Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 12.04.2012           28      Teilen:   |

Interview mit Elisabeth Pott

BZgA-Kampagne: Das schwierige Spiel mit Klischees

BZgA-Direktorin Elisabeth Pott - Quelle: BZgA
BZgA-Direktorin Elisabeth Pott (Bild: BZgA)

Als die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Ende März die "mach's mit"-Präventionskampagne startete und auch ein Video an die schwule Zielgruppe ins Netz stellte, war die Aufregung in Blogs groß. Es werde wieder "das Klischee des schwulen Mannes als Tunte" bedient, zitiert Blogger Markus Chmielorz Beschwerden aus der Szene. Als "grottenschlecht" bezeichnete Steven Milverton das Video. Die Berliner "Siegessäule" bemängelte, dass alle Schwulen als "Bully-Herbig-Kollektiv" dargestellt würden. Tatsächlich sagte "Sven" in dem knappen Kurzfilm wild gestikulierend einige arg abgedroschene Sätze ("Beim Kostümfest waren alle Jungs verkleidet als Cowboy oder Indianerhäuptlinge, und ich, mittendrin, als Rotkäppchen"). Nach dem "Shitstorm" wurde das Video kürzlich von der BZgA-Kampagnenseite entfernt.

Im Gespräch mit queer.de-Redakteur Dennis Klein erklärt BZgA-Direktorin Elisabeth Pott, dass sie von der heftigen Reaktion überrascht sei und die Kampagne jetzt angepasst werde. Sie reagiert auch auf einen vor einer Woche verfassten offenen Brief von LSVD-Bundesvorstand Axel Blumenthal, der nicht nur "Authentizität" im Video vermisst, sondern der BZgA indirekt vorwirft, im Gebiet der Deutschen Aidshilfe (DAH) zu wildern. Blumenthal warnt auch vor Kürzungen bei der DAH, die offenbar "parallel zum Relaunch der 'mach's mit'-Kampagne" anstünden.

queer.de: An wen richtet sich die "Mach's mit"-Kampagne?

Elisabeth Pott: Die neue "mach's mit"-Kampagne zeigt unterschiedliche Charaktere in ihrer individuellen und sexuellen Vielfalt: stark, selbstbewusst, mit Lebenslust und Selbstironie, Junge und Alte, Männer und Frauen, hetero-, homo- und bisexuelle Menschen, Menschen mit und Menschen ohne Migrationshintergrund. Klischees werden gezeigt und diese aufgebrochen. Es geht der Kampagne darum, zu zeigen, dass (sexuelle) "Normalität" Buntheit und Vielfalt bedeutet: jeder Mensch ist anders. Dass dabei auch als eine von vielen möglichen Facetten schwuler Identität im Rahmen einer Kampagne für die Allgemeinbevölkerung gezeigt wird, erschien uns unter dem Aspekt der Inklusion wichtig.

Fortsetzung nach Anzeige


Das Video mit dem schwulen Sven wurde von Bloggern als klischeetriefend verrissen - Quelle: BZgA
Das Video mit dem schwulen Sven wurde von Bloggern als klischeetriefend verrissen (Bild: BZgA)

Finden sie die Kritik an der Kampagne gerechtfertigt?

Dass in Teilen der schwulen Community ein so großer Diskussionsbedarf dazu besteht, in welcher Form schwule Identität durch eine Bundesbehörde gezeigt wird oder nicht, hat uns - ehrlich gesagt - überrascht. Wir waren der Auffassung, dass die Mehrheit der Gesellschaft das augenzwinkernde Aufgreifen und Brechen von Klischees auch in Bezug auf schwule Identität versteht und richtig zu interpretieren weiß. Den Ansatz halten wir auch nach wie vor für richtig. Nach der jetzigen Reaktion gibt es aber offensichtlich eine größere Zahl von Menschen, die wir mit unseren Botschaften dann erreichen, wenn wir auch zielgruppenspezifisch unterschiedliche Charaktere einbeziehen. Das werden wir in der Weiterentwicklung berücksichtigen.

Wie erklären sie sich die negativen Reaktionen?

Im Wesentlichen wurden die negativen Reaktionen dadurch ausgelöst, dass in Teilen der schwulen Community der Eindruck enstand, der Clip "Ich will's andersum" stehe stellvertretend für schwules Leben in Deutschland überhaupt. Das war von uns so nicht intendiert - wir haben ihn vielmehr als eine selbstbewusste Facette von Vielfalt innerhalb der gesamten Gesellschaft beabsichtigt. Auf die Auslegung, der Clip stehe stellvertretend für schwules Leben, folgte die Einschätzung, dass der Clip die schwule Community dadurch nicht angemessen repräsentiere.

Warum wurde das Video von Ihrer Website entfernt?

Wir haben die Reaktionen auf den Clip "Ich will's andersrum" selbstkritisch wahr- und ernst genommen. Der Ansatz, über die Kampagnencharaktere selbstbewusst mit Klischees umzugehen und diese zu brechen, hat in diesem Fall offensichtlich, zumindest Teile der Zielgruppe, nicht überzeugt. Der Onlineclip wurde deshalb zunächst zurückgezogen. Wir beobachten jedoch weiterhin den Diskurs, den der Clip ausgelöst hat, und beteiligen uns an ihm. Daraus ziehen wir Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung der Kampagne.

Bei der Vorstellung der "mach´s mit"-Kampagne Ende März war auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) dabei - Quelle: BZgA
Bei der Vorstellung der "mach´s mit"-Kampagne Ende März war auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) dabei (Bild: BZgA)

Wie geht es weiter mit der Kampagne?

Die Kampagnen der BZgA unterliegen einer kontinuierlichen Überprüfung und Weiterentwicklung. So wird auch diese Kampagne in den nächsten Monaten um weitere Charaktere und Aussagen ergänzt. Es ist geplant, auch unterschiedliche schwule Charaktere nebeneinanderzustellen, um das Prinzip der Vielfalt, das wir bislang auf die Gesellschaft insgesamt bezogen haben, zielgruppenspezifisch schlüssig darzustellen.

Welche Veränderungen in ihrer Arbeitsweise streben sie nach der Kritik an?

Wir arbeiten schon seit Jahren eng mit der DAH zusammen. Die Erfolge in der HIV/Aids-Prävention in Deutschland sind vor allem auf das international einzigartige Modell dieser Zusammenarbeit zwischen Staat (BZgA) und NGO (DAH) zurückzuführen. Die zielgruppenspezifischen Angebote der DAH und die Angebote der BZgA an die Gesamtbevölkerung ergänzen sich - sie unterscheiden sich jedoch auch bewusst in der Form ihrer Ansprache, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Dabei haben sowohl DAH als auch BZgA im Blick, dass die BZgA mit ihren Angeboten teilweise Männer, die Sex mit Männern haben, erreicht, die durch die DAH nicht erreicht werden - und dass die DAH sehr große Teile der MSM, insbesondere Männer mit schwuler Identität, in Deutschland erreicht, die von der BZgA nicht erreicht werden. Entgegen Vermutungen in der erfolgten kritischen Diskussion waren im Übrigen an der Entwicklung der Kampagne innerhalb und außerhalb der BZgA Menschen aller sexueller Präferenzen beteiligt, d.h. auch schwule Mitarbeiter.

Der LSVD hat in einem offenen Brief an Sie beklagt, dass angeblich "parallel zu dem Relaunch der 'mach's mit'-Kampagne die Zuwendungen an die DAH seitens der BZgA gekürzt wurden". Besteht hier ein Zusammenhang?

Die Zuwendungen der BZgA an die DAH hatten im Jahr 2011 einen Umfang von 5,1 Mio. Euro, der gleiche Betrag wird auch für das Jahr 2012 bereitgestellt. Die Zuwendung an die DAH ist, ich betone, nicht gekürzt worden. Die Kürzungen im Bundeshaushalt 2012 für die HIV/STI-Prävention werden von der BZgA selbst getragen. Das zeigt deutlich unsere große Wertschätzung der Arbeit der DAH auch durch die entsprechende Prioritätensetzung der BZgA.

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 28 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 43             4     
Service: | pdf | mailen
Tags: aids-prävention, bzga, dah, elisabeth pott
Schwerpunkte:
 Aids-Prävention
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "BZgA-Kampagne: Das schwierige Spiel mit Klischees"


 28 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
12.04.2012
11:35:30


(+11, 11 Votes)

Von Marco


"wir haben ihn vielmehr als eine selbstbewusste Facette von Vielfalt innerhalb der gesamten Gesellschaft beabsichtigt"

Warum wird die Vielfalt der schwulen Lebensweisen dann so einseitig dargestellt anstatt mit Vorurteilen aufzuräumen?
Das es solche Klischees gibt ist schon klar, die werden aber zu genüge in den Medien präsentiert...und das im Überfluss, denn die Mehrheit der Schwulen wird dadurch nicht angesprochen.

Wann begreifen die Heteros endlich das die Schwulen so vielfältig sind wie Heteros auch und sich nicht in ein bestimmtes Schema pressen lassen wollen?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
12.04.2012
12:51:42


(+9, 13 Votes)

Von gibt bessere


die ungeouteten schwulen jugendlichen ( die clips sollen in schulen gezeigt werden) fühlen sich doch verarscht wenn sie merken das sie als junge auf jungs stehen und durch einen clip eines transigen schwulen repräsentiert werden der vorurteile eher bestätigt als in frage stellt.

die bzga geht dabei leider mit erwartungen der heterosexistischen gesellschaft und hat sich denen gebeugt. ein tuckigen schwulen der rumgestikuliert und das schwule sind halbe transen- klischee des als mädchen verkleideten jungen, erwarten die heten, darüber können die sich lustig machen, und das wollen die lieber hören als zwei schwule zu sehen die es im bett treiben.
ich find den früheren clip besser:

Youtube-Video:


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
12.04.2012
13:18:23


(-5, 7 Votes)

Von Dennis
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Marco


", die heteros" soviel zum thema klischee.

es zeigt für mich als hete wie uneinheitlich - wie zerrissen die "community" ist. vielleicht war sie sich auch noch nie einig. jedenfalls tritt kritk immer dann auf wenn irgendwas irgend jemand nicht paßt. die vielfalt ist durchaus vorhanden . . aber die zickerei innerhalb der community schwächt alle . . .


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
12.04.2012
13:35:07


(+9, 13 Votes)

Von Knueppel
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Offener Brief" an
Frau Elisabeth Pott

Sehr geehrte Frau Pott,

Sie waren also überrascht von den teilweise heftigen Reaktionen aus schwul-lesbischen Kreisen?!

Wären Sie denn auch überrascht über heftige Reaktionen vom Zentralrat der Juden und jüdischen Gemeinden in Deutschland, wenn deren Mitglieder in "gut gemeinten" (gut gemeint ist noch nicht gut gemacht) als "geldgierige und irgendwie 'fremd' wirkende" Mitmenschen dargestellt würden?

Sie halten diesen Vergleich für "weit hergeholt"? Ich nicht. Denn die Übereinstimmungen zwischen dem anhaltenden Judenhass (Antisemitismus) und der Schwulen-Feindlichkeit (Homophobie) ist offensichtlich.

Ich rate daher Ihnen und Ihren KollegInnen für die Zukunft: Sprechen Sie MIT uns, bevor Sie ÜBER uns sprechen (und schreiben).

Mit freundlichen Grüßen
Knueppel


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
12.04.2012
13:35:59


(-1, 9 Votes)

Von Frankfurter
Antwort zu Kommentar #3 von Dennis


weil die vielfalt vorhanden ist, wirkt die community zerrissen. community ist nur eine idee, so wie demokratie..
das einzige identitätsstiftende merkmal der community ist schwanzlutscherei und deren akzeptanz, alles andere ist heterogen und zu recht oft widersprüchlich


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
12.04.2012
14:05:57


(-5, 9 Votes)

Von Hackepeter


Schon klar, als Schwuler musst Du heute Fußballfan sein, eine Regenbogenfamilie gründen und das Ehegattensplitting für dich nutzen wollen.

Tunte sein - das geht mal gar nicht. Und schon gar nicht will sich die Community von einer Tunte repräsentiert wissen. Dann kriegen alle eine Krise ob der Projektion.

Wir sind zwar für Vielfalt, aber nicht für die effiminierte Tunte. Es lebe der unauffällige Schwule!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
12.04.2012
14:51:42


(+11, 11 Votes)

Von Caleb
Antwort zu Kommentar #6 von Hackepeter


Traurig das es in deiner Vorstellung nur Extreme und Stereotype gibt. Hier die effiminierte Tunte, dort der unauffällige, verheiratete Biedermann.
Die ganzen Zwischenstufen die die schwule, ebenso wie die heterosexuelle, Vielfalt ausmachen ignorierst du einfach.
Die Kritik an dem Video richtet sich schlicht danach das es Klischees bedient die die Medien zu genüge aufgegriffen und verbreitet haben.
Die Zielaussage des Videos entgeht mir also, was sagt der Mann im Video neues, was sagt er besonders anderes was man nicht schon von vorurteilsbeladenen Heteosexuellen über Schwule hat sagen hören?
Ein reines Bedienen von Klischees soll Toleranz fördern und schwulen Männern Identifikationsmöglichkeit schaffen? Ich bezweifel es.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
12.04.2012
15:01:10


(+11, 11 Votes)

Von Caleb


"Die neue "mach's mit"-Kampagne zeigt unterschiedliche Charaktere in ihrer individuellen und sexuellen Vielfalt: stark, selbstbewusst, mit Lebenslust und Selbstironie, Junge und Alte, Männer und Frauen, hetero-, homo- und bisexuelle Menschen, Menschen mit und Menschen ohne Migrationshintergrund. Klischees werden gezeigt und diese aufgebrochen."

Dazu eine Frage an die Kampagnen- Macher: Wo werden in dem Video mit dem schwulen Mann ( der ja nach Ihren Aussagen symbolisch die schwule Zielgruppe vertreten soll) Klischees aufgebrochen?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
12.04.2012
15:02:13


(+13, 13 Votes)

Von Jugendsexualität


Warum wurde sie nicht gefragt, weshalb homosexuell empfindende Jugendliche bei der groß angelegten und medial entsprechend gehypten Studie "Jugendsexualität" seit 2010 überhaupt nicht mehr vorkommen?

Also nicht mal mehr mit der einen (seit 1980 immer gestellten) Frage, bei der 2005 immerhin knapp über 10% angaben, gleichgeschlechtliche Erfahrungen gemacht zu haben?

Warum tritt die "BZgA" in ein ausführliches Gespräch mit über 3.500 Jugendlichen und unterstellt jedem/r einzelnen von ihnen, heterosexuell zu sein?

Aufklärung? Gesundheit? Zentrale?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
12.04.2012
15:26:54


(+9, 9 Votes)

Von Tatsache
Antwort zu Kommentar #9 von Jugendsexualität


Das ist mir auch aufgefallen, im Endeffekt spiegelt die BZgA das wieder was allgemeiner Konsens ist. Erwachsene Homosexualität wird in Medien relativ thematisiert, wenn auch oft klischeebeladen , aber das Thema Homosexualität und Jugendliche wird komplett ignoriert.

Auch was direkte Handlungen betrifft, Männer die sich küssen werden im Mainstream (selten) gezeigt, ab und zu sieht man sowas in Serien und Filmen, immerhin.
Das sich in Mainstream- Teeniefilmen Jungs ( ernsthaft, ohne von den anderen Protagonisten ausgelacht zu werden) küssen oder sich verlieben aber nie.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  123  vor »


 SZENE - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 SZENE



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Niederlande: Kommission empfiehlt bis zu vier Eltern pro Kind Israel: Gleichstellung ausländischer Homo-Partner geplant Tag der Menschenrechte: EKD wirbt für LGBTI-Gleichbehandlung Die Poesie der ersten schwulen Liebe
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt