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Jahrzehntelanges Versteckspiel: Der Kölner Gay-Aktivist Butz Brand war 20 Jahre verheiratet, hat zwei Kinder (Bild: Screenshot WDR)

Die WDR-Doku "Früher.Später.Jetzt" zeigt, wie sich die Haltungen zu Sex und Liebe geändert haben. Der Kölner Butz Brand erzählt von seinem Doppelleben als verheirateter Schwuler.

Von Christian Scheuß

In der Kölner Szene ist Butz Brand ein bekanntes Gesicht. Mal steht er im Infoladen Checkpoint hinter der Theke, zudem ist er der Ansprechpartner für die schwule Gruppe "50 plus / minus". Ein sympathischer Kölner, der in der Gay Community ganz offensichtlich daheim ist. Das er zuvor ein jahrzehntelanges Versteckspiel durchgezogen hatte, um den Erwartungen von Gesellschaft und Familie gerecht zu werden, dass wussten bislang nur seine Freunde. Mit der Dokumentation, die am Freitagabend im WDR zu sehen ist, wird sich das ändern. Die Filmemacher Clemens Gersch und Michael Wieseler haben Butz neben vielen anderen Menschen interviewt, um zu zeigen, wie sich das Verhältnis der Westdeutschen zu Liebe und Sex von den fünfziger Jahren bis heute verändert hat. Das Schicksal von Butz ist dabei sehr exemplarisch.

So erzählt er im Film: "Wir hatten früher eine Bäckerei. Meine Eltern haben mich aus dem Waisenhaus geholt, mit dem Hintergedanken: So wir haben jetzt einen Nachkommen, wir haben jetzt einen Jungen. Der wird Bäcker und später die Bäckerei übernehmen. Das war einfach Fakt. Die Eltern sagten, du bist doch jetzt 17 oder 18, da muss doch eine Freundin her. Und da ist doch eine im Dorf, die hatten wir uns schon mal ausgeguckt. Und das wär doch eine Frau für dich?!- Ja, und dann bin ich am Karnevalstag rausgegangen bei uns im Ort. Und da war auch diese besagte junge Frau, die hatte tatsächlich ein Auge auf mich geworfen."

Versteckspiel im Dorf, Provokationen auf der Straße


Spießbürger wollten diese effiminierten Herren am liebsten kastriert sehen (Bild: Screenshot WDR)

Er heiratete, bekam zwei Kinder mit seiner Frau und führte die Bäckerei, wie von den Eltern gewünscht. "Der gesellschaftliche Druck ist so gewesen, dass es funktionieren musste." Zudem war auch die Haltung der Mehrheit gegenüber Homosexuellen alles andere als aufgeschlossen. Szenen einer undatierten Straßenumfrage belegen dies: "Die kann man nur kastrieren, mehr sind die nicht wert", heißt es da von einem Passanten.

Als die Kinder von Butz und seiner Frau erwachsen sind, traut er sich endlich zu einem Coming out: "Wir haben uns am Tisch gegenüber gesessen, und ich hab gesagt, dass ich mir ihr reden muss. Dass ich so nicht weiterleben könnte. Und sie hat gesagt: Warum denn jetzt? Warum hast du mir das denn nicht schon viel früher gesagt? Ich antwortete: Ich konnte nicht. Die Kinder waren noch klein, die verstehen es nicht. Und sie hat dann gesagt: Ja, und ich soll's jetzt verstehen?"

Eine schwierige Situation, glücklicherweise mit einem Happy End. Frau und Kinder halten nach wie vor Kontakt mit Butz, die Bäckerei ist verkauft worden, und ein neuer Anfang in Köln wurde möglich. Auch mit einem festen Freund an seiner Seite.

WDR Fernsehen, Fr, 23.3., 20:15 Uhr, danach Abruf in der ARD-Mediathek möglich.



#1 RobinAnonym
  • 23.03.2012, 13:14h
  • Eine wichtige Doku, die zeigt, wie Menschen verbogen wurden um ins Bild zu passen. Schön, dass er Glück hatte und schließlich den Mut fand, zu sich selbst zu stehen. Und toll, dass Frau und Kinder das verstehen und weiterhin Kontakt zu ihm halten.

    Aber auf jede Story wie diese kommen leider auch tausende Storys die weniger glücklich ausgingen. Wo das Versteckspiel und Selbstverleumdung bis ans Lebensende anhielt oder sogar zu Selbstmord führte.

    Und leider ist das auch heute noch all zu oft der Fall, weil Homosexualität immer noch von Teilen der Gesellschaft als minderwertig und ein Grund zum schämen angesehen wird. Was Kirche und Teile der Politik auch nach Kräften befeuern um für sich selbst Macht und Einkommen zu sichern.

    Es muss sich so viel ändern. Und damit sich endlich gesellschaftlich was ändern kann, muss als erster Schritt die volle rechtliche Gleichstellung kommen, inkl. Art. 3 GG, Eheöffnung, Adoptionsrecht, AGG, etc.

    Aber das ist mit Union und FDP leider nicht machbar!

    Vielen Dank auch an den WDR für diese Doku zur Primetime. Bitte mehr davon!
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#2 MarekAnonym
  • 23.03.2012, 14:08h
  • Werde ich mir heute abend ansehen.

    Dank den Öffentlich-Rechtlichen. In den Privaten wäre sowas undenkbar.

    Klar kann es auch immer mehr sein, aber wir können das fördern, wenn wir solche Programme unterstützen.
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#3 Der RickAnonym
  • 23.03.2012, 17:29h
  • Antwort auf #2 von Marek
  • Nicht so schnell. ARD und ZDF sind doch Schrott. Überleg doch mal, was die zur Hauptsendezeit alles verzapfen. Bessere Filme oder Magazine kommen nach 23 Uhr, dann noch die gleichgeschalteten Talkshows und der Running-Gag Gottschalk. Zurzeit ärgere ich mich sehr über die GEZ-Gebühren. Echo gestern gesehen?! Nichtmal Musik-Show können die. Da muss man doch nur von den Amis abgucken.
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.03.2012, 18:43h
  • Eine bewegende Geschichte und ich bewundere den Mann, Schade nur, daß die Doku ausgerechnet zur Primetime, werde sie mir aber später dennoch ansehen (nach "Wer wird Millionär" auf RTL).
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#5 alexander
  • 23.03.2012, 20:09h
  • warum kommt bei mir immer so ein merkwürdiges würgen bei den "spätberufenen" hoch ?
    und dazu kommt noch das zitierte "doppelleben" in der "schwulenmetropole köln" ?
    und um es rund zu machen, die furchtbare kindheit ?
    sorry, dieser butz ist der prototyp einer klemmschwester im negativsten sinn !
    für mich widerlich !
    wenn er bisexuell wäre (was er ja offenbar ist !) ok, aber jetzt im mehr als reifen alter einen auf "ehemals domestizierten schwulen" zu machen, zum kotzen !

    ["In der Kölner Szene ist Butz Brand ein bekanntes Gesicht.
    Ein sympathischer Kölner, der in der Gay Community ganz offensichtlich daheim ist."]

    mir kommen die tränen, die kölner klüngelszene ist so klein, dass jeder weiss, was der ander zu mittag hatte !

    selbst wenn man die zu erwartende homestory mit gutem willen verfolgen sollte, hat das mit "homosexualität in früheren jahrzehnten", bestenfalls mit einem "einzelschicksal" zu tun !
    denn der rest der homos in dieser zeit, hat nicht 20 jahre seine liebende gattin befriedigt, 2 kinder in die welt gesetzt, einen laufenden betrieb übernommen und "relativ" gut gelebt !
    sondern gekämpft, meist als einzelschicksal, durch repressalien kaputte beziehungen hinter sich "lassen müssen" und "echte seelische probleme" allein bewältigen müssen !!!

    es sei ihm gegönnt, aber mit schwuler vergangenheitsbewältigung, hat das nur im "kölner sinne" etwas zu tun ! suppenküchenniveau !
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#6 TadzioScot
  • 23.03.2012, 23:23h
  • Sagt mal queer.de was bitte habt ihr für'n Bericht gesehen ? Einen anderen ? oder wart ihr gerade auf Droge ?

    So wie der Bericht war, auf den ich mich wirklich gefreut hatte, nach diesen Artikel, war die damlige Zeit zwar Prüde aber doch ganz unterhaltsam, so ne lustige Anegdote...

    30Min. plätscherte der bericht vor sich hin, dann kam der Schwule mit dem Doppel leben...
    Zugegeben echt schrecklich...

    Dann kam wieder lange nichts relevantes,
    und dann kam er nochmal...

    Er sagte mit 13 war ihm schon klar
    das er der Männerwelt zugetan war...
    Und wenn er mit einen Mann was gehabt hätte wäre dieser Mann ja ganze Böse gewesen,
    sehen ja einige so...

    ...und wie die Leute zu Männern stehen die Jugendliche lieben, wissen wir ja,
    nämlich exakt genauso wie sie damals
    über Schwule geredet haben...

    Immerhin haben sie in den bericht erwähnt
    das Schwule bis 1994 verfolgt wurden...

    Was noch interresant war, war wie die Bevölkerung damals über Schwule dachte
    "Schwule sind doch Krank" "..die sollte man Kastrieren", genauso reden einige heute über andere Schwule, den Schwulen-Pädersaten usw..

    Auch interresant war, das der Schwule die Leute von damals verteidigte, er meinte "die die sowas sagten (wie Kastrieren) waren einfach unwissend"

    Ach und weil ich unwissend bin fodere ich Kastration und treibe Menschen in den Selbstmord ? Wer so redet ist ein Unmensch...

    Man hat nicht zu fodern wem auch immer zu kastrieren, auf Listen zu veröffentlichen, jegliche Anonymiät abzusprechen, zu jagen, zum Tode zuveruteilen und und und...

    Aber ansonsten war der Bericht absolut Oberflächlich, ich fühlte mich wie auf Pro7
    oder so... Die ernsthaftigkeit fehlte gänzlich..

    Der Artikel jedenfalls suggerierte mir das es nur um Schwul gehen sollte und das der Bericht ernst sei... Das war aber ein fast reiner Heten-Bericht in dem mal ganz kurz Schwul erwähnt wurde. Immerhin, aber viel zu wenig, einfach zu oberflächlich. Halt eine tolle Zeit damals...

    Und die Musik hat das ganze noch
    unterstützt, alls locker flockig...

    Der Artikel hat einfach was ganz
    gaaanz anders suggeriert...

    Mein Fazit also zu euch, queer.de :
    Ich würde mir ein bissen mehr Journalistische genauigkeit diesbzeüglich wünschen...
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