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"The Best Exotic Marigold Hotel"

Ein schwuler Rentner in Indien


Tom Wilkinson gibt den pensionierten Richter Graham, der seine schwule Jugendliebe vermisst (Bild: 2012 Twentieth Century Fox)

In der Komödie "The Best Exotic Marigold Hotel", die heute in den Kinos startet, spielt Tom Wilkinson einen schwulen Rentner auf der Suche nach seiner Jugendliebe. Wir trafen ihn zum Interview.

Von Peter Fuchs

Tom Wilkinson ist ein Star, der sich nicht in die erste Reihe spielt. Ob an der Seite von Tom Cruise in "Mission: Impossible - Phantom Protokoll", George Clooney in "Michael Clayton" oder Helen Mirren in "Eine offene Rechnung": Tom Wilkinsons Darstellung verleiht jedem Film Charakter.

Ab dem 15. März ist er mit der rührig-witzigen Rentnerkomödie "The Best Exotic Marigold Hotel" im Kino zu sehen. Darin gaukelt ein junger Hotelbesitzer via Internet britischen Rentnern ein wunderbares Altersrefugium in Indien vor, obwohl das Haus knapp vor dem Zusammenbruch steht. Tom Wilkinson gibt Graham, einen ehemaligen Richter am Obersten Gerichtshof, der nach Indien aufbricht, um seine Jugendliebe wieder zu finden. In Grahams Fall ein indischer Mann.

Im Londoner Soho Hotel trafen wir Tom Wilkinson zum Interview und sprachen mit ihm über die Homosexualität seiner Filmrolle sowie seine Eindrücke von den Dreharbeiten in Indien.


Wilkinson über Indien: "Es ist mehr wie eine Reise auf einen anderen Planeten" (Bild: 2012 Twentieth Century Fox)

Wie wichtig war es, dass Graham schwul ist, Herr Wilkinson?

Eigentlich gar nicht. Bei Graham geht es nicht um eine größere Geschichte über das Schwulsein, das fand ich am Drehbuch sehr interessant. Seine Homosexualität zeigt bloß nebenbei, dass er anders ist, als man erwartet. Quasi eine Überraschung, wie sie alle anderen Figuren auch im Laufe des Films bieten. Durch seine Homosexualität lässt sich das dramatisch zuspitzen. Graham kommt im Roman gar nicht vor, diese Einschiebung wurde von Regisseur John Madden und dem Drehbuchautor bewusst gewählt.

Worauf legten Sie den Fokus beim Erarbeiten der Rolle?

Mehr als alle anderen in diesem Hotel fragt sich Graham in der Rückschau auf sein bisheriges Leben, ob er etwas falsch gemacht hat. Er reflektiert darüber sehr ernsthaft und auch mit dem dazu gehörigen Kummer. Das kann ich gut nachempfinden, weil das nichts mit sexueller Orientierung zu tun hat. Bei Graham geht es eben um einen Mann und nicht um eine Frau. Er überlegt, wie sein auf den ersten Blick erfolgreiches Leben wohl verlaufen wäre, hätte er sich als Teenager anders entschieden.

Hätte Graham ein glücklicheres Leben geführt, wenn Homosexualität zu dieser Zeit nicht geächtet worden wäre?

Vermutlich ja, aber darüber können wir natürlich nur spekulieren. Sollte jemand diesen Schluss im Kinosaal ziehen, dann ist mir das auch recht.


Eine Gruppe britischer Rentner hat sich ihren Altersruhesitz in Indien komplett anders vorgestellt (Bild: 2012 Twentieth Century Fox)

Konnten Sie die Dreharbeiten in Indien genießen?

Ich weiß jetzt, was ein Kulturschock ist. Waren Sie schon mal in Indien?

Nein.

Es ist nicht vergleichbar mit einem Trip nach New York oder nach Berlin. Es ist mehr wie eine Reise auf einen anderen Planeten. Ich war vom Anblick dieser Armut und dem scheinbaren Desinteresse sie zu beheben ziemlich geschockt. Das Kastensystem ist problematisch. Obwohl offiziell abgeschafft, ist es vor allem bei den Älteren noch tief in der Gesellschaft verwurzelt. Und die meinen eben, dass die Menschen arm sind, einfach weil es ihr Schicksal ist.

Soll man also nicht nach Indien auf Urlaub fahren?

Im Gegenteil, alle sollen ihre Dollars, Pfund und Euros nach Indien tragen. Ich denke, dass man so zur Lösung dieser Probleme beitragen kann. Mit der wachsenden Wirtschaftsleistung versuchen die jungen Inder, auch die Armut in den Griff zu bekommen.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film