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  • 28.04.2012           1      Teilen:   |

"Und das schöne Zimmer ist leer" von Edmund White

Live dabei im Stonewall Inn

Der zweite Band der autobiografischen Trilogie von Edmund White erschien 1988 in den USA, in Deutschland drei Jahre später
Der zweite Band der autobiografischen Trilogie von Edmund White erschien 1988 in den USA, in Deutschland drei Jahre später

Eine Reise zurück zum Beginn der US-Schwulenbewegung: Der Bruno Gmünder Verlag hat Edmund Whites Gay-Klassiker "Und das schöne Zimmer ist leer" neu aufgelegt.

Von Angelo Algieri

Die USA nach der McCarthy-Ära und vor Stonewall - das sind die zeitlichen Eckpunkte im zweiten Band "Und das schöne Zimmer ist leer" der autobiografisch angelegten Trilogie von Edmund White. Er ist die Fortsetzung des Bandes "Selbstbildnis eines Jünglings" (queer.de rezensierte) und der Vorgänger von "Abschiedssymphonie". Der nun zu besprechende Band "Und das schöne Zimmer ist leer", der erstmals in den USA 1988 und in Deutschland 1991 erschien, ist nun im Bruno Gmünder Verlag neu aufgelegt worden.

Ende der 1950er Jahre: Der Ich-Erzähler und Protagonist ist Anfang 20. Als er zur Vorbereitungsschule zum College geht, lernt er in der daneben liegenden Kunsthochschule eine Lesbe kennen, die ihm die ganzen Jahre über verbunden bleibt. Von ihr bekommt er geistige - d.h. vorwiegend kommunistische - Inputs. Zudem lernt er durch sie schwule Künstler kennen. Doch zu der Zeit ist er noch schüchtern und sehr wählerisch. Auch weil er eine Therapie macht, um seine Homosexualität zu "heilen". Doch die nützt nichts, denn als College-Student sitzt er stundenlang in einer Kabine in der Klappe und lernt Chinesisch-Vokabeln, wenn er nicht gerade Schwänze bedient...

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Klappensex und erste Liebschaften

Cover der amerikanischen Erstausgabe
Cover der amerikanischen Erstausgabe

Neben seinen anonymen Sexabenteuern berichtet der Ich-Erzähler, wie er sich etwa in Tex verliebt. Doch aus unterschiedlichen Gründen halten die Liebschaften nicht lange. Als er seinen Abschluss macht und nach New York umzieht, verknallt er sich unsterblich in den schönen Sean. Sie kommen zwar zusammen, doch Sean hat mit seiner eigenen Homosexualität ein Problem. Sie machen daraufhin eine Therapie bei derselben Psychologin. Sie entfremden sich, gehen auseinander. Woraufhin der Ich-Erzähler wieder nachts durch Klappen streift...

Eines Junitages jedoch - wir sind schon längst im Jahr 1969 angekommen -, an einem heißen Abend, geht der Protagonist mit seinem besten Freund Lou in die Bar "Stonewall Inn", bis Polizisten plötzlich einstürmen und eine Razzia durchführen - wie sie es in den letzten Jahren und Monaten schon oft getan haben. Doch diesmal treffen sie auf Widerstand. Flaschen fliegen, die Beamten verbarrikadieren sich hinter der Bar. Derweil versammeln sich auf der Christopher Street Schwuppen und Sympathisanten. Beeinflusst von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung skandiert die Menge "Gay is Good" in Anlehnung an "Black is Beautiful" oder "Pink Panther", erinnernd an "Black Panther". Mitten in der Nacht ziehen die Polizisten plötzlich ab. Die Menge triumphiert.

Als der Ich-Erzähler am nächsten und übernächsten Morgen die Zeitungen kauft, in der Hoffnung, dass sie über dieses Ereignis schreiben, ist die Enttäuschung groß: keine einzige Zeile. Eine bittere Ironie, wenn man bedenkt, dass wir jedes Jahr in Gedenken an dieses mittlerweile mythische Ereignis den Christopher-Street-Day feiern. Doch dieses für Schwule und Lesben wichtige Ereignis fand kein Medienecho. Zudem spielt der Autor mit den Leser-Erwartungen eines triumphalen Finales. So lässt sich ein Schmunzeln nicht vermeiden. Doch White ruft uns auch mit diesem Schluss zu, dass mit dem Ereignis von Stonewall der Stein der organisierten und politischen Homo-Bewegung erst ins Rollen gebracht worden ist.

Das homophobe Klima der 50er und 60er Jahre

Edmund White zählt heute zu den bedeutendsten schwulen Autoren des 20. Jahrhunderts
Edmund White zählt heute zu den bedeutendsten schwulen Autoren des 20. Jahrhunderts (Bild: Wiki Commons / David Shankbone / CC-BY-SA-3.0)

White, geboren 1940 in Cincinnati, versteht es treffend, die muffige gesellschaftlich-politische Atmosphäre der 50er und 60er Jahre einzufangen - vor allem, was dies für Schwule und Lesben hieß. Auf der einen Seite Psychotherapie, soziale Ächtung, Repression. Auf der anderen Seite erzählt White von den kleinen Freiheiten, die die Homos in den 60ern im Alltag ertrotzt haben. Etwa als der Bürgermeister New Yorks anlässlich der Weltausstellung 1964 Schwulenbars verbieten ließ. Schwule Inhaber umgingen gewitzt das Verbot, indem sie Motto-Partys veranstalteten, in der eine Verkleidung notwendig war. So konnten erfolgreich einige Schwulenbars weiterexistieren...

Doch diese Freiheiten wurden immer wieder durch neue Schikanen betrübt. In den allgemeinen Liberalisierungstendenzen der 60er Jahre (Friedens-, Black-Power-Bewegung usw.) staute sich bei Schwulen immer mehr Wut auf. Im Roman wird dies deutlich, als der Ich-Erzähler seinen Ärger über einen älteren Patienten in der Gruppentherapie mit Fausthieben entlädt, nachdem dieser ihn in jeder Sitzung fragte, ob er endlich mit einer Frau geschlafen habe - ein sehr starkes emanzipatorisches Bild!

Neben dokumentarischen, sozio-politischen und dramaturgischen Gesichtspunkten zeichnet sich Whites Roman auch durch seine Ästhetik aus. Der realistische, teils lakonische Stil wird durch die zunächst gewöhnungsbedürftige Satzstruktur literarisch verdichtet. Es entfaltet sich erst nach kurzer Eingewöhnung ein erhöhter Lesegenuss.

Schade nur, dass der Gmünder Verlag keine Neuübersetzung anbietet statt "nur" eine Neuauflage. Zweifelsohne ist die vorliegende Übersetzung von Benjamin Schwarz von 1991 gut. Allerdings braucht jede Generation eine Neuübersetzung, eine Aktualisierung. Denn jede neue Übersetzung fördert andere sprachliche Finessen zutage, richtet bei der Übertragung eine andere Akzentuierung.

Aber davon einmal abgesehen: Der mit vielen Literaturpreisen gekrönte Edmund White erinnert zu Recht an die queere, schizophrene Vor-Stonewall-Ära. Ein moderner, vielschichtiger Gay-Klassiker, der sich zu lesen wieder lohnt!

Edmund White: Und das schöne Zimmer ist leer, Roman, aus dem Amerikanischen von Benjamin Schwarz, Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2012, 256 Seiten, 14,95 €, ISBN 978-3-86787-250-8

Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Roman und Bestellmöglichkeit bei Amazon
Mehr zum Thema:
» "Selbstbildnis eines Jünglings": Ein Klassiker der Coming-out-Literatur (26.12.2011)
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Tags: edmund white, stonewall, trilogie
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Reaktionen zu "Live dabei im Stonewall Inn"


 1 User-Kommentar
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#1
28.04.2012
16:06:20


(+1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


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