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  • 21.04.2012           5      Teilen:   |

Buchkritik "Venice Beach"

Heimliche Liebe zwischen Ermittler und Mörder

Der Cop, der Filmstar und eine Liebe bis in den Tod: "Venice Beach"
Der Cop, der Filmstar und eine Liebe bis in den Tod: "Venice Beach"

In seinem neuen Roman "Venice Beach" entlarvt Bestseller-Autor Philippe Besson die Scheinwelt Hollywoods.

Von Angelo Algieri

Bang! Diese schwule Liebe traf den verheirateten Polizei-Inspektor von Beverly Hills völlig unerwartet. Er kann sich das selbst ein Jahr später nicht erklären. Und doch weiß man von Anfang an, dass diese Liebesgeschichte nicht gut ausgehen wird. Wie es dazu gekommen ist, erzählt im Rückblick der Ich-Erzähler und Inspektor selbst im neuen Roman "Venice Beach" des bekannten französischen Bestseller-Autors Philippe Besson, der mit seinem Roman "Sein Bruder" berühmt wurde. Beide Bücher sind bei dtv erschienen.

Doch nun zum Plot seines neuen Romans. Juni 1990: In Beverly Hills wird ein blutüberströmter Stricher tot auf einem Rasen gefunden. Der besagte 30-jährige Inspektor ermittelt, und die Spur führt ihn bald zum 25-jährigen Jack Bell, einem bekannten, gutaussehenden Filmschauspieler.

Während Bell zunächst aussagt, den 19-jährigen Sexworker kaum gekannt zu haben, räumt er später ein, ihn regelmäßig mit Drogen versorgt zu haben. Der Inspektor nimmt diese neue Wendung zur Kenntnis. Dabei kommt es zu ersten "unabsichtlichen" Berührungen zwischen den nach außen hin heterosexuellen Männern. Und schon entflammt das erste Verlangen, vor allem beim Inspektor.

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Fünf Tage lang schwuler Sex im Motel-Zimmer

Eines Vormittags holt Bell den Inspektor spontan von der Arbeit ab. Es ist Donnerstag. Sie fahren nach San Francisco, nehmen dort in einem Motel ein Zimmer. Sie fallen sofort über einander her und verlassen den Raum erst am Montag... Seiner besorgten Ehefrau gaukelt der Inspektor dringende Vorort-Recherchen vor. Nach einer wochenlangen Pause sehen sich die zwei spitzen Kerle wieder - diesmal im Motel der Mutter des Inspektors in Venice Beach. Dort treffen sie sich nun regelmäßig. Die Mutter wird so zur ungewollten Komplizin.

Die Ermittlungen indes scheinen an einem toten Punkt angelangt zu sein - bis Bell nach einem Fick überraschend gesteht, den Stricher umgebracht zu haben. Grund: Der Schauspieler wurde von ihm erpresst. Der Inspektor überlegt: Soll er ihn gleich festnehmen? Ist Bells Liebe zu ihm nicht echt? Hat er ihn ausgenutzt? Doch er entscheidet sich, Bell zu schützen.

Im September, bei der Auswertung eines Überwachungsvideos, kommt jedoch die Wahrheit ans Licht: Dort ist zu sehen, wie Bell die Leiche auf den Rasen legt. Der Assistent des Ermittlers will Bell sofort festnehmen. Doch der Inspektor bittet um eine Stunde Aufschub, die er bekommt. Er benachrichtigt Bell und beide treffen sich im Liebesnest-Motel. Die Polizei braucht zwei Tage, um sie aufzufinden...

Der Hetero-Schein des "Normalos" und des Promis

Philippe Bessons Bücher sind in Frankreich Bestseller. Sie wurden vielfach ausgezeichnet und in 14 Sprachen übersetzt. Sein Roman ›Sein Bruder‹ wurde von Patrice Chéreau verfilmt
Philippe Bessons Bücher sind in Frankreich Bestseller. Sie wurden vielfach ausgezeichnet und in 14 Sprachen übersetzt. Sein Roman ›Sein Bruder‹ wurde von Patrice Chéreau verfilmt (Bild: Wiki Commons / Siren-Com / CC-BY-SA-3.)

Autor Besson, Jahrgang 1967, hat einen spannenden Coming-out-Kriminalroman geschrieben. Er zeigt darin sehr genau, wie der Hetero-Schein sowohl eines "Normalos" als auch eines "Hollywood-Stars" aufrechterhalten wird. Beide geben vor, eine intakte und makellose Beziehung zu führen: der Inspektor mit seiner Ehefrau, Jack Bell mit seiner Schein-Freundin. Beide werden ihrer heteronormativen Rolle gerecht.

Mehr noch: Im vermeintlich liberalen Hollywood scheint dieses Image Bells Karriere dienlich zu sein. Hat sich dies seit den 1990ern geändert? Wohl kaum, wenn man der Diskussion vor der letztjährigen Oscar-Verleihung glauben schenken mag. Bezeichnend, dass homosexuelle Schauspieler in den letzten zwölf Jahren kaum mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Schwule oder lesbische Protagonisten werden von Heteros gespielt. Der offen homosexuelle Schauspieler Rupert Everett empfiehlt gar karriereorientierten schwulen Kollegen, sich besser nicht zu outen. Grund: Die Filmproduzenten fürchten, dass sie mit Homo-Schauspielern weniger Einnahmen erzielen - gerade in konservativen Landstrichen Amerikas bzw. der Welt... Somit legt Besson richtigerweise mit diesem Thema den Finger auf die Wunde und entlarvt so die vorgespielte liberale Haltung Hollywoods.

Allerdings handelt dieser Roman auch von einer unmöglichen Liebe, nämlich die des Ermittlers zu einem Mörder. Es erinnert insofern an Gottfried von Straßburgs "Tristan", als in beiden Werken die Liebenden aus ihren Konventionen fliehen und sich ein Liebesnest einrichten, um ihre Begierde auszuleben. Doch in beiden Geschichten holt sie die Realität ein - mit tödlichem Ausgang...

Im Vergleich zu seinen vorhergehenden Büchern, allen voran zum bereits erwähnten Roman "Sein Bruder", hat Besson einen im positiven Sinne oberflächlichen Roman geschrieben. Das passt, denn es geht letztlich um den Schein. Eine insgesamt überzeugende, runde Sache.

Fazit: Eine gelungene, kurzweilige, teils amüsante Strandlektüre - ob nun in Venice Beach, auf Mykonos oder Gran Canaria!

Philippe Besson: Venice Beach, Roman, aus dem Französischen von Caroline Vollmann, dtv premium, München 2012, 180 Seiten, 14,90 €, ISBN: 978-3-423-24902-7

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Tags: philippe besson, venice beach, dtv, krimi
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Reaktionen zu "Heimliche Liebe zwischen Ermittler und Mörder"


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
21.04.2012
17:31:09


(+1, 1 Vote)

Von Feendrache
Aus Leipzig (Sachsen)
Mitglied seit 16.10.2011


Klingt irgendwie interessant, vielleicht kaufe ich es mir ja.
Aber mal eine andere Frage: Kommt mir das nur so vor, oder enden 85% der Bücher über schwule Liebe wirklich immer mit einem Bad-End? Vielleicht hab ich ja auch nur Pech und erwische immer die, wo einer der Protagonisten am Ende durch Mord, Selbstmord oder eine unheilbare Krankheit stirb. Ja ich weiß, das Leben ist kein Ponyhof, aber irgendwie vermisse ich schwule Bücher mit einer spannenden, dramatischen Story aber mit Happy End.
Kennt vielleicht einer von euch einen guten Roman mit diesen Voraussetzungen?
LG
Fee


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#2
21.04.2012
18:58:18


(+2, 2 Votes)

Von Marcel RR
Antwort zu Kommentar #1 von Feendrache


Alles fein, Herr Algieri, aber die Handlung hätten Sie nicht bis zum Ende in Ihrer Rezension auserzählen müssen.

Vielleicht das nächste Mal vorab auf den Spoiler hinweisen. Danke.


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#3
21.04.2012
21:21:12


(0, 0 Vote)

Von kunstoderkeine
Antwort zu Kommentar #1 von Feendrache


Ich habe das Gefühl, dass dieses "Bad-End-Problem" im vermeintlichen "Wert" liegt - Trivial oder Literatur. Mir kommt es oft so vor, als wollten sich "Literaten" gerade schwuler Bücher weniger kunstvoll denn künstlich abheben. Da scheint es dann irgendwie "Pflicht" zu sein, eben nicht die "Happy-End-Maxime" der Unterhaltungslektüre zu erfüllen.

Literatur - und keine möchtegern - ist für mich meist unabhängig vom Inhalt lesenswert. Auf Triviales und Unterhaltung mag ich dennoch nicht verzichten, weil es auch gut und richtig ist, mal den Kopf auszuschalten.

Also Friede-Freude-Eierkuchen-Bücher gibt's genug, muss man als Leser nur schauen, an welchem "Ende" des Buchregals man sich bewegt.


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#4
21.04.2012
21:39:07


(+1, 1 Vote)

Von Feendrache
Aus Leipzig (Sachsen)
Mitglied seit 16.10.2011
Antwort zu Kommentar #3 von kunstoderkeine


Ich bin mir unschlüssig darüber wie genau ich diesen Kommentar werten soll. Ich vermute es soll eine Art Kritik an meinem eigenen darstellen, allerdings möchte ich betonen das ich nichts dagegen habe das es auch "schwule Bücher" mit dramatischem oder traurigem Ende gibt. Aber im Moment erscheint mir der Markt einfach davon überschwemmt.
Ich bin auf der Suche nach einem anspruchsvollem Buch, mit genialem Schreibstil, spannender o.- dramatischer Handlung und Happy End, ohne unnötigem Schnick Schnack und Kitsch. Vielleicht bilde ich es mir ja wirklich nur ein, aber manchmal erscheint mir das schwule Genre einfach wie eine riesige Grunddepression.
LG
Fee


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#5
21.04.2012
21:57:48


(+3, 3 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von Marcel RR


Dafür erhältst Du doch einen spitzen Schmökertipp, falls Du mal aus den Liebeskonventionen fliehen und dir ein Lesenest einrichten möchtest:

"Es erinnert insofern an Gottfried von Straßburgs "Tristan", als in beiden Werken die Liebenden aus ihren Konventionen fliehen und sich ein Liebesnest einrichten, um ihre Begierde auszuleben."

Da fallen mir natürlich auch die Tauben ein, die auf dem großen Balkon meines Vaters ein Nest eingerichtet haben. Wie kriegt man die Viecher nur weg? Über den Plastikraben [vgl. auch Edgar Allen Poe] lachen die nur.


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