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Das für Voralberg zuständige Landesgericht in Feldkirch wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut (Bild: Wiki Commons / High Contrast / CC-BY-3.0-DE)

Das Landesgericht Feldkirch hat am Montag einen 17-Jährigen aus Voralberg zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten verurteilt, weil der HIV-Positive ungeschützten Oralverkehr mit einem damals 15-jährigen Mädchen hatte.

Er wurde wegen vorsätzlicher Gefährdung durch übertragbare Krankheiten sowie versuchter falscher Beweisaussage vor Gericht bestraft; er hatte das Mädchen zuvor aufgefordert, zu behaupten, er habe ein Kondom genutzt. "Auch wenn ein Kondom verwendet worden wäre, würde dies nichts an der Strafbarkeit ändern", erklärte allerdings der Richter Othmar Kraft laut Medienberichten. Ein Ansteckungsrisiko bestehe nämlich auch bei Verwendung von Präservativen, so Kraft.

Ob der Teenager, der dem Mädchen nichts von der Infektion gesagt haben soll, in den Mund abspritzte, und ob das vor Gericht eine Rolle spielte, ist dabei den österreichischen Medien nicht zu entnehmen.

Hoffnung auf nächste Instanz

Dabei ist das Urteil der österreichischen (wie auch der deutschen) Aids-Hilfe eindeutig: Blasen ist auch ohne Kondom ok, es gilt aber: "Raus, bevor es kommt". Auch das Gesundheitsministerium Österreichs steht zu dieser Safer-Sex-Regel.

Diese Vorsicht ist im übrigen unnötig, wenn der HIV-Positive seine Viruslast im Rahmen einer Therapie unter die Nachweisgrenze drücken kann - dann ist er nicht ansteckend. Inwieweit dieser Punkt vor Gericht eine Rolle spielte, ist ebenfalls ungeklärt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Teenager kann Berufung einlegen. Vielleicht mit Erfolg: Nachdem 1999 in Kärnten ein HIV-Positiver für ungeschützten Oralverkehr verurteilt wurde, hob das Oberlandesgericht die Entscheidung mehrere Jahre später wieder auf. Der Oberste Gerichtshof Österreichs hatte zugleich bereits 1997 klargestellt, dass ein Geschlechtsverkehr eines HIV-Positiven mit Kondom nicht strafbar sein könne. Eine "vorsätzliche Gefährdung durch übertragbare Krankheiten", die der Richter beim aktuellen Fall auch mit Kondom als gegeben ansehen würde, käme damit nicht in Betracht. (nb)



#1 Geert
  • 07.03.2012, 11:09h
  • "Diese Vorsicht ist im übrigen unnötig, wenn der HIV-Positive seine Viruslast im Rahmen einer Therapie unter die Nachweisgrenze drücken kann"

    Toll! Dann kann er ja ohne Bedenken beim Bukkake mitmachen...
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  • Anm. d. Red.: Das kann er, in der Tat! Bukkake: bezeichnet eine Gruppensexpraktik, bei der mehrere Männer auf eine weitere Person ejakulieren. Dies geschieht meist in Form der Ejakulation ins Gesicht, der Gesichtsbesamung (Quelle: Wikipedia).
#2 GeroAnonym
  • 07.03.2012, 11:16h
  • Antwort auf #1 von Geert
  • Stimmt, diese Aids-Hilfe Ratschläge sind immer sehr fragwürdig. Weiß der Passive, ob der andere positiv und in Therapie ist, und soll er nach der Viruslast fragen? Ausserdem gibt es nicht nur HIV sondern auch HPV u.a. Also, wer viel Wechselnde bläst sollte ein Gummi benutzen. So doof das auch ist. Solche Tipps müsste eigentlich die Aidshilfe geben, oder liege ich da so falsch?
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  • Anm. d. Red.: Das Wichtigste zu Oralverkehr bitte hier nachlesen: www.aidshilfe.de/de/sich-schuetzen/hiv/aids/uebertragung?pag
    e=2
#3 GeroAnonym
  • 07.03.2012, 11:44h
  • Ihr schreibt das aber so, als sei bei niedriger VIruslast das "Raus, bevor es kommt" nicht zu beachte. Lest nochmal euren Text durch. Wie gesagt, es gibt auch HPV.
    Ausserdem gilt die Viruslastmethode für "monogame" Paare, erscheint sie mir aber wie die Temperaturmethode bei Frauen.
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#4 JuppiAnonym
  • 07.03.2012, 12:04h
  • Antwort auf #3 von Gero
  • Die Safer Sex-Regeln gelten nach wie vor, speziell bei anonymen Kontakten. Aber richtig ist auch, dass ein HIV-Positiver bei funktionierender Therapie und frei von weiteren sexuell übertragbaren Krankheiten nicht mehr infektiös ist.
    Was dir in diesem Licht zu riskant erscheint oder nicht, ist deine persönliche Entscheidung. Deine eigene Einschätzung macht aber die Ratschläge der Aids-Hilfen nicht fragwürdig. Und es geht am Kern des skandalösen Urteils vorbei, dass scheinbar frei vom aktuellen Wissensstand entstanden ist...
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#5 HmmmmAnonym
  • 07.03.2012, 12:37h
  • Antwort auf #4 von Juppi
  • Hm, man regt sich auf dass Homosexuelle ständig mit AIDS und HIV in Verbindung gebracht werden (etwa Blut spenden).

    "Das schwule News-Portal Queer.de"[1] schreibt Nachrichten über heterosexuellen Oralsex, wobei eine Person davon HIV+ ist. Damit baut man schon wieder selbst eine Verbindung zu HIV auf, über die man sich beim nächsten Blutspende-Artikel wieder aufregen kann

    [1]
    www.queer.de/unternehmen.php
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#6 DadoMucAnonym
  • 07.03.2012, 13:18h

  • Sehr gutes Urteil.
    Unverantwortlich sein verhalten Viruspartikel hin oder her.

    Ich find es erschreckend wie hier diese krankheit verharmlost wird.
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#7 JonassAnonym
#8 StefanoAnonym
#9 ClaudiaAnonym
  • 07.03.2012, 15:45h
  • Antwort auf #6 von DadoMuc
  • Ähm...."sehr gutes Urteil"? Das Urteil ignoriert komplett den Kenntnisstand zu HIV und Blasen und auch das Urteil des höchsten Österreichischen Gerichtshofes, ist insofern völlig fragwürdig.

    Hier wird nichts verharmlost, wir sind nur gegen die pauschale Kriminalisierung von HIV-Positiven.

    Im übrigen ist ja offenbar total unklar, was wirklich passiert ist. Man kann auch fragen, ob und wieso seine Sexpartnerin nicht mal interessiert hat, ob er vllt HIV-positiv oder ne andere STI hat, bevor sie ihn bläst. Die Verantwortung beim Sex nur auf den HIV-positiven Partner abzuschieben, ist falsch und unfair.
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#10 JonassAnonym
  • 07.03.2012, 15:52h
  • Antwort auf #8 von Stefano
  • Mit der Logik kann man alle Thematiken als LGBT relevant begründen.
    Es gibt z.B. Gewalttaten gegen Schwule und Lesben über die hier berichtet wird.
    Es werden aber keine heterosexuellen Gewallttaten hier erwähnt nur weil das Schwulen und Lesben auch passieren kann.

    Ich finde es nicht richtig das Thema HIV indirekt mit schwul in Verbindung zu bringen in dem es hier in Assoziation gesetzt wird.
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