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  • 03.05.2012           3      Teilen:   |

Andy sucht den Mann fürs Leben

Ich-Erzähler Andy muss sich zwischen zwei Männern entscheiden
Ich-Erzähler Andy muss sich zwischen zwei Männern entscheiden

In seinem Debütroman "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" nimmt Andreas Bertram das chaotische Liebesleben eines schwulen Singles aufs Korn.

Von Angelo Algieri

Hach - das schwule Leben! Ist immer für Überraschungen gut. Nicht immer einfach. Und doch voller unerwarteter Wendungen. Ein jeder von uns kann ein Lied davon singen. Auch Andreas Bertram hat in seinem Debütroman "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" über die kleinen und großen, alltäglichen und außergewöhnlichen Katastrophen eines schwulen Thirtysomethings, der in München lebt, geschrieben. Das 400 Seiten starke Buch ist nun im Berliner Querverlag erschienen.

Der 31-jährige Andy, Ich-Erzähler und Protagonist des Romans, ist seit vier Monaten nach einer zweijährigen Beziehung wieder Single. Sein bester Freund Nils hat es tatsächlich geschafft, ihn in die Schwuppen-Disse mitzunehmen. Dort angelt sich Andy einen Typen und landet mit ihm im Bett - allerdings schläft der Typ schon beim Fummeln ein...

Tags darauf erinnert sich Andy an Manuel, mit dem er vor seiner Beziehung eine Affäre hatte. Sie treffen sich wieder und haben leidenschaftlichen Sex. Zunächst jeden Tag. Unglücklicherweise verliebt sich Andy in Manuel, der mittlerweile ein Promi-Star in der Telenovela "Triumph der Liebe" ist. Allerdings möchte der Schauspieler eine ungezwungene Beziehung führen, die nicht nur auf Sex basiert. So kommt es, dass Andy und Manuel eines Abends gemeinsam ins Theater gehen. Andy merkt jedoch bald, dass Manuel ihn vor Bekannten und Freunden versteckt. Denn der Mime lebt nicht offen schwul, jeder hält ihn für eine Hete. Zumal er auch noch der Sohn des CSU-Landwirtschaftsministers ist ... Die Sache wird für Andy immer unbefriedigender: Er möchte kein versteckter Liebhaber sein. Er möchte mehr!

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Der treuherzige und rücksichtsvolle Polizist Robert

Parallel lernt Andy den Polizisten Robert kennen. Dieser ist treuherzig, beschützend und rücksichtsvoll. Eigentlich genau das, was Andy will. Er fühlt sich auch zu ihm hingezogen, aber verliebt ist er nicht. Für wen wird sich Andy letztlich entscheiden?

Wer sich bei diesem Roman an eine Schmonzette von Rosamunde Pilcher erinnert fühlt, irrt. Denn es geht nicht ausschließlich um das Liebesleben Andys oder um die dramatische, mehrjährige Beziehung seines besten Freundes. Sondern auch beispielsweise um das Mietshaus, das Andy von seinem Großvater geerbt hat - und klar: auch um die alten und neuen Mitbewohner. Da gibt es die Eso-Transe, einen Araber oder die langjährige urbayrische Mitbewohnerin, vor der Andy sich fürchtet ...

Andreas Bertram hat in seinem Debüt allerhand Verstrickungen und Wendungen seiner Protagonisten eingebaut. Er versteht es meisterlich, die Story in Spannung zu halten - bis zum großen Paukenschlag-Finale. Kaum verwunderlich. Denn Bertram ist von Haus aus Drehbuchautor.

Dennoch erstaunlich, wie der gebürtige Sauerländer seine Figuren realitätsnah und plastisch vermittelt. Tage später bleiben die Hauptfiguren einem immer noch im Kopf präsent. Gerade die Dialoge und verdrehten Redewendungen von Nils sind sehr amüsant und langweilen nicht. Besonders hervorzuheben ist, dass die Figuren weder platt noch eindimensional sind. Sie überraschen den Leser mit all ihren Widersprüchlichkeiten und Zweifeln - ohne jemals schwermütig zu werden.

Sexszenen werden leider nur angedeutet

Allerdings hätten die Sexszenen ruhig beschrieben werden können, statt sie nur anzudeuten. Wenn alles andere teils detailreich beschrieben wird, passt diese Aussparung im Stile des 19. Jahrhunderts nicht wirklich. Schade!

Doch abgesehen von diesem Wermutstropfen: Bertram gelingt es auch, spielerisch auf Homo-Diskriminierung hinzuweisen: Mobbing - pikanterweise bei der bayrischen Polizei -, Gewalt gegenüber Homosexuellen in der Provinz, Abweisung aus religiösen, parteilichen oder familiären Gründen. Und er zeigt, wie man sich ein Hetero-Image zurechtlegt, damit man sich die Karriere nicht verbaut. Wie Manuel beispielsweise. Er versteckt seine Homosexualität, auch weil er sich Chancen für größere Filme ausrechnet. Es scheint wohl ein Thema in der gegenwärtigen Literatur zu sein, auf diesen Umstand in der Film- und Fernsehbranche hinzuweisen. Der vor kurzem erschienene Roman "Venice Beach" von Philippe Besson (queer.de rezensierte) thematisiert ebenfalls die Scheinwelt in der ach so toleranten Filmbranche...

Andreas Bertram hat mit diesem fulminantem Erstling einen unterhaltsamen, spannenden, ja geradezu süchtig machenden Text vorgelegt. Dieser Roman schmeckt tatsächlich nach entspanntem Urlaub und macht höchstens die Reisetasche dick!

Andreas Bertram: Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick. Roman. Querverlag, Berlin 2012. 408 Seiten. 14,90 €. ISBN: 978-3-89656-199-2

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Reaktionen zu "Andy sucht den Mann fürs Leben"


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
03.05.2012
18:28:19


(0, 0 Vote)

Von mister gay


Ist da nix mit aldi und versteckten kameras dabei?
so hidden-cam-mäßig?


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#2
04.05.2012
01:14:33


(0, 0 Vote)

Von Francois
Antwort zu Kommentar #1 von mister gay


du opportunist!


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#3
04.05.2012
01:24:39


(0, 0 Vote)

Von Leo20mal6


Schwule Bücher sind immer nur gut mit Fotos.


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