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Ein neuer Fall für Hauptkommissarin Monika Seyfarth: Auf Berliner Spielplätzen tauchen Leichenteile auf

Zum Glück nur Fiktion: In Markus Dullins neuem Krimi muss die Berliner Kommissarin Monika Seyfarth einen unappetitlichen Mordfall lösen - viel spannender ist jedoch das schwule Date ihres 17 Jahre alten Sohnes.

Von Angelo Algieri

Monika Seyfarth, Hauptkommissarin aus Berlin, ermittelt wieder. Diesmal wird es richtig unappetitlich. Seit ein paar Wochen werden auf Spielplätzen ein Augen- und Ohrenpaar sowie eine Nase gefunden. Jeweils von unterschiedlichen Personen. Die Kommissarin steht massiv unter Druck...

So der Beginn des zweiten Falls von Monika Seyfarth im Krimi "Leichen-Puzzle" von Markus Dullin. Der Berliner Autor, Jahrgang 1964, veröffentlichte 2010 den ersten Fall mit dieser Kommissarin. In "Tödliche Aussichten" recherchierte Seyfarth in der Schwulenszene. Um es gleich vorneweg zu sagen: Diesmal leider nicht. Beide Fälle sind in der Reihe "Quer Criminal" des Berliner Querverlags erschienen.

Schon bald taucht ein Skalp von einer anderen Person auf. Und bald darauf ein Kopf, jedoch ohne Augen, Ohren, Nase und Haare. Genau, man muss die einzelnen Leichenteile zusammensetzen. Doch das, was die Kommissarin in der digitalen Zusammensetzung sieht, haut sie aus den Socken: Ist das ihr Untergebenener und heimlicher Liebhaber Vincent? Er ist seit diesem Tag auch nicht zu erreichen. Wegen des Streits, den die beiden am Vorabend hatten? Weil die Hauptkommissarin ohne sein Wissen in seiner Vergangenheit und die seiner Mutter herumgeschnüffelt hat? Allerdings: Was hat Vincent mit diesem Fall zu tun? Warum zerschneidet jemand Leichen, um ein aufwendiges Ebenbild von ihrem Freund zu erstellen?

Showdown inmitten einer idyllischen Seenplatte in Mecklenburg

Am nächsten Morgen ist das Bild durch einen Maulwurf an die Öffentlichkeit gelangt... Die Kommissarin steht jetzt erst recht unter Druck. Da das Pärchen bei den Kollegen ungeoutet war, kann Seyfarth zumindest weiterermitteln. Was hat der Mörder vor? Wie viele Leichen muss sie noch finden? Wird Vincent es überleben? Daran darf sie jetzt nicht denken... Sie fährt zu seiner Mutter, doch von ihr erfährt sie nichts. Auch wenn die Kommissarin glaubt, dass sie etwas verbirgt. Hat diese Mordserie etwas mit dem Mordprozess der Mutter von vor 15 Jahren zu tun? Sie wurde zwar freigesprochen, doch es blieben Restzweifel. Will sich nun jemand an ihr rächen?

Nach ersten Ermittlungserfolgen, Fehlern von Mörder und Komplize sowie dank des unentbehrlichen Mutterinstinkts steuert alles auf das große Finale zu - inmitten der idyllisch und trügerisch ruhig gelegenen Seenplatte in Mecklenburg...

Allerdings gelingt es Autor Dullin nicht, diese Story wirklich spannend zu erzählen. Er verfehlt es, die Spuren so zu legen, dass sie den Leser überraschen. Sämtliche Szenen für den Fall sind einfach zu vorhersehbar. Es fehlen unerwartete Wendungen oder auch knifflige Rätsel, die durch tolles Kombinieren gelöst werden.

Leichenteile in brutaler Sprache serviert


Markus Dullin veröffentlichte zahlreiche Romane. 1998 wurde er für den Literaturpreis der Schwulen Buchläden nominiert (Bild: Bernd Näfe/Querverlag)

Zudem spielt dieser Roman hauptsächlich in Berlin - doch leider werden weder Eindrücke, Atmosphäre, verschiedene Gebäude noch Bars erwähnt. Selbst als der legendäre Spielplatz mitten im schwulen Nollendorf-Kiez als Leichenteil-Fundort herhalten darf, schreibt Dullin nur von einer x-beliebigen Bar. Mehr Mut zur Benennung! Das macht ein Krimi doch auch aus. Ganz zu schweigen vom Wiedererkennungseffekt, hat es zudem etwas Charmantes. Nichts dergleichen! Die Berlin-Kulisse des "Leichen-Puzzles" wirkt unpersönlich, distanziert und irreal. Der Autor hätte sich ein Beispiel an Horst Bosetzkys Krimi "Es geschah in Berlin 1936" nehmen sollen (queer.de rezensierte).

Zugegeben: Eine alleinerziehende Kommissarin, die einen schwulen 17-jährigen Sohn hat, kommt in der Krimi-Literatur ziemlich selten vor. Hauptkommissarin Seyfarth erinnert hier an die ebenfalls alleinerziehende Genuesische Kommissarin Nelly Rosso der Krimi-Autorin Rosa Cerrato. Für beide Protagonistinnen gilt, dass sie sich der männerdominierten Polizei-Welt behaupten müssen und eine andere Herangehensweise haben, den Fall zu lösen - löblich!

Sehr gefallen hat mir auch, wie die Leichenteile dem Leser in einer harten, brutalen Sprache serviert werden. Es hat im Vergleich zum Ton des übrigen Textes etwas wahrlich Schockierendes.

An einer anderen, unerwarteten Stelle gelingt es Dullin, Neugierde und Spannung zu erzeugen: Als der homosexuelle Sohnemann ein Date mit seinem anbahnenden Freund hat... Bedauerlich, dass Dullin den Fall nicht auch so spannend und mit dramatischen Leckerli versetzt hat.

Fazit: Der Berliner Autor bleibt in diesem Roman weit unter seinen Möglichkeiten. Ein Krimi soll unbedingt spannend sein und wenn möglich gesellschaftliche Phänomene hinterfragen. Dieser Text macht beides äußerst unzureichend. Schade!

Infos zum Buch

Markus Dullin: Leichen-Puzzle. Kriminalroman. Querverlag, Berlin 2012. 252 Seiten. 12,90 €. ISBN: 978-3-89656-196-1.


Mitch Mitchells letzter Fall

Mit "Der letzte Akt" bringt James Lear seine Krimi-Trilogie zu einem fulminanten Abschluss.
#1 daVinci6667
  • 02.06.2012, 15:30h

  • Danke Angelo hast du gleich eingangs erwähnt, dass es nur Fiktion ist, denn beim Lesen des Titels schießt einem gleich der Gedanke "bitte schon wieder", durch den Kopf.

    Vom Krimi lass ich mich dann mal einfach überraschen.
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#2 crime timeAnonym
#3 daVinci6667
  • 02.06.2012, 16:46h
  • Antwort auf #2 von crime time

  • Ja, es ist schlimm was das extreme Sparen anrichtet und wie südeuropäische Länder gerade 30 Jahre zurückfallen! Gemeinden schalten zum Beuspiel immer früher die Strassenbeleuchtung ab, lebenswichtige Medikamente gibt's nur noch gegen cash etc. etc. Das gibts längst nicht nur in Griechenland.

    Viele machen neben ihren eigenen Regierungen eben auch die EU und allen voran Deutschland dafür verantwortlich. Die Zahlen sind eindeutig: Vom EU-Binnenmarkt und vom Euro hat niemand so stark profitiert wie Deutschland. Der einzelne Deutsche hat davon freilich nichts gespührt, eher im Gegenteil.

    Ich glaube ihr Deutschen seid euch noch gar nicht bewusst, was sich da für antideutsches Potential zusammenbraut. Denn ihr zwingt alle EU-Staaten ins ausgerechnet von einem deutschen "Sozialdemokraten" eingeführte unsoziale, neolibarale Hartz4 System!

    Man sieht die Katastrophe längst am Horizont, will es aber nicht wahrhaben. Die EU als ganzes und damit auch der Euro funktionieren nicht und ihr Ende sind nahe.

    Wir können nur noch hoffen dass die Rückentwicklung in nationale Währungen und Staaten und die damit sehr unruhigen wirtschaftlichen und politischen Zeiten, trotz all dem unsäglichen unsozialem Leid das noch vor uns steht, nicht in Hass (auch gegen Schwule!) und Krieg umschlagen wird!
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#4 siegmundAnonym
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#6 Manni der*Anonym
#7 hilfschekkafoxxxAnonym
#8 traurigersigiAnonym