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Da staunte der Londoner Kunsthändler und -historiker Philip Mould nicht schlecht: Das Gemälde "Frau mit Federhut" aus dem 18. Jahrhundert, das er in New York erwarb, zeigt in Wirklichkeit einen Mann. Beim Restaurieren und Reinigen des Werkes waren die markanten Gesichtszüge und Bartstoppeln nicht mehr zu übersehen.

Der "Chevalier D'Eon", wie das Werk nun heißt, ist damit das älteste bekannte Gemälde, das einen Cross-Dresser zeigt. Die abgebildete Person wurde als französischer Diplomat und Degenfechter identifiziert, der wegen Geheimnisverrats zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war und daraufhin in London in Frauenkleidern untertauchte. Als "Chevaliere Charlotte d'Eon" wurde ihm später die Rückkehr nach Frankreich erlaubt.

Bis zum Tod am 21. Mai 1810 lebte er/sie unter weiblicher Identität. Selbst Hausangestellte waren überrascht, als bei der Obduktion das ursprüngliche Geschlecht bekannt wurde.

Ob die porträtierte Person ihr Cross-Dressing nur als "Mittel zum Zweck" oder auch als Ausdruck ihrer Geschlechtsidentität verstand, ist nicht bekannt. Der Sexualforscher Havelock Ellis prägte dennoch Anfang des 20. Jahrhunderts unter Bezug auf Chevalier d'Eon den Begriff "Eonismus" für damals so genannte "transvestitische Neigungen". (cw)