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Fabians Kadens neuer Roman "Das mit uns"

Daniels sexerfüllter Sommer


Sex am See zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichten von Fabian Kaden

Gut geschilderte Sexszenen wechseln sich mit banalen Passagen ab. Mit dem neuen Roman "Das mit uns" ist Michael Sollorz alias Fabian Kaden diesmal kein Meisterwerk gelungen.

Von Angelo Algieri

Endlose Freiheit oder ewige Bindung? Vor diesem Beziehungszwiespalt steht der junge Ich-Erzähler und schwule Protagonist Daniel in Fabian Kadens Roman "Das mit uns". Kaden ist ein Pseudonym des Berliner Schriftstellers Michael Sollorz, bekannt etwa durch seinen Roman "Die Eignung" aus dem Jahr 2008. Unter Kaden veröffentlichte er bisher erotische Romane, die im Männerschwarm Verlag erschienen sind. Darunter auch "Murats Traum", der Ermittllungen wegen des Verdachts auf Kinderpornografie auslöste. Eine Richterin lehnte jedoch am Ende die Eröffnung eines Strafverfahrens ab (queer.de berichtete).

Doch nun zum neuesten Roman von Kaden, der - anders als bisher - unter der regulären Belletristik-Rubrik bei Männerschwarm gelistet ist. Der 22-jährige Daniel verpartnert sich mit Martin, der 35 Jahre alt ist. Beide Berliner sind schon seit ein paar Jahren zusammen. Martin ist Dachdecker und übernimmt die Firma, wo er arbeitet. Daniel jobbt dort halbtags in der Verwaltung. Bei ihrer Hochzeitsfeier taucht unerwartet der Halbbruder von Martin auf: Samir. Er ist 27 Jahre alt und der Sohn einer tunesischen Affäre der gemeinsamen Mutter. Zwischen Daniel und dem geheimnisvollen Samir baut sich schon während der Feier eine Spannung auf...

Mit dem Halbbruder des Ehemanns zum "Stutenmarkt"


Der Berliner Schriftsteller Michael Sollorz veröffentlicht seine erotischen Werke unter dem Pseudonym Fabian Kaden (Bild: DON)

Bald nach der Hochzeit kommt es zwischen Daniel und Martin zur Trennung. Denn Daniel vögelt nicht nur mit anderen Männern rum, er beginnt auch eine Affäre mit Samir. Er braucht diese Freiheit, doch mit Martin redet er nicht über seine Bedürfnisse. Erst auf Drängen Samirs offenbart Daniel Martin sein Verhältnis mit seinem Halbbruder. Der enttäuschte Martin fordert Daniel auf, herauszufinden, wen er nun wirklich liebt.

Ganz so einfach ist das freilich nicht... Für Daniel beginnt vor allem ein sexerfüllter Sommer: Samir beglückt ihn, wie er es gerade braucht, gehen gemeinsam zu Sexpartys - darunter zum "Stutenmarkt" - und verbringen gemeinsam die sonnigen Wochenenden am See.

Alles scheint so glücklich, bis Samir zu einer Geldstrafe verurteilt wird, weil er am Abend der Hochzeit von Daniel und Martin einen Polizisten geschlagen hat. Da Samir bei einem Schrotthändler arbeitet und das Geld nicht so schnell aufbringen kann, beschließt Daniel, ein Escort-Profil bei Gayromeo anzulegen - ohne dass es Samir weiß. Die Anfragen laufen so gut, dass er die Arbeit bei seinem Mann kündigt. Bald erfährt Samir, dass sein Freund ein Sexworker ist, doch für ihn ist das in Ordnung. Nach langem Zögern nimmt der stolze Samir das erwirtschaftete Sexgeld an. Zudem findet Samir es geil, wenn Daniel über seine Kundengeschichten erzählt. Eifersüchtig wird der freiheitsliebende Samir erst, als Daniel einen 72-jährigen reichen Freier kennen lernt...

Für Daniel gerät am Ende des Buches seine Welt gänzlich aus den Fugen: Samir haut plötzlich ab, sein Ex-Kollege, der vorgab hetero zu sein, heiratet zum Schein seiner griechischen Familie eine Lesbe, und sein Mann Martin hat ein Verhältnis mit seinem besten Freund...

Eine nervige, schlecht-umgesetzte Klamotte


Niveau von hinten: Sollorz´ erster Einhand-Roman "Davids Sommer" aus 2004 wurde von der Kritik noch hochgelobt

Autor Kaden spricht in "Das mit uns" zwar spannende Themen an, etwa Unaufrichtigkeit in einer Beziehung. Auch die Ansiedlung der Story im Nicht-Akademiker-Milieu und das Aufzeigen von prekären Verhältnissen sind eigentlich gute Ausgangspunkte für einen spannenden Roman.

Doch die Umsetzung langweilt gleich mehrfach: Zum einen gibt es Passagen, die die Handlung nicht weiter bringen. Das komplette Kapitel beispielsweise, als sich die versoffene Schwiegermutter mit Daniel trifft, hätte man ruhig streichen können. Zum anderen kommen ach so humorvoll gedachte Dialoge ziemlich altbacken daher - Witze, die keine Jungschwuppe machen würde. Bei einigen Aussagen von Daniel bestem Freund Bambi hat man gar einen Karnevalstusch im Hinterkopf. Zudem sind sämtliche "Katastrophen" vorhersehbar, weil jedes Klischee bedient wird. Abzusehen ist etwa, dass Daniel als Escort einen alten, reichen Freier trifft, der ihn reichlich beschenkt. Oder dass Martin mit Bambi zusammenkommt. Eine nervige, schlecht umgesetzte Klamotte!

Man könnte nun einwenden, dass dieser Roman als Ironie oder gar als Satire gemeint ist. Zwar gibt es übertriebene Elemente, doch insgesamt ist leider keine Ironie zu erkennen, die so konsequent und subtil durchgehalten wird wie etwa in John Cheevers Roman "Willkommen in Falconer" (queer.de rezensierte).

Fazit: Dieser Roman hinterlässt den Leser ratlos. Einzig gelungen: die gut geschilderten Sexszenen, die nicht plump-pornografisch daher kommen - und das ist wirklich eine Kunst! - sowie das Coverbild. Alles andere ist ärgerlich und unerträglich langweilig!

Fabian Kaden: Das mit uns. Roman. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2012. 224 Seiten. 16 €. ISBN: 978-3-86300-108-7.



#1 LeonieAnonym
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.03.2012, 18:26h
  • Apropos Sommer: heute Nacht beginnt nämlich die Sommerzeit, darum das Umstellen der Uhrzeit um eine Stunde vor nicht vergessen! Geht besonders an diejenigen, die morgen zur Landtagsneuwahl im Saarland gehen!
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#3 vingtans
  • 24.03.2012, 23:53h
  • ... also wieder nen groschenroman im seifenoperstil und viel sex.

    mag man sowas ernsthaft lesen? bereichert das schwule literatur?

    irgendwie nicht.
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#4 MaxMaxiAnonym