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  • 26.06.2012           35      Teilen:   |

Intersexualität

Experten: Diskriminierung des dritten Geschlechts beenden

Experten und Vertreter von Selbsthilfevereinen fordern mehr Rechte für Intersexuelle - Quelle: Norbert Blech
Experten und Vertreter von Selbsthilfevereinen fordern mehr Rechte für Intersexuelle (Bild: Norbert Blech)

In einer Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie haben Experten am Montagnachmittag mehr Selbstbestimmungsrecht für Intersexuelle gefordert und erklärt, dass Intersexualität keine Krankheit sei.

Von Carsten Weidemann

Operationen zur Geschlechtsfestlegung bei intersexuellen Kindern stellen einen Verstoß gegen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit dar und sollen zukünftig unterbunden werden. Das war das einhellige Votum der öffentlichen Anhörung im Familienausschuss. Der Ausschuss hatte medizinische und juristische Experten sowie Vertreter von Selbsthilfevereinen geladen, um mit ihnen über die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zum Thema Intersexualität zu debattieren.

Der aus 26 Mitgliedern bestehende Ethikrat hatte im Februar angeregt, Intersexuelle vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierung zu schützen und einen Entschädigungsfonds für bereits erlittenes Unrecht einzuführen (queer.de berichtete). Der Rat beklagt unter anderem, dass Ärzte bei Neugeborenen mit nicht klarer Geschlechtszuordnung - etwa wenn beide Geschlechtsorgane ausgebildet sind - noch heute per Operation eine teils willkürliche Entscheidung über das Geschlecht des Kindes treffen. Viele Intersexuelle leiden oft ein Leben lang nach einer solchen Entscheidung.

Zur Diskussion stand zudem ein Antrag der grünen Fraktion, in dem ein verbesserter Schutz der Grundrechte intersexueller Menschen eingefordert wird. Einigkeit herrschte zwischen den Experten auch in dem Urteil, dass Intersexualität keine Krankheit darstelle. Die Experten folgten weitestgehend der Stellungnahme des Ethikrates.

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"Körperliche Unversehrtheit" ist ein Menschenrecht

Die Rechtswissenschaftlerin Konstanze Plett von der Uni Bremen führte an, dass die unteilbaren Menschenrechte, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert worden seien, ab der Geburt Geltung hätten. Zu diesen Menschenrechten gehöre unzweifelhaft die körperliche Unversehrtheit. Ein fremdbestimmter körperlicher Eingriff diesen Ausmaßes sei deshalb nicht hinzunehmen. Lediglich wenn es um die Frage von Leben oder Tod gehe, sei dies statthaft. Erst wenn ein Kind sich in dieser Frage unzweifelhaft selbst äußern könne, dürfe eine Entscheidung gefällt werden. Und es müsse geprüft werden, dass die Entscheidung des Kindes für das eine oder andere Geschlecht ohne Beeinflussung von außen, etwa durch die Eltern, getroffen worden sei. Dies könne beispielsweise durch ein Familiengericht geschehen.

Lucie Veith, Vorsitzende des Vereins Intersexuelle Menschen aus Neu-Wulmstorf, schloss sich diesem Plädoyer an: Weder Eltern, Ärzte, Psychologen noch ein Parlament hätten das Recht, das Geschlecht eines Menschen zwangsweise festlagen zu lassen. Jörg Woweries, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, führte an, dass es keinen medizinischen Beweis dafür gebe, dass eine Operation zur Geschlechtsfestlegung bei Kleinkindern ungefährlicher oder erfolgversprechender sei als bei einem Erwachsenen. In jedem Fall seien operative Eingriffe mit einem "hohen Risiko" behaftet und stellten einen tiefen Eingriff in die Persönlichkeit eines Menschen dar. In jedem Fall müsse vor jeder Operation eine neutrale Beratung stattfinden.

Gesellschaft für drittes Geschlecht sensibilisieren

Für deutlich verbesserte Beratungsangebote für die Eltern intersexueller Kinder sprach sich Julia Marie Kriegler von der Elterngruppe der XY-Frauen aus. Sie berichtete dem Ausschuss von ihren eigenen Erfahrungen mit einem nunmehr sechsjährigen intersexuellen Kind. Eltern seien nach der Geburt mit einer solchen Situation völlig überfordert. Vor allem dürften sie jedoch nicht von Ärzten und Behörden zu einer schnellen Entscheidung gedrängt werden. Die Gesellschaft müsse erst langsam lernen, dass es neben den beiden "klassischen" Geschlechtern auch ein drittes Geschlecht gebe.

Einmütig stellten die Experten zudem fest, dass das deutsche Personenstandsrecht nicht den Bedürfnissen von intersexuellen Menschen Rechnung trägt. Michael Wunder von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg und Mitglied im Deutschen Ethikrat sprach sich dafür aus, neben den Eintragungen "männlich" und "weiblich" auch die Eintragung "anderes" zu ermöglichen. Woweries sprach sich dafür aus, auf eine Geschlechtsfestlegung im Personenstandsrecht bis zur Volljährigkeit ganz zu verzichten.

Der Rechtswissenschaftler Tobias Helms von der Universität Marburg wies jedoch darauf hin, dass Änderungen im deutschen Recht auch zu Problemen im internationalen Rechtsverkehr führen könnten. So müssten deutsche Behörden und Gerichte auf die in Deutschland lebenden Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit auch weiterhin das ausländische Recht anwenden, das Angaben zum Geschlecht vorsieht. Umgekehrt könnten deutsche Staatsangehörige in familienrechtlichen Angelegenheiten Probleme im Ausland bekommen, wenn ihre Geschlechtszugehörigkeit im Personenstandsregister nicht festgelegt sei. Diesem Einwand widersprach Konstanze Plett. Sie verwies darauf, dass Deutschland auch die eingetragenen Lebenspartnerschaften für Homosexuelle ermöglicht habe. In vielen ausländischen Staaten sei dies bis heute nicht vorgesehen.

Mehr zum Thema:
» Australien führt drittes Geschlecht in Reisepässen ein (15.09.11)
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Reaktionen zu "Experten: Diskriminierung des dritten Geschlechts beenden"


 35 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
26.06.2012
09:16:10


(+7, 11 Votes)

Von bissl off


" Zu diesen Menschenrechte gehöre unzweifelhaft die körperliche Unversehrtheit."

Gericht stellt religiöse Beschneidung unter Strafe

Link zu www.ftd.de


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#2
26.06.2012
09:33:49


(+7, 7 Votes)

Von sanscapote
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Dazu gehoert die Unversehrtheit jeglicher Sexualitaet!


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#3
26.06.2012
11:09:55


(+4, 6 Votes)

Von Enyyo
Antwort zu Kommentar #1 von bissl off


Danke für den Link und ein Hoch auf dieses mutige Kölner Gericht!

Bin gespannt, wie lange es dauert, bis die pervers-brutalen Alttestamentler aus dem nahen Osten wegen Einschränkung der Religionsfreiheit dagegen angehen...


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#4
26.06.2012
11:19:17


(+5, 7 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #1 von bissl off


Exzellent! Die willkürliche genitale Verstümmelung von Menschen - völlig egal ob weiblich, männlich oder drittes Geschlecht - muss endlich und für alle Zeiten aufhören!

Youtube-Video:


Ich habe nur ein Bedenken: Wenn die Beschneidung von nicht-einwilligungsfähigen Menschen verboten wird, werden dann nicht die radikalen Fanatiker auch in diesem Lande wieder selbst zur Glasscherbe oder zum Küchenmesser greifen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich verachte diese menschenverachtende Praxis zutiefst.

Ich gehe davon aus, dass diese Sache letztendlich vor dem Bundesverfassungsgericht landen dürfte, bevor ein Gesetz daraus wird. Gut so! Der öffentliche Dialog muss diese Angelegenheit endlich aufgreifen. Genauso wie die Anerkennung des dritten Geschlecht mit der durch das Grundgesetz garantierten Unantastbarkeit der menschlichen Würde!


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#5
26.06.2012
11:22:31


(-7, 11 Votes)

Von Radikalatheist


Die Initiative finde ich persönlich gut. Aber durch die Anerkennung des dritten Geschlechts darf es in keinem Falle zu einer Beleidigung der islamischen Religion kommen. Ich bitte doch, dass man Rücksicht drauf nimmt.


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#6
26.06.2012
11:33:27


(+3, 5 Votes)

Von kirchenfeindlich
Antwort zu Kommentar #5 von Radikalatheist


Wer in Deutschland hat festgelegt, dass die islamische Religion gesetzlich verankert ist?

Ist sie nicht, meines Wissens!


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#7
26.06.2012
11:48:13


(+8, 14 Votes)

Von Dema Goge
Antwort zu Kommentar #5 von Radikalatheist


Natürlich wird die Menschheit ewiglich der Klitoris, der zur Zeit prominentesten Breivik-Versteherin, gedenken.

"Die Beschneidung der Frau findet sich traditionell bei einigen Ethnien der Aborigines, der australischen Ureinwohner. Ähnlich der bei Männern durchgeführten Subinzision fand die Operation im Rahmen von Initiationsriten statt."

Die Aborigines sind die Ureinwohner Australiens. Sie besiedelten vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren den Kontinent. Aborigines sind kein einheitliches Volk, sondern bestehen aus Stämmen oder Clans mit oft höchst unterschiedlichen Gebräuchen und Sprachen.


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#8
26.06.2012
12:00:17


(+8, 10 Votes)
 
#9
26.06.2012
12:14:24


(+2, 6 Votes)

Von Enyyo


Ausser dem Islam gibt es noch eine brutal-perverse Religion aus dem nahen Osten, die ihre männlichen Nachkommen verstümmelt, weil das angeblich seit ca. 4000 Jahren den "Bund mit Gott" ausmacht...


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#10
26.06.2012
12:23:46


(+2, 8 Votes)

Von Adab Sürdüm
Antwort zu Kommentar #9 von Enyyo


Was du wolle?


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