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Dream-Team: Martin Ripkens (vorn) und Hans Stempel (Bild: Querverlag / Susi Knoll)

Der schwule Journalist, der 55 Jahre lang untrennbar mit seinem Freund Hans Stempel zusammenlebte, ist jetzt im Alter von 78 Jahren in München verstorben.

Von Christian Scheuß

"Sex hat uns nie entzweit. Geld Gott sei Dank auch nicht, aber wie die Welt einzurichten sei und wie sie denn aussieht, das bringt uns immer noch zum Glühen, tagelang." So beschreibt Martin Ripkens im Jahr 2000 die Rückschau auf eine Beziehung, die 1957 vor einer Klappe in Düsseldorf begann und die jetzt in München nach 55 Jahren endete. Martin Ripkens ist an den Folgen einer Hirnblutung 78-jährig in München gestorben.

Wie die Münchner "Abendzeitung" in ihrer Freitags-Ausgabe berichtet, ist Ripkens schon vor einigen Monaten gestürzt, wodurch die Hirnblutung ausgelöst worden war. Kurz vor seinem Tod habe sich Ripkens von seinem Partner verabschiedet. "Er wollte mir den weiteren Anblick seines Leides ersparen", sagte Hans Stempel (87) gegenüber der AZ. "Es ging ihm sehr schlecht. Bei allem Schmerz für mich muss man sehen: Für ihn war der Tod eine Erlösung."

Es begann mit Literatur, dann erst kam der Sex.


Eine aufregende "Lebensreise" haben Stempel und Ripkens hinter sich (Bild: dtv)

Als der frisch ausgebildete Buchhändler Ripkens den neuneinhalb Jahre älteren Stempel das erste Mal an der Klappe auf dem Graf-Adolf-Platz in Düsseldorf traf, fand er es "unter seiner Würde" den älteren aber sehr gepflegt ausschauenden Mann anzusprechen. Doch glücklicherweise hatte Martin ein Buch unter dem Arm: "Die Iden des März" von Thornton Wilder. Darüber kamen sie ins Gespräch. Vor dem ersten Sex sprang der intellektuelle Funke über. Sie zogen schnell zusammen, das Buch, über das sie sich kennengelernt hatten, stand in ihrem gemeinsamen Bücherregal.

Ihre Liebe entstand in einer Zeit, in der Homosexuelle durch den Paragraphen 175 mit Strafe bedroht waren und in der es ein großes Risiko war, offen schwul zu leben. Diesen Spagat haben sie aber hinbekommen, wohl auch, weil sie in einer Branche arbeiteten, in der es etwas liberaler zuging. Gemeinsam arbeiteten sie als freie Filmjournalisten, schrieben später Kinder- und Jugendbücher und waren fürs Fernsehen ("Wie geht ein Mann") sowie die Filmbranche ("Eine Liebe wie andere auch") tätig.

Ein schwules Liebespaar, das ein Leben lang zusammen arbeitete

Martin Ripkens lässt sich nicht ohne Hans Stempel denken und umgekehrt. Aufgetreten sind sie immer gemeinsam, sogar den Job als Filmprüfer beim Münchner Medienmogul Leo Kirch hatten sie zusammen angeboten bekommen. Ein ganzes Leben lang zusammen zu arbeiten und privat ein Paar zu bleiben, das gelingt nur Wenigen. Sie haben es offensichtlich hinbekommen. Die sexuelle Freiheiten, die sie sich gewährten und die gemeinsam gepflegten Interessen wie das Reisen durch die Welt hat wohl dazu beigetragen. In ihrem Buch "Das Glück ist kein Haustier" beschrieben sie ihre "Lebensreise" mit Ironie und voller Liebe füreinander.

Zu ihren weiteren Veröffentlichungen gehören "Ach Kerl ich krieg dich nicht aus meinem Kopf", "Hyperion am Bahnhof Zoo" und "Hotel-Geschichten". Zuletzt veröffentlichten sie im Querverlag "Der Mann, nach dem man sich sehnt". Ein Kurzgeschichtenband, der ausschließlich als e-Book erschien. Jim Baker vom Querverlag staunte über die grauhaarigen "early adopter": "Mich hat das zutiefst beeindruckt, dass ausgerechnet diese beiden Veteranen unter den Querverlagsautoren so begeistert auf das relativ neue Medium waren," sagte er gegenüber dem Stadtmagazin "hinnerk". "Da ist bei ihnen eine Neugier und eine Beweglichkeit im Kopf, die ich einfach nur erstaunlich finde." Diese Neugier auf das Leben wurde auch 2008 gewürdigt, als die beiden den Teddy-Ehrenpreis auf den Berliner Filmfestspielen für ihr Lebenswerk erhielten.

Hans Stempel wird seinen Freund Martin Ripkens auf dem Münchner Waldfriedhof beisetzen, wo sich die beiden ein anonymes Grab gekauft haben.



#1 alexMucEhemaliges Profil
  • 29.06.2012, 00:23h
  • Tolles Paar, tolles Leben und sehr selten bei Schwulen, denke ich mal. Meine Hochachtung. Übrigens auch schöner Artikel.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 stromboliProfil