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  • 19.06.2012           25      Teilen:   |
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Medienkritik

Das "homosexuelle Milieu" schlägt wieder zu in Dortmund

Im "Krimi-Milieu" heißt es hier: Alles, was sie sagen, kann und wird gegen sie verwendet werden... - Quelle: Scrennshot ruhrnachrichten.de
Im "Krimi-Milieu" heißt es hier: Alles, was sie sagen, kann und wird gegen sie verwendet werden... (Bild: Scrennshot ruhrnachrichten.de)

Tief im Westen, wo die Lokal-Redaktion verstaubt, ist es besser, wenn man nicht mehr ans "Homosexuellen-Milieu" glaubt… Christian Scheuß schreibt an die "Ruhr-Nachrichten".

Liebe "Ruhr-Nachrichten"-Redaktion!

Ein großes "Seufz", "Ach und Weh" entfährt uns da in dieser Redaktion. Da ist es wieder, das Homosexuellen-Milieu, das aus der Feder einer Kollegin aus dem "Ruhr-Nachrichten"-Milieu in einen Text gerutscht ist. Und kein Chef vom Dienst hat's gesehen. Erst im April war die Dortmunder WAZ ins Fettnäpfchen getreten, jetzt trampeln die Mitbewerber munter hinterher. Das hat man nun davon, wenn man einen "Tatort" im Ruhrgebiet dreht. Da ist ja auch noch alles Arbeitermilieu und die Sonne verstaubt…

Ach nicht? Kein Milieu mehr, keine Kumpel da, die nach der Schicht im Schacht noch'n lecker Pils und nen Korn zischen? Und den Tegtmeier gibt's auch nicht mehr? Seit wann datt denn?

So ist das mit den Klischees, die kleben an Regionen und Menschen fest, die lassen sich nur ganz schwer abschütteln. Das fiese Wort vom homosexuellen Milieu, in dem Rotlicht, Kriminalität und Abgründe immer automatisch mitschwingen, vor allem, wenn man es im Zusammenhang mit einem fiktiven Mordfall aus dem Tatort nennt: dieser diskriminierende Begriff ist noch immer in den Dortmunder Lokalredaktionen präsent.

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Strukturwandel im Revier? Bitte auch in den Lokalredaktionen...

Wenn es voll ist, laden wir das "Heteromilieu" zu Prosecco ein - Quelle: kenteegardin / flickr / cc by-sa 2.0, Montage queer
Wenn es voll ist, laden wir das "Heteromilieu" zu Prosecco ein (Bild: kenteegardin / flickr / cc by-sa 2.0, Montage queer)

Frank Laubenburg von der NRW-Landesarbeitsgemeinschaft queer der Linken bringt die Sache auf jeden Fall auf die homosexuelle Palme. Er wendet sich in einem offenen Brief direkt an die Autorin Gaby Kolle: "Der Berliner 'Tagesspiegel' bezeichnete die Wortschöpfung 'Homosexuellen-Milieu' bereits vor Jahren als 'erstes Unwort des Jahres 2005'. Wir fordern die 'Ruhr-Nachrichten' auf, ihre Wortwahl beim Schreiben kritisch zu reflektieren und auf dumpfe Ressentiments zu verzichten."

Dem schließt sich die Redaktion von queer.de an, die sich auch freuen würde, wenn die RN-Online-Redaktion zumindest noch schnell korrigierend eingreifen würde. Vor zwei Monaten hatten wir zudem in unserem Beitrag "Neulich im Dortmunder Tatort-Milieu" die Einrichtung des "Milieu-Sparschweins" angekündigt, in das wie bei der berühmten "Chauvi-Kasse" jeder einen Obulus zu entrichten hat, der bei einer "Milieu"-Formulierung erwischt wird. Liebe "Ruhr-Nachrichten", das Schweinchen steht nun bei euch…

Nachtrag, 19h: Die "Ruhr-Nachrichten" haben uns via Twitter geschrieben, dass sie die Formulierung geändert haben (nun heißt es, der "Tatort" spiele "teilweise unter Homosexuellen") und über das Thema diskutieren wollen.

Christian Scheuß, Jahrgang 1966, ist Redakteur bei queer.de und langjähriger "Fachidiot" in Sachen LGBT-Journalismus. Dass es noch viel zu tun gibt, damit queere Lebenswelten in den Medien vorurteilsfrei und den Realitäten entsprechend dargestellt werden, darauf stößt er häufig. Und reibt sich dann daran…
» Mehr Kolumnen: Message von Christian
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Tags: tatort, wdr, dortmund, homosexuellen-milieu, ruhrnachrichten
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Reaktionen zu "Das "homosexuelle Milieu" schlägt wieder zu in Dortmund"


 25 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
19.06.2012
19:13:32


(+5, 7 Votes)

Von Claudia


Ja, Sprache hat Macht. Ob Sprache von Herrschaft geprägt ist oder die sprechenden Individuen sie sich aneignen und formen - die Frage lass' ich mal dahingestellt.
Begriffe wie "das Homosexuellen-Milieu" oder auch "der bekennende Homosexuelle" gehören jedenfalls auf auf den Müll - oder ins Müll-Milieu, je nach sprachlicher Prägung.
Hier schwingt, wie auch Christian Scheuß ganz richtig sagt, immer was von Verbrechen, Rotlicht, Kriminalität mit. Wer bekennt sich denn, wenn nicht Mörder? Also weg mit so nem sprachlichen Schrott!


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#2
19.06.2012
19:24:42


(-1, 5 Votes)

Von TeacherXL
Antwort zu Kommentar #1 von Claudia


“Ob Sprache von Herrschaft geprägt ist oder die sprechenden Individuen sie sich aneignen und formen - die Frage lass' ich mal dahingestellt"

Brauchst du nicht hinstellen, lässt sich einfach beantworten:
Sowohl als auch.


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#3
19.06.2012
19:32:43


(-1, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Homosexuellenmilieu: was würde wohl Heinrich Zille dazu sagen?

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Zille


Ansonsten: guter Artikel, Christian Scheuß!


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#4
19.06.2012
20:33:44


(-2, 6 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #1 von Claudia


"Wer bekennt sich denn, wenn nicht Mörder?"

christen. atheisten. vegetarier. fleischesser. hundefreunde. katzenhasser. raucher. kiffer. manga-fans. ...

ich kann dem wort an sich nichts negatives abgewinnen, sorry.


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#5
19.06.2012
20:42:33


(+4, 6 Votes)

Von Falk


Die Schreiberlinge der Ruhr-Nachrichten entstammen wohl dem dummen Milieu.

Anders kann ich mir nicht erklären, wie immer wieder von schwulem Milieu die Rede ist.


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#6
19.06.2012
21:18:59


(+6, 6 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von fink


Bekenntnis, bekennen. - Ich höre da immer unweigerlich mit: "Ich bekenne mich schuldig" [Aspekt: Schuld]. Und denke gleichzeitig an 'bekennende Christen' [Aspekt: Weltanschauung]. Beides - Schuld wie Weltanschauung - finde ich in diesem Zusammenhang unangebracht.


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#7
19.06.2012
21:51:43


(+4, 6 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #4 von fink


Was daran nicht negativ sein soll? Negativ passt weniger, aber absurd schon eher.
Spricht man denn von "bekennenden Heterosexuellen"? Eben, das würde man sofort für absurd halten.
Und was ist denn das Gegenteil von "bekennender Homosexueller"? "Verleugnender Homosexueller"?
An sich ist das Atrribut "bekennend" schon Blödsinn, denn wenn man z.B. von prominenten Schwulen und Lesben gesprochen wird, dann weil sie eben OFFEN leben und es bereits bekannt ist. Sonst könnte man diese erst gar nicht als schwul oder lesbisch bezeichnen, oder schreibt die Presse etwa vom heimlichen, verleugnenden schwulen Promi XY?
Was soll dann die Hervorhebung?

Auf diese Weise wird die sexuelle Orientierung zur Glaubensfrage oder zum Fetisch erklärt... Gibt es dann auch den "bekennenden Afro-Amerikaner"?

Und wenn man ganz kleinlich ist - Westerwelle lebt mittlerweile offen... das Adjektiv "bekennend" hingegen impliziert ja ein öffentliches Outing à la Wowereit als "Bekenntnis". Das ist nicht ganz das gleiche...
Oder habe ich das wörtliche "Bekenntnis" von Westerwelle verpasst? Eben...

Und die nächste Absurdität ist dann wieder die Unterscheidung in "homosexuell" - "lesbisch".
Man liest "bekennender HomosexuelleR", statt "Schwuler", umgekehrt aber dauernd "bekennde Lesbe" statt "bekennde HomosexuellE"...

Ich finde diese unterschiedliche Wahrnehmung zum kotzen...
Demnächst kommt dann eine Begrüßung wie
"liebe Damen und Menschen"...


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#8
19.06.2012
22:32:19


(+1, 3 Votes)

Von chris
Aus Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 06.05.2008


Das letzte Mal war es doch derwesten.de. Dass das passiert ist kein Zufall. Wer hier im Pott lebt, der weiß, dass die Ruhrnachrichten zeitverzögert bei der WAZ abschreibt und derwesten.de gehört der WAZ Gruppe. Wer hier WR und WAZ ließt, kann am nächsten Tag den gleichen Kram nur weniger aktuell in der Ruhr Nachrichten lesen.


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#9
19.06.2012
22:39:07


(+2, 4 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Literaturhistorisch haben wir Bekennenden ja einen bekannten Vorfahren:

"Wie Augustinus später bemerkt, hat das Titelwort zwei Bedeutungen: Confessio peccati also „Schuldbekenntnis“ und Confessio fidei also „Glaubensbekenntnis“. Oftmals wird noch eine dritte Bedeutung hinein interpretiert die Confessio laudis die Lobpreisung Gottes. Confiteri bedeutet seinem Wortsinn nach zugeben, feierlich bekennen, verkünden, preisen. Ein Hinaustreten aus der Vorbehaltenheit des Inneren ins Öffentliche."

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Confessiones


Ich denke, David77 hat recht: das Attribut ist blödsinnig. Es gehört in eine Gedankenwelt, die mit der unseren nichts zu tun hat.


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#10
19.06.2012
22:39:24


(+4, 8 Votes)

Von Wörterbuch


"Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.

Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, verfügt damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so dass ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind.

Die herrschenden Gedanken sind weiter nichts, als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft."

Link zu www.marx-forum.de

„Die unmittelbare Wirklichkeit des Gedankens ist die Sprache.“

Marktwert - Wettbewerb(sfähigkeit) - Wachstum - Gewinner - Loser - ausstechen - vom Markt verdrängen - Lebens"chancen" - MEIN Kind - MEINE Familie - die Deutschen - die Griechen - die Chinesen - das (Ewig-) Weibliche - das (Ewig-) Männliche - die Schwarzen - die Weißen - das christliche Abendland - das Vaterland - die Nation - das Geschlecht - der Kulturkreis - Arbeiten für Profite der Kapitalisten - Konsumieren für Konzerne und Banken - Bomben für "Menschenrechte" (Ressourcenkontrolle)...

Wer macht weiter?


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