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  • 25.04.2012           16      Teilen:   |

Neue Doku

Schwule Geschichtsforschung auf der Klappe

Seine Eltern konnte Ringo Rösener nicht fragen, wie Schwule in der DDR lebten - Quelle: Salzgeber Medien
Seine Eltern konnte Ringo Rösener nicht fragen, wie Schwule in der DDR lebten (Bild: Salzgeber Medien)

Wie hat man als Schwuler in der DDR gelebt? Der junge Ostdeutsche Ringo Rösener hat in seiner Doku "Unter Männern" Zeitzeugen interviewt.

Von Carsten Weidemann

Den Berliner Friseur Frank Schäfer plagt ein Alptraum: "Stell dir vor, du wachst auf, und bist auf eenmal nicht mehr schwul". Er fasst sich an die Stirn, seufzt: "Denn muss ikk mit irjendwelchen Frauen immer ins Café jehen und inne Bar und ins Kino un denn noch lange reden, bis die nun endlich bereit sind. Ne, darauf hab ich keenen Bock."

Die "Sache" sei so schon perfekt. Schäfer, Jahrgang 1959, ist in der DDR aufgewachsen. Die sexuellen Freiheiten, die man als schwuler Mann innerhalb der Subkultur besaß, die hat er genutzt und genossen, neben vielen anderen Freiheiten, die er sich im "System" rausgenommen hat. Der Ost-Berliner wurde einer der bekanntesten Friseure der DDR, erfand die Punkfrisur des Sozialismus und tat alles, um als cool zu gelten. Dazu gehörte auch, verhaftet zu werden, denn "viel verhaftet werden ist auch viel cool".

Vor mehr als zwei Jahrzehnten existierte in Europa ein Land, das die Grenze zu einem anderen politischen und wirtschaftlichen System markierte und doch die Mitte des Kontinents darstellte. Dieses Land nannte sich Deutsche Demokratische Republik, verwirklichte den Sozialismus und war Heimat für 17 Millionen Menschen. Tief in der ostdeutschen Provinz geboren, bekam Ringo Rösener gerade noch den Zusammenbruch mit. Mit dem Jahrtausendwechsel verlässt er seine Geburtsstadt Anklam und lebt seine Homosexualität - etwas, das er sich in der Provinz bis dahin nie getraut hatte. Wäre so ein offen schwules Leben im real existierenden Sozialismus möglich gewesen?

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Reales schwules Leben im real existierenden Sozialismus

Plakatkunst im sozialistischem Stil - Quelle: Salzgeber Medien
Plakatkunst im sozialistischem Stil (Bild: Salzgeber Medien)

Als studierter Kulturwissenschaftler, Buchautor und Regisseur machte sich Ringo Rösener gemeinsam mit Co-Regisseur und Kameramann Markus Stein auf, um Antworten auf diese Frage zu finden. Sie begegnen dabei sechs schwulen Männern, die in der DDR lebten und die zum Teil erstmals offen über ihre Sexualität sprechen. So unterschiedliche Personen wie der Künstler Jürgen Wittdorf und der Friseur Frank Schäfer, der Bürgerrechtler Eduard Stapel und John Zinner, der sein Coming-Out in einem kleinen Dorf im Thüringer Wald erlebt hat, berichten, wie sie ihre Individualität entwickelten in einem Land, in dem Schwulsein" kein Thema war. Das als ein "Überbleibsel dekadenter bürgerlicher Moral" galt.

Es sind sehr anrührende Biographien, die sich da vor dem Zuschauer entwickeln, sehr subjektive Innenansichten einer Parallelwelt im Sozialismus. "Unter Männern" ist aber nicht nur reine oral history. Rösener macht sich auch die Mühe, die Orte zu besuchen, an denen sich schwule Männer früher trafen. So klettert er mit dem Schwulenaktivisten Eduard Stapel hinab in eine völlig verfallene Toilettenanlage in Leipzig. Die ehemalige Klappe wirkt jetzt wie ein verwunschener Ort, Jahrhunderte alt. Dabei ist es gerade einmal rund 20 Jahre her, seit man nicht mehr von sich behaupten kann, man lebe "Schwul in der DDR".

Links zum Thema:
» Alle Infos zum Film
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Unter Männern - Schwul in der DDR (Doku, D 2012)

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Tags: ddr, doku, sozialismus, salzgeber, unter männern, ringo rösener
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Reaktionen zu "Schwule Geschichtsforschung auf der Klappe"


 16 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
25.04.2012
18:53:14


(+12, 12 Votes)

Von Treeg
Aus Doetinchem (Niederlande)
Mitglied seit 24.01.2012


Wenigsten mal ein Film mit ehrlichen Protagonisten ohne irgendwelche Typen die alles verdrehen....


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#2
25.04.2012
19:34:07


(+6, 10 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Prädikat: besonders wertvoll!


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#3
25.04.2012
23:33:03


(+1, 3 Votes)
 
#4
26.04.2012
09:31:47


(-7, 13 Votes)

Von ehemaligem User Nicole


Den Film werde ich mir ansehen.

Der Artikel allerdings ist schlecht, weil:

(1) Queer.de äußert keine Lob-/Kritikpunkte, bzw. macht sie nicht als solche deutlich, z. B.:

a. der Film-Titel verspricht ein gesamtgesellschaftliches Bild, der Film selbst beschränkt sich aber nur auf sechs Einzel-Portraits

b. die Beschreibung weckt die Vermutung, dass zwar eine Ausgewogenheit zwischen Stadt- und Land-Schwulen, nicht aber eine altersbezogene getroffen wurde, denn die frühen Jahre der DDR mit dem § 175 in der Nazi-Fassung waren sicher schlimmer als nur "Verhaften-Lassen weil es cool war"

c. der Besuch von Originalschauplätzen sollte bei der Rezension eines Interview-Films nicht nur als Rand-Info, sondern als dicker Plus-Punkt gewürdigt werden

(2) Die Überschrift "Geschichtsforschung auf der Klappe" ist daneben, weil ein Interview-Film keine Forschungsarbeit ist, sondern bestenfalls als Zitier-Material in eine Forschungsarbeit einfließen kann

(3) Queer.de erzählt nur nach, liefert aber null Hintergründe und Eigenrecherchen wie z. B.:

a. die Infiltrations- und Zersetzungs-Arbeit gegen sich herausbildende schwul(-lesbische) Vernetzungsstrukturen und deren Protagonisten, inkl. dicke Stasi-Akten

b. die Film-Person Eduard Stapel, der ein DDR-weites schwules Netzwerk aufbaute - den Vorgänger des heutigen LSVD - erwähnt Ihr mit keinem Wort

c. warum konnten Schwule einfach so verhaftet werden? Und wo bleibt die Info, dass die DDR noch bis 1988 den - zuvor mehrfach abgeschwächten - "Schwulen-Paragrafen" 175 im Strafgesetzbuch führte?

d. 1989 erschien mit "Coming Out" der erste/einzige schwule Film der DDR, zwei Jahre zuvor begann im Rahmen der Aids-Aufklärung die breite öffentliche Diskussion über Homosexualität. Eigentlich wichtig für das Thema.

e. dass sich Schwule und Lesben nur unter dem Dach der Evangelischen Kirche organisieren konnten und es durchaus Partys (z. B. die "Busche") und Bars (z. B. den "Burgfrieden") gab, fehlt ebenfalls

f. was gibt es zum Regisseur zu sagen?: Ist das sein Erstlingswerk oder hat er noch andere Queer-Filme gedreht? Ist er Szene-Aktivist? Hat er selber "mit der Jahrtausendwende" dem Osten den Rücken gekehrt?

g. es gab bereits andere Werke zu diesem Thema, z. B. "DDR unterm Regenbogen" (Film), die Tagungs-Dokumentation "Lesben und Schwule in der DDR" der Heinrich-Böll-Stiftung (Buch) - der Film steht also nicht allein auf weiter Flur, sondern in einer Tradition und hätte eingeordnet und qualitativ verglichen werden können


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#5
26.04.2012
12:47:32


(+6, 10 Votes)

Von Marschmellow
Antwort zu Kommentar #4 von Nicole


Boah, du Hardcore Redaktör du. Get a life..


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#6
26.04.2012
14:04:56


(-8, 10 Votes)

Von ehemaligem User Nicole
Antwort zu Kommentar #5 von Marschmellow


Bis auf trollige Beleidigungen oder die üblichen nichtssagenden Floskeln haben du und andere in der Diskussion auf diesen Artikel bislang noch nichts relevantes beigetragen.

Und ja, in bin Redakteur und befasse mich schon seit Jahren mit solchen Themen.


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#7
26.04.2012
14:33:39


(+8, 8 Votes)

Von BRD_Unrecht


Der aufmerksame Beobachter fragt sich freilich, wann endlich die einzigartigen Verbrechen an Schwulen im Unrechtsstaat BRD eine auch nur ansatzweise so umfassende "Würdigung" erfahren, wie es in letzter Zeit angesichts der immergleichen "Böse, böse DDR"-Kampagnen wieder verstärkt und historisch reichlich verfälschend (im Verhältnis zum Ausmaß der Schwulenhatz im westlichen Teil des Landes) der Fall ist.

Wo sind die Themenabenden bei ARD und ZDF? Wo die Entschädigung und Rehabilitation der Opfer? Am besten in einem formellen Staatsakt?

Genau daran merken wir, dass es in dieser Gesellschaft und insbesondere der herrschenden Klasse um alles geht (vor allem darum, jede auch nur denkbare Alternative zur Herrschaft der Kapitalisten als ganz, ganz böse zu brandmarken - die diesbezüglichen Kampagnen nehmen inzwischen wieder zunehmend hysterische Züge an), aber gewiss nicht um effektiv gleiche Lebens- und Menschensrechte von Schwulen.


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#8
26.04.2012
14:49:35


(+14, 14 Votes)

Von ehemaligem User SuperMario


Ich bin ein Zonenkind, habe also meine Kindheit in der DDR und meine Jugend im dann geeinten Deutschland verbracht. Als Kind habe ich nicht soviel über schwules Leben mitbekommen, erinnere mich aber noch, wenn es an Schulwandertagen nach Berlin ging, an die öffentliche Toilette auf dem S-Bahnhof Königs Wusterhausen, wo immer Männer herumlungerten. Das fiel mir auf und ich fragte mich, ob die Männer auf ihre Frauen warteten, die ewig nicht auf dem Klo fertig wurden. Heute weiß ich, worauf sie wirklich gewartet haben.
Und in Berlin gab es eine kleine verwunschene Kneipe unter den S-Bahn-Bögen am Alex, die Besenkammer-Bar, die irgendwie anders und faszinierend erschien. Kaum wollte ich sie aus der Nähe betrachten zog die Schulklasse auch schon wieder weiter. Naja, die Kneipe habe ich dann Jahre später erkundet.


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#9
26.04.2012
15:14:15


(+8, 10 Votes)
 
#10
26.04.2012
15:58:36


(+6, 8 Votes)

Von Schulwandertag
Antwort zu Kommentar #8 von SuperMario


In welchem Ferienlager warst du?


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