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  • 22.05.2012           1      Teilen:   |

30. Todestag:

Rainer Werner Fassbinder in Bad Wörishofen

Kinobetreiber Rudolf Huber: "Das Erbe von Fassbinder weiterführen" - Quelle: Christian Scheuß
Kinobetreiber Rudolf Huber: "Das Erbe von Fassbinder weiterführen" (Bild: Christian Scheuß)

Zum 30. Todestag wird der schwule Ausnahmeregisseur vor allem in München geehrt. Aber auch an seinem Geburtsort hat man ihn nicht vergessen.

Von Christian Scheuß

Etwa 80 Kilometer westlich von der bayerischen Metropole München entfernt, liegt ein Ort, in dem die Uhren noch ein wenig langsamer ticken. Denn in Bad Wörishofen, der 14.000 Einwohner zählenden Gemeinde im Unterallgäu, nimmt man es ernst mit der "Entschleunigung". Hier kommen Menschen zu Besuch, die der Hektik ihres Lebens entfliehen wollen oder auf ärztliches Anraten hin sogar müssen, wollen sie wieder gesund werden. Wörishofen ist die Wirkstätte des Pfarrers Sebastian Kneipp, der mit seinen Wasserkuren sich und den Ort gegen Ende des 19. Jahrhunderts berühmt machte. Kneipp setzte auf die Stärkung der körpereigenen Immunabwehr, und war damit der Begründer einer Gesundheitsbewegung, die auch heute noch als "Wellness" weiterlebt.

Bad Wörishofen war als Kurort zwar stets Anlaufpunkt für Prominenz aus Politik und Kultur, sie sich erholen wollten, doch nur wenige Einheimische gelangten nach Kneipp zu größerer Bekanntheit. Mit einer Ausnahme: Rainer Werner Fassbinder, der bekannteste Regisseur Deutschlands, wurde hier am 31. Mai 1945 geboren. Im Einwohnerverzeichnis der Stadt ist vermerkt, dass der kleine Rainer die ersten sechs Monate seines Lebens in Wörishofen verbracht hat. Sein Vater, Helmuth Fassbinder war zu der Zeit als Lazarettarzt in Bad Wörishofen stationiert. Die Mutter, Lieselotte, hatte erst kurz zuvor Helmuth geheiratet. Die Abreise aus dem zerstörten München aufs Land verschaffte ihr etwas Ruhe, doch schon bald zogen sie wieder zurück in die Landeshauptstadt. Das Fassbinder ein Kind Wörishofens ist, geriet beinahe in Vergessenheit. Was kein Wunder ist, der besessene Filmemacher war alles andere als ein Vorzeige-Promi, mit dem man sich gern schmücken wollte.

Youtube | Interview mit Fassbinder aus dem Jahr 1978
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Internationale Arthaus-Produktionen und schwule Filmtage in Wörishofen

Szene aus "Querelle", Fassbinders letzer Film, bevor er durch einen Cocktail aus Medikamenten, Kokain und Alkohol starb. - Quelle: STUDIOCANAL
Szene aus "Querelle", Fassbinders letzer Film, bevor er durch einen Cocktail aus Medikamenten, Kokain und Alkohol starb. (Bild: STUDIOCANAL)

Es ist Rudolf Huber zu verdanken, dass das Gedenken im Kneippkurort hochgehalten wird. Huber stammt aus dem Nachbarort Türkheim, und seit jeher hat einen Faible für den Glamour des Kinos. Er betreibt seit 1997 das einzig verbliebene Kino in Wörishofen, einen Bau aus den 30er Jahren. Die Inneneinrichtung des "Lichtspieltheaters" ist - mit Ausnahme der Sessel - noch original aus den Fünfzigern. Kein Hightech- und Popkorn-Kino, sondern eines, das nach dem Linoleum des Bodens, dem Holz der Wandvertäfelung und nach dem Schmieröl des Projektors riecht.

Huber zeigt hier viele Arthaus-Produktionen und Dokus. Damit lockt er ein etwas reiferes und anspruchsvolleres Publikum an. Für Huber, der noch zwei weitere Kinos in der Region betreibt, ist es mehr ein Liebhaberprojekt, denn eine sprudelnde Einnahmequelle. Nur einmal im Jahr, wenn er gemeinsam mit dem Freizeitverein "Gay Summit Club" zum schwul-lesbischen Filmfestival nach Wörishofen lädt, ist der Saal bis auf den letzten Platz besetzt, und die Tickets für alle Vorstellungen sind ausverkauft. Die Kurgäste wundern sich dann immer über die "vielen gutaussehenden Männer", die vor seinem Kino Schlange stehen, lacht Rudolf Huber.

Wenn sich am 10. Juni der Todestag Rainer Werner Fassbinders zum 30. Mal jährt, könnte es durchaus passieren, dass sich wieder Schlangen vor dem Eingang und der Fassbinder-Gedenktafel bilden, die die Schauspielerin Irm Hermann 2004 offiziell einweihte. Mit einem morgendlichen Festakt - samt CSU-Bürgermeister Klaus Holetschek - und der Doku "Ich will nicht nur, dass ihr mich liebt" soll der Regisseur geehrt werden. Am Abend läuft dann der Film "Katzelmacher", am 12. Juni wird "Lola" gezeigt. Im Kurhaus, einen Steinwurf vom Kino entfernt, läuft zugleich eine Fassbinder-Ausstellung, ebenfalls bestückt von Huber. Er habe den Regisseur nie persönlich kennengelernt, verrät der Kinobetreiber. "Aber ich fühle in mir die Verpflichtung, sein Erbe weiterzuführen."

Links zum Thema:
» Website des Filmhaus Huber
» Gay Summit Club Allgäu
» Das Deutsche Theatermuseum in München zeigt eine Fassbinderausstellung
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Tags: rainer werner fassbinder, bad wörishofen, rudolf huber, gay summit club
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Reaktionen zu "Rainer Werner Fassbinder in Bad Wörishofen"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
22.05.2012
22:22:35


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Filme von Rainer Werner Fassbinder sind Kult und sollten öfters im Free-TV gezeigt werden!


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