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  • 20.04.2012               Teilen:   |

Kohle im Web

Crowdfunding: Die Spendendose für LGBT-Projekte?

Dank dieses Dackelblicks kamen 18.000 US-Dollar beim türkischen Filmprojekt zusammen - Quelle: My Child
Dank dieses Dackelblicks kamen 18.000 US-Dollar beim türkischen Filmprojekt zusammen (Bild: My Child)

Schwul-lesbische Projekte kosten Geld, doch woher nehmen? Im Web gibt es spezialisierte Portale, über die man Förderer für seine Arbeit gewinnen kann.

Von Christian Scheuß

Es ist eine Binsenweisheit: Das schwul-lesbische Vereinsleben, die Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Homozentren und Freizeiteinrichtungen können nur solange funktionieren, wie Geld aus den Hähnen der staatlichen Fördertöpfe fließt und solange Sponsoren aufzutreiben sind. Das ist ein ewiger Kampf mit ungewissem Ausgang. Die Stadtkämmerer lassen die Schatulle geschlossen, weil sie erst einmal ihre Schulden loswerden müssen. Landesmittel sind abhängig von den jeweils regierenden Koalitionen. Sponsoren schlagen sich auch nicht gerade darum, Projekte von sexuellen Minderheiten zu unterstützen. Die wenigen schwul-lesbischen Stiftungen sind noch zarte Pflänzchen.

Die Gretchenfrage lautet also: Wo kann die Kohle sonst noch herkommen? Die Antwort: Aus dem Internet. Das Schlagwort, das derzeit viele Hoffnungen weckt, nennt sich "Crowdfunding". Die virtuelle Spendendose wird im Web herum gereicht, und jeder, der ein Projekt unterstützen will, kann Geld per Onlineüberweisung schenken. Eine, die dies gerade ausprobiert, ist die türkische Filmemacherin und Produzentin Ayse Cetinbas. "Wir arbeiten an einem Dokumentarfilm namens 'MY CHILD' welches die Geschichte von LGBT-Familien aus der Türkei erzählt", berichtet sie. "Diese Familien haben 2008 einen Verein names LISTAG gegründet und unsere Protagonisten sind Mitglieder dieses Vereins."

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Soziokulturelle Szeneprojekte sind beim Funding noch unterrepräsentiert

Der Berliner Kultort "Bar25" - längst Gesichte, doch die Doku entstand per Crowdfunding - Quelle: Bar25
Der Berliner Kultort "Bar25" - längst Gesichte, doch die Doku entstand per Crowdfunding (Bild: Bar25)

Einen Film über ein Tabuthema in der Türkei drehen zu wollen, bedeutet: Öffentliche Filmförderung zu bekommen ist nahezu unmöglich. Also versucht sie es per Crowdfunding-Kampagne auf der Website "Indiegogo". Sie ist eine von mehreren neuen sozialen Webseiten, die sich auf das private Sponsoring konzentrieren. Ayse stellt dort sich, das Team und ihre Idee vor. Sie präsentiert erste Filmausschnitte sowie den Finanzierungsplan, um potentielle Gönner zu interessieren. Und sie setzt ein Spendenziel fest. 40.000 US-Dollar würde sie gerne einsammeln, das Spendenbarometer stoppte nach Ablauf der Kampagne bei 18.000 Dollar.

Generell funktioniert es so: Interessierte können vorgeschlagene Beträge - meist per Kreditkarte - überweisen. Zudem kann sich der Spender aussuchen, ob er mit seinem Namen als Unterstützer genannt wird oder lieber anonym bleiben möchte. Die Projektbetreiber wiederum haben die Option, das eingesammelte Geld unabhängig davon, ob das gesetzte Ziel erreicht wurde, zu behalten, oder wieder an die Spender zurückzugeben, weil es einfach zu wenig war, um mit der Arbeit beginnen zu können.

Indiegogo verdient sein Geld durch eine Beteiligung. Je nach gewähltem Kampagnenmodell gehen bis zu neun Prozent der eingesammelten Summe an das Portal, zudem gibt es eine Gebühr für die finanztechnische Abwicklung bei Kampagnen außerhalb der USA. In Deutschland ist "startnext" Anlaufadresse für Kulturprojekte, die Geldgeber suchen. Über das Portal "Inkubato" hat es die Filmemacherin Nana Yuriko geschafft, innerhalb von zehn Wochen 27.000 Euro für ihren Film "Bar25" zusammen zu bekommen. Darin erzählt sie die Geschichte eines selbstverwalteten Kulturprojekts auf einer Industriebrache in Berlin. Ein Partyort, der auch viele Schwule, Lesben und Transgender anzog, der aber Ende 2010 dicht machen musste.

Auch per Web ist Geldsammeln kein Zuckerschlecken

Schwule Pokerkarten - Wer möchte sich am Projekt beteiligen? - Quelle: Mirko Schmidt
Schwule Pokerkarten - Wer möchte sich am Projekt beteiligen? (Bild: Mirko Schmidt)

Nana Yuriko verrät, wie erfolgreiches Crowdfunding funktioniert: "Du brauchst natürlich als erstes eine Crowd. Und dann musst du hart arbeiten dafür. Immer wieder Updates liefern, die Leute ständig informieren, auch über Facebook." Kleine Geschenke erhöhen die Investitions-Bereitschaft. Bei "Bar25" bekommen Spender den Soundtrack als mp3-File zum Download, die DVD-Version des Films soll ebenfalls an alle Unterstützer gehen.

Während in den USA schon Dutzende schwul-lesbischer Einrichtungen für ihre Ideen werben, ist Crowdfunding für Szeneprojekte in Deutschland ein kaum bestelltes Feld. Bei so wenig Konkurrenz sollte man meinen, ist es einfach, Förderer zu finden. Doch auch ohne Konkurrenz müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, sonst geht es in die Hose: Die Vermarktung muss energisch, transparent und professionell sein, die Idee bei vielen zünden. In Berlin versucht es gerade Mirko Schmidt. Der Künstler möchte die Idee eines Kartenspiels mit Männerakten realisieren. "Ich habe 13 Männer per Bodypainting in Buben, Damen und Könige verwandelt und daraus ein Kartenspiel gestaltet." 3.500 Euro braucht er dafür, fünf Tage vor Ablauf der Kampagne sind allerdings erst 195 Euro von vier Unterstützern eingegangen.

Links zum Thema:
» Indiegogo.com
» Website zu "Bar25"
» Pling.de
» Inkubato.com
» Startnext.de
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Tags: spenden, crowdfunding, finanzierung
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