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Ein West-Berliner Travestie-Urgestein: Madame Kio im Jahr 1996

Anlässlich ihres 70. Geburtstages würdigt das Schwule Museum Berlin die Fummel-Pionierin und -Protagonistin Madame Kio mit einer neuen biografischen Ausstellung.

Madame Kio wird als Cornél Hédl gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Ungarn geboren und ab seinem neunten Lebensjahr zum Ballett-Tänzer ausgebildet. Von Debrecen über Budapest, Leipzig und Düsseldorf tanzt er sich bis nach West-Berlin, das 1968 seine Wahlheimat wird.

Durch einen Bühnenunfall wurde Cornél gezwungen, sich umzuorientieren. Das war der Startschuss für Madame Kio: Der Künstler beginnt seine zweite Karriere als Drag Queen. Neben den eigenen Auftritten betreibt Kio mit ihrem Lebensgefährten Hermann nacheinander verschiedene Travestie-Theater und gründet "Kio und die Crazy Boys", eine von Berlins größten Travestie-Truppen.

In den 1970er Jahren boomte die Travestie


Kio mit Wolfgang Bielefeld und Zsazsa (Berlin 1978) (Bild: Schwules Museum/Sammlung Kio)

Damit steht Madame Kio zeittypisch für die Glanzzeit der Nachkriegstravestie im West-Berlin der 1970er Jahre. "Es war die Zeit für Travestie, also, das war ein Boom!", erinnert sich Madam Kio. "Es gab das Chez Nous, es gab Romy Haag, Straps-Harry, das Prisma, die Lützower Lampe, dann gab es das Berliner Gasthaus. Die waren alle gleichzeitig da und überall gab es ein festes Programm."

In den großen Fummel-Jahren in der ehemaligen Frontstadt seien "bestimmt dreißig Travestiekünstler ständig in Berlin beschäftigt" gewesen, so Madame Kio. "Nebenbei lief das La Grande Eugène von der Daniel-Sander-Truppe im Theater des Westens oder die Follies Parisiennes in den Wühlmäusen. Das Publikum konnte von einem Laden zum nächsten, von einer Veranstaltung zur anderen gehen."

Eröffnung: Samstag, 14. April 2012 um 15.00 Uhr mit einer Modenschau von Rita Calypso, Schwules Museum, Dauerausstellung im 1. OG, (Eingang 1. Hof), Mehringdamm 61, 10961 Berlin, tägl. außer Di 14:00 bis 18:00 Uhr, Sa bis 19:00 Uhr



#1 RevueAnonym
  • 14.04.2012, 16:24h
  • Ich frage mich, wieso das Chez Nous in Berlin seine Pforten geschlossen hat und die Truppe auch nicht mehr auf Tournee geht. (Die Tourneen waren immer gut besucht.)

    Neben den vielen mittelmäßigen Darbietungen war das Chez Nous immer ein Beispiel für hervorragendes Travestie-Entertainment mit Anspruch und Niveau. Revue und toller Humor.

    Echt schade, dass es Chez Nous nicht mehr gibt.
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#2 Crazy BoysAnonym
#3 stromboliProfil