Ein orthodoxer Priester aus Bulgarien hat seine Anhänger aufgerufen, CSD-Teilnehmer mit Steinen zu bewerfen - nach Kritik durch Menschenrechtler erklärte die Kirche, der Priester habe lediglich die Position der Glaubensgemeinschaft gegenüber "sündhaften" Homosexuellen dargestellt, die Aussage mit den Steinen sollte dagegen nicht zu wörtlich genommen werden.
Priester Ewgeni Janakiew aus der Provinz Sliwen hatte nach einem Bericht der Tageszeitung "Standard" bereits Anfang Juni erklärt, dass sich Christen gegen die "üble Veranstaltung" mit Wurfgeschossen wehren sollten. Das sei eine "geeignete Variante" im Kampf gegen unmoralisches Verhalten. Unterstützer der Parade sollten zudem im Meer versenkt werden.
Menschenrechtsaktivisten und die CSD-Organsatoren haben die Äußerungen des Priesters scharf kritisiert und die Kirche aufgefordert, sich von Gewalt zu distanzieren. Die bulgarische Sektion der Menschenrechtsorganisation "Helsinki-Komitee" hat den Fall bereits der Staatsanwaltschaft gemeldet.
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Nicht Steinwerfer, sondern Schwule "verletzen" die Gesellschaft
Die bulgarisch-orthodoxe Kirche weigert sich allerdings, den Priester zurückzupfeifen. Der zuständige Bischof von Sliwen erklärte gegenüber der Zeitung "Monitor", dass er nicht Homosexuelle unterstützen könne, da sich die Bibel eindeutig gegen sie ausspreche. In einer Pressemitteilung erklärte die Kirche lediglich, dass Homosexualität eine sündhafte "unnatürliche Leidenschaft" sei, "die Familie und die Gesellschaft verletzt". Auf einer Kirchen-Website wurde ferner argumentiert, dass die Aussage ohnehin nicht wörtlich gemeint sei. Der Priester berufe sich lediglich auf das Matthäus-Evangelium (Kapitel 18, Vers 6: "Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist.")
Der fünfte CSD in Sofia soll am 30. Juni stattfinden. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen: So wurden die 150 Teilnehmer des ersten CSDs im Jahr 2008 von dutzenden Homo-Gegnern angegriffen, die Brandbomben und Glasflaschen warfen. 60 Hooligans wurden verhaftet (queer.de berichtete). Insbesondere rechtsextreme Organisationen und die orthodoxe Kirche fordern Jahr für Jahr ein Verbot der Parade. Ein Bischof hat Homosexuelle mit dem Teufel gleichgestellt, der die "heilige Ordnung" vernichten wolle (queer.de berichtete).
Bulgarien gehört laut Umfragen zu den homofeindlichsten EU-Ländern. 2007 gaben vier von fünf Bulgaren an, dass sie eine negative Einstellung gegenüber Schwulen und Lesben hätten (queer.de berichtete). (dk)
Kommentare:Selbst kommentieren | Bisher 20 KommentareArtikel teilen:(mehr) Klicke hier, um Buttons undähnliche Dienste von sozialen Netzwerken dauerhaft auf queer.de anzuzeigen. Dabei werden bereits bei einem Seitenbesuch auf queer.de Daten an die Dienste übertragen. Du kannst das später wieder abschalten. Mehr Infos in den AGB.Dieser Bericht ist mir etwas wert:(Info)
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Jetzt weiß ich nicht, was man tun sollte.
Folgt man dem Motto des Alten Testaments "Auge um Auge, Zahn um Zahn" müsste man den Priester ebenfalls mit Pflastersteinen bewerfen.
Oder geht man getreu dem Motto "Wenn man Dir auf rechte Wange schlägt, so halte auch die linke hin" vor und lässt sich bewerfen.
Ich wäre für die erste Variante, wenn man es als Notwehr durchgehen lassen kann.
Die vorschnelle Ost-Erweiterung der EU war nicht nur blauäugig, sondern dumm!
Man hätte erst die EU-Verfassung einführen sollen (die ja dann kurz nach der Erweiterung gescheitert ist). Und dann hätte jeder Kandidat selbst entscheiden können, ob er diese Verfassung achtet oder nicht.
Die EU hat sich mit dieser vorschnellen Erweiterung handlungsunfähig gemacht und das wird ihr noch das Genick knicken.
Schade! Eine super Idee gescheitert an dummen Politikern. Wie so oft...
Von alexander Profil nur für angemeldete User sichtbar
diese "religionsdiktaturen" können nur gesetzlich beendet werden ! das zeigen die erfahrungen von schwulen mit einer versuchten annäherung der letzten jahrzehnte.
also durchgesetzte trennung von staat und kirche, durch strafandrohung bei zuwiderhandlung !
die jetzige rumeierei der regierungen, die wissentlich gegen bestehende gesetze verstossen, ist nicht mehr länger zu verantworten !!!
selbst wenn es in erster linie nur die konfessionslosen bürger betreffen sollte, wäre schon ein grosser sprung geschafft.
zitat : [die Aussage mit den Steinen sollte dagegen nicht zu wörtlich genommen werden.] ???
allein der tatbestand, dass hier (wie so oft) bewusst dreist gelogen wird, in dem wissen, das es jeder sowieso weiss, ist derartig unverschämt und an überheblichkeit nicht mehr zu überbieten !
aber in unserer bunten republik ist des pudels kern auch immer noch "unterwegs"!!!
hier läuft die sache nur unterschwelliger ab, oder hat unsere bundesmutti auch nur einmal stellung bezogen zu der problematik von schwulen und lesben ??? nach 2 legislaturperioden, wären doch mal ein paar magere worte fällig, für immerhin 10 % der bevölkerung ?
Von herve64 Profil nur für angemeldete User sichtbar
Also, wenn die Christen ihren Glauben wirklich Ernst nehmen, dann müssten sie diese Aufforderung des besagten Geistlichen als Blasphemie ansehen. Das hat nichts mehr mit Nächstenliebe oder sonst etwas zu tun, das ist einfach krankhafter Hass, der durch nichts zu rechtfertigen ist.
Bleibt zu hoffen, dass die Strafanzeigen Früchte tragen. So etwas gehört einfach abgemahnt, denn das ist ein Mordaufruf.