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Prävention

Per App gegen HIV


Ein bisschen wie bei "Mensch ärger dich nicht", das sexuelle Netzwerk (Bild: Screenshot)

In der Schweiz zieht eine neue Präventions-Kampagne alle multimedialen Register. Das erklärte Ziel: Keine neuen HIV-Infektionen im April.

Von Christian Scheuß

"Break The Chain", die Ketten durchbrechen, will man in der Schweiz ab dem 1. April. Es ist ein Aufruf zur Revolution, verfasst von der Aids-Hilfe Schweiz und weiteren Organisationen, die sich um die Prävention kümmern. Mit einem markigen Slogan, der sich an die schwule Community richtet: Durchbrochen werden sollen die "Infektionsketten", also die Weitergabe des HI-Virus von einem frisch Infizierten zum Nächsten. Die "sexuellen Netzwerke" sollen sicherer werden, mit Hilfe der sozialen Netzwerke. Und mit einer App für das iPhone und Android-Handys.

Was am 1. April bei den Eidgenossen startet, ist so plakativ wie einleuchtend. Denn fester Partner hin oder her, jeder hat so seine Fickdates. Die haben wiederum ihre Dates. Man kennt sich und vertraut darauf, dass alle negativ sind. Untereinander trifft man Abmachungen und lässt beim Ficken möglicherweise das Kondom weg. Wenn sich jetzt nur ein Mann eines solchen sexuellen Netzwerks frisch mit HIV ansteckt, entsteht eine HIV-Infektionskette, und in kürzester Zeit stecken sich viele weitere Männer an. Denn der so genannte Primärinfekt (schweizerisch: Primoinfekt) birgt ein hohes Risiko beim Verzicht auf Safer Sex. Frisch Infizierte haben in den ersten drei Monaten eine besonders hohe Viruslast im Blut. Man schätzt, in dieser Zeit kann man bis zu 100 mal ansteckender zu sein als danach.

Mit den sozialen Netzwerken die sexuellen Netzwerke sicherer machen


Es gibt für fast alles eine App, jetzt auch für die Prävention (Bild: Plakat breakthechain.ch)

Da man eine HIV-Infektion nicht unbedingt bemerkt, beziehungsweise die Symptome auch für eine Grippe halten kann, außerdem der HIV-Test, der durch das Vorhandensein von Antikörpern eine Infektion belegen kann, erst nach zwölf Wochen zuverlässig anwendbar ist, gibt es eine Art "Sicherheitslücke".

Auf der Website wird per Video das Prinzip der Infektionskette erläutert. Per App wird man Mitglied im "Break The Chain"-Netzwerk. Etwas überraschend muss man zunächst ein paar Fragen zum sexuellen Verhalten beantworten. Anhand der Antworten wird das potentielle Risiko abgeschätzt. Im letzten Schritt kann man aus einer Reihe von Vorschlägen seinen eigenen aussuchen. Das reicht vom Versprechen, das Kondom konsequent zu nutzen bis hin zur sexuellen Abstinenz. Die Absichtserklärung ist nichts anderes als ein guter Vorsatz, ob man sich daran hält, wird nicht überprüft. Während des einmonatigen Kampagnenzeitraums sollen aber immer neue Nachrichten, die die App auf dem Smartphone öffnet, zum Durchhalten motivieren.

Man gibt sich kämpferisch auf der Website: "In einem einzigen Monat schaffen wir das, wenn wir alle gleichzeitig mitmachen. Im März laden alle das App und wählen ihren Einsatz für den Aktionsmonat. Im April sorgen wir dann dafür, dass ein Monat lang schweizweit keine neuen HIV-Infektionen entstehen. Und im Mai gibt es eine Test-Aktion für alle, die mit ihrem (Sex-)Partner ungeschützt ficken wollen."

Dirk Sander, Schwulenreferent der Deutschen AIDS-Hilfe, sieht die Aktion mit gemischten Gefühlen. "Optisch und technisch ist das Ganze gut umgesetzt, da können wir uns sicher noch etwas abgucken", meint er im Hinblick auf die hauseigene Präventionskampagne "Ich Weiss Was Ich Tu", die sich ebenfalls an schwule Männer richtet. Kritisch sieht er jedoch die Zielvorgabe, die Neuinfektionen auf Null drücken zu können. "Es gibt neben den Primärinfekten noch so viele andere Faktoren, die eine Rolle spielen, die eine HIV-Infektion begünstigen können. Von daher ist es unrealistisch, neue Ansteckungen völlig vermeiden zu können. Am Ende der Kampagne wird die enttäuschende Erkenntnis stehen, dass man das Ziel nicht erreicht hat. Und zugleich kann die Formulierung dieses Ziels zu einem falschen Sicherheitsgefühl beitragen."

Youtube | Das Kampagnenvideo


#1 HackepeterAnonym
  • 27.03.2012, 17:13h
  • Es muss sich um einen Aprilscherz handeln!

    Eine Kampagne, die u.a. auch zur sexuellen Abstinenz aufruft, kann nur zum Scheitern verurteilt sein. Wer das -auch nur zum Teil- fordert, der hat die Lebenswelten schwuler Männer nicht verstanden, ist obendrein sexualitätsfeindlich und von allen guten Geistern verlassen.

    Für mich klingt das eher wie das letzte Aufgebot der Präventionsmaßnahmen......
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#2 eMANcipation*Anonym
  • 27.03.2012, 19:14h
  • "Partner hin oder her, wir haben doch (fast) alle unsere Sexdates."

    Ja klar, Schwule ficken nur durch die Gegend, ok die HIV+ in der Mehrzahl vielleicht schon ...
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 Sveni-MausiAnonym
  • 27.03.2012, 21:51h
  • Antwort auf #1 von Hackepeter
  • Lies besser, bevor Du was schreibst.
    Man kann verschiedenes auswählen u.a. einen sexfreien Monat.
    Ich sehe das nicht als sexualitätsfeindlich an, muss ja keiner machen.
    Und freiwillig mal auf etwas zu verzichten, erhöht den Wert ungemein, denk mal drüber nach.
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#5 HackepeterAnonym
  • 27.03.2012, 22:39h
  • Antwort auf #4 von Sveni-Mausi
  • Sveni-Mausi, das habe ich gelesen. Deshalb schrieb ich auch: "Eine Kampagne, die u.a. ......"

    Und Deine Idee mit dem Verzicht, um sich später dann um so mehr zu freuen, passt vielleicht in die österliche Fastenzeit der Katholiken. Aber sonderlich praktikabel finde ich das in der Sexualität nicht.

    Vom freiwlligen Verzicht auf Sex bis zum Verbot von Sex ist es für mich nur ein kleiner Schritt. Und ein Rollback möchte ich nicht. Nicht erzwungen und auch nicht freiwillig.
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