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Ritts Porträt des Turmspringers und Olympiasiegers Greg Louganis, Hollywood, 1987 (Bild: 2012 J. Paul Getty Trust/ courtesy Schirmer/Mosel)

Bei Schirmer/Mosel ist ein Bildband mit den schönsten Mode- und Aktaufnahmen des legendären schwulen Fotografen erschienen

Von Carsten Weidemann

Herb Ritts (1952-2002) gehört mit seinem außergewöhnlichen Stil - der Einbeziehung von Licht und Landschaft wie der besonderen Körperkultur Kaliforniens - zu den wichtigsten und innovativsten amerikanischen Fotografen seiner Generation. Führende internationale Modeschöpfer wie Armani, Calvin Klein, Valentino oder Versace liebten seine herausragende Fähigkeit, den einfachsten Kleidungsstücken Sex und Glamour zu verleihen. In Los Angeles geboren, hatte Ritts den besonderen Lebensstil dieser Stadt verinnerlicht und schuf so unverwechselbare Ikonen, mit denen er sich grundlegend von seinen New Yorker Kollegen absetzte.

Das J. Paul Getty Museum in L.A. zeigt vom 3. April bis 26. August 2012 eine großangelegte Ausstellung mit Vintage Prints, Polaroids und kommerziellen Video-Projekten des Autodidakten. Das begleitende Buch mit über 170 größtenteils ganzseitig gedruckten Duotone-Tafeln gibt es als deutsche Edition schon jetzt bei Schirmer/Mosel.

Ritts starb vor zehn Jahren an den Folgen von Aids


Djimon with Octopus, Hollywood, 1989 (Bild: 2012 J. Paul Getty Trust/ courtesy Schirmer/Mosel)

Der Band beinhaltet die besten Bilder von Herb Ritts, dessen Werk beispielhaft für die synergetische Vereinigung von Kunst, populärer Kultur und Business im Gefolge der Pop Art der 1960er und 70er Jahre steht. Zwei Essays im Buch beschäftigen sich mit der außergewöhnlich produktiven Karriere des schwulen Fotografen bis zu seinem frühen Tod - er starb 2002 an den Folgen einer HIV-Infektion - und analysieren Ritts' besonderes Talent, innerhalb seiner Bilder die Kluft von Kunst und Kommerz erfolgreich zu überbrücken.

Herb Ritts gelang der große Durchbruch auf dem Gebiet der Fotografie 1979 mit der Veröffentlichung einer Aufnahme des jungen Schauspielers Richard Gere, die zwei Jahre zuvor entstanden war. Seine Bilder wurden in den folgenden Jahren in den renommiertesten Magazinen wie Harper's Bazaar, Vogue, GQ, Rolling Stone und Vanity Fair abgedruckt, zudem belieferte er Andy Warhols berühmtes Interview-Magazin regelmäßig mit Portraits von Prominenten, die seine zurückhaltende, experimentelle Herangehensweise sehr schätzten.

Homoerotische Akte durchtrainierter Models


Der Bildband ist ein Vorgeschmack auf die große Herb-Ritts-Ausstellung im J. Paul Getty Museum in L.A.

Ritts' Auftragsarbeiten zielten darauf ab, Mode zu verkaufen, gleichzeitig waren sie von eleganter Schönheit und minimalistischer Stärke. Seine homoerotischen Akte, die er mit durchtrainierten Models - meist Athleten oder Tänzer - umsetzte, bewirkten zusammen mit den fotografisch verwandten Arbeiten seiner Zeitgenossen Robert Mapplethorpe und Bruce Weber eine radikale Wende in der Darstellungsweise des männlichen Körpers.

Herb Ritts, der auch zahlreiche Musikvideos für Madonna, Chris Isaak oder Janet Jackson drehte, trug mit seinen ikonenhaften Aufnahmen nicht nur zum Aufblühen des Phänomens der Supermodels bei, er war selbst eine Hollywood-Berühmtheit, der in dem Ruf stand, mit seinen Bildern Leute zu Stars zu machen. Für die Dichte diese Staraufgebots liefert das Buch den visuellen Beweis: hier versammeln sich die berühmtesten Protagonisten der Film- und Modewelt in zeitlos schönen Fotografien.

Herb Ritts: L.A. Style, Fotoband, mit einem Essay von James Crump, 208 Seiten, 173 Duotone-Tafeln, Schirmer/Mosel, München 2012, 78 €, ISBN 978-3-8296-0570-0