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Andreas Erb ist Autor des Buchs "Das Schweigen der Männer. Homosexualität im deutschen Fußball" (Bild: privat)

Oder: Was Schwule und Lesben 50 Tage vor der Fußball-Europameisterschaft von Tierschützern lernen können. Ein Standpunkt von Andreas Erb.

Von Andreas Erb

In knapp 50 Tagen ist Anpfiff der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Ein Fest des Fußballs. Ein Fenster eines geeinten Europas. Eine Kommunikationsplattform, identitätsstiftend und international. Und ein Ereignis, das bereits vor seinem Anpfiff für bemerkenswerte Randerscheinungen sorgt. Die erste Erkenntnis der EM: Tierschützer haben gegenüber den Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene eindeutig die Nase vorn. Beziehungsweise die Schnauze.

Der Aufschrei war groß im vergangenen Herbst: Hundemassaker in der Ukraine! Es wurde bekannt, dass man sich dort im Hinblick auf das internationale Sportereignis in ganz besonderer Weise herausputzen wollte: Durch systematische Tötung der Straßenhunde sollten die Straßen frei von Streunern werden. Die morbide Strategie verfehlte die beabsichtigte Imagewirkung. Tierschützer liefen Sturm, international entbrannte eine Debatte zum Tierschutz.

Dabei gerieten auch die Geldgeber des Fußballs, die Sponsoren der Europameisterschaft, ins Visier. Denn die Aktivisten nahmen die Firmen als Finanziers des Sportereignisses in Sippenhaft. Unter anderem wurden der Fastfood-Kette McDonald's Boykotte angedroht und über Internetplattformen formierte sich eine Protestbewegung. Die Offensive blieb nicht erfolglos: In Kiew beispielsweise, unterzeichneten im Februar der stellvertretende Bürgermeister Oleksandr Mazurchak und Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, einen Vertrag, der tierschutzkonforme Maßnahmen festsetzt.

Mehr Zähne fletschen statt Dackelblick beim Lobbying


Die EM-Maskottchen haben kein Problem mit Manndeckung (Bild: UEFA)

Während die Tierschützer damit für internationale Aufmerksamkeit sorgen, haben es die Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene da bedeutend schwerer, Gehör zu finden. Beispiel: die "Queer Football Fanclubs" (QFF), ein Netzwerk europäischer schwul-lesbischer Fußballfanclubs, gegründet im Umfeld der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Die Organisation setzt sich dafür ein, für Toleranz zu werben und Homophobie aus den Fußball-Stadien zu drängen. Zarte Erfolge kann sie zwar vorweisen, doch nach wie vor bleibt Homosexualität ein Tabu im deutschen Fußball.

Im Hinblick auf die Europameisterschaft organisierten die QFF nun gemeinsam mit weiteren Akteuren der schwul-lesbischen Sportszene am Ostermontag in Hamburg eine Podiumsveranstaltung unter dem Titel "Queer in (Ost)Europa". "Mit der Veranstaltung wollten wir auf die Situation von Schwulen und Lesben aufmerksam machen und für Offenheit werben. Denn gerade im Fußball ist das Thema Homosexualität noch tabuisiert", erklärt QFF-Sprecher Dirk Brüllau.

Gerade im Fußball und gerade in Polen und der Ukraine. Trotz einiger liberaler Strömungen sind in den osteuropäischen Ländern konservative Gesellschaftsentwürfe und Geschlechterbilder stärker verbreitet als in Westeuropa. Vor allem in Sphären wie dem Fußball, im körperbetonten "Männersport", wo traditionell-verkrustete Rollenklischees grundsätzlich an der Tagesordnung sind. "Unser Ziel ist es, die Polen und Ukrainer zu unterstützen in ihrem Engagement gegen Diskriminierung", erklärt Brüllau die Intention der QFF. Ob die Botschaft in Polen und der Ukraine ankommt, bleibt fraglich. Die Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene werben mit viel Idealismus, aber ohne die kompromisslose Bissigkeit der Tierschützer, die sich die EM-Sponsoren zur Brust genommen haben.

Nivea cremt nur das Image des gepflegten, nicht das des homosexuellen Mannes


Jogi Löw, die "Stilikone des gepflegten Mannes" blockt ab, wenn es um Schwule im Profisport geht (Bild: Nivea for Men)

Dabei wäre es auch hierzulande lohnend, diejenigen zum Thema zu befragen, die sich den Volkssport der Deutschen als Werbeplattform erschließen. So geschehen im Februar 2011: All jene Firmen halten politisch korrekt die Fahne hoch, wenn es um das wohlklingende Schlagwort "Diversity" geht. Gemeint sind damit Attribute wie Vielfalt, Respekt und Toleranz. Auf die konkrete Frage, ob eine möglicherweise mit dem Fußball assoziierte Homophobie den Imageeffekten widerspricht, die sie sich von ihrem Sportsponsoring erhoffen, lassen zahlreiche Firmen im Portfolio der DFB-Unterstützer ihre Antwort offen. Bei dieser "speziellen Anfrage" verstehe man sich "nicht als der richtige Ansprechpartner", erklärt exemplarisch Kommunikationsmanagerin Catarina Mayer Wichmann aus dem Hause Beiersdorf, das mit der Marke "Nivea for Men" offizieller Pflegeausstatter des DFB ist.

Mayer Wichmann bittet um Verständnis für ihre Absage: "Unsere Marketingaktivitäten beziehen sich nicht direkt auf den Fußball. Es besteht vielmehr eine Kooperation zwischen Nivea für Men und der Person Joachim Löw, der als 'Stilikone des gepflegten Mannes' die Werte der Marke Nivea for Men vertritt und unterstützt." Und weiter: "Es geht also nicht um die Imagemerkmale, die direkt mit dem Fußball als Sport verbunden werden, sondern um das Image von Jogi Löw." Übrigens: Auch der Bundestrainer blockt konsequent jede Anfrage ab, wenn es um eine Einschätzung der Situation homosexueller Profis geht, die sich den Zwängen des Fußball-Zirkus unterwerfen und ihre Sexualität verheimlichen. Dem Einsatz gegen Diskriminierung und Tabuisierung, den Gruppen wie QFF mit großer Kraftanstrengung vorleben, erweisen derartige Reaktionen einen Bärendienst.

Irgendwie scheint sie also noch nicht laut genug zu rufen, die Lobby der Schwulen und Lesben. Vielleicht sollte sie lernen. Zum Beispiel von den Tierschützern. Und zwar, indem sie die Fußball-Sponsoren als Mitstreiter für den Kampf gegen alltägliche Diskriminierung verpflichtet. Möglicherweise nehmen jene Firmen dann nicht nur den Tierschutz ernst. Sondern auch ihre eigenen Ansprüche in Sachen Diversity...



#1 TadzioScot
  • 17.04.2012, 18:35h
  • "Mehr Biss bei der queeren Lobbyarbeit im Fußball!"

    Genau, wir sind "queer", wir sind "gay" wird sind nicht mehr Schwul... Wir wollen auch keine Gleichberechtigung für alle Sexuellen Minderhieten, nein wir sprechen lieber von "LGBT"... Den Rosa Winkel haben wir auch verbannt und haben uns die Regenbogenflagge als neues Symbol gewählt... Alles was uns ausmacht wird stück für stück "angepasst"... Echt traurig...
    Ansonsten ist der Artikel interresant...
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 17.04.2012, 19:41h
  • Es gibt noch ganz viel zu tun, daß Homophobie im Fußball bald der Vergangenheit angehört!
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#3 SveniAnonym
  • 18.04.2012, 01:58h
  • Na, das Problem haben nicht nur wir Schwulen
    Wir sind halt Menschen und da ist eine Lobby nicht so stark wie für Tiere, dass ist auch ein großes Problem des Kinderschutzes.
    Die Bevölkerung kümmert sich mehr um Tiere, Hunde, Katzen, Wale, als um Kinder.
    Warum sollte das bei uns anders sein?
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#4 seb1983
  • 18.04.2012, 14:05h
  • Antwort auf #3 von Sveni
  • Das Problem ist eher dass etwa die Tierschützer ein klar umrissenes Ziel haben hinter dem sich unterschiedlichste Menschen versammeln können, egal ob arm oder reich, links oder rechts, konservativ oder liberal. Tierschutz ist davon recht unabhängig.

    Das gemeinsame Ziel hatten Schwule auch mal, die Entkriminalisierung, die Abschaffung des §175.
    Und heute? Eheöffnung, Splitting, Integration, Adoptionsrecht?
    Oder doch Eheabschaffung, Splitting abschaffen, Seperation, Kinder möglichst weit weg?
    Oder ist gar genug erreicht?
    OOOOder gleich die ganz große schwulsozialistische Weltrevolution mit ganz anderer Gesellschaft, neuen Lebensformen und neuen Zivilisationen die nie ein Mensch zuvor gesehen hat?
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#5 Lesen bildetAnonym
  • 18.04.2012, 14:24h
  • Antwort auf #4 von seb1983
  • "neuen Lebensformen und neuen Zivilisationen die nie ein Mensch zuvor gesehen hat?"

    Erste Schritte zum Beispiel so:

    "Ch. Ryan und C. Jethá zeigen in ihrem New York Times Bestseller, dass unsere Vorfahren in egalitären Gruppen lebten, die Nahrung, Kinderversorgung und oftmals Sexualpartner miteinander teilten. Indem sie häufig ignorierte Belege aus Anthropologie, Archäologie, Primatologie, Anatomie und Sexualpsychologie zusammenbringen, zeigen die Autoren, wie weit entfernt von der "menschlichen Natur" Monogamie tatsächlich ist.

    Ein Buch, das alles in Frage stellt, was Sie über Sex, Ehe, Familie und Gesellschaft wissen."

    www.sexatdawn.com/
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#6 seb1983
  • 18.04.2012, 14:45h
  • Antwort auf #5 von Lesen bildet
  • Offenbar ein Bestseller, aber bei dem Titel, Sex sells *g*

    Die Übertragung von der Höhle auf moderne Industriegesellschaften und egalitäres Zusammenleben und Arbeiten bei 7 Milliarden Menschen dürfte ein Klacks sein
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#7 meerbissAnonym