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  • 12.05.2012           46      Teilen:   |

Trier: Bischof besucht Homo-Zentrum

Hat keine  Berührungsängste: Stephan Ackermann, Bischof von Trier - Quelle: Wiki Commons / Spurzem / CC-BY-SA-2.0-DE
Hat keine Berührungsängste: Stephan Ackermann, Bischof von Trier (Bild: Wiki Commons / Spurzem / CC-BY-SA-2.0-DE)

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann rief letzten Donnerstag im schwul-lesbischen Zentrum SCHMIT-Z an, ob er vorbeikommen dürfe - gut eine Stunde später saß er dort auf der Couch.

Von Carsten Weidemann

Ob Alex Rollinger, Vereinschef des Trierer Schwulen- und Lesbenzentrums SCHMIT-Z, zunächst an einen Scherz oder an die "Versteckte Kamera" gedacht hat, ist nicht bekannt. Am vergangenen Donnerstagnachmittag jedenfalls klingelte im Zentrum das Telefon: Bischof Stephan Ackermann ließ anfragen, ob er im Rahmen seiner Wallfahrt um 18 Uhr vorbeikommen dürfe. Pünktlich auf die Minute saß der Kirchenmann dann tatsächlich auf dem Sofa des SCHMIT-Z-Cafés in der Trierer Mustorstraße.

Zwar hatte das schwul-lesbische Zentrum Ackermann zuvor schriftlich zu Gesprächen eingeladen, doch kaum einer hatte damit gerechnet, dass der Kirchenmann darauf überhaupt reagieren würde. Der Bischof selbst zeigte sich ausgeprochen locker und schüttelte die Hände der schnell herbei telefonierten Vereinsmitglieder. "Das fühlt sich für mich nicht besonders schwierig an", sagte er zunächst gegenüber dem "Trierischen Volksfreund": "Es gab wohl eine gewisse Überraschung, dass ich die Einladung angenommen habe. Aber das war mir wichtig."

Das Gespräch selbst verlief nach Angaben der Lokalzeitung ernst, aber respektvoll. Zur Sprache kam u.a. die Diskriminierung von schwul-lesbischen Beschäftigten in katholischen Einrichtungen. "Es ist traurig, dass manche von uns ihre Homosexualität verbergen müssen, damit sie ihren Job behalten", kritisierte etwa SCHMIT-Z-Chef Rollinger. Der Bischof versprach zwar keine Abhilfe, hörte aber zumindest zu: "Da gibt es Dinge, die mich nachdenklich machen", zitiert ihn der "Trierische Volksfreund". "Wir wissen, dass das Verhältnis zwischen schwulen und lesbischen Menschen und Kirche nicht spannungsfrei ist." So ein schwieriges Gespräch habe er nicht erwartet, räumte Ackermann am Ende des rund einstündigen Treffens ein.

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Bischof Ackermann gilt als vergleichsweise liberal

Im Schwulen- und Lesbenzentrum zog man eine positive Bilanz des Überraschungsbesuchs des Bischofs: "Ich war erfreut, dass er hier war, und habe gemerkt, dass ihn das Gespräch nachdenklich gestimmt hat", sagte Miriam Ehlen, Vorstandsmitglied im SCHMIT-Z-Verein. "Ich hoffe, er nimmt gute Ansätze mit und versucht, etwas zu verändern."

Stephan Ackermann, Jahrgang 1963, wurde erst 2009 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Trier ernannt. Er gilt als vergleichsweise liberal. Nach nur hundert Tagen im Amt stellte er etwa den in Südafrika tätigen, vatikankritischen Priester Stefan Hippler ("Der Papst soll den Gebrauch von Kondomen endlich zulassen!") für den weiteren Einsatz im Erzbistum Kapstadt frei, damit er seine Hilfsprojekte für Menschen mit HIV fortsetzen kann. Als offizieller "Missbrauchsbeauftragter" der Deutschen Bischofskonferenz hat Ackermann jedoch auch mit Vertuschungsvorwürfen zu kämpfen.

Offizielle Begegnungen zwischen Schwulen- und Lesbengruppen und katholischen Würdenträgern sind in Deutschland die Ausnahme. Den Anfang machte im vergangenen September der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki, als er Vertreter des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) zum Kaffeeklatsch ins Erzbischöfliche Ordinariat einlud (queer.de berichtete).

Direktlink | Beitrag von volksfreund.de
Links zum Thema:
» Stellungnahme des SCHMIT-Z zum Besuch des Bischofs
» Bericht zum Treffen im "Trierischen Volksfreund"
» SCHMIT-Z-Homepage
Mehr zum Thema:
» Dialog begonnen: LSVD zum Kaffeeklatsch bei Erzbischof Woelki (16.09.2011)
Wochen-Umfrage: Was meinst Du zum Besuch des Bischofs im Trierer Homo-Zentrum? (Ergebnis)

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Tags: stephan ackermann, trier, schmit-z
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Reaktionen zu "Trier: Bischof besucht Homo-Zentrum"


 46 User-Kommentare
« zurück  12345  vor »

Die ersten:   
#1
12.05.2012
16:01:41


(-1, 7 Votes)

Von Marcel Cabial


Wunderbarer Anfang
Das freut mich sehr


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#2
12.05.2012
16:24:03


(+10, 14 Votes)

Von Robin


"Der Bischof versprach zwar keine Abhilfe, hörte aber zumindest zu"

Na toll.

Sind wir schon so weit, dass bereits das bloße Zuhören uns zufriedenstellt?!

Es soll endlich die menschenverachtende Diskriminierung abgestellt werden.

Und unabhängig davon:
eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer. Was nützen einzelne Katholen, die sich aus Imagegründen auch mal mit Schwulen zeigen, um als ach so tolerant zu gelten, während die mehrheitliche Linie dieser Sekte nach wie vor streng homophob ist.


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#3
12.05.2012
16:37:30


(+6, 10 Votes)

Von -hw-


Ich bin ja auch ein großer Fan des ungeborenen Lebens und verantwortlicher Lebensplanung.
So legte ich vor drei Tagen, "ernst und respektvoll", ein Stück hautwarmes Metall auf
ein sehr gespanntes Verhältnis (8.Monat).
"Das fühlt[e] sich für mich nicht besonders schwierig an".
Und dann fing ich -wie der Kathole- an zu kurbeln.
Immer die alte Leier. Was macht man nicht alles für Trierer Bischöfe und Bewegungen.

Bild-Link:
129563821_442899.jpg


In zehn Monaten darf ich das wiederholen (postnatal).


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#4
12.05.2012
16:53:43
Via Handy


(0, 6 Votes)

Von Schoki
Antwort zu Kommentar #2 von Robin


Aber man darf doch die Hoffnung wagen, dass es ein erster guter Schritt ist, oder?! Man kann ja nicht von einen Tag auf den anderen den Himmel auf Erden erwarten...


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#5
12.05.2012
16:58:23


(+5, 9 Votes)

Von erste schritte
Antwort zu Kommentar #3 von -hw-


Es rettet uns kein höh'res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!
Leeres Wort: des Armen Rechte,
Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte,
duldet die Schmach nun länger nicht!


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#6
12.05.2012
17:01:26


(+2, 4 Votes)

Von Bowen
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von Robin


bedenke, dass er ebenfalls noch Vorgesetzte hat, welche ihn "zur Räson rufen" könn(t)en. Auch er möchte sicherlich seine Arbeitsstelle behalten.

Dass er um ein Treffen bat, und es wohl auch zu einem ordentlichen Gespräch gekommen ist, zeigt zumindest, dass er gewillt ist, sich gedanklich mit der Materie zu beschäftigen. Das ist immerhin ein bischen besser als das dogmatische "Nein".

Änderungen fangen (normalerweise) klein an.


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#7
12.05.2012
17:07:39


(+5, 7 Votes)

Von yeah man
Antwort zu Kommentar #6 von Bowen


"Änderungen fangen (normalerweise) klein an."

Bild-Link:
baby-with-fist-power-to-the-people-ows.jpg


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#8
12.05.2012
17:26:22


(+1, 7 Votes)

Von Alex Rollinger


@robin: gerade weil ein Teil der Kirche homophob ist, hilft so ein öffentlicher Bischofsbesuch immerhin, den Extremisten und Fundis den Wind aus den Segeln zu nehmen. Respekt und Toleranz hört sich schon mal anders an als Sünde und Höllenqual.


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#9
12.05.2012
17:48:21


(+8, 8 Votes)

Von Pablo


Kastrierte die katholische Kirche nur in den Niederlanden junge Schwule?


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#10
12.05.2012
17:49:03


(-1, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Bleibt zu hoffen, daß dieser Besuch im SCHMIT-Z in dem Fall von Hochwürden nicht der einzige war!


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