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Ursprünglich haben wir hier ein Ausschnitt des unautorisierten Motivs von Scholz & Friends dokumentiert. Maredo drohte uns jedoch im Falle einer Weiterveröffentlichung mit rechtlichen Schritten

Das nie verwendete Kampagnen-Motiv "Tofu ist schwules Fleisch" sei von der Agentur Scholz & Friends ohne Auftrag entwickelt worden, stellte die Steakhauskette klar.

Von Carsten Weidemann

Tofu ist doch nicht schwul! Zu dieser ungewöhnlichen Klarstellung sah sich die Steakhaus-Kette Maredo auf ihrer Homepage veranlasst, nachdem im Internet inoffizielle Anzeigenmotive aus dem Jahr 2008 die Runde machen.

Auf einem angeblich von der renommierten Agentur Scholz & Friends entworfenen Motiv der so genannten Brandeisenkampagne ist ein Maredo-Steak mit dem eingebrannten Slogan "Tofu ist schwules Fleisch" abgebildet. Auch eine englische Version "Tofu is gay meat" existiert.

"Dies war, ist und wird niemals Werbung unseres Hauses", stellt Maredeo nun klar. "Vielmehr war dies ein Wettbewerbs-Beitrag einer Werbeagentur, den wir nie beauftragt oder genehmigt haben. Wir distanzieren uns ausdrücklich von diesen Inhalten."

Die Agentur habe sich bereits 2009 entschuldigt

Doch wie kam es nun zu den Motiven? Im Jahr 2008 sei die Berliner Agentur Scholz & Friends unaufgefordert an die Steakhauskette herangetreten, weil sie an einem kreativen Agenturwettbewerb teilnehmen wollte – dagegen habe Maredo nichts einzuwenden gehabt. "Im Laufe der Entwicklungsarbeit haben wir zwar einige Entwürfe (…) gesehen, darunter befand sich jedoch nicht der Entwurf mit homophobem Inhalt", heißt es in der Stellungnahme des Unternehmes. Erst ein Jahr später habe man erfahren, dass auch das "Tofu ist schwules Fleisch"-Motiv von der Agentur entwickelt und im Wettbewerb eingereicht worden sei. "Wir haben daraufhin Scholz & Friends seinerzeit sofort aufgefordert, jeden weiteren Einsatz zu unterlassen und mögliche Veröffentlichungen zu stoppen. Dies wurde uns von der Agentur Scholz & Friends ausdrücklich im Mai 2009 zugesichert. Sie hat sich darüber hinaus für nicht abgestimmte Motive und deren Nutzung entschuldigt."

Dass die Motive aktuell wieder im Web auftauchen, ist Maredo "unerklärlich". In der Stellungnahme der Steakhauskette heißt es: "Wir gehen dem immer sofort nach und haben zudem neben unseren eigenen Anstrengungen parallel die Agentur erneut aufgefordert, jede Verbreitung der Kampagnenmotive zu stoppen und eine umfassende Löschung vorzunehmen." Laut dem Medienportal MEEDIA prüft Scholz & Friends derzeit, wie die umstrittenen und vermeintlich längst gelöschten Bilder ins Internet gelangen konnten.

So sehr die deutliche Klarstellung von Maredo zu begrüßen ist – wer im Web eine "umfassende Löschung" verlangt, ist nicht nur naiv, sondern wird vermutlich eher eine größere Verbreitung erreichen…

Volker Beck fordert "Beitrag in die Chauvi-Kasse"

Nachtrag, 11:30 Uhr: In einer Pressemitteilung vom Mittwoch forderte der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck eine Entschuldigung von Scholz & Friends sowie einen "Beitrag in die Chauvi-Kasse". Wörtlich heißt es darin: "Das Motiv ist homophob und spielt mit antihomosexuellen Vorurteilen. Schwule seien keine richtigen Männer, Lesben keine richtigen Frauen, Tofu kein richtiges Fleisch und wer so etwas denkt ist demokratisch nicht ganz bei Trost." So eine Entgleisung dürfe einer der führenden Marketing-Agenturen in Deutschland nicht unterlaufen, so Beck. "Ich erwarte eine aktive Wiedergutmachung, etwa in Form einer Spende an die Hirschfeld-Eddy-Stiftung oder durch eine kostenlose Beteiligung an einer Kampagne gegen Homophobie und Ausgrenzung."



#1 SteakholderAnonym
#2 Leo20mal6Anonym
#3 JeffAnonym
  • 21.03.2012, 13:19h
  • Erinnert mich an Carol Adams grandioses Buch "The sexual politics of meat" (Deutsch: Zum Verzehr bestimmt). Darin zeigt sie auf, wie (heterosexuelle) Männlichkeit über Fleischkonsum definiert wird, wie Fleisch männlich und Gemüse weiblich konnotiert wird und wie die Unterdrückung von Frauen (und daneben auch von Homosexuellen) mit der Unterdrückung von Tieren in einer patriarchalen Gesellschaft Hand in Hand geht.

    Demnach essen "echte Männer" Fleisch. Lehnt ein Mann Fleisch ab, ist er ein Spinner, Weichling, Früchtchen oder einfach nur eine Schwuchtel. Dabei kommt es dann vor allem in der Darstellung in Werbung zu einem interessanten Phänomen, bei der einerseits Fleisch sexualisiert wird und der Fleischkonsum mit dem sexuellen "Konsum" einer Frau verglichen wird und andererseits zum Objektstatus der Frau als ein Stück konsumierbares Fleisch für den heterosexuellen Mann. Oder eben wie hier: In dem betont wird, dass Fleischkonsum absolut männlich ist und ein Mann nur ein Mann ist, wenn er Fleisch isst und so seine Macht über das Tier unbewusst reproduziert (Wie kann man seine Macht über jemanden besser demonstrieren, indem man seinen Körper verschlingt?) Klingt sehr komplex und gaga, wer aber das Buch liest, dem geht plötzlich ein Licht auf. Oder er schaut sich diesen Vortrag ab Minute 28:39 an:

    www.youtube.com/watch?v=Uwm2bdndlJ4

    Tatsächlich finde ich es schade, dass bei der Untersuchung von Ungleichheit, Diskriminierung und Stigmatisierung, fast nie auf die Parallelen und Verbindungen verschiedener Diskriminierungsstrategien eingegangen wird. Alle Diskriminierungen sind miteinander verbunden, funktionieren nach dem gleichen Muster, und lehnen sich dabei an ein uraltes, seit der Antike wirkendes, durch monotheistische Religionen (Christentum, Judentum, Islam) verstärktes und leider seit der Aufklärung vertieftes Ungleichheitsmuster an: Das Verhältnis des Menschen zu anderen Tieren. Unsere fiktive Vorstellung, was Tiere sind (ja fiktiv, naturwissenschaftlich gesehen gehört der Mensch zum Tierreich, doch wenn wir von Tieren sprechen, meinen wir meist das genaue Gegenteil vom Menschen) und ihre daraus resultierende Abgrenzung zum Menschen und ihre Abklassifizierung als vermeintlich vernunftlose, triebgesteuerte Wesen, dient nicht nur zur Rechtfertigung ihrer Unterdrückung, Tötung und Ausbeutung zugunsten von Fleisch- Milch- und Eierkonsum, zu Tierversuchen und Jagd, sondern bildet sozialwissenschaftlich bewiesen die Basisfolie um Menschengruppen, wie Frauen, Schwarze oder Homosexuelle zu stigmatisieren, zu entmenschlichen und dem Tier nahezuschreiben, um so auch hier eine Rechtfertigung zu haben, um sie zu diskriminieren. Es wird Zeit, dass wir Ungleichheiten in einem Gesamtkontext betrachten, nur so erreichen wir eine möglichst komplette Abschaffung von Diskriminierung.

    Weitere Infos:
    www.mensch-tier.info
    www.vegansociety.lu/unity-of-oppression.html

    www.youtube.com/watch?v=Uwm2bdndlJ4
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#4 biosphärenwartAnonym
  • 21.03.2012, 14:19h
  • Antwort auf #3 von Jeff
  • Das ist interessant. Nun gibt es an der Spitze der Nahrungspyramide der Säugetiere Gruppen, die nur männliche Schamanen mit Zauberformeln Menschenfleisch und Menschenblut verzehren lassen.

    Menschenblut trinken darf in diesen meist überdachten Kultstätten allerdings nur der Schamane. Er muss zwingend männlich sein und darf keine sexuellen Kontakte haben.

    Die Fleischverteilung erfolgt ruhig und geordnet.
    Wobei die Säugetiere aufrecht in einer Schlange stehen und geduldig auf ihre Portion warten.

    Ganz anders als in der Serengeti, wo bekanntlich der Löwe an der Nahrungsspitze der Säugetiere steht. Allerding essen Löwen extrem selten Menschenfleisch.
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#5 TaranAnonym
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
#7 panzernashorn
#8 wartanwärterAnonym
  • 21.03.2012, 17:21h
  • Antwort auf #4 von biosphärenwart
  • Ganz in meiner Nähe lebt auch so ein kleine Population.

    Als eines ihrer Jungtiere erstmals Menschenfleisch aß, machten sie ein großes Treffen, bei dem sie legale Drogen zu sich nahmen. Auch süße Backwaren und den Sud
    einer gerösteten und gemahlenen Bohne.

    Aber ich dachte noch, für was brauchen die große Kerze?

    Wobei es das in der Serengeti aber auch gibt. Das größte Säugetier -allerdings Veganer!- nimmt dort vergorene Früchte zu sich.
    Setzt sich danach aber niemals hinter ein Steuer. Und verursacht torkelnd nie Buschbrände mit überdimensionierten Kerzen.

    Gegen vergorenes Menschenfleisch empfehlen die Schamenen die Erdbestattung.
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#9 SteffenBAnonym
  • 21.03.2012, 20:22h
  • ... und wer war jahrelang Vorstandzvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied von Schlz&Friends? Jetzt ist er Berlins Justizsenator - Herr Thomas Heilmann.
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#10 derBastiAnonym
  • 21.03.2012, 23:37h
  • Tofu ist fröhliches Fleisch? Was ist daran homophob. So jetzt geh ich raus und zünd mir ne fag an.
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