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Erhielt nach dem Bundesverdienstkreuz nun auch noch den Rosa-Courage-Preis: Manfred Bruns (Bild: LSVD)

Der 77 Jahre alte Homo-Aktivist und ehemalige Bundesanwalt Manfred Bruns wurde am Freitagabend im Osnabrücker Rathaus mit dem Rosa-Courage-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1992 vom Verein "Gay in May" für herausragendes Engagement für die Belange von Lesben und Schwulen verliehen.

In seiner Laudatio erklärte der Berliner Rechtsanwalt Dirk Siegfried, die Quelle von Bruns' Engagement liege im Katholizismus und im Beamtentum. "Von beiden bist du stark geprägt – ob du willst oder nicht", sagte er laut "Neuer Osnabrücker Zeitung" zu dem Preisträger.

Niedersachsens Homo-Referent Hans Hengelein, Holger Schmidt von "Gay in May" sowie Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius würdigten ebenfalls die Lebensleistung von Bruns. Der SPD-Politiker erwähnte in seiner Rede auch den Fall des schwulen Lehrers, der wegen diskriminierender Äußerungen seine Stelle als Grundschulrektor im Landkreis Vechta nicht antrat (queer.de berichtete). "Der gesellschaftliche Fortschritt verläuft hie und da asynchron", so Pistorius.

Manfred Bruns: "Der Aufwand hat sich gelohnt"

"Meine Vision, mit der ich angetreten bin, ist Wirklichkeit geworden", konterte der sichtlich gerührte Bruns in seiner Dankesrede vor rund siebzig geladenen Gästen. Mittlerweile seien Schwule und Lesben in der Gesellschaft und in Ministerämtern und Bürgermeister-Büros angekommen, so der Bürgerrechtler. Sein Fazit: "Der Aufwand hat sich gelohnt."

Manfred Bruns war bis zu seiner Pensionierung im Sommer 1994 Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Nach seinem Coming-out Anfang der achtziger Jahre war der verheirate Familienvater zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt. So verweigerten mehrere Justizminister die Zusammenarbeit, Generalbundesanwalt Kurt Rebmann zeigte ihn sogar an.

Heute ist Bruns einer der bekanntesten Kämpfer für die Gleichstellung von Homosexuellen in Deutschland. Seit vielen Jahren ist er einer der Bundessprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) und dort der ausgewiesene Rechts-Experte. Für die SPD war Bruns Mitglied der Enquete-Kommission "Aids" des Deutschen Bundestages und setzte sich dort erfolgreich für eine liberale Aids-Politik ein.

Für sein "gesellschaftliches und gesellschaftspolitisches Engagement für die Emanzipation und Anerkennung Homosexueller, für den Schutz ihrer Rechte und für die Wahrung der Würde von Menschen, die HIV positiv oder an Aids erkrankt sind" wurde Bruns bereits das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Außerdem ist er Träger der Magnus-Hirschfeld-Medaille 2002 für besondere Verdienste um die Sexualreform.

Als neuer Rosa-Courage-Preisträger ist er in guter Gesellschaft. Zu den in Osnabrück in den vergangenen 21 Jahren ausgezeichneten Persönlichkeiten gehören u.a. die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Grünen-Chefin Claudia Roth, Hella von Sinnen und Cornelia Scheel, Filmemacher Rosa von Praunheim, Schauspielerin Maren Kroymann und Comiczeichner Ralf König. (cw)



#1 RulliAnonym
  • 05.05.2012, 15:09h
  • Tolle Leistungen die er für Homosexuelle erbracht hat, keine Frage. Aber eines sollte er noch machen: Es ist auch mit 77 Jahren nicht zu spät aus der katholischen Kirche auszutreten.

    Wie kann man Mitglied in einem Verein sein der Menschenleben zerstört, wie in diesem eindringlichen Beispiel beschrieben.
    ( Die Todesumstände des jungen Mannes weisen zudem auf mafiaartige Strukturen und Machtmissbrauch der RKK hin)

    www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,829437,00.html
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 MarekAnonym
  • 05.05.2012, 16:46h
  • Hat er vollkommen verdient und das war längst überfällig!

    Seit Jahrzehnten setzt er sich unermüdlich für unsere Rechte ein und hat zu vielen Verbesserungen beigetragen.
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#4 FDP-IngoAnonym
#5 SveniAnonym
  • 05.05.2012, 19:19h
  • Da steht, das die kath. Kirche ihn geprägt hat, aber nicht, dass er noch drin ist.

    Zudem werde wir alle nunmal von unserer Umgebung geprägt und das unterscheidet sich je nachdem, wo wir aufwachsen.
    Besonders prägend sind nun mal Grenzerfahrungen, was sich in der Szene wohl viele bei barebacking holen.

    Das andere ist, dass natürlich ab einem bestimmten Alter braucht man mehr. Er hat bestimmt viele Freunde sterben sehen und da ist es völlig verständlich, dass man an mehr als nur den Leib glaubt. Ansonsten würde man abstumpfen und ggf. im Extrem zum Menschenverachter werden.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 05.05.2012, 20:15h
  • Antwort auf #1 von Rulli
  • Was hier einige über Manfred Bruhns wissen oder zu wissen glauben, ist schon erstaunlich.

    Ich kenne jedenfalls sehr kritische Texte über die katholische Kirche, die er verfasst hat. Falls er da wirklich noch Mitglied sein sollte, würde es mich wundern.

    Zum niederländischen Fall, den Du verlinkst:

    Der hat mich wirklich noch mal überrascht und voll bestätigt.

    Weshalb überrascht?

    Die Niederlande der 50er, in denen ein 20jähriges Mißbrauchsopfer aus kath. Heimen wg. Homosexualität kastriert wurde und dann unter merkwürdigen Umständen per Autounfall und polizeilicher Spurenverwischung starb, waren nicht die BRD der 50er.

    - Es gab keine NS-Version des Par. 175, sondern Straffreiheit für Erwachsene seit 1811.

    - Es gab eine Schwulenszene in Amsterdam, die auch in öffentlichen Räumen feiern konnte.

    - Es gab erste dezente schwul-lesb. Bürgerrechtsorganisationen.

    - Es war eine Gesellschaft mit langer demokrat. Tradition, geradezu stolz auf ihren Antifaschismus.

    Trotzdem konnte die (kath.) Kirche in ihrem Beritt anscheinend schalten und walten, wie sie wollte, und sogar über Menschenleben verfügen.

    Das zeigt mir, dass innerkirchliche Autonomie jenseits der Bürger- und Menschenrechte eine Gefahr für die Gesamtgesellschaft darstellt.

    PS Wäre der Fall nicht mal ein Thema für queer.de?
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#7 Timm JohannesAnonym
  • 26.05.2012, 09:17h
  • Ein sehr würdiger Preisträger

    Diesen Preis hat Manfred Bruns mehr als nur verdient.
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