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Don´t ask, don´t shoot

Homo-Gurke für Schützenbruderschaft


Nicht nur die Schützenbruderschaft eignet sich ideal zum Konservieren.

Der katholische Schützenverband hat am Sonntag mehrheitlich dafür gestimmt, dass an der Seite eines schwulen Schützenkönigs bei offiziellen Anlässen nur eine Frau sein darf.

Von Christian Scheuß

Ob sich Franz Fürst und Altgraf zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, der erste "Hochmeister" vom "Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften" wohl in den vergangenen Monaten deutlich vernehmbar im Grabe gedreht hat? Da schießt im Sommer 2011 nicht nur ein schwuler Mann im westfälischen Münster bei der Bruderschaft St-Wilhelmi-Kinderhaus den Vogel ab! Nein, der erdreistet sich auch noch, bei den Festivitäten seinen Lebenspartner an der Seite zu haben! Ob das mit dem bis heute geltenden Motto "Für Glaube, Sitte, Heimat" zu vereinbaren ist?

Ganz offensichtlich nicht. Der katholisch "unterwanderte" Dachverband mit seinen insgesamt 300.000 Mitgliedern hat - wie angekündigt (queer.de berichtete) - im Märzen anno 2012 beschlossen: Schwul sein darf man auch als Schützenbruder, nur zeigen darf man es nicht. "Das öffentliche Auftreten als gleichgeschlechtliches Königspaar oder Prinzenpaar ist mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar", heißt es in dem am Sonntag in Leverkusen auf der Bundesvertreterversammlung beschlossenen Antrag. Das Votum ist eindeutig: 450 stimmten dafür, nur 28 dagegen, 18 enthielten sich.

Homosexuelle Emanzipation in der Höhle des Spießer-Löwen


Der Schützenbund publiziert Schriften, die in "jede Schützenfamilie gehören" (Bild: bund-bruderschaften.de)

Nun mag Franz Fürst wieder Ruhe geben in der Gruft, und wäre es beispielsweise das Jahr 1960, könnte man das Ganze mit einem tuntigen Achselzucken abtun: Selbst schuld, wenn sich ein Schwuler in die Höhle des Spießer-Löwens begibt, was soll man da anderes erwarten? DAFÜR haben wir schließlich nicht gekämpft.

Aber was immer man auch von einer Freizeitbeschäftigung halten mag, in der man Holzfiguren auf hohen Stangen durch stundenlanges Beschießen mit kleiner Munition herunterholt, bei der man das richtige Fahnenschwenken nach Rheinischer Art erlernen kann; Bei einem Verband, der einem das Schützen-Betbuch ans Herz legt, weil es "in jede Schützenfamilie gehört": Hier wird eine weitere Diskriminierung-Front der katholischen Kirche aufgemacht. In Tarnfarben gestrichen natürlich, denn wie ein Sprecher des Bundes betonte: "Wir diskriminieren keine Homosexuellen". Nun ja....

Der schwule Schützenkönig Dirk Winter, der seinen Partner Oliver Hermsdorf mit Einverständnis seines lokalen Vereins zur Königin erkor, war sich bewusst, dass dies (noch) etwas Ungewöhnliches war (queer.de berichtete). Diesen Beschluss können beide jedoch nur als persönliche Demütigung auffassen. Schwul sein ist für die Mehrheit seiner Mitbrüder nur dann ok, wenn es unter der Decke bleibt. Öffentliche Auftritte als König sind nur dann möglich, wenn man das Versteckspiel mitmacht. Die Königin selbst darf dabei aber ruhig lesbisch sein.

Dem Erotik-Fachhandel empfehlen wir, in der Reihe aufblasbarer weiblicher Puppen künftig noch ein Modell "Schützenkönigin" ins Portfolio aufzunehmen. Wir schließen uns außerdem der Forderung von Volker Beck an, dass sich nun die Antidiskriminierungsstelle des Bundes einschalten sollte.

Ansonsten überreichen wir hiermit feierlich an den "Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften", der den Schuss ganz offensichtlich nicht gehört hat, die wohlverdiente Homo-Gurke...



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.
#1 BurgerBerlinProfil
  • 12.03.2012, 13:21hBerlin
  • Was will man eigentlich in so einem schießwütigem altbackenen klerikalen Verein ? - Mit diesem ganzen Brimborium von Uniformen und Blechorden auf der Brust.
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#2 saltgay
  • 12.03.2012, 13:33h
  • Ist es für einen Schwulen wirklich notwendig Mitglied in einem solchen Verein zu sein?

    Ich käme ja auch nie auf die Idee einen Mitgliedsantrag bei FDP/CDU/CSU oder den Sozis zu stellen.

    Es gibt Vereine, auf welche man absolut verzichten kann.
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#3 Avalon84Profil
  • 12.03.2012, 13:44hberlin
  • dann lieber mitglied beim lsvd sein oder in nem schwulen bowling-club wo auch heten erlaubt sind. man muss ja nicht gleiches mit gleichem vergelten. viel mehr sollten wir vorbilder für toleranz zeigen und sagen: ich bremse auch für heten^^
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#4 David77Anonym
  • 12.03.2012, 13:50h
  • Natürlich kann man sich wundern, warum man
    dort überhaupt Mitglied werden muss...
    Aber in der Provinz herrscht wohl Gruppenzwang schätze ich mal?!?
    Aber die Abstimmung zeigt mal wieder folgendes:
    Bei den Katholen darf man ruhig schlimme Sachen machen, hauptsache den schönen Schein wahren!!!
    Saufen, fremdgehen, ist wohl alles ok...
    ABer ZEIGEN wie man fühlt, also EHRLICHKEIT, DAS ist dann wohl nicht in Ordnung?!?
    Sitte? Brauch?!? Ich dachte es wäre Sitte und Brauch den Menschen den man liebt an seiner Seite zu zeigen.
    Aber offenbar besteht ein Brauch nur darin "so zu tun als ob"... Was für eine tolle Sitte etwas zu zeigen, was man gar nicht ist...
    Damit haben die Pappkameradschaften ihr wahres Gesicht gezeigt und sich zugleich der Lächerlichkeit preisgegeben...
    Noch lächerlicher wäre es dieses Ritual zu verlangen wenn jeder weiß was Sache ist beim heimlich schwulen Schützenkönig ist...

    Aber vielleicht wäre es ihnen auch zu peinlich einem SCHWULEN Schützen unterlegen zu sein...
    Man duldet ja keine Frauen als Schützen, DAS könnte man wohl auch nicht haben.
    Wo letztes Jahr das Problem war erschließt sich mir nicht - die Kameraden waren doch damit einverstanden und hatten den König sogar dazu ermuntert?!? Womit nicht sich diese Bruderschaft dann also das Recht raus, dies vorschreiben zu wollen?!?
    Da laufen doch eh nur Kerle in Uniform nebeneinander her...
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#5 David77Anonym
  • 12.03.2012, 13:54h
  • PS:
    Wenn die abstimmen können, warum soll man als Bürger einer Stadt auch nicht abstimmen dürfen, dass man keine Schützenumzüge sehen will und die somit nicht auf die Strasse dürfen?!?
    Gleiches Recht für alle...
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#6 splattergayAnonym
  • 12.03.2012, 13:55h
  • Ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist die Diskriminierung nicht ganz von der Hand zu weißen, andererseits ist eine Mitgliedschaft in einem Verein immer freiwillig.

    Auch in der Szene gibt es Dresscodes oder Lokale, zu denen keine Frauen zugang haben. Das kann man auch als Diskriminierung sehen.

    Nich hinnehmbar ist allerdings die Diskriminierung der kath. Kirche im Arbeitsrecht.
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#7 Knueppel
  • 12.03.2012, 14:23h
  • Solche Reservate der Verlogenheit existieren überhaupt nur noch, weil der dort massiv vorhandene und gelebte Rassismus, Antisemitismus und die Homophobie einerseits geleugnet werden und andererseits, getarnt in Schutzbehauptungen, wie "wir haben überhaupt nichts gegen Schwarze, Juden und Homosexuelle ..., nur zu uns passen sie nicht" offen artikuliert werden.

    Wären diese, in ihrem Weltbild und ihrer geistigen Entwicklung weit zurückgebliebenen, Spießer auch nach außen hin ehrlich (und nicht nur nach 10 - 20 Glas Bier), dann ... wären solche reaktionären Haufen längst wegen Volksverhetzung verboten worden (ja, manchmal kommt bei mir so etwas, wie Optimismus durch )

    PS
    Vor Jahren habe ich einmal eine "satirische" Fernseh-Sendung über das Neusser Schützenfest (eines der größten und reaktionärsten Deutschlands) gesehen. Was da bei der Befragung der (meist besoffenen) Teilnehmer zu Tage gefördert wurde, stammte teilweise 1:1 aus der Nazi-Zeit.
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#8 alexander
  • 12.03.2012, 14:53h
  • Antwort auf #1 von BurgerBerlin
  • ["Was will man eigentlich in so einem schießwütigem altbackenen klerikalen Verein ? - Mit diesem ganzen Brimborium von Uniformen und Blechorden auf der Brust."]
    scheint nicht nur "schützenvereine" zu betreffen ! wenn ich so an das letzte "zapfenstreichen" denke ?
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#9 schwarzwaldbub
  • 12.03.2012, 15:16h
  • Bei Katholens brechen ja mal wieder alle Dämme. Die gute alte christliche Tradition der willkürlichen Ausgrenzung von Menschen, die so wichtig für die katholische Ideologie ist, droht nun völlig abhanden zu kommen. Musste unter all den drolligen Kulten, die in der Spätantike existierten, nun ausgerechnet das gruselige Christentum Staatsreligion werden?
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#10 Olli_BOAnonym
  • 12.03.2012, 15:21h
  • Würde einfach mal die Kiche im Dorf lassen, wo sie hingehört. Bei aller Forderung nach Toleranz sollte man doch einfach hinnehmen, dass ein Königspaar aus einer Königin und einem König besteht. Ich sehe keinen Grund, warum auf einmal ein Kerl als Königen neben dem König rumlaufen soll. Die komischen Schützenbrüder haben ja keinem Schwulen verboten, in ihrem Reihen einen Vogel von Stange zu ballern und sich auch sonst vier Tage im Jahr hemmungslos zu besaufen und sich zu benehmen wie ein Neandertaler auf der Balz. Ein schwuler König kann sich ja ne Lesbe nehmen, wenn er denn ein Zeichen setzen will. Ich würde als aufgeklärter Schwuler einfach nicht in so einen Verein eintreten. Wer hat schon Lust, zu Marschmusik im Stechschritt um 23:00 Uhr eine Fahne aus dem Zelt zu eskortieren. Schwule sind fast überall in der Gesellschaft angekommen, und nun lasst den Heten doch einfach ihre letzte Bastion angeblicher christlicher Werte, wie Sitte (!!!) Heimat und Glaube. Immerhin müssen sie jetzt auch schon grölende Schwule im Fanblock eines Fußballstadions ertragen und wenns ganz bös läuft, demnächst auch noch einen schwulen Stürmer. Also immer cool bleiben Freunde der Nacht!
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