möglich wieder gut zu machen.

    Aber dann diese Rausrederei, auf die eh kein halbwegs intelligenter Mensch reinfällt, macht alles nur noch schlimmer. Denn sie beweist, dass die uns auch noch für dumm halten.
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#7 JoonasAnonym
  • 05.03.2012, 16:36h
  • Die Diskriminierung war ja schon schlimm genug. Aber wenn die Verantwortlichen von der SPD das wenigstens eingesehen hätten und den entstandenen Schaden wieder gutgemacht hätten, wäre das vielleicht entschuldbar gewesen.

    Stattdessen versucht die SPD von ihren eigenen Fehlern abzulenken, indem sie Grünen und Linkspartei eine Schmutzkampagne vorwirft, nur weil diese auf die Diskriminierung hinweisen statt wegzusehen.

    Das zeigt, dass die SPD NICHTS einsieht und nur die Schuld bei anderen sucht. Damit ist die SPD die Partei, die mit Schmutz auf andere wirft.
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#8 PinoAnonym
  • 05.03.2012, 16:56h
  • Antwort auf #7 von Joonas
  • Wie sagte schon Tucholsky:
    Im Übrigen gilt in diesem Land derjenige der auf den Schmutz hinweist als schlimmer als der, der den Schmutz verursacht.

    Und da scheint wohl auch die SPD diejenigen für schlimmer zu halten, die auf deren Fehler hinweisen, statt derjenigen, die dafür verantwortlich sind.

    Und da versucht die Münchner SPD wohl den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen indem sie von ihren Fehlern ablenken und mit dem Finger auf andere zeigen.

    Aber jeder aufgeklärte Mensch durchschaut das und letztlich schadet sich die SPD mit ihrem unwürdigen Verhalten nur selbst.
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#9 JoonasAnonym
#10 GastAnonym
  • 05.03.2012, 19:30h
  • Antwort auf #9 von Joonas
  • Es ist lächerlich, wie sich hier auf die Reaktion der SPD gestürzt wird.

    Die Union hätte diesen Fragebogen vielleicht nichtmal zurückgezogen sondern verteidigt.

    Die Argumentation (wenn auch unwahr) ist schlüssig und entspricht der aktuellen Homopolitik der SPD, die sich allein im letzten jahr stark entwickelt hat.
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