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  • 17. September 2004, noch kein Kommentar

Ob als Theaterstück von Oscar Wilde oder als Oper von Richard Strauss - "Salome" war seit jeher ein Skandalstoff. Katharina Thalbach führt in Köln Regie.

Von Jan Gebauer

1893 schrieb Oscar Wilde sein Theaterstück "Salome". Die Uraufführung 1894 in London mit Sarah Bernhardt in der Titelrolle wurde wegen der großen Freizügigkeit verboten, das Stück kam in Paris heraus, Oscar Wilde selbst saß wegen angeblicher sittlicher Vergehen zwei Jahre in englischen Gefängnissen. Über 100 Jahre später ist der biblische Stoff noch genauso frisch und provokant wie er es Ende des 19. Jahrhunderts war. Salome, Stieftocher des Königs Herodes, ist der Inbegriff von Schönheit und Sinnlichkeit. Sie könnte jeden Mann haben. Doch sie begehrt nur einen – den Propheten Jochanaan, Johannes des Täufer, der von Herodes gefangen gehalten wird. Doch Salomes sinnliches Werben stößt auf kalte Zurückweisung. Verzweifelt ist sie zum Äußersten bereit. Sie bekommt ein verhängnisvolles Angebot – einen Tanz für ihren Stiefvater – und sie kann dafür begehren, was sie nur will. Salome fordert den Kopf des Jochanaan.

Keine Geringere als Katharina Thalbach (50, Regisseurin und Schauspielerin, unter anderem bekannt aus "Die Blechtrommel" und "Sonnenallee") führt bei der Kölner Inszenierung Regie. Das Publikum war begeistert bei der Premiere am 16. September, insbesondere von Hauptdarstellerin Camilla Nylund, die eine ekstatische Vorstellung zeigte. Gerade am Ende erbringt sie eine darstellerische und gesangliche Glanzleistung, auch wenn die Musik und Dramaturgie der Oper zu diesem Zeitpunkt sehr dunkel und monoton wird. Interessanterweise ist der lange, sehr aufreizend und provokante Tanz, der nicht gesanglich, sondern nur instrumental begleitet wird, der eigentliche Höhepunkt der Oper. Neben Camilla Nylund brillierten Daliah Schlaechter in der Rolle der Herodias und Bernd Weikl als Jochanaan. Josef Protschka als Herodes schien beim Abgang jedoch nicht mehr ganz nüchtern zu sein, anders lässt sich sein seltsam wankender Schritt nicht erklären, was widerrum die Frage aufwirft, welcher Inhalt in den Kelchen zu finden war, die in der Inszenierung herumgereicht wurden. Stürmischer Applaus mit lauten Bravo-Rufen, insbesondere für Camilla Nylund und Katharina Thalbach, rundeten den musikalischen Abend ab. Bei Thalbachs Applaus war allerdings vereinzeltes Buhen zu hören, vielleicht von Zuschauern, die sich an den angedeuteten sexuellen Handlungen während Salomes Tanzes störten.

Die Opernsaison hat somit offiziell in Köln begonnen, und die geneigten Zuschauer können sich auf weitere Termine der "Salome"-Inszenierung freuen: Im September und Oktober folgen sieben weitere Aufführungen, bevor im Februar und März 2005 sechs weitere hinzukommen. Die genauen Daten und Karteninformationen können der Homepage der Oper Köln entnommen werden. Opern-Liebhabern seien an dieser Stelle weitere spannende Höhepunkte empfohlen: Am 15. Oktober beginnt Richard Wagners "Der Ring der Nibelungen", der an acht Abenden aufgeführt wird. Weiterhin zählen Mozarts "Die Gärtnerin aus Liebe", Donizettis "Der Liebestrank" und Johann Strauß' "Die Fledermaus" zu den schönsten Stücken der Saison.

17. September 2004, 13:00