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  • 17.06.2012           30      Teilen:   |

Happy Together (20)

Eine Beziehung in guten wie schlechten Tagen?

Plötzlich ist einer krank. Das schwule Paar Mitch und Cameron in der Serie "Modern Family" (Montags ab 20:15h) - Quelle: RTL Nitro
Plötzlich ist einer krank. Das schwule Paar Mitch und Cameron in der Serie "Modern Family" (Montags ab 20:15h) (Bild: RTL Nitro)

Wenn der Partner schwer erkrankt, wird die Partnerschaft schnell zur Belastungsprobe. Was kommt auf einen zu und wie geht man damit um?

Von Christian Scheuß

Plötzlich konnte er keine vernünftigen Sätze mehr artikulieren, ihm war so schwindlig, dass er sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Seine Umgebung sah er nur noch doppelt. Als die beunruhigenden Symptome nicht nachließen, kam der Notarzt. Im Krankenhaus war die Diagnose schnell gestellt: Schlaganfall. So ähnlich muss es dem Nachbarn vor etwa einem Jahr ergangen sein. Seitdem ist der Mittsechziger ein Pflegefall. Er kann wegen einer einseitigen Lähmung kaum noch laufen, ist nicht mehr in der Lage, sich mit Worten zu artikulieren, hat Schwierigkeiten beim Schlucken, ist inkontinent. Seine Frau kümmert sich um ihren Mann, der vollständig abhängig ist von der Hilfe anderer. Die Stärke dieser Frau ist bewundernswert und zugleich bekommt man ein bisschen Angst: Was, wenn der Schlag einen selbst trifft oder die Demenz schleicht sich langsam heran. Zum Pflegefall zu werden, das ist sicherlich eine der gravierendsten Veränderungen des Lebens, und sie wird auf die meisten von uns zukommen, mal eher, mal früher.

Schwerwiegend ist es für alle, auch für den gesunden Beziehungspartner, der sich nun mit der Krankheit des Anderen und dessen Folgen auseinandersetzen muss. Wie wird man mit so etwas fertig? Wie weit kann man eine Situation aushalten, in der der man den Freund / die Freundin auf Dauer daheim pflegen muss? Wann sind die Grenzen der eigenen Belastbarkeit erreicht? Diese Fragen waren in den neunziger Jahren wegen Aids besonders drängend und häufig bei schwulen Paaren. Die modernen Therapien haben an der HIV-Front für Entlastung gesorgt, doch das Lebensrisiko durch andere Krankheiten bleibt, die Fragen und Sorgen sind dabei dieselben.

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Nicht alles alleine stemmen, damit man mit der neuen Situation fertig wird

Eines ist sicher: Wenn der Partner zum Pflegefall wird, geht es nicht ohne Hilfe von außen. Familie und Freunde müssen mit anpacken, allein ist man ganz schnell mit der Situation überfordert. Ein intaktes familiäres und soziales Netzwerk ist überlebenswichtig. Auch die professionelle Hilfe durch medizinisches und Pflegepersonal gehört dazu. Zu betreuen ist aber nicht nur der Pflegebedürftige, der Angehörige benötigt psychosoziale Begleitung. Das ist etwas, was oft zu kurz kommt. Dabei ändert sich mitunter alles im Leben des Paares. Verlust an freier Zeit und Privatsphäre, an sozialen Kontakten und Perspektiven oder eigenem Wohlbefinden. Vielleicht muss sogar die Arbeit aufgegeben werden und ein finanzieller Abstieg droht.

Der pflegende Partner befindet sich auf einer emotionalen Achterbahn. Die Pflegesituation scheint unentrinnbar, das Eingeständnis der Überforderung ist von starken Schuldgefühlen begleitet, psychische Erkrankungen als Folge sind nicht selten. Auch der Pflegebedürftige muss sich ordentlich umstellen. Der Verlust der Selbständigkeit oder das Gefühl, dem Partner zur Last zu fallen, können am Selbstwertgefühl nagen. Ist es eine psychische Erkrankung ändert sich vielleicht sogar das ganze Wesen. Das Paar wird sich fremd.

Bitte jetzt nicht in Panik verfallen, sondern sich bei nächster Gelegenheit mal in Ruhe mit dem Partner zusammensetzen um über den Fall der Fälle zu reden. Und sich Gedanken machen, wie man Vorkehrungen für den worst case treffen kann. Sind Patientenverfügungen geschrieben, gibt es ein Testament? Welche Behandlungen möchte man, und welche lehnt man ab? Wer kann in der Familie und bei den Freunden aushelfen, wo erhält man professionelle Unterstützung? Sich in guten Tagen auf mögliche schlechte vorzubereiten, hilft viel.

Links zum Thema:
» Tipps zu Recht und Pflege von der DAH
» Rechts-Tipps vom LSVD
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Tags: beziehung, partnerschaft, konflikt, kommunikation, krankheit
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Reaktionen zu "Eine Beziehung in guten wie schlechten Tagen?"


 30 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
17.06.2012
17:57:56


(+1, 5 Votes)

Von Timm Johannes


"Die modernen Therapien haben an der HIV-Front für Entlastung gesorgt, doch das Lebensrisiko durch andere Krankheiten bleibt, die Fragen und Sorgen sind dabei dieselben."

--> Genauso ist es auch. Nicht HIV ist heute in Deutschland das Hauptproblem bei homosexuellen Paaren; es sind vielmehr die anderen Krankheiten, wie Schlaganfälle und sonstige Herz-/Kreislaufkrankheiten sowie insbesondere die Volksgeißel Krebs. Die meisten der heutigen schwulen und lesbsichen Menschen in Deutschland werden an Herz-/Kreislaufkrankheiten, Demenz und Krebs versterben: nicht anders als bei den heterosexuellen Deutschen. Mit HIV infizieren werden sich wohl auch weiterhin viele schwule Deutsche, aber sie werden an anderen Krankheiten versterben.

Insgesamt diesmal ein sehr wertvoller Artikel auf queer.de, der mir gut gefällt.


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#2
17.06.2012
18:03:12


(+1, 7 Votes)

Von ehemaligem User eMANcipation


Wohl dem, der da einen Partner hat und nicht von der einen, immergleichen öden Sexparty in den nächsten Darkroom huscht und dann, wenn es darauf ankommt, allein halbseitig gelähmt da hängt. Unter anderem gerade in solchen Momenten zeigt sich, wer seinen Partner unterstützt oder ihn doch schnell fallen lässt, um sich wieder den leichten, sexhaltigen Themen des Lebens zu widmen. Den Meisten in der Szene ist leider kein sich sorgender Partner vergönnt, eben auch gerade wegen der eigenen Oberflächlichkeit, die sich dann in solchen Moment rächt.

In meinem letzten Urlaub sah ich ein schwules Paar, er halbseitig gelähmt, sein Freund fuhr ihn zum Strand, fuhr ihn an der Promenade entlang, man rollte gemeinsam zum Essen, er wurde gefüttert. Ich empfand so etwas wie den Blick auf ein Paar, dass sich liebt, in guten und in schlechten Tagen. Fand ich gut.

@Queer.de Danke für den Einwurf des Themas.


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#3
17.06.2012
18:29:17


(+1, 3 Votes)

Von Heiko_LA


Na, das ist bei schwulen Paaren nicht anders als bei Heteros. Wo ist das Besondere? Interessant ist aber, dass den Artikel noch keiner komentiert hat. Sonst sind die doch schnelle polemische Kommentare Sekunden nach dem Artikel da.


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#4
17.06.2012
18:41:07


(+3, 5 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #2 von eMANcipation


Ab und an mal schneller Sex und fürsorglicher Beistand schließen sich überhaupt nicht aus.

Alles eine Frage des Zeitmanagements...

PS Danke für den nötigen Artikel an die Redaktion!


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#5
17.06.2012
19:04:18


(0, 4 Votes)

Von Enyyo
Antwort zu Kommentar #2 von eMANcipation


Waren das Lou und Andy?

Youtube-Video:


Sorry, konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. Als ziemlich kranker Single muss man Galgenhumor haben...


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#6
17.06.2012
19:26:40
Via Handy


(+9, 9 Votes)

Von JaY_LE
Aus Leipzig (Sachsen)
Mitglied seit 14.10.2010


Ein Beitrag, der momentan leider in mein Leben passt. Mein Freund und ich hatten einen schweren Sportunfall. Er ist beim inline skating auf dem Hinterkopf gefallen und wir (Freunde/Familie und ich) durchleben seit 8 Wochen einen Alptraum. Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma. Er lag zwei Wochen im Koma und wird derzeit in einer Psychiatrie behandelt. Ich bin 24 Jahre jung und ich denke kein bisschen daran ihm von der Seite zu weichen. Solche Schicksalsschläge schweißen noch mehr zusammen. Ich möchte jedem Mut machen, der auch sowas durchleben muss. Niemals aufgeben und Geduld haben! Das Leben hält viele Wunder bereit.


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#7
17.06.2012
19:54:07


(-1, 11 Votes)

Von ewige_singles


Partner, Partner, ich kann es allmählich nicht mehr hören!

Und was ist mit den Alleinstehenden, die weder Partner noch Freunde haben? Hat sich natürlich keiner Gedanken gemacht, obwohl ich mal vermute, daß es davon gar nicht mal wenige gibt. Insbesondere, wenn die Herkunftsfamilie bereits verstorben ist oder ganz woanders wohnt.

Aber die gesamte "Schwulenbewegung" (wenn man davon überhaupt sprechen kann) scheint nur am Minderheitenthema Verpartnerung, Eheöffnung interessiert zu sein anstatt die Mehrheit der Singles zu vertreten.


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#8
17.06.2012
20:08:19


(0, 6 Votes)

Von Pierre


Der gemeine Schwule wird sich in solchen Situationen ganz schnell verpissen. Ich weiß, wovon ich rede, da selbst erlitten. Die meisten Schwulen werden aber erst gar nicht in eine solche Situation kommen, da die meisten Beziehungen nach 2-3 Jahren scheitern.
Oder es ist erst gar keine Beziehung gewollt.
Aber es gibt sich doch: Die schwulen Paare, die in solchen Situationen zusammen halten.
Diese sind aber in einer absoluten Minderheit.
Zumindest bei Schwulen.


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#9
17.06.2012
20:24:08


(-1, 1 Vote)

Von ehemaligem User eMANcipation
Antwort zu Kommentar #5 von Enyyo


Nein, waren nicht die Beiden. :-)


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#10
17.06.2012
20:26:08


(+2, 4 Votes)

Von ehemaligem User eMANcipation
Antwort zu Kommentar #6 von JaY_LE


Alles Gute für Euch Beide und viel Kraft zum Durchhalten, auch wenn es mal schwierig wird.


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