Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?16516

In Berlin wollen Schwule und Lesben mit einem Kiss-in gegen Anfeindungen kämpfen (Bild: Maneo)

Der Tag gegen Homophobie fällt dieses Jahr zufällig auf Christi Himmelfahrt - in ganz Deutschland sind Aktionen geplant.

Von Dennis Klein

"Ich habe am 17.5. Geburtstag." Bis in die 1970er Jahre hinein war das eine Art Geheimcode vieler schwuler Männer, die sich über ihre ansonsten versteckte sexuelle Identität verständigten. Damit spielten sie auf den Paragrafen 175 an, über den bis 1994 abertausende schwule Männer in Deutschland wegen ihrer Homosexualität verfolgt wurden. Inzwischen streben Schwule und Lesben am 17. Mai in die Öffentlichkeit, um für die volle Gleichberechtigung zu kämpfen - und erinnern etwa daran, dass in dutzenden Ländern Homosexualität nach wie vor unter Strafe steht - in sieben Staaten können Schwule sogar wegen ihrer sexuellen Ausrichtung hingerichtet werden. Zum "Tag gegen Homophobie" sind alleine in Deutschland dutzende Aktionen geplant.

Auch wenn der 17.5. an den Paragrafen 175 erinnert, hat der Aktionstag gegen Homo-Feindlichkeit einen anderen Ursprung: Am 17. Mai 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO entschieden, Homosexualität von der Liste der Krankheiten zu streichen. In Erinnerung an diesen Tag hat ein Franzose 2005 den Anti-Homophobie-Tag aus der Taufe gehoben - nach nur wenigen Jahren hat sich der Tag auf alle fünf Kontinente ausgebreitet. Aktivisten aus aller Welt versuchen nun die Vereinten Nationen zu überzeugen, den Tag offiziell anzuerkennen.

In ganz Deutschland planen Homo-Gruppen Aktionen, um an die Diskriminierung von Schwulen und Lesben zu erinnern. Dazu sind in 19 Städten Rainbow-Flashmobs geplant. Bei diesem Event lassen Schwule und Lesben händchenhaltend Luftballons mit angehängten Botschaften gen Himmel steigen. Je nach Stadt startet die Aktion zwischen 14 und 19 Uhr - in Berlin treffen sich die Aktivisten etwa um halb sieben vor dem Homosexuellen-Mahnmal (siehe Liste). In Dresden ist der Rainbow-Flashmob um 18 Uhr am Theaterplatz gleichzeitig Protest gegen die Weigerung der Stadt, zum CSD die Regenbogenfahne am Rathaus zu hissen (queer.de berichtete).

Die Aktivisten in mehreren Städten bieten auf Facebook Aktionsseiten mit genauen Informationen an, darunter Köln, Neuss und Bielefeld. Auch international ist diese Form der Aktion inzwischen etabliert: Im Jahre 2011 fanden Rainbow-Flashmobs etwa in Moskau, Kiew, Singapur und Warschau statt. Auch in St. Petersburg gab es letztes Jahr eine Aktion, bevor das Stadtparlament "Homo-Propaganda" unter Strafe stellte (queer.de berichtete).

Klima der Intoleranz entgegenwirken


Auch in anderen Ländern wurden in den letzten Jahren Rainbow-Flashmobs populär, wie etwa im tschechischen Brünn (Bild: Wiki Commons / Bazi / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0GFDL)

In Berlin darf außerdem geküsst werden: Das Anti-Gewalt-Projekt Maneo plant zwei Kiss-ins in der Hauptstadt: um 12 Uhr auf der Warschauer Brücke und um 13 Uhr am Mehringdamm. Die Knutschaktion hatte Maneo erstmals 2007 veranstaltet. Damit soll daran erinnert werden, dass gleichgeschlechtliche Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit weit weniger akzeptiert sind als Berührungen unter Heterosexuellen. "Ein Klima der Intoleranz und Anfeindung gegenüber Menschen, die schwul, lesbisch, bisexuell oder trans* sind, können Menschen genauso verletzen, wie zielgerichtete körperliche Übergriffe", erklärt Maneo und beklagt insbesondere, dass auf deutschen Schulhöfen Beschimpfungen wie "Schwule Sau" an der Tagesordnung seien.

Auch in anderen Städten wollen Homo-Aktivisten ein Zeichen setzen: So gibt es auf dem Darmstädter Marktplatz um 17 Uhr ein Kiss-In, in München gibt es eine derartige Aktion exklusiv für Lesben. Gemütlich wird es in Kassel: Dort organisiert der CSD ab 14 Uhr in der Innestadt (Gustav-Mahler-Treppe) ein "Picknick gegen Homophobie". Körperlich aktiv werden die Frankfurter: Hier gibt es um 19 Uhr zunächst "Same Sex Hand Holding", anschließend dann "Same Sex Dancing" (Mehr Infos hier). Auch in Gütersloh ist Händchenhalten geplant.

Selbst Stubenhocker kommen am Tag gegen Homophobie auf ihre Kosten: Der ARD-Digitalkanal EinsFestival wird vormittags, am späten Nachmittag und am Abend schwul-lesbische Dokumentationen und Filme zeigen. So wird etwa um 9:45 Uhr die Reportage "Schwule Sau - Der neue Hass auf Homosexuelle" ausgestrahlt. Als Spielfilme sendet EinsFestival die deutsche Liebesgeschichte "Aimee & Jaguar" (16:20 Uhr), die spanische Hochzeitskomödie "Schwule Mütter ohne Nerven" (20:15 Uhr), den preisgekrönten peruanischen Film "Contracorriente - Gegen den Strom" (23:30 Uhr) und das argentinische Intersexuellendrama "XXY" (1:10 Uhr).

Youtube | Trailer zum Themenspecial auf EinsFestival

Gegenwind in der deutschen Provinz

Doch bereits in den letzten Wochen zeigte sich, dass Schwule und Lesben in Deutschland nicht überall willkommen sind. So planten Homo-Aktivisten in Binz auf Rügen einen Infostand zum Thema, der aber von der Stadt verboten wurde - und das mit recht albernen Begründungen: So erklärte die Kurverwaltung, dass am Vatertag "Betrunkene mit ihren Bollerwagen auf die Homosexuellen treffen" könnten, was Ärger verursachen würde (queer.de berichtete).

Angesichts dieser Ignoranz warnt der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandemburg davor, dass der Kampf gegen Lesben- und Schwulenfeindlichkeit nicht nur Homosexuelle betreffe, sondern alle Menschen: "Homophobie ist ein Angriff auf die Grundwerte unserer Gesellschaft", erklärte LSVD-Sprecher Jörg Steinert anlässlich des Tages gegen Homophobie. "Hinsichtlich der Menschenwürde, des Rechts auf körperliche Unversehrtheit, der freien Entfaltung der Persönlichkeit und des Gleichheitsgrundsatzes kann es im demokratischen Staat keine Relativierung geben". Daher sei die gesamte Gesellschaft gefordert, Homophobie entschieden entgegenzutreten - genauso wie die gesamte Gesellschaft gegen Rassismus und Antisemitismus vorgehen müsse.

Youtube | Rainbow Flashmobs machen Spaß, wie dieses Video der Kölner Organisatoren zeigt


#1 stopbullyingandhAnonym
#2 FDP-IngoAnonym
#3 Christoph MichlAnonym
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 merengueAnonym
#6 pölokijuAnonym
#7 SebiAnonym
  • 17.05.2012, 15:06h
  • Das schwule Programm auf EinsFestival beschränkt sich nicht nur auf heute. Morgen abend um 20.15 Uhr kommt "Der Mann, der Yngve liebte".

    Ansonsten:
    ich hoffe, möglichst viele Leute kommen und setzen an möglichst vielen Orten ein Zeichen gegen Homophobie. Mit vielen bunten Luftballongs und Küssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 MariusAnonym
  • 17.05.2012, 15:30h
  • Ich hoffe, dass die UN diesen Gedenk- und Aktionstag bald offiziell anerkennt und der 17. Mai dann überall der jährliche Tag gegen Homophobie ist.
  • Antworten » | Direktlink »