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Die irischen Jedward-Zwillinge könnten einen coolen Beitrag abliefern, machen sich aber zu Clowns

Russische Omas, Disco-Pop aus Schweden und der Ukraine und viele Balladen: Der Grand Prix in Baku wird bunt trotz der Umgebung.

Von Norbert Blech

Noch neun Wochen und ein Tag, dann ertönt wieder die Eurovisions-Hymne im Fernsehen. Mittlerweile stehen (bis auf eine Ausnahme) alle Teilnehmer mit ihren Songs fest, Queer.de gibt Dir den Überblick und eine kommentierte Video-Galerie mit allen Teilnehmern, die Du für die kleine Unterhaltung zwischendurch auch als Playlist in einem Pop-up abspielen kannst.

Denn unterhaltsam wird er wieder werden, der 57. Eurovision Song Contest. So sind Jedward, die irischen Zwillinge zurück, auch wenn der Synthesizer-Song nicht an den Tanzhit des Vorjahres heranreicht. Die Ukraine und Schweden senden zwei Dancehits nach Baku, die man demnächst sicher auf den Homo-Tanzflächen des Landes hören wird. Das gilt wohl auch für Norwegens Tooji, der aussieht wie Eric Saade, der letztes Jahr für Schweden "Popular" sang, und dessen Lied klingt wie "Born This Way" - unverschämter wird sonst nirgendwo imitiert.

Unter leichtem Kopierverdacht steht auch Deutschlands Roman Lob, sein "Standing Still" erinnert bisweilen an den Sieger des Vorjahres. Trotzdem könnte er, auf Startplatz 20 des Finales, mit dem von Jamie Cullum komponierten Song weit vorne landen; die Favoriten der Buchmacher, etwa erneuter Jazz aus Italien oder eine stimmlich hervorragende Ballade aus Spanien, nicht unbedingt. Es gibt 2012 sehr viele Balladen, gerade im zweiten Halbfinale, und niemand klagt so kräftig wie Albaniens Rona Nishliu. Insgesamt sind 42 Länder in Baku vertreten: Polen und Armenien verzichten, Montenegro ist zum ersten Mal seit 2009 dabei.

Youtube | Auch Linguisten kommen bei den Trackshittaz aus Österreich auf ihre Kosten

Von jugendlich bis senil


Die Türkei schickt Can an den Start, männliche Augenweiden gibt es ansonsten wenige. Davon könnte auch Roman Lob profitieren.

Sympathische Songs gibt es 2012 einige: Die Niederlande bieten im Indianeroutfit dargebotenen Country, der Erinnerungen an frühe Grand-Prix-Zeiten weckt. Für Dänemark geht die Tochter eines Deutschen und einer Schweizerin mit einem gehobenen Radiohit an den Start, für Israel ein leicht campiger Gute-Laune-Song aus der Indie-Ecke. Und die Rapperjungs aus Österreich lassen den Popo wackeln, der jugendlichste Beitrag des Grand Pix in Baku.

Am anderen Ende der Lebensskala wartet Engelbert Humperdinck, die Überraschung der BBC, mit einer gesungenen Altersweisheit über die Kraft der Liebe. Dabei ist er nicht der Älteste, schickt Russland doch sechs Omas mit einem Partytanz auf die Bühne - der mit Abstand trashigste Beitrag des Wettbewerbs. Nur schlecht hingegen ist ein Song über Facebook von niemand geringerem als Ralph Siegel. Eingereicht für San Marino am Samstag, wurde er am Sonntag schon disqualifiziert - Werbebeiträge sind verboten. Bis Freitag muss das Land den Text ändern oder ein neues Lied einreichen - hat Siegel da etwas Besseres zu bieten und wollte vorab nur für Schlagzeilen sorgen?

Youtube | Sie können auch anders als Party: Die russischen Ömchen vom Grand Prix mit dem Beatles-Klassiker "Yesterday". Bitte die Nummer einer Suizid-Hotline parat halten, selbst die Katze ist depressiv.

Laute Musik, leise Kritik


Guido Westerwelle und sein Amtskollege Elmar Mamedjarow (Bild: Photothek/Köhler, Auswärtiges Amt)

Aserbaidschan präsentiert sich mit der Ballade "When the Music Dies" traurig-melancholisch. Das passt zu diesem Land, in dem für die Grand-Prix-Halle Bürger enteignet, ihre Häuser abgerissen wurden. Die Lage der Menschenrechte und der Presse sind prekär, was auch für die Pressekonferenzen rund um die PR-Show nichts Gutes verheißt.

So wurde vor wenigen Tagen in Berlin die Pressekonferenz zum alternativen Wettbewerb "Sing for democracy" von aserbaidschanischen Journalisten durch Zwischenrufe relegrecht gesprengt. Der im Auswärtigen Amt angesiedelte Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), hat in den letzten Wochen mehrfach Baku kritisiert - im Gegenzug wurde er von den örtlichen Medien als besoffen diffamiert, auch vom Geschlechtsverkehr mit einer Bürgerrechtlerin wurde gesprochen.

In der vergangenen Woche war der deutsche Außenminister in Aserbaidschan. Auf einer Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen gab es eine Frage, wie die Kritik Lönings einzuschätzen sei. Elmar Mamedjarow antwortete, in Aserbaidschan stehe es gut um die Demokratie, Löning äußere sich "nicht zufriedenstellend" und eigne sich nicht als Mentor. Westerwelle reagierte seicht mit der Betonung der Wichtigkeit eines Austausches, über die Chance, sich als offene und freie Gesellschaft zu präsentieren.

Das Wort Menschenrechte oder auch den Namen seines Mitarbeiters und Parteigenossen kam ihm dabei nicht über die Lippen, am nächsten Tag traf er sich immerhin mit Oppositionellen. Auch die EBU schafft es seit einem guten Jahr nicht, Missstände offen anzusprechen, der NDR nur bedingt. Das alles wirft einen traurigen, einen ärgerlichen und unnötigen Schatten auf den Grand Prix.

teaserbild
(42 Videos) Von den Omas von Buranovskiye Babushki über Billg-Pop von Jedward hin zum Tanzknaller von Loreen - alle Videos der Teilnehmer des Grand Prix.



#1 boy of izmirAnonym
#2 MarcAnonym
  • 19.03.2012, 13:10h
  • Ich werde den ESC boykottieren!

    Aserbaidschan ist eine Diktatur. Erst letzte Woche wurde in Baku eine Demonstration für mehr Demokratie und mehr Menschenrechte von der Polizei wieder mal blutig niedergeschlagen. Einige Demonstranten sitzen noch heute im Knast.

    Von der Unterdrückung und Verfolgung Homo-, Bi- und Transsexueller mal ganz zu schweigen.

    In so einem Land kann man keinen fröhlichen Wettbewerb mit vorgetäuschtem Spaß und guter Laune machen. Und so tun, als wäre alles in Ordnung, wo nichts in Ordnung ist.

    Das ist eine indirekte Unterstützung dieser Diktatur. Dass das überhaupt so weit gekommen ist, ist schlimm genug, aber dann muss ich das nicht auch noch ansehen oder gar da anrufen.
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#3 boy from russiaAnonym
#4 vermischtesAnonym
#5 Albaboy
#6 Leo20mal6Anonym
#7 alexMucEhemaliges Profil
#8 giacomoProfil
#9 Albaboy
#10 matzeProfil
  • 19.03.2012, 21:38hZwickau
  • Allen Kritiken am veranstaltenden Land zum Trotz wird die schwule Community doch wieder vor der Glotze sitzen und schmachten...wenn sie nicht sogar vor Ort die Kassen des Regimes füllt. Das Beste ist aber, daß man, selbst wenn den Fernseher einfach nicht anschaltet, diese musikalisch auf Kellerniveau ablaufende Kroteske bezahlt. Nämlich via GEZ.
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