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Gad Beck (1923-2012)

Am Sonntag ist Gad Beck im Alter von 88 Jahren in einem Berliner Seniorenheim gestorben. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs war der schwule Berliner Leiter einer jüdischen Widerstandsgruppe.

Gad Beck wurde 1923 in eine jüdische Familie in Berlin geboren und erlebte als Junge die Machtübernahme der Nazis und die anschließende Verfolgung. Er leitete in den letzten Kriegsjahren die jüdische Gruppe "Chug Chaluzi" (Kreis der Pioniere), die untergetauchten Juden insbesondere mit Lebensmitteln unterstützte - unter anderen auch den späteren Showmaster Hans Rosenthal. 1947 emigrierte Beck nach Israel und lebte dort mehr als drei Jahrzehnte. 1979 kehrte er nach Deutschland zurück. Dort arbeitete er mit Heinz Galinski, dem damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, zusammen.

Bekanntheit erlangte er in Deutschland in den 90er Jahren, als er seine Autobiografie "Und Gad ging zu David. Die Erinnerungen des Gad Beck 1923 bis 1945" veröffentlichte. Darin wird unter anderem die Geschichte von Manfred Lewin, seiner ersten großen Liebe, erzählt. Demnach sollte Lewin deportiert werden, Beck erwirkte jedoch in einer Hitler-Jugend-Uniform die Freilassung seines Freundes. Lewin wollte sich aber nicht von seiner Familie trennen, die ebenfalls von den Nazis verhaftet wurde, und ging zurück in die Gefangenschaft. Die gesamte Familie wurde daraufhin im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Youtube | Gad Beck bei TV-Auftritten

Die Autobiografie wurde im Jahr 2000 auch erfolgreich in den USA veröffentlicht unter dem Titel: "An Underground Life: The Memoirs of a Gay Jew in Nazi Berlin". Im selben Jahr wurde sein Schicksal im amerikanischen Dokumentarfilm "Paragraph 175" vorgestellt.

Nach der Veröffentlichung seines Buches trat Beck in diversen deutschen Talkshows wie "Boulevard Bio" auf. Er war auch Gast in der legendären Serie "Liebe Sünde" mit Matthias Frings. In der Sendung sagte er: "In einer Zeit wie dieser, in der wirklich der morgige Tag das Ende hätte bringen können, war die Lust auf Sexualität wesentlich stärker".

Beck hatte in den vergangenen Jahren mehrere Schlaganfälle erlitten und lebte zurückgezogen. Er hinterlässt seinen Lebengefährten Julius Laufer, mit dem er die letzten 35 Jahre geteilt hat. (dk)

Youtube | Beck erinnert sich an seine Kindheit in Nazi-Deutschland


#1 historyAnonym
  • 26.06.2012, 13:26h
  • "Er leitete in den letzten Kriegsjahren die jüdische Gruppe "Chug Chaluzi" (Kreis der Pioniere), die untergetauchten Juden insbesondere mit Lebensmitteln unterstützte - unter anderem auch dem späteren Showmaster Hans Rosenthal."

    An die Befreier von Auschwitz und Berlin, darunter 120.000 jüdische Menschen in sowjetischer Uniform, erinnert nun auch dieses Monument an der Küste der israelischen Stadt Netanya:

    www.n-tv.de/politik/Israel-will-Russlands-Hilfe-article65815
    11.html
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#2 smweberProfil
  • 26.06.2012, 13:40hBerlin
  • Sehr traurig! Ein wunderbarer Mensch... Möge er in Frieden ruhen! (Mal was anderes, liebe Leute bei queer.de: Warum verlinkt Ihr die entsprechenden Bücher eigentlich mit dem Amazon-Konzern und nicht mit einem der schwul-lesbischen Buchläden hier in Deutschland, z.B. mit Eisenherz Berlin, Männerschwarm in Hamburg oder Erlkönig in Stuttgart? Die sind weitaus unterstützenswerter. Ich glaube, so was nennt man neudeutsch "Gay Community", von mir aus auch "Queer Solidarity"...)
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#3 smallAnonym
  • 26.06.2012, 20:34h
  • Einer der ganz wenigen, die es verdienen, sich vor ihnen zu verneigen!

    Ich verneige mich in Ehrfurcht und Anerkennung, angesichts dieser selbstlosen Leistung!!!
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 q2345eAnonym
  • 27.06.2012, 07:53h

  • Behalten wir diese Schicksale in unseren Köpfen. Bald sind keine Zeitzeugen mehr da.
    Respekt und Anerkennung an die, die Erzählt haben, die dem Verbrechen ein Gesicht geben und gegeben haben.

    Ruhe in Frieden!
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#6 SeebAnonym
  • 27.06.2012, 08:48h
  • Ich habe seine Autobiographie "Und Gad ging zu David" schon vor ein paar Jahren gelesen. Sehr informativ über die Verfolgung von Schwulen unter den Nazis.

    Und er hat nicht nur sein Buch geschrieben, sondern auch immer wieder bei TV-Auftritten, bei Vorträgen (z.B. in Schulen) für Aufklärung und Bildung gesorgt.

    Jetzt, wo er tot ist, bleibt nur noch sein Buch. Das sollte man unbedingt lesen.

    Und wie er unter schwersten Bedingungen kämpfte sollte ein Vorbild für uns heute sein. Dass wir auch für unsere Rechte kämpfen, statt nur bequem zurückzulehnen und nur Party zu machen.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 27.06.2012, 18:37h
  • Ein beeindruckendes Leben!

    Mutig und kämpferisch!

    PS Und überhaupt:

    "Mutti, heute hatte ich meinen ersten Mann!"

    Tja Jungs, det is Berlin!
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#8 stromboliProfil
  • 28.06.2012, 09:26hberlin
  • Antwort auf #7 von goddamn liberal
  • du nimmst es vorweg: Ein beeindruckendes Leben! Mutig und kämpferisch!
    Wie kann man solcher vorbilder gerecht werden, ohne in die übliche kondolenzphrasen zu verfallen?

    Vieleicht zuerst einmal ihn aus der opferrolle heraus zu nehmen um aufzuzeigen, dass widerstand möglich war und ist!
    Das macht dann womöglich auch das besondere an dieser zeitgenössischen persönlichkeit aus: verfolgt, doch wehrhaft zu sein!
    Bewundernswürdig!
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#9 -hw-Anonym
  • 28.06.2012, 09:50h
  • Antwort auf #8 von stromboli
  • Zu Juden, die sich nach dem Überfall auf die Sowjetunion nicht abschlachten lassen wollten, in die Wälder gingen und Partisanengruppen bildeten, um ihr Leben und ihre Heimat vor Räubern zu verteidigen:

    www.youtube.com/watch?v=D_915bYVoLw

    Zu den in der Vergangenheit mit dem "Werner-Hahlweg-Preis" Ausgezeichneten zählen mehrere revisionistische Historiker, unter ihnen Klaus Jochen Arnold, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bildungswerkes Hannover der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Wie Arnold in seiner preisgekrönten Studie über "Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion" schreibt, seien für die Mordaktionen der deutschen Soldateska in der UdSSR nicht die verbrecherischen Befehle der nationalsozialistischen Staats- und Armeeführung ursächlich gewesen, sondern der Widerstand sowjetischer Soldaten und Partisanen: "Das Klima (war) von der immanenten Drohung durch (einen) nicht greifbaren Feind bestimmt, eine Disposition, der die Tendenz zum Exzess inhärent ist. In der taktischen Unterlegenheit gegenüber rücksichtslosem Kleinkrieg lag die Keimzelle für die Brutalisierung begründet." Den "Tod Unschuldiger" führt Arnold auf die "Genese asymmetrischer Kriegführung" zurück; "Frustration", "Angst" und "Hilflosigkeit" gegenüber einem verdeckt operierenden Feind hätten die deutschen Truppen zu "unterschiedslosem Terror" getrieben.

    www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58351
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#10 -hw-Anonym
  • 28.06.2012, 10:16h
  • Antwort auf #9 von -hw-
  • Die Spurensuche im Internet ergab immerhin noch zwei Treffer.

    Ich kannte noch, außerhalb meiner Familie, nach den Rassewahngesetzen, "politische Halb- und Vierteljuden" (nach der Halacha aber matrilinear koscher), die z.B. ins KZ Dachau verschleppt wurden, dann aber in das Strafbataillon 999 gesteckt wurden.

    In Griechenland (u.a. Kreta) angekommen organisierten sie umgehend die vielfältige Unterstützung des griechischen antifaschistischen Widerstandes.

    Sie saßen dann wenige Jahre später -mit griechischen Orden- im Adenauer-Knast
    (KPD-Verbot).
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