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  • 21.06.2012           26      Teilen:   |

Kleine Anfrage

Bundesregierung schickt Homo-Jugendliche zur Schwangerenberatung

Junge, geh zur Schwangerschaftsberatung! - Quelle: danielfoster437 / flickr / cc by-sa 2.0
Junge, geh zur Schwangerschaftsberatung! (Bild: danielfoster437 / flickr / cc by-sa 2.0)

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage rechtfertigt sich die Bundesregierung dafür, dass sie eine vor sieben Jahren beschlossene Bestandsaufnahme zur Situation von schwulen und lesbischen Jugendlichen noch nicht begonnen hat.

Von Dennis Klein

Die Grünen wollten in der vor zwei Wochen gestellten Kleinen Anfrage wissen, warum Schwarz-Gelb die am 16. Juni 2005 vom Bundestag beschlossene Durchführung einer Studie zur Situation homosexueller Jugendlicher noch nicht angegangen ist. Der Antrag war damals von Rot-Grün kurz vor dem Ende der Schröder-Regierung eingereicht und beschlossen worden. Er trug den Titel "Schwule und lesbische Jugendliche - Mittendrin statt außen vor".

In der Antwort, die noch nicht online vorliegt, zeigt die Regierung Unverständnis über Kritik aus der Opposition: Insgesamt gebe es "eine Vielzahl von Informationen [...], um die Situation junger Menschen mit sich entwickelnder gleichgeschlechtlicher sexueller Neigung jugendpolitisch zu bewerten." Man habe auch die Bestandsaufnahme nicht "abgelehnt", sondern sei dabei, "weitere Untersuchungen in Auftrag [zu] geben". So sei geplant, dass das Deutsche Jugendinstitut im Herbst eine kleine qualitative Pilotstudie durchführt. Die Regierung macht auch "erhebliche methodische Probleme" für die Verzögerung verantwortlich, da junge Homosexuelle "nur schwer 'sichtbar'" seien. Erst nach der Pilotstudie könne man wissen, "wie homosexuelle junge Menschen möglichst während des Coming-Out-Prozesses angesprochen werden können."

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Bundesregierung sieht keine Probleme

Gegenwärtig sei die Lage für schwule und lesbische Jugendliche gut, argumentiert die Bundesregierung, da das Grundgesetz Freiheiten "für jedermann, also auch für homosexuelle Jugendliche, gewährleistet". Außerdem gebe es für junge Schwule und Lesben "eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten", die diese nur abrufen müssten. Als erste Anlaufstelle empfiehlt Schwarz-Gelb das "umfangreiche Netzwerk an Schwangerschaftsberatungsstellen", die auch Sexualaufklärung betreiben würden. Ansonsten nennt die Regierung das Jugendnetzwerk Lambda e.V., die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sowie deren Internetangebot loveline.de als Informationsquellen für die Kleinen.

Der Abgeordnete Ulrich Schneider (Grüne) nennt die Antwort der Bundesregierung "unfassbar" - Quelle:
Der Abgeordnete Ulrich Schneider (Grüne) nennt die Antwort der Bundesregierung "unfassbar"

Für die Grünen zeugt die Antwort der Bundesregierung "von einem absoluten Unverständnis der Bedürfnisse lesbisch-schwuler Jugendlicher", wie der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Ulrich Schneider erklärte. Es sei "unfassbar", dass Berlin allen Ernstes jungen Lesben und Schwulen den Ratschlag gebe, für eine Sexualaufklärung zur Schwangerschaftsberatung zu gehen. Außerdem kritisierte der 39-Jährige, dass die Merkel-Regierung sieben Jahre nach dem Bundestagsbeschluss zur Durchführung einer groß angelegten Studie auf Nachfrage noch keinen konkreten Zeitplan vorlegen könnte. "Die Bundesregierung muss die spezifischen Diskriminierungen lesbischer und schwuler Jugendlicher endlich untersuchen lassen. Nur so werden sie auch von einer breiten Öffentlichkeit anerkannt und wahrgenommen", so Schneider.

Mehrere internationale Studien haben bereits festgestellt, dass homosexuelle Jugendliche mehr Hindernisse überwinden müssen als heterosexuelle. So kam eine US-Studie zum Ergebnis, dass junge Schwule und Lesben viel unglücklicher seien als junge Heteros (queer.de berichtete). Gründe seien Diskriminierung und Mobbing in der Schule. Die Länder Berlin und Nordrhein-Westfalen versuchen daher mit einem Aktionsplan gegen Homophobie die Lage für junge Schwule und Lesben zu verbessern.

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Reaktionen zu "Bundesregierung schickt Homo-Jugendliche zur Schwangerenberatung"


 26 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
21.06.2012
14:39:54


(+9, 11 Votes)

Von Suizid


Reaktionäre, also in ihrem Denken und Handeln rückwärtsgerichtete, Kräfte (CDU, CSU, FDP) interessieren sich einen Dreck dafür, ob schwule und lesbische Jugendliche in diesem Land angstfrei und selbstbestimmt leben können.

Damit sind CDU, CSU, FDP noch weit rückschrittlicher, als Konservative beispielsweise in Großbritannien, wo ein konservativer Premierminister David Cameron immerhin einen eigenen YouTube Clip ins Netz stellte, der schwulen und lesbischen Jugendlichen, die z.B. wegen Mobbing in der Schule verzweifelt sind, verspricht "It Get's Better" (es wird besser).

Neben David Cameron hat das auch Barack Obama gemacht. Erwartet so etwas aber ernsthaft irgend jemand von der hinterwäldlerisch denkenden Pastorentochter und ehemaligen FDJ-Propagandasprecherin Angela Merkel?

Die Alte gehört endlich abgewählt und in die (Mottenkiste) der Republik-Historie gepackt.


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#2
21.06.2012
15:49:27


(+6, 8 Votes)

Von godddamn liberal
Antwort zu Kommentar #1 von Suizid


Für einige Klerikalinskis in der Union ist jeder schwul-lesbische Jugend-Suizid anscheinend ein klammheimlicher Grund zur Freude ('er hat sich selbst gerichtet'), für viele FDPler gilt vielleicht auch hier das Prinzip des 'Survival of the fittest'. Wer sich schnell aus der Bahn oder gar aus dem Leben werfen lässt, ist auch nicht marktkonform.


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#3
21.06.2012
19:14:54


(-2, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Komisch, daß die Kritik ausgerechnet einmal nicht von Volker Beck kommt! Auf jeden Fall macht Herr Schneider auf mich einen sympathischen Eindruck und seine Kritik ist berechtigt!

Link zu www.ulrich-schneider.de

Bundesregierung: Setzen, Sechs!


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#4
21.06.2012
19:36:56


(+6, 6 Votes)

Von sanscapote
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von FoXXXyness


Die Grünen waren von Anfang an für die Gleichstellung.

Ich finde Herrn Schneiders HP sympathisch gestaltet.

Sollte die Bundesregierung in Richtung Gleichstellung umschwenken, dann nur aus politischem Kalkuel wegen des Wahlausganges.

Freunde lasst euch nicht taeuschen.


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#5
21.06.2012
19:40:34


(+1, 3 Votes)

Von alexander
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von godddamn liberal


[Wer sich schnell aus der Bahn oder gar aus dem Leben werfen lässt, ist auch nicht marktkonform.]

= und auch kein konkurrent !?


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#6
21.06.2012
19:45:50


(0, 6 Votes)

Von Gayreporter


Das heißt auch zu Zeiten der Großen Koalition ist nichts geschehen... Hallo Genossen, wie verlogen seid Ihr?


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#7
21.06.2012
20:07:22


(+1, 3 Votes)

Von alexander
Profil nur für angemeldete User sichtbar


passt doch alles wunderbar :

[Von gniwerj
Aus dortmund (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 08.03.2010

Nun. Die Rentner sind ja irgendwann nicht mehr da]
-----------------------------------------------------------
meint er zu britischen verhältnissen ?

[Situation von schwulen und lesbischen Jugendlichen]..........

....ist für die 2005 betroffenen auch nicht mehr da !
die gehören inzwischen schon fast zum gammelfleisch in der szene !

man verzeihe mir bitte meinen sarkasmus, aber über unsere "religionsabhängigen, süchtigen politiker" kann nur noch verzweifeln !

alles und jedes, nur mittel zum zweck !
denn offenbar muss hier, mit immer neuen "studien" das rad neu erfunden werden ???

in anderen ländern hätte man kohl's elefantenhaus (kanzleramt) schon mit inhalt gesprengt ! ist ja schliesslich volkseigentum !

warten wie ab, der übernächsten generation von "jungen schwulen und lesben" werden dann handzettel in die hand gedrückt, mit erklärung der geschlechtsteile, nach einer untersuchung bei "pro familia"!
und wenn sie ganz grosses glück haben, dürfen sie dann noch an einer führung durch das MERKELLEUM teilnehmen !?


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#8
21.06.2012
20:32:56


(+2, 4 Votes)

Von wanderer LE


Das Grundgesetz, ja Demokratie überhaupt sind typischerweise NICHT Richtschnur jugendlichen Verhaltens. Es ist völliger Quatsch, auf verbriefte Rechte - die man als Erwachsener üblicherweise erst einklagen muß, sogar GEGEN den Staat ! - zu verweisen, um eine angeblich gute Situation für schwule / lesbische Jugendliche zu beweisen. Die brauchen "ganz normal andere" Pädagogen überall an jeder Schule, die sich dort nicht tarnen müssen, zur Orientierung als Modell und Vorbild in vielen nie perfekten Varianten, auch als Nachbarn, Trainer, Pfarrer, ... Und dafür stehen die öffentlichen und kirchlichen Dienstherren in der Pflicht, man muß sie zwingen wenn sie nicht wollen.


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#9
21.06.2012
20:43:25


(-2, 6 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #7 von alexander


Link zu www.jungewelt.de

Merkwürdiges gibt aber es auch von 'Links'.

Etwa, wenn 'Links' die Linkspertei nicht links genug ist.

Und wenn man zwar zurecht die Sexualpolitik von Frau Kollontai lobt und Adenauer verdammt, aber unterschlägt , dass zu Zeiten Adenauers längst eine genauso harte stalinistische Strafverfolgung galt.

Und wenn man die linke Kritik an der orthodox-zaristischen Restauration unter Putin als 'antirussisch' brandmarkt, obwohl sie ja eher das russische Volk vor der Knute schützen will (wozu auch Lesben und Schwule gehören - die sind ja hoffentlich keine dekadenten Volksfeinde,oder?).

Gut, der 'Man', der da schreibt, ist immer nur ein ganz bestimmter Mann. Ober muss man bei der 'Jungen Welt' immer nur den ranlassen?


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#10
21.06.2012
20:45:36


(+5, 7 Votes)

Von Yannick


Die Verlogenheit und Scheinheiligkeit der schwarz-gelben Gurkentruppe kennt wirklich keine Grenzen. Und wie die uns dann noch ins Gesicht rein lügen und meinen, uns verarschen zu können.

Gerade die Situation von schwuler/lesbischer Jugendlicher ist angesichts Mobbing, Gewalt und Selbstmordgefahr wichtiger denn je. Dass Union und FDP dennoch diese von SPD und Grünen damals beschlossene Studie verweigern ist ein Skandal.

Die sehen Schwule und Lesben wohl gerne seelisch und körperlich ruiniert oder noch besser: tot.

Ich verstehe nicht, wie noch Schwule und Lesben CDU, CSU und FDP wählen können.


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