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Fahndungsplakat der Polizei

In Belgien erschüttert ein mögliches Hassverbrechen die Gesellschaft. Die Polizei will drei Personen wegen des gewaltsamen Todes eines schwulen Mannes anklagen lassen und überprüft derzeit, ob ein Hassverbrechen vorliegt. Das Opfer, der 32-jährige Ihsane Jarfi, war zuletzt am 22. April um 4 Uhr morgens beim Verlassen eines schwulen Clubs in Lüttich gesehen worden, als er in ein Auto einstieg.

Seitdem hatten die Polizei per Fahndungsfoto und Freunde über das Internet nach Jarfi gesucht. Am Dienstag fanden zwei Wanderer die mit Verletzungen übersäte Leiche Jarfis auf einem Feld in Villers-le-Temple. Noch am gleichen Tag kam die Polizei einem Verdächtigen aufgrund einer Handy-Verbindung auf die Spur, der die Namen der drei weiteren Insassen des VW Polo nannte. Zwei nahm die Polizei ebenfalls noch am Dienstag fest, der Fahrer des Wagens ist flüchtig.

Die Tat weckt Erinnerungen an den Mord an Matthew Shepard, der 1998 die USA erschütterte. Nach Angaben der Polizei war Jarfi zusammengeschlagen worden, bevor er auf dem Feld abgelegt wurde, wo er vermutlich seinen Verletzungen erlag. Die Polizei berichtet aus den Verhören, die Männer hätten ausgesagt, sie hätten einen Geburtstag gefeiert und zunächst versucht, eine Frau zur Mitfahrt zu überreden, dann aber Jarfi gefunden. Dieser habe sexuelle Avancen gemacht, worauf die Männer begannen, mit Händen und Füßen auf ihn loszugehen.

Anklage wegen Hassverbrechen möglich

Die Polizei will noch länger ermitteln, bevor sie entscheidet, ob sie die Männer wegen eines homophoben Hassverbrechens anklagt - das strafverschärfende Motiv, 2003 ins belgische Recht eingeführt, würde damit zum ersten Mal angewandt. Vertreter von Lesben- und Schwulenverbänden zeigten sich entsetzt über die Tat und verlangten eine genaue Aufklärung. Das "Zentrum für Chancengleichheit und Rassismusbekämpfung" bot sich als Nebenkläger an, wenn die Familie des Opfers das wünsche.

Die LGBT-Organisation Arc-en-Ciel Wallonia ließ verlauten, dies "sei der erste erwiesen homophobe Mord in Belgien". Homophobie müsse wie Rassismus ernst genommen werden. Die Regierung dürfe das Problem nicht unterschätzen und müsse einen Aktionsplan gegen Diskriminierung und Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung vorlegen. In einem weiteren, persönlicheren Eintrag, bebildert mit Edvard Munchs "Der Schrei", spricht die Organisation von Schock und Trauer, findet kaum Worte für die Tragödie.

Derzeit lautet Medienberichten zufolge die Anklage auf Raub, Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit ungewollter Todesfolge, eine Ausweitung auf den Vorwurf des Mordes ist nicht ausgeschlossen. Zwei Verdächtige sagten aus, Jarfi habe noch gelebt, als er ausgesetzt wurde, der dritte Verdächtige streitet die Tat ab. Über die Verdächtigen, Jeremy W., Jonathan L., and K. Mutlu, wurde zunächst nicht viel bekannt, außer dass sie in den Achtzigern geboren sein sollen. (nb)

Nachträge: Opfer beerdigt, Anklage verschärft


Ihsane Jarfi wurde am Freitag beigesetzt

Nachtrag, 4.5. Ihsane Jarfi wird am Freitag beerdigt. Die drei Angeklagten wurden am Freitag einen Haftrichter vorgeführt, um die Untersuchungshaft zu verlängern. Die Verteidigung stellte Medienberichten zufolge keinen Antrag auf Freilassung der Männer und wies zugleich öffentlich Homophobie als Tatmotiv zurück, bestätigte aber, dass es zu der Gewalt gekommen sei, nachdem das spätere Opfer angeblich sexuelle Avancen gemacht hätte. Der vierte Verdächtige wurde inzwischen gefasst und wird von der Polizei verhört.

Nachtrag, 4.5. 21h Inzwischen lautet die Anklage gegen alle vier Männer auf Mord aufgrund von Homophobie, also aufgrund eines Hassverbrechens (einige Quellen schreiben auch von Totschlag bei gleicher Motiveinschätzung). Der schwule Regierungschef Belgiens, Elio Di Rupo, will sich in der nächsten Woche mit LGBT-Gruppen treffen, um über Maßnahmen gegen anti-homosexuelle Gewalt zu beraten. Es wurde bekannt, dass das Opfer so sehr geschlagen und getreten wurde, dass der Brustkorb zerbrach und einige Organe beschädigt wurden, auch Verletzungen am Kopf seien sichtbar gewesen. Ishane Jarfi wurde zudem stranguliert.

Direktlink | Bericht von RTL.be (frz.)


#1 alexander
  • 03.05.2012, 20:05h
  • dem bericht zu folge, sind die täter jünger.
    mit graust immer auf's neue davor, wie niedrig inzwischen die "hemmschwelle" der jungen generation geworden ist !!! und zwar in jeder beziehung ! die 4 bengels haben ein mädchen gesucht, um 4:00h nachts ? (mit dem sie mit sicherheit eis essen gehen wollten !)
    als sich keines fand, haben sie das opfer einsteigen lassen ? an dem man dann immerhin seinen frust auslassen konnte ? ( kein problem, war ja nur so ne schwule sau !)
    und wenn es dann zum prozess kommt, dann war wieder einmal der alkohol schuld, denn schliesslich kam man ja von einer geburtstagsfeier !? wenn man dann noch glück hat kommt das jugendstrafrecht zum zuge und mit ein paar jährchen, ist der fall erledigt !!!
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#2 bullyingstopAnonym
#3 daVinci6667
  • 03.05.2012, 22:32h
  • Antwort auf #1 von alexander

  • Sehe ich genau so wie du. Fängt ja schon auf den Pausenplätzen an. Auch bei uns früher wurde geprügelt. Aber wenn einer zu Boden ging war Schluss. Heute wird dann oft noch zugetreten, weil den Schülern auch in anderen Dingen zuwenig Grenzen gesetzt werden.

    Alkohol darf nie als Entschuldigung dienen. Ich finde sogar, auch zur Prävention, müssten sich Strafraten unter Drogeneinfluss statt strafmildernd sogar erschwerend für den Täter auswirken. Da kenne ich kein Pardon!
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 03.05.2012, 23:25h
  • Ein schwuler Mann wurde gewaltsam seines Lebens beraubt und die Täter sollten dafür ihr Leben lang im Gefängnis darüber nachdenken, was sie getan haben!
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#5 WilcombEhemaliges Profil
  • 04.05.2012, 07:16h
  • zitat: "Homophobie müsse wie Rassismus ernst genommen werden."

    das riecht aber erstmal gewaltig nach einer saftigen bewährungsstrafe wie es hier in Deutschland üblich ist
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#6 justeAnonym
  • 04.05.2012, 13:32h
  • La cérémonie aura lieu à 13 h 30 à la mosquée Assabile de Bressoux et à 15 h au cimetière de Jupille.
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#8 carolo
  • 04.05.2012, 22:39h
  • Antwort auf #5 von Wilcomb
  • > das riecht aber erstmal gewaltig nach einer
    > saftigen bewährungsstrafe wie es hier in
    > Deutschland üblich ist

    Ganz so einfach ist es in Belgien nun doch nicht. Das dortige Srafrecht sieht bei Hassverbrechen eine Verdoppelung des Strafmaßes vor.

    Die sind bei sowas immer etwas weiter als die Deutschen.

    Carolo
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#9 xapplexAnonym
  • 05.05.2012, 05:54h
  • Die vier Tatverdächtigen sind wegen Gewalttaten polizeibekannt. Aber eine empfindliche Haftstrafe mochte bisher wohl kein Gericht aussprechen. Es muss erst ein Mensch sterben, bevor das nun hoffentlich anders wird.

    Die im Vergleich zu Deutschland höhere Kriminalitätsrate in Belgien zeugt nicht gerade von einer unnachgiebigen Justiz...
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#10 stilgestaanAnonym