Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?16646

Elmar Kraushaar beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf (Bild: Norbert Blech)

Seit Jahren schreibt der schwule Journalist Elmar Kraushaar die Kolumne "Der homosexelle Mann" für die "taz". Die neueste Ausgabe, für morgen vorgesehen, wird aber nicht erscheinen, weil Kraushaar den "taz"-Redakteur Jan Feddersen kritisiert. Mit Erlaubnis des Autoren dürfen wie sie hier wiedergeben:

Der homosexuelle Mann ...

... in Aserbaidschan ist dem Westeuropäer ein Fremder. Möglicherweise ist - wie es in queerer Terminologie heißt - sein Konzept sowohl von Homosexualität als auch von Homosexuellenunterdrückung ein ganz anderes. Der gerade zu Ende gegangene Eurovision Song Contest sollte Aufschluß darüber geben. Denn kaum war im vergangenen Jahr in Düsseldorf das Duo aus Baku zum Sieger gekürt, fragten die ESC-Fans schon nach: Kann man als Schwuler überhaupt nach Baku reisen oder wird man gleich festgenommen beim ersten spitzen Schrei?

Viele von denen, die jetzt da waren, haben ihre Beobachtungen mitgeteilt, das Ergebnis ist ein "sowohl" als "auch". Festgenommen wurde wohl keiner der schwulen Gäste, aber wirklich gerne gesehen war man auch nicht. Falls man überhaupt von "gesehen" sprechen kann. Denn das scheint die oberste Maxime der heimischen Schwulen zu sein: Aufpassen, dass man nicht gesehen wird. Ein schwules Leben ist möglich - als Doppelleben, im Versteck und in der Nacht.

Einzig Jan Feddersen, in Personalunion Baku-Blogger für taz und NDR, hat es anders wahrgenommen. Die Unterdrückung der Homosexuellen? "Westliche Gerüchte", schreibt Feddersen, "Gräuelpropaganda von Menschenrechtisten", stattdessen sei Baku ein einziger "schwuler Catwalk" mit Männern in "hautengen T-Shirts" und "Jeans mit eingebauten Gemächtebeulen". Und die halten Händchen in aller Öffentlichkeit und sind "Buddies" ein Leben lang.

Feddersens höhnischer Ton immer dann, wenn es um Pressefreiheit und Menschenrechte in Aserbaidschan ging, erstaunte die übrigen Pressevertreter, seine verklärten Worte über das schwule Leben dort erzürnte die Beobachter schwuler Medien. "Das Mindeste, das du jetzt tun könntest, aus Solidarität zu denjenigen, die ein anderes Verhältnis zu den Realitäten haben", schreibt queer.de-Redakteur Christian Scheuß in einem offenen Brief an Jan Feddersen, "halt in Sachen Menschenrechte doch einfach die Klappe." Frank & Ulli schlagen auf ihrer Web-Seite "2mecs" vor, Feddersens Wortschöpfung "Menschenrechtist" zum Unwort des Jahres zu küren. Für die beiden Autoren macht es keinen Sinn einen neuen Begriff einzuführen, es gebe doch die "Menschenrechts-Aktivisten": "Es sei denn", unterstellen sie Feddersen, "man wolle ihrer Arbeit eine negative Konnotation anhängen, sie diffamieren, sie verächtlich machen."

Auch Patsy l'Amour laLove lässt in ihrem Patsy-Blog kein gutes Haar an Feddersen und stellt - mit Blick auf seine idyllischen Mutmaßungen über muslimisch konnotierte Männerfreundschaften - fest: "Wenn Männersex in Badehäusern en vogue ist, dann träume ich nicht davon, wie befreit diese Gesellschaft sein muß, sondern denke darüber nach, warum schwuler Sex nur in der Begrenztheit dieser Räume stattfinden darf." Die Polittunte setzt ihre Forderung gegen jeglichen falschen Zungenschlag: "Solidarität mit unseren Schwestern anstatt selbstgefälliger Romantisierung!" Denn "die Schwulenunterdrückung in Aserbaidschan ist kein Gerücht sondern Alltagsrealität!"

Kraushaar berichtet, ihm sei in den vielen Jahren bereits einmal eine Kolumne gestrichen worden, weil er einen seiner Meinung nach schwulenfeindlichen Text in der Zeitung kritisiert hatte. Die lesbische Chefredakteurin habe den jüngsten Text "kurzerhand rausgeschmissen", weil sie ihrem schwulen Kollegen Feddersen nicht gefallen habe, mutmaßt Kraushaar. Auf eine Anfrage von queer.de hat "taz"-Chefin Ines Pohl geantwortet: "Die taz-Chefredaktion hat sich entschieden, die Kraushaar-Kolumne nicht abzudrucken, da es seit langem eine Übereinkunft in der 'taz' gibt. Man greift KollegInnen nicht persönlich in der eigenen Zeitung an, auch nicht über Zitate Dritter (...) Das geht nur in Form offener Schreibschlacht, Pro & Contra. Dieses Pro & Contra hatten wir zu der Sache aber schon während des Grand Prix, Niggemeier und Feddersen. Ein zweites Pro & Contra wollte keiner der Beteiligten."



#1 Timm JohannesAnonym
  • 04.06.2012, 17:57h
  • Also inhaltlich stimme ich Kraushaar in seiner Darstellung zur LGBT Lage in Aserbaidschan zu.

    ----------
    Insgesamt aber ist der ESC und seine Wirklung auf Aserbaidschan überbewertet und wie man bereits jetzt merkt, "Schnee von gestern". Der ESC taucht immer nur paar Tage im Jahr kurz auf und dann ist es aber auch von den Menschen in Deutschland bereits wieder vergessen.

    Wenn Anke Engelke in ihrer Punktevergabemoderation äußerte "Europe is watching Aserbaidschan", so ist das zwar sehr löblich, aber doch in Wahrheit nur ein Spruch, der schnel in Mittel- und Westeuropa in Vergessenheit gerät.

    Leider ist es so, dass die Augen der West/Mittel-/Nordeuropäer in erster Linie nur auf ihre eigenen Länder gerichtet sind und darüberhinaus dann auf die umliegenden Nachbarländer.

    Für uns Deutsche bedeutet dies: wir nehmen zwar medial intensiv wahr, was in Deutschland sowie in den Nachbarländern Frankreich, Polen, Tschechien, Niederlande, Belgien, Schweiz, Österreich, Dänemark und Schweden geschieht, und auch noch unsere Urlaubsländer Spanien, Italien, Türkei, Griechenland und Portugal sind von Interesse, aber die östlich liegenden europäischen Länder geraten schnell in Vergessenheit und das gilt nicht nur für die mediale Berichterstattung von Rundfunk und Fernsehen sondern auch für Zeitungen, Zeitschriften und deutschsprachiges Internet.

    Und darüberhinaus dominiert dann noch die Bericherstattung aus den USA, aufgrund der medialen Dominaz Washingtons Medien sowie der Medien aus Hollywood.

    Es ist immer wiederr erschütternd zu beobachten, wie wenig der Durchschnittsdeutsche von den innenpolitischen und menschenrechtlichen Verhältnisse in Ländern Mittel-, Südamerikas, Afrikas sowie Süd-/Südostasiens und Ozeaniens weiß.

    -------> Mein Fazit zu Aserbaidschan ist daher: menschenrechtlich interessiert sich da jetzt schon kaum noch einer in Deutschland für und spätestens mit der Fussballeuropameisterschaft in Polen/Ukraine und dann mit Olympia in London ist Aserbaidschan total vergessen. So ist das halt in unseren schnelllebigen oberflächlichen Medienwelt, wo sich immer alle Journalisten auf ein Thema bis zum Erbrechen stürzen und dann nach paar Tage dann auf das nächste Thema wieder stürzen, bis es wiederum keiner mehr hören kann und mag.

    Daher sind mir persönlich auch Reporter/Journalisten lieber, die Artikel zu Themen schreiben, die nicht gerade tagesaktuell oder im Zentrum der Allgemeinmedien stehen, aber diese Artikel sind eher "dünn" gesät.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MarekAnonym
  • 04.06.2012, 18:00h
  • Na toll!

    Die taz wollte immer anders sein als die anderen. Dort sollte eben freie Rede statt Geklüngel und Machtgeplänkel herrschen.

    Aber jetzt herrscht bei der TAZ ZENSUR, weil jemand es wagt, Kritik an ihrer Heiligkeit Jan Feddersen zu üben, der meint, er hätte als einziger die Wahrheit gepachtet.

    Leb wohl taz! Das ist der Anfang vom Ende!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 RaffaelAnonym
  • 04.06.2012, 18:14h
  • Was bringt einem eine Zeitung, die sich selbst als angeblich unabhängig von Politik und Lobbyisten bezeichnet, aber offenbar nicht unabhängig von eigenen wirtschaftlichen Interessen ist bzw. dem Interesse bloß nicht die fiese Wahrheit über Mitglieder der eigenen Redaktion ans Licht kommen zu lassen.

    So einem Zensur-Blättchen wie der taz kann man dann natürlich gar nichts mehr glauben.

    Die journalistische Glaubwürdigkeit ist mit dieser Entscheidung weg. Und das war das einzige, was dieses defizitäre Blättchen noch am Leben hielt.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FrancoisAnonym
  • 04.06.2012, 18:18h
  • Sagte nicht auch Thomas D in seinem Interview, der körperliche Umgang in Baku sei anders, eng, auch unter heterosexuellen Männern?! Wahrscheinlich haben beide Recht: Kraushaar und Feddersen.
    Aber wie immer: Baku ist nicht Aserbaidschan!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SebiAnonym
  • 04.06.2012, 18:20h
  • So ist das bei der ach so freien, ach so unabhängigen und ach so demokratischen taz:

    wehe, jemand kritisiert die Redaktion oder äußert sich sonstwie kritisch über die taz. Dann fahren die sofort schweres Geschütz auf und zensieren einfach die Meinung anderer.

    Willkommen in der taz-Diktatur!

    Andere Zeitungen lassen auch andere Meinungen zu. Die taz duldet keine andere Meinung.

    Sowas wie die taz würde als Staatsorgan jeden Diktator erfreuen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 so war esAnonym
  • 04.06.2012, 18:22h
  • Adenauer-Ära und lange danach:

    " Denn das scheint die oberste Maxime der heimischen Schwulen zu sein: Aufpassen, dass man nicht gesehen wird. Ein schwules Leben ist möglich - als Doppelleben, im Versteck und in der Nacht."
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Tobi CologneAnonym
  • 04.06.2012, 18:34h
  • Anke Engelke hat zwar keine Hoden, aber mehr Eier als der rückgratlose, sich bei Diktatoren einschleimende Jan Feddersen.

    Jan Feddersen (der sich in jeder Diktatur prima anpassen und als Opportunist seinen Weg finden würde) hat nicht nur zu den Menschenrechtsverstößen geschwiegen, sondern sie gar geleugnet. Völliger Realitätsverlust halt.

    Dass dann aber auch noch in der taz vorauseilender Gehorsam herrscht und Kritik an Jan Feddersen von der taz unterdrückt und zensiert wird, zeigt, dass Jan Feddersen offenbar in Baku gelernt hat, wie er auch hierzulande die taz auf Linie bringt.

    Dass die taz das mitmacht, macht sie schlicht überflüssig.

    Ich habe die taz zwar eh nur 2-3 mal im Monat gekauft, aber selbst das werde ich jetzt nicht mehr machen. Und auch allen davon erzählen. Die taz kann ja gerne mit Jan Feddersen als Staatszeitung nach Aserbaidschan oder in andere Diktaturen. Aber in Deutschland brauchen wir keine Zensurpresse, die Kritik an der Verharmlosung und Leugnung von Faschismus einen Maulkorb verpasst.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 HinnerkAnonym
  • 04.06.2012, 18:39h
  • Die TAZ und die gesamte TAZ-Redaktion sollten sich was schämen. Die pervertieren Pressefreiheit und treten alle journalistischen Grundsätze (Meinungsvielfalt und -freiheit, Neutralität, etc.) mit Füßen.

    Aber nein: um sich zu schämen, braucht man ein Gewissen. Und das haben die TAZ und ihre Redakteure wohl verkauft.

    Oder Jan Feddersen hat sie angesteckt - der duldet ja auch keinen Widerspruch und keine andere Meinung.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Cartsen ACAnonym
  • 04.06.2012, 18:44h
  • Pfui taz!

    Und pfui Jan Feddersen!

    Dass es ausgerechnet bei der taz mal so weit kommen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Vielleicht deshalb, weil die taz schon seit Jahren jede Kritik und jede andere Meinung erfolgreich unterdrückt.

    Kein Wunder, dass Jan Feddersen sich bei der taz so wohlfühlt. Der fühlt sich ja auch in faschistischen Diktaturen wohl!

    Wie soll man der taz jemals nochmal was glauben können?!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 FenekAnonym
  • 04.06.2012, 18:49h
  • 1.
    Jan Feddersen steht mit seiner Meinung ziemlich alleine da. Alle Menschenrechtsorganisationen sehen das anders. Und man brauchte nur mal in der Tagesschau zu sehen, wie jeglicher Protest blutig niedergeprügelt wurde und Menschen verschwanden.

    Und auch die Betroffenen vor Ort berichten anderes als Feddersen. Aber Feddersen weiß es wohl besser als die Betroffenen vor Ort, die jeden Tag dort leben müssen und nicht nur in Luxushotels und bunten Hallen rumhängen.

    2.
    Selbst wenn man die Meinung von Jan Feddersen teilen würde (was außer dem diktatorischen Regime in Aserbaidschan und der taz wohl niemand tut) gehört es sich für einen Demokraten und erst recht für demokratischen Journalismus auch andere Meinungen und Widerspruch zu akzeptieren.

    Dass die taz das alles zensiert, macht sie nicht nur überflüssig, sondern gar gefährlich!

    Ich hoffe, das ist ihr Untergang!

    Wenn die anderen Redakteure noch ein Fünkchen Anstand und journalistische Ehre haben, kündigen sie bei der taz. Ansonsten könnten die sich nicht mehr morgens im Spiegel ansehen.
  • Antworten » | Direktlink »