Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 08.06.2012           30      Teilen:   |

Diskussion in Berlin

Queer und konservativ?

Der angekündigte Peter Altmaier kam nicht, wünschte aber per Twitter spannende Debatten
Der angekündigte Peter Altmaier kam nicht, wünschte aber per Twitter spannende Debatten

In Berlin sprachen Ole von Beust und Regina Görner über die Schwulen- und Lesbenpolitik ihrer Partei.

Von Angelo Algieri

"Wie passen queer und konservativ, schwarz und bunt zusammen?" - Nicht nur viele Schwule fragen sich das, sondern auch CDU-Mitglieder. Zu dieser Fragestellung haben die Lesben und Schwule in der Union (LSU) am Donnerstag in die Berliner CDU-Bundesgeschäftsstelle eingeladen, eine Diskussion im Rahmen der Magnus-Hirschfeld-Tage.

Auf der Bühne saßen der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg, Ole von Beust, und Regina Görner, ehemalige Ministerin für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales im Saarland. Eigentlich hätte zu "queer und konservativ" auch der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier einiges zu sagen gehabt, ließ seine Teilnahme aber wegen eines Termins in Brüssel absagen.

Es wurde eine offenere und lebendigere Diskussion als erwartet - der Moderator und stellvertretende LSU-Bundesvorsitzende Thomas Steins griff auch die "heißen" Eisen an: die mangelnde Gleichstellung der "Homo-Ehe", das fehlende gemeinschaftliche Adoptionsrechtsrecht für schwule und lesbische Paare oder auch die fehlende Entschädigung von Opfern des Paragrafs 175 nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1969 - Themen, bei denen vor allem CDU und CSU den Fortschritt blockieren.

Fortsetzung nach Anzeige


Angst vor dem eigenen Mut

Ole von Beust machte zuletzt mit einem sehr jungen Liebhaber Schlagzeilen
Ole von Beust machte zuletzt mit einem sehr jungen Liebhaber Schlagzeilen

Zunächst ging es um den scheinbaren Widerspruch zwischen Homosexualität und konservativen Werten. Von Beust erklärte zunächst, dass nichts gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe spräche. Denn für ihn sei es mit den christlich-demokratischen Werten vereinbar, wenn die Ehe als eine auf Dauer angelegte Partnerschaft mit Verantwortungsübernahme angesehen wird. Dies sei der Kern der Gesellschaft, ein Garant für gesellschaftliche Stabilität.

Allerdings stecke die Union, so die Analyse des ersten offen schwulen Führungspolitikers in der CDU, in einem Dilemma: Auf der einen Seite würden viele führende CDU-Politiker unter vier Augen zugeben, dass sie nichts gegen eine Gleichstellung haben. Auf der anderen Seite fürchteten sich viele vor den Reaktionen der bürgerlichen Presse, die schnell von einem Verlust vermeintlich konservativer Werte oder einem Linksruck spreche.

Görner ergänzte, es gebe CDU-Mitglieder, die die Homo-Ehe als Bedrohung für die herkömmliche Familie sehen würden. Das sei wohl mit einer gewissen Unsicherheit einherzugehen - auch, was die "eigene" (heterosexuelle) Lebensform angeht: Es gebe heutzutage viel mehr Scheidungen oder lange Beziehungen würden nicht in Ehen münden. Da werde die Lebenspartnerschaft quasi stellvertrendend für angegriffen.

Kritik an der eigenen Politik

Regina Görner ist, als Heterosexuelle, Mitglied im LSU-Bundesvorstand
Regina Görner ist, als Heterosexuelle, Mitglied im LSU-Bundesvorstand (Bild: IG Metall)

Görner kritisierte, dass die Union bei der steuerrechtlichen Gleichstellung oder beim Adoptionsrecht darauf warte, "was das Bundesverfassungsgericht für ein Ei legt." Man sei besser beraten, selbst in die Offensive zu gehen. Eine Rehablititierung und Entschädigung der Opfer des Paragrafen 175 wünscht sie sich ebenso wie von Beust: "Dem Bundestag und Bundesrat bricht der Krone keinen Zacken, wenn sie sagen würden: Wir entschuldigen uns, was bis 1969 geschehen ist." Das werde bisher nur verklausuliert gemacht, so der ehemalige Bürgermeister. Aus dem Publikum heraus egriff ein Mann und Schwusos-Mitglied dazu das Wort; er sagte, dass er "entkriminalisiert ins Grab" gehen möchte.

Von den rund 50, meist männlichen Zuhören kam auch die Frage, warum sich die Politik der Union so langsam verändere. Görner wies darauf hin, dass in einer Volkspartei Meinungs- und Entscheidungsprozesse sehr langsam laufen würden. Und von Beust mahnte gar, Parteien nicht zu überschätzen, diese sollen keine Aufklärung betreiben. Er wiederholte die Ängste der Strategen, bedauerte zugleich deren mangelnden Mut und ermunterte die LSU, in die Ortsverbände zu gehen und dort Werbung für die Sache zu betreiben.

"Queer und konservativ", davon erzählte von Beust auch persönlich und gelassen: Er sei offen schwul, seit er 16 oder 17 Jahre alt gewesen sei, und lebe dies auch aus. In Hamburg gebe es eine "desinteressierte Toleranz" und selbst in der CDU habe er seine Homosexualität niemals verstecken müssen. Sein Outing in der Öffentlichkeit geschah allerdings durch sein Vater - er selbst wollte nie seine "Sexualität in den Vordergrund stellen".

Die Diskussion vermittelte den Eindruck, dass in der Union in Homo-Fragen eine gewisse Dynamik ensteht. Dafür ist es auch längst höchste Zeit, da waren sich nicht nur die Diskutanten einig. Ein Ende des Diskriminierungen von Schwulen und Lesben ist überfällig. Wünschenswert wäre, es gebe mehr offen schwule und lesbische Unionspolitiker, die ihre sexuelle Orientierung durchaus, neben anderem, in den Vordergrund stellen wollen - ein wichtiges gesellschaftliches wie innerparteilisches Zeichen. Vielleicht schaut Peter Altmaier ja beim nächsten Mal vorbei.

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 30 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 69             3     
Service: | pdf | mailen
Tags: cdu, lsu, ole von beust, peter altmaier, regina görner
Schwerpunkte:
 CDU/CSU
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Queer und konservativ?"


 30 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
08.06.2012
14:22:29


(+5, 9 Votes)

Von Alex


Man muss sich selbst schon sehr hassen oder krankhaft erfolgreich die eigene Identität leugnen, um Mitglied in einer Partei zu sein, die einen hasst und bei jeder Gelegenheit klar macht, dass man Mensch 2. Klasse ist.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
08.06.2012
14:31:50


(+1, 5 Votes)
 
#3
08.06.2012
15:54:47


(-2, 6 Votes)

Von FDP-Christian


Das ist doch mal ein sehr schöner Beitrag. Es bewegt sich also doch etwas beim Koalitionspartner.
Ich finde auch die ehrlichen Antworten sehr gut. Es gibt halt immer noch ziemlich verbohrte Köpfe bei der Union, die wahrscheinlich nie mehr einer Gleichstellung zustimmen werden, aber es werden auch immer mehr, die offen dafür eintreten.
Mich würde es interessieren, ob es eine schweigende Mehrheit unter den Unionspolitikern gibt, die nichts gegen diese Gleichstellung haben.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
08.06.2012
17:09:44


(-4, 8 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Es ist seit einigen Jahren eine Entwicklung zu beobachten, dass Schwule immer konservativer werden und Heteros immer mehr -auch mit Beziehungen und mit Sexualität- herum experimentieren. Schwule dagegen hatten und haben alle Freiheiten der Welt, aber sie sehnen sich nach einer Partnerschaft, möglichst bis zum Ende ihres Lebens. Dies sind gute Voraussetzungen dafür, dass die CDU von vielen Schwulen gewählt wird. Diejenigen Schwulen die hier am lautesten "Diskriminierung" schreien, sind oft Alt-68er oder eben noch Jugendliche in ihrer Identitätsfindungsphase. Die CDU sollte daher ihren konservativen Weg (Stärkung von Ehe und Lebenspartnerschaft) weiter gehen und sich nicht von linken und grünen Schreihälsen (die sich jetzt sofort wieder auf diesen Beitrag melden werden) irritieren lassen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
08.06.2012
17:34:11


(+1, 5 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #4 von Thorsten1


Also, ich war schon immer konservativ und wähle deshalb meist die älteste Partei Deutschlands, die ganz wertkonservativ schon vor über 100 Jahren gegen den Par. 175 war und werteorientiert die einzige Partei war, die im Reichstag gegen Hitlers Ermächtigung stimmte (die Kommunisten konnten es schon nicht mehr). 'Bürgerliche' haben die bürgerliche Republik den Nazis zum Fraß hingeworfen (u.a. Theodor Heuss).

Liberal, wie ich bin, habe ich auch ein Problem mit Hayek-Fanclubs (FDP), die wie ihr Idol im Zweifel einen liberalen Diktator (Pinochet, die Finanzmärkte) einer illiberalen Demokratie vorziehen.

Bindungsorientiert , wie ich bin, weiss ich wer für und wer gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz gestimmt hat (Westerwelle) und wem wir seine Weiterentwicklung verdanken (in letzter Zeit v.a. rot-grünen Verfassungsrichtern).

Recht und Ordnung sind mir wichtig. Deshalb achte ich auch darauf, wer mir den verfassungsrechtlichen Schutz vorenthalten will - u.a. die FDP. Dem homophoben CDU-'Nachwuchs' (Mißfelder- JU, CDU- Vize Krings) gehen unsere Rechte jetzt schon zu weit.

Link zu www.gemeindenetzwerk.org

Alles klar?

Fakten zählen mehr als Traumwelten...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
08.06.2012
17:50:32


(0, 6 Votes)

Von Manuel Hase


Das es die LSU geschafft hat den ehemaligen regierenden Bürgermeister von Hamburg zu einer Veranstaltung als Redner zu gewinnen läutet eine neue Ära der innerparteilichen Arbeit und des Dialog von LSU und CDU ein! Gerne mehr solcher Veranstaltungen und NRW wird dabei sicherlich mit voran gehen! Beste Grüße und weiter so,

Manuel Hase

-Landesvorsitzender der LSU Nordrhein-Westfalen-


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
08.06.2012
17:57:24


(0, 2 Votes)

Von Francois
Antwort zu Kommentar #5 von goddamn liberal


Glückwunsch!
"Bindungsorientiert" wird Anwärter für das Unwort des Jahres..


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
08.06.2012
18:07:23


(+5, 7 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #6 von Manuel Hase


Lieber Herr Hase,

wie wäre es denn mit einem Dialog mit Parteifreunden, die wirklich was (Homophobes) zu sagen haben und die im Gegensatz zu Herrn von Beust ihre Karriere nicht hinter sich, sondern noch vor sich haben?

Z. B. dem Fraktionsvize Dr. Krings, der mit 96% in sein Amt gewählt wurde und der notorisch das Bundesverfassungsgericht kritisiert, das sich glücklicherweise von seinem postfaschistischen Urteil von 1957 abgesetzt hat.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
08.06.2012
18:10:14


(+1, 3 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #7 von Francois


Link zu www.neues-deutschland.de

Meinste die Verbindungen?

Sind ja auch mannmännliche Lebensbünde...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
08.06.2012
18:34:03
Via Handy


(+5, 7 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Konservative Schwule gibt es mehr als man denkt. Ich selber verstehe zwar auch nicht wie man diesen Spagat leben kann, aber es ist so.

Das eigentliche Problem das im Artikel nicht erwähnt wird, ist diese verdammte Hörigkeit von CDU/CSU gegenüber der kath.Kirche. Solange die Unionsparteien das C im Namen nicht ändern wird da Nix mit Gleichstellung.

Hände weg von dieser Partei!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  123  vor »


 POLITIK - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Hedwig von Beverfoerde tritt aus CDU aus Sachsen: Alle außer AfD begrüßen Sexualkunde-Leitlinien IS soll mutmaßlichen Schwulen in Syrien exekutiert haben Parteitag in Essen: CDU gibt sich homofreundlich
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt