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Ayatollah Mohsen Mojtahed Shabestari ist nicht in Party-Stimmung

Der Nachbar beklagt eine Tanz-Party für "Perverse" und einen angeblichen CSD. Dabei ist der weder geplant noch die Lage von Schwulen und Lesben rosig.

Von Norbert Blech

Rund drei Wochen vor der diesjährigen Finalwoche des Eurovision Song Contest in Aserbaidschan haben iranische Prediger Kritik an dem Wettbewerb und an einem angeblich geplanten Gay Pride geübt.

So sagte Ayatollah Mohsen Mojtahed Shabestari, die Lage im Nachbarland sei so schlecht, dass öffentliche Gelder genutzt werden, um eine "von anti-islamischen Kräften geforderte Party auszurichten". Nach Angaben der International Gay and Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) fielen die Worte am Freitag bei einem öffentlichen Gebet in Täbris im Nordiran, dem Zentrum der iranischen Aserbaidschaner.

Shabestari, ein bekannter schiitischer Prediger und Stellvertreter des Obersten Rechtsgelehrten, bezeichnete eine vermeintlich geplante CSD-Parade als empörend: "Diese Tanz-Party und die Parade werden von allen möglichen anti-islamischen Gruppen und Perversen besucht. Während viele Länder es Perversen nicht erlauben, eine Demonstration abzuhalten, haben die Führer des hauptsächlich schiitischen Aserbaidschans dieses unethische Event erlaubt." Das Land solle die Parade absagen, um nicht "Spielzeug der Zionisten" zu werden, ansonsten müsse es "umfangreiche Demonstrationen und öffentlichen Ärger" erwarten.

Auch andere Prediger und islamische Gruppen, darunter die radikale Ansare Hisbollah, hatten in den letzten Wochen Aserbaidschan sowohl wegen der angeblichen Homo-Demo als auch wegen des ESC kritisiert und gar Blutvergießen angedroht. Iranische Medien berichteten verstärkt über den angeblichen CSD, auch mit der vermutlichen Falschmeldung, es habe Anfang April in 17 Städten Aserbaidschans Demonstrationen dagegen gegeben. IGLHRC-Sprecher Hossein Alizadeh glaubt, dass sich der strengere Iran kulturell bedroht fühlt von den Nachbarn, dessen Bevölkerung zu über 85 Prozent ebenfalls schiitisch ist.

Gefährliche Gerüchte


Bei Facebook gibt es eine Gruppe gegen einen CSD in Baku, den es gar nicht gibt

Gerüchte über einen ersten CSD in Baku waren Anfang des Jahres offenbar durch einen Eintrag auf einer internationalen LGBT-Travelseite entstanden und hatten gerade in den Medien Aserbaidschans zu eher unvorteilhaften Debatten geführt. "Diese Diskussion hat die Lage nur verschlimmert", sagte dazu ein 19-jähriger Schwuler aus Baku kürzlich der "Zeit". "Im Fernsehen - in Talk- und Comedyshows - wurden Schwule und Lesben lächerlich gemacht. Daran wird auch der ESC nichts ändern. Die Gesellschaft weiß einfach nichts über uns."

Aktivisten aus dem Land selbst dementieren seit Monaten, sie hätten eine Art CSD geplant: "Um so etwas zu organisieren, bräuchte man Garantien für die Sicherheit der Veranstalter und der Teilnehmer", so Ruslan Balukhin, der die Webseite gay.az betreibt und nach den Meldungen über einen CSD Todesdrohungen erhalten hat. "Unter den Schwulen und Lesben Bakus wird nicht einmal davon geträumt, Demonstrationen oder Paraden abzuhalten."

Vertreter des Regimes hatte in der beginnenden Diskussion internationalen Medienvertreten versichert, sie könnten sich vorstellen, eine solche Demonstration zu genehmigen. "Wenn jemand eine Parade oder ein Massen-Event in der Stadt organisieren möchte, dann kann er das tun, solange er die aktuellen Gesetze befolgt und eine Genehmigung der zuständigen Behörde einholt", hatte etwa Adil Kerimli, der Produzent der diesjährigen Show und vorherige aserbaidschanische Delegationsleiter gesagt.

Allerdings hat es seit 2005 fast keine erlaubte Demonstration in dem Land gegeben, Proteste werden von der Polizei niedergeschlagen und, wie teilweise auch kritische Blogeinträge, mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet, bei denen es auch zu Folter kommen kann. Selbst tanzende Jugendliche werden von der Polizei vertrieben.

Rosige Lage oder rosige Darstellung?


Wir können kein Gesichtsbild eines schwulen Aserbaidschaners finden, daher hier der letztjährige ESC-Gewinner Ell, der die diesjährige Show moderieren wird (Bild: EBU)

Aserbaidschanische (wie auch armenische) Medien hatten ausführlich wie kritisch über den vermeintlich geplanten CSD berichtet, die Regierung überlegte öffentlich, ein Gesetz gegen "Homo-Propaganda" wie in St. Petersburg zu erlassen. Homosexualität steht zwar nicht mehr unter Strafe, findet aber hauptsächlich im Geheimen statt. "Die Gay Community erleidet Schikane und Brutalität durch die Polizei, darunter Gewalt, Einschüchterung und Schutzgelderpressung", berichtet der britische LGBT-Aktivist Peter Tatchell. "Intimer Umgang in der Öffentlichkeit wird leicht als Provokation missverstanden und kann Gegenreaktionen hervorrufen bis hin zur Abmahnung durch die Polizei", warnt das Auswärtige Amt schwule und lesbische Besucher.

Vertreter des "Bündnisses für Geschlechterentwicklung", eine sehr zurückhaltende Art eines Lesben- und Schwulenverbandes, werden in lokalen Medien mit eher beschwichtigenden Aussagen zitiert: Die Lage sei etwa nicht schlimmer als anderswo in Europa. Im Kontext des Artikels, der eine Art "Don't ask don't tell" als gesellschaftlichen Konsens propagiert, mag das in den Mund gelegt erscheinen, doch auch für einen aktuellen Beitrag des Deutschlandfunks äußern sich die Vertreter des Bündnisses entsprechend vorsichtig.

So sagte Elhan Bagirow: "Verglichen mit allen anderen postsowjetischen Staaten ist die Lage von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen in Aserbaidschan in vieler Hinsicht besser." Dabei gibt es dort, anders als in Baku, eine nennenswerte Szene. Ihr Kollege Kamran Rzayew ergänzte, Besucher müssten sich keine Sorgen vor Gewalt machen, wenn sie eine Regenbogenflagge bei sich führen: "Hier kann sowieso niemand etwas damit anfangen."

Eurovision-Fans scheinen die Lage in Aserbaidschan kritischer zu sehen, das Blog "Häppchen vom Eurovision Song Contest" kommentiert angesichts eines schleppenden Ticketverkaufes: "Eine schwule Community bleibt zuhause". Ali Hasanow, hochrangiger Mitarbeiter der Präsidialverwaltung, sagte gegenüber dem Deutschlandfunk übrigens: "Wir schwören, wir werden nicht prüfen, wer welche Orientierung hat. Wer kommt, der kommt. Und wir würden sogar eine Schwulenparade tolerieren. Wir denken aber, Europa wird zum Song Contest vor allem 'echte Männer' schicken."

Die European Broadcasting Union hält an diesem Mittwoch einen "Workshop zur Pressefreiheit in Aserbaidschan" mit Vertretern des Regimes sowie Vertretern von Menschenrechtsgruppen ab. Infos wie diese erhält man nicht auf der populären eurovision.tv-Seite der EBU und dem dazugehörigen Facebook-Account (aktuell 454.533 Fans), sondern auf einem speziellen Blog und der Facebook-Seite der EBU (137 Fans). eurovision.tv gab derweil am Mittwoch bekannt, dass u.a. der Sänger Emin Agalarov für das Zwischenprogramm der Show verpflichtet wurde - erwähnte aber nicht dessen eheliche Beziehung zur Tochter des Staatsoberhaupts. Für ein wenig Satire sorgte auch die Botschaft des Landes in Berlin, die in einer Pressemitteilung eine "systematische Kampagne gegen Aserbaidschan" beklagte.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 HannibalEhemaliges Profil
#3 le_waldsterbenProfil
#4 HannibalEhemaliges Profil
#5 panzernashorn
  • 02.05.2012, 17:05h
  • Das Problem liegt in den Religionen bzw. deren quasi selbstverständlichen Vorhandenseins.

    Daran muss sich dringend etwas ändern, und zwar weg von den nur rücksichtslos ihren eigenen Zwecken dienenden, oft unmenschlichen Religionen hin zur weltoffenen Realität und damit den natürlichen Bedürfnissen bzw. (Grund-)Rechten der Menschen.
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#6 eher beiläufigAnonym
  • 02.05.2012, 17:22h
  • Deutsche Außenpolitik-Experten diskutieren über die Ausgestaltung einer "deutschen Führung" in Europa und der Welt. Deutschland habe "die Aufgabe, in Führung zu gehen", heißt es in der soeben erschienenen neuen Ausgabe der Zeitschrift "Internationale Politik", des einflussreichsten deutschen Fachblattes auf dem Gebiet der Außenpolitik. Beiträge mehrerer bekannter Spezialisten liefern Vorschläge, wie die deutsche Hegemonie auszugestalten sei. Neben Plädoyers, die Bundesrepublik solle sich weltweit für Freihandel und "Menschenrechte" einsetzen, heißt es, "Deutschlands weltpolitische Mission" liege in einer Neukonstituierung "des Westens", also des Bündnisses mit den USA, dem es - und zwar auf Augenhöhe mit Washington - zu einer "Renaissance" verhelfen solle. Um das notwendige politische Gewicht zu erlangen, müsse man die Machtmittel der EU im Sinne einer "'Hebelung' deutscher außenpolitischer Interessen" nutzen. Mit ihrer aktuellen Ausgabe stößt die "Internationale Politik" erstmals eine breitere öffentliche Debatte über die Berliner Hegemonialpolitik an, die bislang zwar ausgeübt, offiziell jedoch bis vor kurzem entschieden abgestritten wurde, um andere EU-Staaten nicht zu demütigen.

    www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58318
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#8 goddamn liberalAnonym
#9 finkAnonym
  • 02.05.2012, 21:50h
  • ein beispiel dafür, dass viele homophobiker gar keine realen homosexuellen oder sogenannte "provokationen" benötigen, um sich aufzuregen - und daher durch anbiederungen welcher art auch immer nicht zu beschwichtigen wären.

    denen reicht die eigene wahnwelt völlig aus, um sich den schaum der empörung vor den mund zu treiben.
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#10 ei gucke daAnonym