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"Rosa Winkel" ist ein einfühlsames, gut recherchiertes Werk, zu einem lange Zeit tabuisierten Thema

Die Graphic Novel "Rosa Winkel" handelt von einem schwulen Mann, der im Dritten Reich in ein KZ deportiert wird.

Von Carsten Weidemann

Es ist das Jahr 1932. Andreas, ein junger Werbezeichner, lebt ein glückliches Leben im Berlin der 30er Jahre. Der attraktive junge Mann geht gerne mit seinen Freunden feiern. Sein Leben scheint sorglos, doch dann übernehmen die Nazis die Macht in Deutschland.

Der eher unpolitische Andreas kümmert sich zunächst nicht um die neue Regierung, profitiert sogar von deren Aufträgen für Propagandaplakate. Doch bald schon muss er erkennen, dass er sein bisheriges Leben unter der Herrschaft der Nationalsozialisten nicht weiterführen kann, denn Andreas ist homosexuell.

Kurz nach Beginn der Judenverfolgung werden auch Homosexuelle festgenommen und in Konzentrationslager deportiert. Andreas wird inhaftiert und im Jahr 1937 zunächst ins KZ Sachsenhausen und später nach Neuengamme überführt.

Das Leiden geht für Andreas nach der Befreiung weiter

Er überlebt die Strapazen und kehrt zurück, doch der Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern verbietet, wird auch nach dem Sturz der Nationalsozialisten nicht abgeschafft. Andreas muss ein Scheinleben führen: Er heiratet eine lesbische Freundin, gemeinsam ziehen sie ihre kleine Tochter auf.Doch trotz dessen wollen die Schikanen nicht enden. Er wird nicht als Opfer anerkannt, sogar als kriminell bezeichnet, und muss den Spott der Öffentlichkeit ertragen. Erst 1994 wird Paragraf 175 abgeschafft, für Andreas kommt dies viel zu spät.

Beklemmend, düster wirken die von Milorad Vicanovic und Christian Lerolle gezeichneten und kolorierten Bilder der Graphic Novel. Die Farben werden im Verlauf des Buchs zunehmend dunkler, die Farbgebung orientiert sich an den Titeln der einzelnen Kapitel, so ist beispielsweise das Kapitel »die braunen Jahre« ausschließlich in Brauntönen koloriert. Die vorherrschenden Farben im Buch sind braun, grau und schwarz. In diesen Farben sind die Bilder der Erinnerung gezeichnet, während die Bilder der Gegenwart bunt ist.

Michel Dufranne, Milorad Vicanovic und Christian Lerolle: Rosa Winkel, Graphic Novel, aus dem Französischen, 144 Seiten, broschiert, 17 x 24 cm, durchgehend farbig, Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin 2012, 18 €, ISBN 978-3-941787-79-7

Youtube | Die Video-Kostprobe zeigt einige Szenen aus dem Buch


#1 FinnAnonym
  • 22.04.2012, 11:16h
  • Hier in Deutschland klingt Comic immer ein wenig nach was für Kinder.

    Deshalb wird dann auch oft der Begriff "Graphic Novel" verwendet.

    Z.B. in Belgien und Frankreich haben "Comics" eine ganz andere Reputation und werden da viel stärker als eigenständige Kunstform geschätzt.
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#3 Brett vor KopfAnonym
#5 KarlosAnonym
#6 TodTraurigAnonym
  • 23.04.2012, 12:16h
  • Freue mich auf den Comic.
    Aber was heißt schon freuen,
    ist ja ein todernster Comic, aber sicher versteht der ein oder andere was ich meine.

    Nur schade das es so viele andere (auch Schwule) Comics gibt, die wir NIE zu sehen bekommen, weil diese Künstler eben arm sind.

    Aber das ist ja auch bei Musik und den armen Musikern so... Scheiß Kapitalismus halt.
    So bekommen wir halt nur die Spitze des Eisberges der Kunst zu sehen. Ich möchte
    nicht wissen wie viele "Schätze" uns wegen
    des Kapitalismus (den viele unbedingt wollen) vorenthalten bleiben...
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#7 TodErnstAnonym
  • 23.04.2012, 12:19h
  • Achja, stimmt schon, es ist eine unsitte das Comics hierzulande immer als "Kinderkram" abgetan werden. Fast jeder Erwachsener ließt
    genau deswegen keine Comics...
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#8 pirate comic XLAnonym
#9 hmmmmmAnonym
#10 herve64Profil
  • 23.04.2012, 21:44hMünchen
  • Antwort auf #1 von Finn
  • In Frankreich und Belgien heißen Comics "Bande Dessiné", zu deutsch: "gezeichnete Streifen", und zudem zählen sie dort zur 9. Kunstart "Art narratif", sprich: erzählerische Kunst.

    Aber unabhängig von der "Wertschätzung" dieser Kunstart in Deutschland ist es einfach beschämend, dass man es nicht einmal gebacken kriegt, diese Thematik selbst künstlerisch aufzugreifen. Man verschläft ja schon wieder eine Chance, endlich mal selbst ein anspruchsvolles und todernstes Thema kulturell hervor zu heben. Und das ist einfach das Peinliche: mehr außer Herz-Schmerz-Schmonzetten als Billigfernsehproduktionen scheint ja in diesem Land nicht mehr zu entstehen. Literarisch ist man längst im Hintertreffen im Lande der (hüstel!) "Dichter und Denker", und in bezug auf Comics sowieso. Da nützen auch ein Ralf König und ein Walter Moers nichts.
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