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  • 24.06.2012           43      Teilen:   |

CSD Berlin 2012: Arm, aber sexy - und politisch

"Wir können alles. Außer Flughafen." Einige CSD-Teilnehmer griffen aktuelle Themen auf, so wurde auch die Schlecker-Pleite von Männern im Kittel-Fummel kritisiert
"Wir können alles. Außer Flughafen." Einige CSD-Teilnehmer griffen aktuelle Themen auf, so wurde auch die Schlecker-Pleite von Männern im Kittel-Fummel kritisiert

Über 700.000 Menschen kamen zu einem Pride in die Hauptstadt, der deutlich politischer war als in den Vorjahren. So errichtete eine Russengruppe einen "Checkpoint Wladimir".

Von Norbert Blech

Über 700.000 Menschen haben am Samstag in Berlin den 34. Christopher Street Day der Hauptstadt gefeiert. Eröffnet wurde die Parade, die in diesem Jahr in Kreuzberg startete, von Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er wies darauf hin, dass Schwule und Lesben in Deutschland immer noch diskriminiert und oft Opfer von Gewalt werden.

Auch die Botschafter der USA, von Großbritannien und den Niederlanden waren zur Eröffnung gekommen, ihre Länder mit Wagen vertreten, von denen insgesamt 42 durch Berlin zogen. "Berlin ist offen, tolerant und vielfältig", sagte der britische Botschafter in Berlin, Simon McDonald. Wie seine Amtskollegen betonte er aber, dass viele Staaten noch nicht so weit sind und Hilfe bedürften.

Der niederländische Botschafter Frank Mollen rief etwa in Erinnerung, dass weltweit in 76 Ländern Homosexualität strafbar ist und in sieben Ländern dafür die Todesstrafe droht. Politiker der deutschen Opposition, darunter Volker Beck (Grüne) und Petra Pau (Linke) erinnerten zugleich daran, dass auch in in der Heimat der Gesetzgeber hinterherhinkt.

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Checkpoint Wladimir an der russischen Botschaft

Protest gegen homophobe Gesetze in Russland: Putin und Medwedew als schwules Paar
Protest gegen homophobe Gesetze in Russland: Putin und Medwedew als schwules Paar

Am nachhaltigsten in Erinnerung bleibt vielleicht der Protest einer Gruppe von Deutschen mit russischen Wurzeln. Quarteera war nicht nur erstmals mit einem Wagen vertreten, sondern errichtete in der Nähe der russischen Botschaft einen "Checkpoint Wladimir", durch den die Parade ziehen musste. Zwei große Schilder gab es dazu: Eine von Pierre et Gilles inspirierte Montage, die Wladimir Putin und Dmitri Medwedew als Paar zeigt.

Und das von der Wirklichkeit inspirierte Verbotschild: "Sie betreten den russischen Sektor. Keine Homo-Propaganda! Keine freie Meinungsäußerung!" Ein Protest gegen frisch erlassene Gesetze wie in St Petersburg, die "Werbung" für Homosexualität unter Strafe stellen. Von dort und aus anderen Regionen waren Aktivisten aber auch Privatpersonen angereist. Manche, um einfach nur "verbotenen" Spaß zu haben, den die Heimat nicht bietet, andere auch, um sich zu vernetzen und bei einem Treffen mit LSVD-Aktivisten Anregungen zu politischer wie sozialer Arbeit zu bekommen.

Auch Nikolai Baew war dabei, der ehemalige "GayRussia"-Aktivist durfte wie einige andere Russen von der CSD-Hauptbühne sprechen, eine weitere Kundgebung der Russen in Botschaftsnähe zog rund hundert Interessierte an. Auf die seit Jahrem anhaltende Kritik, der Berliner CSD sei zu unpolitisch, hatten die Veranstalter oft geantwortet, jeder könne sich bei der Parade politisch einbringen - die Jungs und Mädels rund um Quarteera haben da ein Paradebeispiel abgeliefert, das es auch in viele Medienberichte schaffte.

Ebenso beliebt bei den Kollegen der Hetero-Medien war der Fall einer hochschwangeren Berlinerin, die am Rande der CSD-Parade ihr Kind zur Welt bringen musste. Der schwul-lesbische Umzug blockte den Wagen ihres Mannes auf dem Weg zum Krankenhaus.

Gedenken an den schwulen Wissenschaftler Alan Turing

Auch ein bisschen Karneval an der Spree: Extravagante Fummel und Outfits durften natürlich nicht fehlen
Auch ein bisschen Karneval an der Spree: Extravagante Fummel und Outfits durften natürlich nicht fehlen

Der CSD selbst stand unter dem Motto "Wissen schafft Akzeptanz" - der Wagen der Briten erinnerte dann auch mit einem riesigen Konterfei an Alan Turing. Rund 20 Fußgruppen waren bei der Parade dabei: Ein paar Frauen meinten auf Schildern "Feminismus ist sexy", anderen trugen Transparente mit der Aufschrift "Poppers statt Papst".

Queeramnesty wies auf die Verfolgung von Schwulen und Lesben in Ländern wie Mauretanien oder Kamerun hin, die Grünen forderten (vermutlich) mehr queere Studien: "Unter den Talaren 1000 queere Fragen". Andere Teilnehmer lobten Regenbogenfamilien oder kritisierten die Gema für ihre Tarifreform, die auch Homo-Clubs das Leben schwer machen würde.

Bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor kritisierten die CSD-Veranstalter erneut das Bezirksamt Mitte, das in diesem Jahr mit verschleppten Genehmigungen, immer neuen Auflagen und höheren Gebühren die Organisation von Parade und Straßenfest erschwerte. Um eine Deckungslücke von 12.000 Euro zu stopfen, wurden unter den Teilnehmern - wie bereits beim CSD-Empfang "Wings of Luxury" - Spenden gesammelt
(queer.de berichtete).

Vor dem Brandenburger Tor trat am Abend unter anderem Conchita Wurst auf. Einige Besucher des CSDs hatten sich da längst zur Oranienstraße aufgemacht, zum alternativen Transgenialen CSD in Kreuzberg. Dort ging es gar nicht so anders zu, nur mit etwas alternativerer Musik, Jute statt Abercrombie und ein wenig Kapitalismuskritik. So hielt ein Teilnehmer ein Schild hoch mit den Worten "Analverkehr statt Kapitalverkehr" - und tippte nebenbei auf seinem iPhone rum.

Wochen-Umfrage: Auf CSDs wird Gleichberechtigung gefordert: Welche Forderung an deutsche Politiker ist für dich die wichtigste? (Ergebnis)

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CSD Berlin 2012

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Reaktionen zu "CSD Berlin 2012: Arm, aber sexy - und politisch"


 43 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
24.06.2012
13:12:32


(+6, 10 Votes)

Von Lars3110
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich bin zu Tränen gerührt.
Die Finanzierungslücke kam wohl eher daher, dass mit kaum 40 Wagen ein Großteil der Einnahmen der Vorjahre fehlte.

Und die fehlenden Wagen stammten größtenteils aus der Berliner Community selbst, die fernblieben, da man auf einer Strecke wie dieser, die aus leeren Büro- und Hinterhäusern bestand, kaum Sponsoren findet, um die Kosten für einen Wagen, die ganz leicht bei 4000-5000 Euro liegen können, decken zu können.

Kann gut sein, dass das Bezirksamt Mitte schlecht gearbeitet hat, aber die Hauptschuld muss man ganz einfach dem CSD e.V. anlasten. Das war alles so stümperhaft, so ärgerlich und es waren nicht nur Kleinigkeiten, die mir gestern den Tag versaut haben.

Nur ein paar Beispiele:
Das Homomahnmal welches an der Strecke lag, war kaum zu erreichen, weil man durch 2 Absperrungen durch musste. Das war ein Verhindern von Gedenken.

Die Aktion mit der russischen Botschaft mag zwar auch ergreifend gewesen sein, doch leider hat ein Großteil des Zuges NICHTS mitbekommen. Ich bin auch extra noch mal zur Botschaft gegangen (so gegen 17 Uhr) und fand dort gähnende Leere. Keine Demonstration, keine Mahnwache, kein Infostand oder ähnliches.
Dafür, dass die Organisatoren gerade den Streckenteil mit der russischen Botschaft so betont haben, war dies sehr armselig.

Die Reden auf der Bühne hat auch keiner mitbekommen, weil schlichtweg ab dem 2. Screen kein Ton übertragen wurde. Man wollte wohl das Fußballfest nicht mit Politik stören. Dass dann unglaublich viele Leute auch noch Wowereit ausgepfiffen haben, war dann noch so eine Begleiterscheinung, die mich sprachlos gemacht hat.

Die massive Polizeipräsenz in voller Kampfmontur und grimmigen Gesichtern habe ich so auf dem Berliner CSD auch noch nicht gesehen.


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#2
24.06.2012
13:12:56


(+3, 7 Votes)

Von marc33ffm
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Mir sind die grossen CSDs immer noch zu viel Pop und Kommerz und zu wenig politisch.


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#3
24.06.2012
13:33:10


(-3, 7 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Der CSD Wien aus Sicht der katholischen Kirche:

Link:
de.gloria.tv/?media=301724


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#4
24.06.2012
14:08:22


(+1, 11 Votes)

Von gefunden


B wie bergen (norwegen)

B wie bilder (scrollen)

Link:
out-traveler.ru/bergen-2012/


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#5
24.06.2012
14:40:49


(+5, 9 Votes)

Von Opium


Die Berichterstattung der "Hetero"- Medien wird immer bizarrer.
Männer werden fast nur als Drag Queens oder in Extrem- Fetischkliedung gezeigt und damit jedes Klischee bedient, während bei den Lesben das genaue Gegenteil stattfindet: Da werden Frauen abgelichtet die ihre Titten in die Kamera halten.

Was zählt ist entweder Weiblichkeit oder mögllischst bizarr auszusehen um mediale Aufmerksamkeit zu erregen.
Es ist sehr traurig und auch paradox das die CSD Teilnehmer das alles mit Vorliebe mitmachen anstatt für mehr Vilefalt und Sichtbarkeit natürlich- männlicher Erotik zu sorgen.


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#6
24.06.2012
14:48:05


(-2, 12 Votes)

Von Timm Johannes


So mein Lob geht diesmal an die Fahrer der Wagen.

Finde ich gut, wenn man/frau diese Aufgabe übernimmt. Solche Leute, die dort nüchtern bleiben und den Überblick behalten, sind mir sowieso viel lieber, als unsere Tratschtanten auf dem Bild, die den CSD mit anderen Themen (Flughafenbau) überfluten ("was soll das: es geht um homopolitische Themen auf den CSDs und nicht um Schlecker oder den Flughafen").


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#7
24.06.2012
16:52:10


(+7, 7 Votes)

Von ehemaligem User ererer


Ich furchte, fur das nachste Jahr sollten die CSD Veranstalter auch diese Adresse in Berlin merken: Charitestrasse 9, Bottschaft der Republik Litauen.- Bei uns ist schon sogar ein Referendum uber 'Homo-Propaganda' seit vergangener Woche im politischen Gesprach.


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#8
24.06.2012
17:14:18


(+3, 7 Votes)

Von danielo
Antwort zu Kommentar #7 von ererer


Nachdem Nazis und Kriegsverbrecher zu Nationalhelden und Unterrichtsmaterial wurden, geht es weiter mit der Agenda?


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#9
24.06.2012
17:25:46


(-2, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Aktion von Quarteera ist super! Schonungslos wird darauf eingegangen, was sich in Rußland zur Zeit abspielt!


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#10
24.06.2012
18:13:48


(+3, 5 Votes)

Von Mitch
Aus Berlin
Mitglied seit 21.06.2010
Antwort zu Kommentar #1 von Lars3110


Eigentlich wollte ich ja auch einen Kommentar zum diesjährigen CSD schreiben, aber Lars hat genau auch meine Meinung und Stimmung nach diesem Fail auf den Punkt gebracht, so dass ich nur noch sagen kann: 100% Zustimmung!


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