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Familiendrama in Teheran: Der religiöse Mehran findet heraus, dass seine Schwester Atafeh lesbisch ist

Ab Donnerstag im Kino: "Sharayet - Eine Liebe in Teheran" thematisiert staatliche Unterdrückung und private Freiheiten in der islamischen Republik Iran.

Von Peter Fuchs

"Sharayet - Eine Liebe in Teheran" zeigt einen heiteren Nachmittag am Strand. Vater, Mutter, der Sohn und die jüngere Tochter mit ihrer Schulfreundin spielen Beachvolleyball. Sie haben Spaß dabei. Danach laufen die beiden Männer ins Meer, um sich abzukühlen. Der Vater sagt vorher noch: "Einmal werden wir auch zusammen baden können." Den Frauen ist der Sprung ins kühle Nass verboten, denn der Strand befindet sich in der islamischen Republik Iran.

Die Tochter Atafeh und ihre Freundin Shirin werden dann doch noch schwimmen. Sie tun es aber heimlich am nächsten Morgen, ganz in der Früh, wenn es kalt ist und noch niemand am Strand entlang läuft. Die beiden Teenager haben in der Nacht zuvor auch zum ersten Mal miteinander geschlafen.

Atafehs Familie ist gehobener Mittelstand in Teheran. Der Vater Hochschulprofessor, die Mutter Ärztin. Nach außen passen sie sich dem religiösen Regime so weit wie nötig an, doch nach innen leben sie liberal. Die Tochter trifft sich ohne Kopftuch mit anderen Jugendlichen auf Geheimpartys, macht Quatsch, versucht sich an Sex und Drogen. Und über all dem steht der Wunsch nach einem freieren Leben, auch davon genährt, dass ihre Zuneigung zu Shirin mehr als eine pubertäre Liebelei ist.

Kampf nach Emanzipation mit schönen Bildern

Doch dann kehrt der ältere Bruder Mehran von einer Drogentherapie zurück. Er ringt um Halt und kann ihn in der Familie nicht finden. Er flüchtet in die Religion, wird zum Eiferer und beginnt nach den rigiden Vorschriften der Staatsmoral zu leben. Es ist wohl kein Zufall, dass gerade jetzt die Moralpolizei auf Atafeh aufmerksam wird und ihr Coming-out-Prozess lebensbedrohliche Folgen haben könnte.

Filme über unerträgliche Zustände in Iran haben zu Recht derzeit Konjunktur. 2011 gewann der grandiose Film "Nader und Simin" den goldenen Bären der Berlinale. Der zeigte auf spannende Weise, wie man sich im Alltag ständig um die grotesken Regeln des Regimes herummogeln muss, um lebensfähig zu bleiben.

"Sharayet" stößt in dieselbe Kerbe, setzt aber weniger auf eine raffinierte Handlung als mehr auf oberflächlich schöne Bilder, um Atafehs Kampf nach Emanzipation zu zeigen. Der Versuch der Jugendlichen, ausgerechnet den Film "Milk" mit Sean Penn auf Persisch zu synchronisieren, um damit die Massen zum Aufstand zu mobilisieren, ist zwar gut gemeint, aber unglaubwürdig.

Die gute Kenntnis der Verhältnisse durch Regisseurin Maryam Keshavarz und das sympathische Spiel der attraktiven Hauptdarstellerinnen lässt den Film aber im Ganzen authentisch wirken. Die Regisseurin visualisiert vor allem gelungen, wie durch Einmischung des religiösen Regimes in private Angelegenheiten der Druck auf eine Familie so groß wird, dass sie daran zerbrechen könnte.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

Sharayet, Spielfilm, USA/F/IRA 2010, Regie: Maryam Keshavarz, Darsteller: Nikohl Boosheri, Sarah Kazemy, Reza Sixo Safai, Laufzeit: 104 Minuten, persische Originalfassung mit deutschen Untertiteln, Kinostart: 24. Mai 2012


#1 hefataAnonym
#2 FeddersenAnonym
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.05.2012, 15:26h
  • Der Film faßt ein ganz heißes Eisen an! Und wie ich die Mullahs kenne, halten die bestimmnt nicht ihre Füße still und stoßen wieder irgendwelche Aufrufe gegen die Filmemacher aus.
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