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  • 15.04.2012           11      Teilen:   |

Der Homo-Hass der Nazis als Comic

"Rosa Winkel" ist ein einfühlsames, gut recherchiertes Werk, zu einem lange Zeit tabuisierten Thema
"Rosa Winkel" ist ein einfühlsames, gut recherchiertes Werk, zu einem lange Zeit tabuisierten Thema

Die Graphic Novel "Rosa Winkel" handelt von einem schwulen Mann, der im Dritten Reich in ein KZ deportiert wird.

Von Carsten Weidemann

Es ist das Jahr 1932. Andreas, ein junger Werbezeichner, lebt ein glückliches Leben im Berlin der 30er Jahre. Der attraktive junge Mann geht gerne mit seinen Freunden feiern. Sein Leben scheint sorglos, doch dann übernehmen die Nazis die Macht in Deutschland.

Der eher unpolitische Andreas kümmert sich zunächst nicht um die neue Regierung, profitiert sogar von deren Aufträgen für Propagandaplakate. Doch bald schon muss er erkennen, dass er sein bisheriges Leben unter der Herrschaft der Nationalsozialisten nicht weiterführen kann, denn Andreas ist homosexuell.

Kurz nach Beginn der Judenverfolgung werden auch Homosexuelle festgenommen und in Konzentrationslager deportiert. Andreas wird inhaftiert und im Jahr 1937 zunächst ins KZ Sachsenhausen und später nach Neuengamme überführt.

Fortsetzung nach Anzeige


Das Leiden geht für Andreas nach der Befreiung weiter

Er überlebt die Strapazen und kehrt zurück, doch der Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern verbietet, wird auch nach dem Sturz der Nationalsozialisten nicht abgeschafft. Andreas muss ein Scheinleben führen: Er heiratet eine lesbische Freundin, gemeinsam ziehen sie ihre kleine Tochter auf.Doch trotz dessen wollen die Schikanen nicht enden. Er wird nicht als Opfer anerkannt, sogar als kriminell bezeichnet, und muss den Spott der Öffentlichkeit ertragen. Erst 1994 wird Paragraf 175 abgeschafft, für Andreas kommt dies viel zu spät.

Beklemmend, düster wirken die von Milorad Vicanovic und Christian Lerolle gezeichneten und kolorierten Bilder der Graphic Novel. Die Farben werden im Verlauf des Buchs zunehmend dunkler, die Farbgebung orientiert sich an den Titeln der einzelnen Kapitel, so ist beispielsweise das Kapitel »die braunen Jahre« ausschließlich in Brauntönen koloriert. Die vorherrschenden Farben im Buch sind braun, grau und schwarz. In diesen Farben sind die Bilder der Erinnerung gezeichnet, während die Bilder der Gegenwart bunt ist.

Michel Dufranne, Milorad Vicanovic und Christian Lerolle: Rosa Winkel, Graphic Novel, aus dem Französischen, 144 Seiten, broschiert, 17 x 24 cm, durchgehend farbig, Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin 2012, 18 €, ISBN 978-3-941787-79-7

Youtube | Die Video-Kostprobe zeigt einige Szenen aus dem Buch
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
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Tags: rosa winkel, nationalsozialismus, konzentrationslager, graphic novel
Schwerpunkte:
 Schwule im Dritten Reich
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Reaktionen zu "Der Homo-Hass der Nazis als Comic"


 11 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
22.04.2012
11:16:23


(+5, 7 Votes)

Von Finn


Hier in Deutschland klingt Comic immer ein wenig nach was für Kinder.

Deshalb wird dann auch oft der Begriff "Graphic Novel" verwendet.

Z.B. in Belgien und Frankreich haben "Comics" eine ganz andere Reputation und werden da viel stärker als eigenständige Kunstform geschätzt.


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#2
22.04.2012
13:49:27


(+6, 10 Votes)
 
#3
22.04.2012
15:00:35


(+6, 8 Votes)

Von Brett vor Kopf


"In diesen Farben sind die Bilder der Erinnerung gezeichnet, während die Bilder der Gegenwart bunt ist."

Link zu www.queer.de

"Dass sich die jungen Leute bei Gleichaltrigen problemlos outen, halten die Fachleute daher für schwierig, wenn nicht unmöglich."


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#4
22.04.2012
15:16:47


(+6, 8 Votes)
 
#5
22.04.2012
17:48:31


(+3, 7 Votes)

Von Karlos
Antwort zu Kommentar #3 von Brett vor Kopf


ey das heißt brett vorM kopf...


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#6
23.04.2012
12:16:40


(+1, 1 Vote)

Von TodTraurig


Freue mich auf den Comic.
Aber was heißt schon freuen,
ist ja ein todernster Comic, aber sicher versteht der ein oder andere was ich meine.

Nur schade das es so viele andere (auch Schwule) Comics gibt, die wir NIE zu sehen bekommen, weil diese Künstler eben arm sind.

Aber das ist ja auch bei Musik und den armen Musikern so... Scheiß Kapitalismus halt.
So bekommen wir halt nur die Spitze des Eisberges der Kunst zu sehen. Ich möchte
nicht wissen wie viele "Schätze" uns wegen
des Kapitalismus (den viele unbedingt wollen) vorenthalten bleiben...


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#7
23.04.2012
12:19:02


(+2, 2 Votes)

Von TodErnst


Achja, stimmt schon, es ist eine unsitte das Comics hierzulande immer als "Kinderkram" abgetan werden. Fast jeder Erwachsener ließt
genau deswegen keine Comics...


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#8
23.04.2012
13:46:07


(+4, 8 Votes)

Von pirate comic XL


"Adolf Hitler machte deutlich, dass er die Piraten für eine reine Modeerscheinung halte, die erst im Alltag noch den Beweis antreten müssten, ob sie etablierten Parteien wie der NSDAP überhaupt das Wasser reichen können", berichtet ein an der Seance beteiligter Bundestrojaner."

Link zu www.welt.de

Bild-Link:
BER706_hh.jpg


Hanns Martin Schleyer: "Kameradschaft, Disziplin, Ehrenhaftigkeit und höchste politische Einsatzbereitschaft sind die Grundlagen unserer studentischen Kameradschaften und der Wertmesser für die Auslese in ihnen. [..] Auslese bedeutet immer zugleich Ausmerze"

»Es kam die Zeit des Dritten Reiches,bei dessen Ausbruch ich 17 Jahre alt war, und ich scheue michgar nicht zu erklären, daß für uns Jugendliche damals einAuftrieb sichtbar wurde, dem wir uns zur Verfügung stellten:Ich trat sofort in den freiwilligen Arbeitsdienst ein und freutemich in Wirklichkeit auch darüber, daß der Klassenkampf, dersich in den furchtbarsten Formen auf den Straßen abgespielthatte, nun ein Ende nehmen konnte.«

Bild-Link:
56006.jpg


Link zu www.ynetnews.com

Link zu www.zeit.de


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#9
23.04.2012
14:38:40


(0, 2 Votes)

Von hmmmmm
Antwort zu Kommentar #8 von pirate comic XL


Interresant, aber...
...was hat das mit dem Comic zu tun ?


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#10
23.04.2012
21:44:07


(+1, 1 Vote)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #1 von Finn


In Frankreich und Belgien heißen Comics "Bande Dessiné", zu deutsch: "gezeichnete Streifen", und zudem zählen sie dort zur 9. Kunstart "Art narratif", sprich: erzählerische Kunst.

Aber unabhängig von der "Wertschätzung" dieser Kunstart in Deutschland ist es einfach beschämend, dass man es nicht einmal gebacken kriegt, diese Thematik selbst künstlerisch aufzugreifen. Man verschläft ja schon wieder eine Chance, endlich mal selbst ein anspruchsvolles und todernstes Thema kulturell hervor zu heben. Und das ist einfach das Peinliche: mehr außer Herz-Schmerz-Schmonzetten als Billigfernsehproduktionen scheint ja in diesem Land nicht mehr zu entstehen. Literarisch ist man längst im Hintertreffen im Lande der (hüstel!) "Dichter und Denker", und in bezug auf Comics sowieso. Da nützen auch ein Ralf König und ein Walter Moers nichts.


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