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Dr. Guido Schlimmbach, Pressesprecher der Aids-Hilfe NRW: "Verantwortung lässt sich nicht delegieren"

Das deutsche Strafrecht stellt die versuchte oder tatsächliche HIV-Übertragung unter Strafe. Diese Kriminalisierung ist wenig hilfreich, sagen die Aids-Hilfen. Warum, erklärt Dr. Guido Schlimbach, Pressesprecher der Aids-Hilfe NRW, im Interview.

Von Christian Scheuß

Treffen sich zwei Schwule zum Sex. Wer trägt die Verantwortung in Sachen Safer Sex?

Beide. Zunächst einmal für sich selbst und selbstverständlich auch gegenüber dem Anderen.

Treffen sich zwei Schwule zum Sex, einer davon HIV-positiv. Wie sieht es jetzt mit der Verantwortung aus?

Selbe Antwort: Beide. Im Hinblick auf sich selbst und den Anderen.

Viele sagen, der HIV-Positive hat eine größere Verantwortung...

Verantwortung lässt sich hier nicht in unterschiedliche Portionen aufteilen oder delegieren.

Wenn alle Beteiligten ihren eigenen Teil der Verantwortung tragen, wie kommt es, dass immer wieder Fälle vor Gericht landen, in denen der eine dem anderen vorwirft, ihn gefährdet zu haben?

Eine gute Frage. Wenn wir von anonymen oder flüchtigen Kontakten sprechen, verstehe ich es einfach nicht, das sich ein erwachsener Mensch auf Sex einlässt, und dabei die eigene Verantwortung an der Garderobe der Cruisingbar abgibt, oder sie unausgesprochen voll und ganz dem Anderen überträgt. Eine andere Sache ist es natürlich, wenn ich zum Beispiel in einer Beziehung stecke, und den Partner im Unklaren lasse oder ihm nicht die Wahrheit sage.

Hilft es, die Ausbreitung von HIV zu verhindern, wenn sich die Staatsanwaltschaft mit ins Bett legt?

Nein, überall dort, wo das passiert, können wir unsere Präventionsansätze vergessen. Wir empfehlen im Moment, sich regelmäßig testen zu lassen, um frühzeitig medizinisch gegen eine mögliche Infektion vorgehen zu können. Juristisch greifbar sind aber nur Fälle, in denen der HIV-Positive von seiner Infektion weiß. Wer sich von möglicher Strafverfolgung bedroht sieht, nur weil er seiner Vorsorge um seine Gesundheit nachkommen will, wird sich zweimal überlegen, ob er wirklich zum Test gehen wird. Er muss als Konsequenz eines positiven Testergebnisses Isolierung und Stigmatisierung fürchten. Das schwächt die Eigenverantwortung, über dir wir hier gerade reden.

"ExplosHIV - die Kriminalisierung der HIV-Übertragung" hieß das Motto des vom Selbsthilfe-Netzwerk "Posithiv Handeln" Anfang Juni in Hattingen verstalteten Positiventreffens für NRW. Was sind die Kernforderungen der Positiven-Community in Richtung Justiz?

Alle Fälle, die in Deutschland behandelt werden, fallen unter den Straftatbestand der (versuchten) Körperverletzung. Wir brauchen keine neue Gesetzgebung, aber die Frage ist, wie die bestehende angewandt wird. Da sollten die Gerichte zum einen stärker berücksichtigen, dass ein HIV-positiver Mensch in erfolgreicher Therapie heute faktisch nicht mehr infektiös ist. Und zum anderen sollten die Richter in jedem Einzelfall genauer darauf schauen, wo die moralische Verantwortung liegt. Hier gilt, was ich zu Anfang gesagt habe.



#1 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 09.06.2012, 13:15h
  • Ich habe die Kontrolle und trage die Verantwortung beim Sex, ist doch ganz einfach... HIV-Positiven jedoch die Schuld in die Schuhe zu schieben und zu kriminalisieren, ist das Letzte. Grenzt an Faschismus!
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#2 alexander
  • 09.06.2012, 15:29h
  • mir geht die logik, dass ein positiver, der es weiss, unbehelligt weitere menschen anstecken "darf" nicht in den kopf !
    die problematik gibt es jetzt seit 1983 bei uns. klar haben beide eine eigenverantwortung, aber wo fängt die an und wo hört sie auf ???
    es gibt etliche leutchen, die sich "bewusst" nicht auf aids testen lassen, nach dem motto : "ich will es garnicht wissen !" ( es sind natürlich gerade die "in allen ecken bumser" !)
    aber gerade wenn man häufiger wechselnde geschlechtspartner hat, gehört der test zur eigenverantwortung, also hat man je nach ergebnis, entsprechend zu handeln ! sprich den partner über seinen positiven status vorher zu informieren ! wer aber wissentlich den partner im unklaren lässt, gehört bestraft.
    es kann doch nicht sein, dass die ganze menschheit "plastiktütensex" betreiben muss, nur weil ein paar wenige "unverantwortlich" durch die gegend bumsen ???
    ich rede hier nicht von grenzfällen, z.b. durch zufällige übertragungen,durch transfusionen o.ä.! sondern die generelle testpflicht für jeden, der den partner öfter wechselt.
    ungeschützter verkehr barg auch schon vor aids immer ein grosses risiko einer ansteckung mit anderen fiesen krankheiten ! schon in den 70zigern schluckten alle "nordafrikabegeisterten", pillen gegen hepatitis vor dem urlaub, nur wussten damals die wenigsten, dass nordafrikaner im allgemeinen gegen syphillis immun sind, aber durchaus ansteckend !
    aber wie auch immer, wer eine ansteckende krankheit verschweigt und fahrlässig weitergibt, hat für mich mehr verantwortung zu tragen und auch für negative folgen aufzukommen ! das hat mit moral meiner meinung nach aber auch überhaupt nichts zu tun, das ist bewusste körperverletzung !
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#3 alexander
  • 09.06.2012, 15:47h
  • was mich immer wieder wundert, dass hepatitis C überhaupt nicht , oder selten erwähnt wird ?
    zumal sie gefährlicherals aids ist !
    ich erwähne diese krankheit deshalb, weil z.b. in berliner geschlossenen anstalten, speziell in der forensischen unterbringung, diese beiden krankheiten parallel bei allen patienten festzustellen sind ! und das schon seit mindestens 15 jahren. diese menschen haben auch ausgang, also die möglichkeit andere anzustecken. da man davon ausgehen muss, dass die menschen, weil sie unter medikamenteneinfluss stehen, weniger eigenverantwortung tragen können, sollte man sich auch hier mehr engagieren !
    ich meine nicht mit mehr sanktionen oder wegschluss, das hilft erfahrungsgemäss überhaupt nicht, denn drogen spielen hier eine genauso grosse rolle , wie im normalen knast, es ist im geschlossenen vollzug / abteilung, alles zu bekommen !
    aber da auch hier immer wieder die gelder fehlen, ist dieses problem bestenfalls zu "verwalten", aber nicht zu lösen.
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#4 eMANcipation*Anonym
  • 09.06.2012, 15:48h
  • Also wenn ein HIV+ weiß, dass er positiv ist und die Infektion eines Gesunden billigend in Kauf nimmt, gehört er bestraft und zwar mit einer Freiheitsstrafe OHNE Bewährung. Alles andere wäre nicht nachvollziehbar.

    Ich verstehe hier absolut nicht die falsche Solidarität mit HIV+. Was soll das?
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#5 Andreas RauAnonym
  • 09.06.2012, 16:51h
  • ich verstehe es auch nicht.... wenn ich mich für Safer Sex entscheide, dann unabhängig davon, ob mir der andere sagt, ob er HIV hat oder nicht. Ich gehe bei Männern, die ich nicht kenne, bei anonymen oder Gelegenheitssex einfach davon aus, dass mein Gegenüber es hat und Punkt. Wenn ich in einer solchen Situation an meinen Ansprüchen scheitere, kann ich wohl kaum den anderen dafür verantwortlich machen. Und an Ansprüchen zu scheitern - das ist normal!
    Ein Virus macht nämlich nicht auf einmal über Nacht aus einem Menschen einen rationaler denkenden und handelnden, als vorher ohne Virus.
    Unsere (Un-)Vernunft funktioniert verlässlich gleich oder eben nicht. Das ist das, was ich Lebensrisiko nenne und mit dem ich leben muss.

    Insofern stehe ich voll hinter Guido.
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#6 ArthasAnonym
  • 09.06.2012, 17:08h
  • Nun, ganz so einfach ist es nicht, da sind noch andere Faktoren die miteinbezogen werden müssen z.B. wenn zwei Schwule sich zum Sex treffen und einer der beiden Schwulen vorher getrunken und alkoholisiert ist (begrenzt schuldfähig), ist die rechtliche Situation wieder anders. Oder z.B. wenn einer noch minderjährig ist und über AIDS noch nicht Bescheid weiß. Ich denke schon das der HIV Positive hier in der größeren Pflicht steht, denn er ist ja quasi der von dem die gefahr ausgeht. AIDS ist nicht wie Krebs das jeder bekommen kann, sondern es ist ein Krankheit die man in Deutschland heutzutage haupsächlich bekommt wenn man mit seiner Sexualität ziemlich riskant und gefährlich umgeht.
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#7 Thorsten1Profil
  • 09.06.2012, 17:29hBerlin
  • Es gibt genug Fälle, wo ältere und erfahrener hiv-positive Schwule sich auf jüngere Männer, die gerade ihre ersten Gehversuche in der Szene machen, stürzen. Für solche unverantwortlichen Schwulen ist es oft genug ein besonderer Kick, einen jungen und unerfahrener Mann mit HIV zu infizieren. Solche Leute gehören klar bestraft!
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#8 daVinci6667
  • 09.06.2012, 17:56h

  • Die Verantwortung für die Gesundheit tragen immer beide, egal ob einer nun positiv ist oder nicht. Nur wenn einer dann vom fiesen Virus erwischt wird, kämpft schlussendlich doch jeder alleine mit der Krankheit! Das kann einem ja keiner abnehmen!

    Wir sind alle nur Menschen. Mal ehrlich, wenns extrem geil wird, ist halt die Gefahr beim Negativen da, wenn nicht mehr so viel Blut im Kopf sondern in anderen Körperteilen ist, dass er nicht mehr so ganz bei den Safer- Sex Regeln bleibt, deren Einhaltung er sich eigentlich vorgenommen hat. Hier muss sich der Positive bei anonymen Sex halt schon bewusst sein, dass er einen Wissensvorsprung hat. Ob er seinen Sexpartner allerdings informieren will ist seine Sache. Tut er es nicht und hält er sich auch nicht an Safer-Sex, finde ich schon dass er dafür auch verurteilt werden soll!
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#9 verantwortungAnonym
  • 09.06.2012, 18:34h
  • Beide sind füreinander und sich selbst verantwortlich, denn wenn sich ein erwachsener Mann freiwillig auf Sex ohne Gummi einlässt muss er selbst wissen was er tut. Sonst traut man ihm ja auch alles zu...

    Aber solange die Bürde der Verantwortung einizig und allein den positiven aufgedrückt wird braucht sich keiner zu wundern das die Dunkelziffer der positiven extrem hoch ist. Denn wer geht angesichts der strafandrohung schon zum test?

    Verantwortung beruht immer auf gegenseitigkeit.

    Im übrigen gibt es ein einfaches mittel: TREUE. Aber das ist ja für die meisten huschen ein Fremdwort..., die ficken lieber mit jedem der einen noch größeren als der von eben hat...

    gaylife2011.wordpress.com/2012/03/16/strafbarkeit-der-hiv-ub
    ertragung-beenden/
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#10 daVinci6667
  • 09.06.2012, 19:17h
  • Antwort auf #9 von verantwortung

  • "Im übrigen gibt es ein einfaches mittel: TREUE. Aber das ist ja für die meisten huschen ein Fremdwort..., die ficken lieber mit jedem der einen noch größeren als der von eben hat..."

    Einspruch! Stimmt nicht! Ich kenne viele Paare wie wir auch Treu sind. Wenn du in die Szene gehst sind da logisch welche die Sex suchen. Haben wir doch alle auch bis wir IHN gefunden haben, du nicht?

    Von "den meisten" kann man da nicht sprechen. Mal gehört Mann je nach Lebensabschnitt eben zu denen oder diesen.
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